Pat Garrett jagt Billy the Kid ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Sam Peckinpah aus dem Jahr 1973. In diesem von einer pessimistischen und fatalistischen Grundstimmung geprägten Spätwestern spielt James Coburn den Sheriff Pat Garrett, der wider Willen den Gesetzlosen Billy the Kid, dargestellt von Kris Kristofferson, verfolgt, um ihn zu töten. Der Film wurde für seine Kinoveröffentlichung von MGM gegen den Willen des Regisseurs drastisch gekürzt und steht heute in mehreren rekonstruierten Fassungen zur Verfügung.

Handlung Anmerkung: Die Handlungsbeschreibung bezieht sich auf die Special Edition von 2005.

Ein Prolog zeigt den alten Pat Garrett im Jahr 1909, wie er von den Leuten, die ihn vor 28 Jahren für die Jagd nach Billy the Kid angeheuert hatten, in einem Hinterhalt erschossen wird. Die Handlung schwenkt zurück in das Jahr 1881: Billy the Kid, ein Gesetzloser, der den Geschäftsleuten und Rinderbaronen von Lincoln County das Leben schwer macht, residiert im aufgelassenen Fort Sumner. Mit seinen Kumpanen veranstaltet er ein Zielschießen auf die Köpfe von im Sand eingegrabenen Hühnern. Pat Garrett, ein väterlicher Freund von Billy aus alten Tagen, besucht Fort Sumner und warnt Billy. Pat stehe kurz vor seiner Ernennung zum Sheriff von Lincoln County und die Mächtigen der Region wollten, dass Billy das Land verlasse.

Eine Woche später spüren Garrett und seine Hilfssheriffs Billy und zwei seiner Bandenmitglieder in einer einsamen Hütte auf. Es kommt zu einem Feuergefecht, bei dem Billys Kumpane beide sterben. Billy ergibt sich Garrett. Nachdem er ins Gefängnis von Lincoln gebracht worden ist, übergibt ihn Garrett der Obhut der Hilfssheriffs Bell und Ollinger und reitet davon. Billy findet auf dem Klo eine Waffe, die dort für ihn deponiert worden ist, tötet Bell und den religiösen Eiferer Ollinger und flieht.

Garrett lässt sich nach seiner Rückkehr vom Barbier rasieren und macht Alamosa Bill, einen ehemaligen Gesetzlosen, zu seinem neuen Hilfssheriff. Bei einem Besuch zuhause bei seiner Frau stellt sich heraus, dass die Ehe der beiden zerrüttet ist. Garrett verlässt sein Heim unter einem Vorwand wieder. Bei einem Treffen mit Gouverneur Wallace und einigen Geschäftsleuten des Santa Fe Rings erhält Garrett den Auftrag, Billy zu suchen und zu töten. Das angebotene Kopfgeld lehnt er brüsk ab.

Billy ist zu seiner Bande nach Fort Sumner zurückgekehrt. Der junge Alias rettet ihn vor drei Kopfgeldjägern, die sich eingeschlichen haben, und wird Billys neuer Begleiter. Unterdessen sucht Garrett den alten Sheriff Baker auf, damit dieser und seine Frau ihn begleiten, um auf der Farm von Black Harris nach Spuren von Billy zu suchen. Es kommt zu einer Schießerei, bei der Harris stirbt. Der schwer verletzte Baker wankt zum nahegelegenen Wasser und stirbt dort im Beisein seiner Frau.

mini|hochkant|Billy the Kids Grab in Fort Sumner Billy und seine Spießgesellen haben vom Großgrundbesitzer Chisum Vieh gestohlen. Einer von Billys Männern wird von Chisums Leuten erschossen. Billy wird von seinem Freund, dem alten Mexikaner Paco gebeten, das Land zu verlassen und nach Mexiko zu reisen. Billy reitet fort, nachdem ihm seine Geliebte Maria ein Medaillon geschenkt hat. Garrett, der immer noch auf der Suche nach Billy ist, macht Rast an einem Flussufer, als ein Hausboot vorbeikommt, von dem aus ein Mann Schießübungen auf Flaschen veranstaltet, die ins Wasser geworfen werden. Garrett schießt ebenfalls auf die Flaschen und der Mann vom Boot legt auf ihn an. Die beiden stehen sich mit ihren Waffen gegenüber, schießen aber nicht. Garrett wird an seinem Lagerfeuer von John W. Poe aufgesucht, den er bereits bei Wallace kennengelernt hat und der auf Anweisung von Wallace Garrett als Hilfssheriff zur Seite stehen soll. Garrett und Poe besuchen Chisum, der Garrett daran erinnert, dass dieser ihm noch Geld schuldet. Garrett weist Poe an, auf eigene Faust nach Billy zu suchen.

Billy besucht auf seiner Flucht die Familie Horrell und begegnet dort Alamosa Bill. Die beiden duellieren sich, wobei Alamosa weniger Schritte als verabredet macht, während Billy einfach nur an seinem Platz stehenbleibt. Billy ist schneller und erschießt Alamosa Bill. Pat trifft unterdessen in der Bar des alten Lemuel auf drei von Billys Männern, Alias, Beaver und Holly. Garrett erschießt Holly, lässt die beiden anderen aber ungeschoren.

Chisums Leute foltern Paco und wollen die junge Frau in seiner Begleitung vergewaltigen, als Billy dazukommt und Chisums Männer erschießt. Der sterbende Paco fleht Billy an, weiter nach Mexiko zu reiten, doch Billy kehrt nach Fort Sumner zurück, um sich der Konfrontation mit Garrett zu stellen. Von einer Prostituierten erzwingt dieser einen Hinweis, wo sich Billy aufhält. Als er erfährt, dass Billy nach Fort Sumner zurückgekehrt ist, macht er sich mit Poe und einem weiteren Hilfssheriff auf den Weg dorthin. Dort angekommen setzt sich Garrett auf die Veranda des Hauses, in dem Billy und Maria gerade miteinander schlafen. Als Billy sein Zimmer verlässt, erschießt ihn Garrett. Poe will dem toten Billy einen Finger abtrennen, doch Garrett schlägt ihn mit einem Aufschrei nieder. Pat Garrett reitet allein davon, in die Wildnis.

Synchronisation Der Film wurde zwei Mal synchronisiert. Der erste Fassung stammt aus dem Jahr 1973. Sie entstand bei der Ultra-Film Synchron GmbH in Berlin. Die zweite entstand 1992 im Auftrag des ZDF bei der Deutsche Synchron Film GmbH in Berlin. Dialogregisseur bei dieser Fassung war Michael Richter. Friedrich Georg Beckhaus und Wolfgang Ziffer waren als einzige an beiden Fassungen als Sprecher beteiligt. Während Ziffer beide Male für Bob Dylan sprach, war Beckhaus in der ersten Fassung für Matt Clark und in der zweiten für Barry Sullivan im Einsatz.

Darsteller Rolle Synchro 1973Synchro 1992 James Coburn Pat Garrett Arnold Marquis Eckart Dux Kris Kristofferson Billy the Kid Michael Chevalier Uwe Paulsen Richard Jaeckel Sheriff Kip McKinney N. N. Rüdiger Joswig Katy Jurado Mrs. Baker N. N. Ellen Lichtenberg Chill Wills Lemuel N. N. Klaus Miedel Barry Sullivan John Chisum N. N. Friedrich Georg Beckhaus Jason Robards Lew Wallace Friedrich Schoenfelder Helmut Krauss Bob Dylan Alias Wolfgang Ziffer Wolfgang Ziffer R. G. Armstrong Bob Ollinger N. N. Kurt Goldstein John Beck John W. Poe Peter Schiff Manfred Lehmann Matt Clark Hilfssheriff J. W. Bell Friedrich Georg Beckhaus Udo Schenk Jack Dodson Lewellen Howland Joachim Pukaß Henning Dissel Jack Elam Alamosa Bill N. N. Heinz Theo Branding Emilio Fernández Paco N. N. Eric Vaessen Paul Fix Peter Maxwell N. N. Eberhard Wechselberg L. Q. Jones Black Harris N. N. Thomas Petruo Slim Pickens Colin Baker Joachim Nottke Hans Teuscher Charlie Martin Smith Bowdre N. N. Joachim Tennstedt Harry Dean Stanton Luke Hans Nitschke Norbert Langer

Entstehungsgeschichte Skript und Vorproduktion Der Autor Charles Neiders hatte 1956 den Roman The Authentic Death of Hendry Jones veröffentlicht, der die Lebensgeschichte von Billy the Kid zum Vorbild hatte und sich an Pat Garretts reißerische Biographie The Authentic Life of Billy the Kid anlehnte. Bereits Ende der 1950er Jahre schrieb Peckinpah ein Drehbuch nach Neiders Roman, das zu Teilen in dem Film Der Besessene, Marlon Brandos einziger Regiearbeit, verwendet wurde.Arnold, von Berg; S. 58–89 Peckinpah war also mit dem Stoff bereits vertraut, als zu Beginn der 1970er Jahre der Produzent Gordon Carroll eine Neuverfilmung der Geschichte plante. Carroll beauftragte Rudy Wurlitzer, der zuvor mit dem Skript zu dem Film Asphaltrennen von Regisseur Monte Hellman bereits einige Bekanntheit erlangt hatte, ein Drehbuch zu schreiben. Hellman sollte auch bei Pat Garrett jagt Billy the Kid Regie führen, doch MGM verlangte nach einem etablierteren Regisseur, sodass schließlich Peckinpah die Regie angetragen wurde.Siegel S. 277–301

Peckinpah, der mitten in der Scheidung von seiner Frau Joie Gould steckte, willigte ein, nachdem Wurlitzer eine neue Drehbuchfassung erstellt hatte; denn ursprünglich sollten Garrett und Billy erst am Schluss des Films zusammentreffen, was Peckinpah dramaturgisch als nicht umsetzbar ansah.Seydor S. 255–306 War die tragische Verstrickung von Garrett bereits psychologisch im Skript deutlich herausgearbeitet, fehlte es bei Billy noch an Charakterzeichnung, um die Motivation seines Handelns zu erklären. Wurlitzer fügte die Geschichte um Pacos Tod ein; dessen Sterbemonolog, der Billy zur Rückkehr motiviert, wird besonders von David Weddle im Vergleich zum übrigen Skript als schwach und gekünstelt bemängelt.Weddle; S. 445–491

Nachdem James Coburn für die Rolle des Garrett rasch festgestanden hatte, gestaltete sich die Wahl des zweiten Hauptdarstellers schwieriger. Ursprünglich sollte Bo Hopkins, der bereits in The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz mit Peckinpah gearbeitet hatte, die Titelrolle des Billy übernehmen; MGM bevorzugte zunächst Jon Voight für die Rolle. Schließlich bekam der populäre Country- und Folksänger Kris Kristofferson, der auch schon Filmerfahrung hatte, den Part. Bob Dylan, ein Freund von Kristofferson und Wurlitzer, zeigte Interesse, an dem Film mitzuwirken; trotz fehlender Schauspielerfahrung bekam er die Rolle des Alias. Gleichzeitig schrieb Dylan, inspiriert durch Wurlitzers Drehbuch, eine Reihe von Songs, die im Film Verwendung finden sollten. Eine Reihe von routinierten Western-Darstellern wie Jack Elam, Slim Pickens und Paul Fix vervollständigten die Besetzung.

Bereits vor Drehbeginn stellten sich dem Projekt erste Schwierigkeiten entgegen. MGM hatte unter ihrem damaligen Besitzer Kirk Kerkorian beschlossen, in das Hotelgeschäft in Las Vegas einzusteigen. James Aubrey, Präsident von MGM und wegen seiner rücksichtslosen Geschäftsgebaren die lächelnde Kobra genannt, versuchte die Kostenrahmen der entstehenden MGM-Filme zu beschneiden, um ausreichend liquide Mittel für das Hotelprojekt zur Verfügung zu haben. Er stellte daher die Forderung, Peckinpah solle auf seine angestammte Filmcrew verzichten und stattdessen mit einer billigeren mexikanischen Crew den Film in 50 Tagen abdrehen. Peckinpah stritt für sein Projekt und bekam schließlich seine Stammcrew, ein Budget von drei Millionen Dollar und 53 statt der von ihm geforderten 75 Drehtage zugestanden, wobei allen erfahrenen Beteiligten klar war, dass der Film in dieser Zeit nicht zu realisieren war.

Produktion und Nachproduktion Die Dreharbeiten begannen am 19. November 1972 im mexikanischen Durango. Dort war bereits eine Filmcrew mit dem Dreh des John-Wayne-Films Geier kennen kein Erbarmen beschäftigt; somit war ein Großteil der zur Verfügung stehenden Ressourcen an Arbeitskräften, Pferden und Drehorten gebunden. Peckinpah begann trotzdem zu drehen und sandte das erste abgedrehte Material zur Entwicklung zu MGM nach Culver City, eine Maßnahme des Studios, um Filmentwicklungskosten bei nähergelegenen Fremdfirmen zu sparen. Erst Tage später bekam Peckinpah die Nachricht, dass Teile des abgedrehten Materials wegen eines Objektivfehlers an einer Panavision-Kamera unscharf und daher unbrauchbar seien. Der Fehler wurde erst spät entdeckt, weil das entwickelte Material zunächst nur im Schnelldurchlauf mit 96 Bildern pro Minute gesichtet wurde.Simmons; S. 169–188 Peckinpah, dem man zuvor einen Kameratechniker verweigert hatte, urinierte bei der Testvorführung des inzwischen nach Mexiko zurückgekehrten unbrauchbaren Materials wütend seine Initialen an die Leinwand.