ICF (phonetisch ['aɪsiːɛf], für International Christian Fellowship), auch „ICF Church“ genannt, ist eine 1996 entstandene und in mehreren Ländern tätige christliche Freikirche, die zur neocharismatischen Bewegung gezählt wird. Die Freikirche orientiert sich eher an einem jüngeren Publikum sie steht aber auch wegen sektenhafter Züge sowie ihrem Umgang mit Homosexualität in der Kritik.

Verbreitung Die Dachorganisation ICF Movement fördert Gemeindegründungen über ihre Strukturen in der Schweiz, Deutschland und international.

Im Jahre 2025 hatte das ICF 68 Kirchen mit 14 Startupkirchen Einige von diesen Gemeinden fungieren als sogenannte Multisite-Church, d. h. eine Gemeinde, die sich an mehreren Standorten trifft.ICF Movement: Locations; abgerufen am 20. April 2015.

Starken Einfluss auf die Weiterentwicklung des Movements haben vor allem Leo Bigger und Joel Spirgli aus dem ICF-Zürich und Tobias Teichen aus dem ICF-München (Stand 2026).

Das ICF beschäftigt in der Ursprungsgemeinde in Zürich 60 hauptamtliche Mitarbeiter (der Personalaufwand für 2015 macht 52 Prozent des Budgets aus). Damit werden in einer celebration (Gottesdienst) 2015 in allen sechs Locations (Versammlungsorte) nach eigenen Angaben wöchentlich 3.200 Besucher erreicht.Mitteilungen im Gottesdienst Zürich 9. August 2015

Lehre und Kultur

Die ICF-Bewegung sieht sich als neocharismatische Bewegung, weil sie sich in theologischen Grundsatzfragen nicht zwischen evangelikalem und charismatischem Gedankengut festlegen will.

Als Fundament der Lehre gilt die Bibel, zudem orientiert sich das ICF am apostolischen Glaubensbekenntnis und der Lausanner Verpflichtung.Unser Glaubensbekenntnis, Website icf.church (abgerufen am 12. Juli 2024) Daher ist die Bewegung lehrmäßig nahe bei den anderen evangelischen Kirchen und Freikirchen einzuordnen und grenzt sich selbst von sektiererischen Strömungen ab. In den lokalen Kirchen gibt es keine einheitliche theologische Prägung, die einzelnen Gemeinden sind unterschiedlich stark evangelikal und charismatisch geprägt.

Das ICF Movement hat als gemeinsamen Nenner eine Vision entwickelt, nach der sich die einzelnen ICF-Kirchen ausrichten: Wir träumen von einer Kirche, die am Puls der Zeit steht Hier finden Menschen eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus In dieser Kirche erleben Menschen echte Liebe und Gemeinschaft Begabungen werden entdeckt und gefördert Die Kirche, von der wir träumen, ist leidenschaftlich, wächst ständig und hat positive Auswirkungen auf unsere Gesellschaft

2018 formulierte der Theologe Manuel Schmid fünf Merkmale der ICF-Kultur:Christoph Bauernfeind: Reformierte lernen beim ICF. Die Aus- und Weiterbildungsstelle der Reformierten organisierte einen Kurs beim ICF Zürich. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Anlass und was ist das Ergebnis? ideaSpektrum, Liestal, 11. Juli 2018, S. 8–11. Progressiv – Kultur der Zukunftserwartung (Träume haben, Visionen verwirklichen durch den Glauben in die Kraft des Evangeliums und in die Liebe Gottes) Passioniert – Kultur der Leidenschaft (Leidenschaft ist anziehend, gerade auch weil Gott seine Kirche nicht aufgegeben hat) Partizipativ – Kultur der Bevollmächtigung (neue Gefäße dienen der Beteiligung, dem Zutrauen, der Multiplikation und der Ideenverwirklichung der Personen, welche sich der Gemeinde zugehörig fühlen) Pragmatisch – Kultur der Fehlertoleranz (Menschen fordern und fördern, Experimentieren heißt Lernerfahrungen machen und Fehlertoleranz soll zu besseren Resultaten führen) Persönlich – Kultur der Lebensnähe (Menschen kommen und identifizieren sich mit erfolgreichen und authentischen, kämpfenden und verletzlichen Leitern)

Sexualethik Der evangelischen Informationsstelle Relinfo zufolge akzeptieren evangelikale Freikirchen wie die ICF zwar, dass homosexuelle oder transgeschlechtliche Identität nicht „wegtherapiert“ werden könne. Menschen, die diese ausleben, würden allerdings trotzdem als sündhaft betrachtet werden und dürften meist keine Leitungsfunktionen besetzen.Roger Meier: "Für konservative Freikirchen ist gelebte Homosexualität immer noch Sünde"

Tagesanzeiger vom 30. April 2024 Seite 19 / Zürich Die ICF Zürich betonte, sich von „[schädlichen] Konversionstherapien, Druckausübung und Manipulation“ zu distanzieren, ein Verbot von entsprechenden Beratungen sei aber „nicht praktikabel“. In einer investigativen ARD-Recherche gab ein Journalist in der ICF Augsburg vor, homosexuell zu sein; es wurde versucht, ihn durch Handauflegen und Zungenrede davon zu „befreien“.

2023 bezeichnete Tobias Teichen, Leiter des Münchner ICF-Standorts, Homosexualität in einer Predigt als Identitätsproblem, das seine Ursache in schwierigen Kindheitserfahrungen, fehlerhaften Beziehungen zu den Eltern oder Kindesmissbrauch habe. Der Züricher Hauptpastor Leo Bigger sieht Homosexualität, vorehelichen Geschlechtsverkehr und Süchte als Zeichen einer „verkrümmten Identität“ und von Einflüssen des Teufels. Laut dem Hauptpastor der ICF Frankfurt, Björn Schäfer, sei Homosexualität eine Sünde, werde aber nicht in Predigten thematisiert.

Ein Flyer der Münchner ICF behauptete, Abtreibungen könnten als „geistliche Ursache“ zu psychischen Krankheiten in nachfolgenden Generationen führen. Auf den Websites der Kirchen in München und Hamburg wurden Schwangerschaftsabbrüche mit „Götzenopfern“ und „Völkermord“ verglichen.

Gottesdienst und Praxis Gottesdienste mini|ICF-Gottesdienst in Berlin

Die Gottesdienste werden im ICF Celebrations genannt. Vor allem hier soll das Motto am Puls der Zeit sichtbar werden. Beliebt sind Predigtserien, in denen ein bestimmtes Thema in mehreren aufeinander folgenden Wochen in den Gottesdiensten und in Smallgroups genannten Gesprächskreisen behandelt wird. Die Predigten (von der ICF Messages genannt) sind sehr um Anschaulichkeit bemüht, und ein erklärtes Ziel der ICF Movement ist es, dass die Predigten von den Gläubigen umgesetzt werden können; sie rufen also die Gottesdienstbesucher auf, umzudenken und konkret zu handeln.

Moderne Musik im Stil von Rock, Pop, House, Dance oder Soul ist Teil jedes Gottesdienstes. Die gesamte Feier und darin vor allem der Anbetungsteil ähnelt den Gottesdiensten der Hillsong Church oder anderen attraktionalen Gemeinden. Hierbei spielt moderne Veranstaltungstechnik eine auffällige Rolle, und alle ICF-Gemeinden gestalten ihre Gottesdienste mit ähnlichen modernen Mitteln wie Videoclips, Interviews und kurzen Theaterstücken. Musikstücke entstehen zum Teil aus dem ICF selbst, vielfach aber werden andere Bands beliehen, das heißt die Rechte für die entsprechenden Songs gekauft und diese dann mit den kircheneigenen Bands gespielt.

Auffällig ist ein massiver und konsequenter Gebrauch von Anglizismen wie z. B. Celebration für Gottesdienst, Message für Predigt, Worship für Lobpreismusik.

Außer den Gottesdiensten bietet das ICF Kurse an, etwa über Glaubensgrundlagen, persönliche Begabungen, den Umgang mit Geld oder Leiterschaftsausbildung.

Smallgroups Seit 2002 gibt es im ICF ein Kleingruppen-Modell (Smallgroups genannt), wie es auch in den meisten anderen christlichen Kirchen zu finden ist (dort traditionell bekannt als Hauskreis). Diese Gruppen sollen durch persönlichen Austausch den Glauben festigen und vertiefen und die Gemeinschaft untereinander fördern. Die Gestaltung der meist wöchentlichen oder zweiwöchentlichen Treffen ist den Gruppenmitgliedern überlassen; einige legen vor allem Wert auf geistlichen Austausch, andere auf den Aspekt der Gemeinschaft. Die meisten Besucherinnen und Besucher des ICF nehmen an einer Kleingruppe in der Woche teil.

Anfangs wurde im Rahmen der Kleingruppen in einigen ICFs das aus Kolumbien stammende sogenannte G12 eingeführt, ein System, bei dem der G12-Leiter seine Teilnehmer wiederum zu G12-Leitern ausbildet. Das Konzept wurde jedoch aufgrund der starken Bindung an die G12-Leiter kritisiert, und es wurden dem ICF dadurch sektiererische Strukturen vorgeworfen. So wurde G12 schon bald wieder abgeschafft und darauf verzichtet.Livenet: ICF: Für junge Menschen der Inbegriff von Kirche

ICF College In Zürich, München, Mannheim, Berlin und Karlsruhe wird im sogenannten ICF-College eine Laienausbildung in den Basisfächern „Bible Challenge“ (Bibelstudium), „Leadership Challenge“ (Leitungsgrundlagen) und „Life Challenge“ (Selbst- und Sozialkompetenz) sowie in Vertiefungsfächern eine theologische Ausbildung angeboten, die sich an Bibelschulen orientiert.

ICF Worship Unter dem Namen ICF Worship produziert die Freikirche ICF Zürich sowie das ICF Movement Worship Musik. Die Songs kommen aus der lokalen Kirche und haben als Ziel, „Menschen in die Gegenwart Gottes zu führen“. Seit Anfang 2013 arbeitet ICF Worship eng mit Integrity Music (UK/USA) zusammen. Integrity Music publiziert und verwaltet die ICF Worship Songs weltweit und unterstützt ICF Worship bei der Verbreitung der Songs in den Kirchen weltweit. Seit 1996 wurden mehr als 20 CDs produziert und mehrere Konzert- und Musicaltourneen durchgeführt.

ICF TV Seit August 2010 werden halbstündige Aufzeichnungen von Predigten, die der ICF-Pastor Leo Bigger in Zürich gehalten hat, über das Fernsehen verbreitet. Die Sendungen können über die eigene Website von ICF TV und über Ausstrahlungen diverser Sender angesehen werden (Rhein-Main TV, Das Vierte, Super RTL und andere).

Organisation: Aufbau, Führung und Finanzierung Gemeindestruktur Der Hauptsitz befindet sich in Zürich (sog. Mutterkirche). Die Schweizer ICF-Gemeinden sind als Non-Profit-Organisationen im Sinne eingetragener Vereine in den jeweiligen Handelsregistern der Kantone eingetragen, die deutschen ICFs sind gemeinnützige e.V. und in Österreich ist das ICF Teil der Freikirchen Österreich und dadurch eine Körperschaft des öffentlichen Rechts.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Freikirchen kennt das ICF Movement keine verbindliche Mitgliedschaft. Jeder Besucher darf selbst entscheiden, ob er sich als Teil der Kirche sieht oder nicht. Dementsprechend finden auch keine demokratischen Gemeindeversammlungen statt, bei denen über Entscheidungen abgestimmt wird, sondern Entscheidungen werden meist von einem Leitungsteam getroffen, das sich aus Schlüsselpersonen in der Kirche zusammensetzt. Dies macht die Kirchenstruktur etwas hierarchischer, doch auch dynamischer, da Veränderungsprozesse schneller eingeleitet werden können. Die Struktur der ICF-Kirchen ist eine Mischform zwischen presbyterianischen und episkopalen Elementen und ist nicht überall gleich.

Das Gemeindeleben selbst wird hauptsächlich durch ehrenamtliche Mitarbeiter gestaltet. Ziel sei es, dass jeder nach seinen Begabungen eingesetzt werde und durch seine Mitarbeit aufblühe. Nach Aussage von ICF ist die Mitarbeit freiwillig.Porträt ICF Zofingen

Finanzierung In ICF-Veranstaltungen wird regelmäßig um Spenden gebeten, um die ICF-Gemeinden zu finanzieren.Georg Otto Schmid: ICF heute, Kurzinformation. In: relinfo.ch. 2007, abgerufen am 20. April 2015. Die Gläubigen werden aufgefordert, analog zum biblischen „Zehnten“ mindestens zehn Prozent ihres Einkommens abzugeben.

An finanziellen Entscheidungen beteiligt ist in der Regel eine Gruppe, die aus dem lokalen Hauptpastor (der vom ICF „Senior Pastor“ genannt wird) und den örtlichen Diakonen (die „Ministryleiter“ genannt werden) besteht.

Geschichte

Der Schweizer Heinz W. Strupler, Gärtner und Gemeindegründer, der bereits in der Newlife-Bewegung, der Schweizer Version der Jesus-People, ab Ende der 1960er Jahre eine wichtige Rolle spielte, organisierte am 19. August 1990 einen überkonfessionellen Lobpreis-Gottesdienst in der St.-Anna-Kapelle der Evangelischen Gesellschaft Zürich, und es wurden 380 Personen gezählt.Heinz und Annelies Strupler: History Maker 2. … die Geschichte geht weiter. Projektion J Gerth, Asslar 2003, ISBN 3-89490-474-7, S. 138. Die daraus entstandene junge Gemeinde ließ sich später in der alten Börse in Zürich nieder.