mini|Werk Lusern nach den Kampfhandlungen. Blick auf die Traditorenbatterie und den Frontgraben (links) mini|Kasemattblock vor der Restaurierung. Das obere Stockwerk fehlt, im Vordergrund die Überreste der Traditorenbatterie mini|Kasemattblock mit dem Sicherungsbauwerk mini|Nahkampfanlage Oberwiesen mini|Situation auf Lavarone/Folgaria vom Mai 1915 bis Juni 1916 Das Werk LusernDer Begriff „Fort“ wurde in diesem Zusammenhang nicht verwendet (italienisch Forte Campo de Luserna, zimbrisch Obar Forte) war ein Befestigungswerk des österreichischen Sperrriegels an der Grenze zu Italien. Es liegt auf dem südlichen Ausläufer des Costa-Alta-Rückens (1.548 m) etwa einen Kilometer nordöstlich von Lusern, war Teil des Verteidigungsabschnitts Lafraun (Lavarone) und gehörte – ungeachtet ihrer tatsächlichen geographischen Lage – zur von der österreichisch-ungarischen Militäradministratur sogenannten Sperrgruppe auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden.Erwin Anton Grestenberger: Die k.u.k. Befestigungsanlagen in Tirol und Kärnten 1860–1918. S. 92.

Das Werk Lusern war das am weitesten vorgeschobene Werk der Sperrgruppe und deckte nach drei Seiten: Das Asticotal (Val d’Astico) im Süden von Lusern, das von Arsiero kommend unter Lusern nordwestlich nach Carbonare führt. Das Valle Rio Torto, das bei Longhi (südwestlich von Lusern) aus dem Asticotal abzweigt und nach Norden in den Rücken der Sperrgruppe führt. Das Val Torra, das bei Casotto (südlich von Lusern) nach Norden aus dem Asticotal abzweigt.

Letzteres trennt das Werk Lusern von dem sechs Kilometer entfernten italienischen Panzerfort „Forte Campolongo“. Bedingt durch die eigene Ausstattung mit sehr kurzrohrigen Haubitzen und weil Campolongo noch mit 1.720 Metern fast 200 Meter höher lag, lag dieses eben gerade noch in Reichweite. Das „Forte Monte Verena“ dagegen konnte mit den Turmhaubitzen nicht mehr erreicht werden.

Geschichte Baubeginn: 15. Juli 1908 Fertigstellung: 30. Oktober 1912 Besatzung im Hauptwerk: 3 Offiziere, 247 Unteroffiziere und Mannschaften Besatzung in der Nahkampfanlage Oberwiesen: 1 Offizier, 33 Unteroffiziere und Mannschaften Besatzung in der Nahkampfanlage Viaz: 1 Unteroffizier und 22 Mannschaften Planung: Hauptmann E. Lacom (auch Lakom) Kommandanten: Oberleutnant E. Nebesar / Oberleutnant Schaufler veranschlagte Baukosten: 1.605.400 Kronen tatsächliche Baukosten: 2.259.648 Kronen

Als Kriegsbesatzung waren Detachements des k.k. Landesschützen-Regiments „Trient“ Nr. I, des Festungsartilleriebataillons Nr. 6 aus Trient und Chiesa di Lavarone eingeteilt. Da sich diese Einheiten jedoch bei Kriegsausbruch mit Italien alle an der Ostfront befanden, griff man zunächst auf alles zurück, was gerade greifbar war. (Werkskommandant wurde ein Offizier einer Festungsbeleuchtungsabteilung!) Die Notbesatzung für alle Werke bestand daher zuerst aus einem Detachement des k.k. Landesschützen-Regiments Bozen Nr. II, der 2. Kompanie des Festungsartilleriebataillons Nr. 1 aus Tenna (Bataillonskommandant Oberstleutnant Ludwig Pengov) und der 1. – 4. Kompanie des Festungsartilleriebataillons Nr. 8 aus Haidenschaft und Wippach (Bataillonskommandant Oberst Alfred Langer).Kriegsgliederung für das Frühjahr 1915 in: „Österreich-Ungarns letzter Krieg“ Band II Beilage 14. Die infanteristische Nahverteidigung übertrug man den Standschützenbataillonen Meran I und Kitzbühel. mini|Plan von Werk Lusern

Werksbeschreibung Das Werk Lusern zählte bereits zu den moderneren Anlagen und war demgemäß in Betonbauweise, stellenweise mit Eisenbewehrung, ausgeführt. Allerdings war es noch nicht so zergliedert, wie man es bei den Planungen für die letzten Werke vorgesehen und auch teilweise umgesetzt hatte.Eine Zergliederung bzw. Verteilung der notwendigen Bauwerke über eine größere Fläche verringerte das Trefferrisiko Umgeben war das Werk mit einem bis zu acht Meter tiefen und bis zehn Meter breiten Festungsgraben. An der frontseitigen Spitze des Festungsgrabens befand sich die Grabenstreiche, die sowohl den Frontgrabenabschnitt als auch den rechten Flankengraben sicherte. Es waren die Möglichkeit der optischen Signalverbindung zu den Werken Verle und dem Posten Vezzena sowie zum Kommandostand auf dem Monte Rust und zum Monte Cornetto vorhanden. Die oberirdische Bausubstanz bildete einen spitzen Winkel von etwa 45°, dessen längerer Schenkel der Batterieblock war. Dieser verläuft genau von Nord nach Süd und ist mit seiner Front nach Osten ausgerichtet.

Abschnitte Kasemattblock Der Kasemattblock war dreistöckig und stieß mit seinen beiden oberen Stockwerken an die linke Schulter des nur auf diesem Niveau bestehenden Batterieblocks an. Das oberste Stockwerk ging in den Batterieblock über, während das mittlere Stockwerk mit der Traditorenbatterie hier unter den Batterieblock geschoben war. Das unterste Stockwerk war von der Grundfläche her kleiner und reichte nicht an den Batterieblock heran. Der Kasemattblock verfügte über die folgenden Räumlichkeiten: Einteilung der Räume und Kampfstände Unterstes Stockwerk Mittleres Stockwerk Oberes Stockwerk2 × Mannschaftszimmer 1 × Proviantdepot 1 × Lampenkammer 1 × Werkstatt 1 × Depot 1 × Akkumulatorenraum 1 × Maschinenraum mit Stromaggregat 1 × Benzindepot 1 × defensives Wachzimmerzur Verteidigung eingerichtet 1 × Eingangspoterne 1 × Artilleriematerialdepot 1 × Geniematerialdepot 1 × Gruft für sechs Särge 1 × Panzerkasematte mit MG-Scharte für zwei Maschinengewehre zur Kehlverteidigung1 × Stand für 21-cm-Scheinwerfer und Leuchtpistole 2 × Geschützstand und Bereitschaftsräume der Traditorenbatterie 1 × Artilleriedepot 1 × Lichtsignalstation 5 × Mannschaftsunterkünfte 2 × Offiziersunterkünfte 1 × Brennmaterialdepot 1 × Munitionsmagazin für 8-cm-Kanonen 1 × Küche 2 × Proviantdepots 1 × Toilette 1 × Scheinwerferstand1 × Brennmaterialdepot 1 × Kommandantenzimmer 4 × Mannschaftsunterkünfte 1 × Krankenstation (8 Betten) 1 × Sanitätsraum 1 × Arztraum 1 × Munitionsmagazin für Turmhaubitze Nr. III und IV 1 × Telefonzentrale mit Leuchtpistolenstand 1 × Bereitschaftsraum für 21 Mann 1 × Toilette 1 × optische Signalstation 1 × drehbarer Beobachtungsstand 1 × Bereitschaftsraum

Batterieblock 1 × drehbarer Beobachtungsstand (Zugang vom mittleren Stockwerk) 4 × Turmhaubitzen T.H. M.9 1 × Bereitschaftsraum (im Übergang zum Kasemattblock) 1 × Panzerkuppel für zwei Maschinengewehre und zwei Leuchtpistolenstände 1 × Munitionsmagazin für Turmhaubitze Nr. I und II 1 × geschützter Ausgang auf das Batteriedeck 1 × Toilette mit Notausgang und einem Signalpistolenstand

Grabenstreiche Hierbei handelte es sich nicht um einen in den Graben vorragenden Kontreeskarpenkoffer wie beim Werk Gschwent, sondern um ein in die äußere Grabenwand integriertes Verteidigungswerk. Sie war zweistöckig ausgeführt und im Erdgeschoss mit zwei 6-cm-Kasemattkanonen M10 zur Bestreichung von Front- und Flankengraben sowie einem Maschinengewehr in einer Mauerscharte zur Bestreichung des Flankengrabens ausgestattet. Des Weiteren befand sich hier die Treppe zur Zugangspoterne und eine Toilette. Im darüberliegenden Stockwerk war über den Kanonen eine Panzerkasematte für zwei Maschinengewehre zum Beschuss sowohl des Front- als auch des Flankengrabens installiert. Daneben befand sich eine Mauerscharte für ein Maschinengewehr mit Schussrichtung in den Flankengraben. Hier lagen auch zwei 21-cm-Scheinwerferstände und ein Artilleriedepot.

Nahkampfanlage Oberwiesen 1 × Panzerkasematte für zwei Maschinengewehre und einen 35-cm-Scheinwerfer 1 × Panzerkasematte für zwei Maschinengewehre 1 × Mannschaftsraum mit optischer Signalstation 1 × Offiziersunterkunft 1 × Toilette mit Gewehrscharten 1 × Panzerkuppel für zwei Maschinengewehre 1 × Stand für Scheinwerfer 35 cm

Nahkampfanlage Viaz 1 × Panzerkuppel mit zwei Maschinengewehren

Von der Nahkampfanlage Viaz aus bestand Sichtkontakt zu dem italienischen Forte Casa Ratti südlich im Asticotal in etwa zehn Kilometern Entfernung.

Bewaffnung vier 10-cm-Turmhaubitze M.9 unter drehbaren Panzerkuppeln zwei 8-cm-Minimalschartenkanonen M5/9 als Flankierungsbatterie (Traditor) in Richtung des Nachbarwerks VerleRolf Hentzschel: Der Festungskrieg im Hochgebirge. S. 161. zwei 6-cm-Kasemattkanonen M10 als Nahverteidigung in der Frontgrabenstreiche vier Panzerkasematten mit je zwei Schwarzlose-Maschinengewehren drei Panzerkuppeln mit je zwei Maschinengewehren zwei drehbare Beobachtungsstände mit je einem Maschinengewehr drei Mauerscharten mit je einem Maschinengewehr insgesamt 19 Maschinengewehre vier Scheinwerfer 21 cm ein Scheinwerfer 35 cm (im Nahkampfanlage Oberwiesen) mini|Ansicht von Carbonare im Vordergrund auf die italienischen Forts Monte Verena (links oben die Bergspitze) und Campolongo (rechts über der Felswand). Lusern ist fast ganz oben zwischen den zwei Forts zu sehen.

Werk Lusern im Ersten Weltkrieg Erste Beschießung Spätestens zwei Tage nach der Kriegserklärung wurde das Werk ab dem 25. Mai von den Italienern mit den vier Turmgeschützen des Forts Campolongo (149-mm-A-Kanonen) sowie den 28-cm-Haubitzbatterien Costa del Civello und Spelonca delle Neve beschossen, die beide südlich des Forts auf dem Monte Verena standen.Hentzschel, Verle, S. 251–254; Hentzschel Festungskroeg, S. 88 u. 92 In der Zeit bis zum 28. Mai wurden etwa 700 Schuss 28 cm und etwa 600 Schuss 149 mm auf das Werk abgegeben. Davon fielen etwa 950 Granaten in das Werksgelände, ungefähr 320 trafen die Betondecke und vier Granaten auf die Stahlpanzer. Am 26. Mai 1915 durchschlug eine 28-cm-Granate den Vorpanzer der Turmhaubitze Nr. III und forderte einen Gefallenen und zwei Verwundete. Ein weiterer Treffer am folgenden Tag verklemmte die Panzerkuppel Nr. II und machte sie vorübergehend unbrauchbar. Auch zwei der Beobachtungsstände erhielten Treffer und der Batteriegang zeigte Risse.Hentzschel, Festungskrieg, S. 95 u. 163-165.

Die Affäre Nebesar Drei Tage nach Beginn der Kampfhandlungen brach der Werkskommandant, Oberleutnant Emanuel Nebesar (bis zu seiner Abkommandierung Angehöriger einer Festungsbeleuchtungsabteilung)E.A.Grestenberger: k.u.k. Befestigungsanlagen in Tirol und Kärnten 1860–1918. S. 102. am 28. Mai unter dem Eindruck des Beschusses physisch zusammen. Er kam zu der Überzeugung, dass das Werk nicht mehr zu halten sein würde und verfasste einen diesbezüglichen Bericht an den Abschnittskommandanten Major Jelinek („Unmöglichkeit, weiter auszuharren“), der daraufhin, ohne Rücksprache mit den nächsthöheren Kommandostellen zu halten, der Räumung des Werkes zustimmte. Nebesar ließ infolgedessen die Geschütze und Teile der Einrichtung des Werkes unbrauchbar machen und nach dem Hissen einer weißen Fahne das Werk räumen. Nachdem das dem Brigadekommando bekannt geworden war, ordnete es sofort Sperrfeuer der Nachbarwerke Verle und Gschwent in den Nahbereich von Lusern an, um einen italienischen Versuch der Einnahme zu verhindern. Da die Italiener von der ganzen Sache nichts mitbekamen und auch zwischenzeitlich vorgetragene Infanterieangriffe aus den Gräben heraus abgewehrt wurden, konnte die Sache nach etwa einer Stunde durch die Wiederbesetzung mit der alten Werksbesatzung – unter dem neuen Kommandanten, Oberleutnant Schaufler – bereinigt werden. Der Standschützen-Patrouilleführer Otto Jöchler von der 2. Kompanie des Standschützenbataillons Meran I hatte zwischenzeitlich die weiße Fahne entfernt, wofür er letztendlich mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet wurde.

Oberleutnant Nebesar wurde zunächst verhaftet und es kam zu vier Militärgerichtsverfahren gegen ihn, (drei Verurteilungen wurden aus formellen Gründen kassiert) deren letztes wegen Unzurechnungsfähigkeit durch Vergiftung mit Explosionsgasen zu einem Freispruch führte. Auch dieses Urteil wurde dann vom obersten Militärappellationsgerichtshof aufgehoben, zu einem weiteren Prozess kam es dann vor Kriegsende jedoch nicht mehr.

Gerichtsverfahren gegen Olt. Nebesar Urteil des Standgerichts 4-5/6