Lilienthal (plattdeutsch Leendaal oder Lelendaal) ist eine Gemeinde im Landkreis Osterholz in Niedersachsen.
Geografie Geografische Lage mini|Die Wümme bei Truperdeich vor dem Bau der Umgehungsstraße, Blick von der Brücke des Jan-Reiners-Radwanderweges flussaufwärts zur Brücke der Borgfelder Allee mini|Wörpebrücke Lilienthal liegt rund elf Kilometer nordöstlich des Zentrums der Stadt Bremen, am Rande des niedersächsischen Teufelsmoores. Durch das Gemeindegebiet fließen die Flüsse Wörpe und die Wümme mit dem Wümme-Radweg.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Lilienthal besteht aus den folgenden Ortsteilen:, abgerufen am 18. Mai 2015 (in Klammern die Einwohnerzahlen Stand 10. Januar 2012) Lilienthal (13.005) Worphausen (2334) Sankt Jürgen (1592) Seebergen (838) Heidberg (309)
Nachbargemeinden Lilienthal grenzt im Norden an Osterholz-Scharmbeck und Worpswede, im Osten an Grasberg, im Südosten Ottersberg, im Süden an Bremen und im Westen an Ritterhude.
Flächennutzung Die Gemeinde Lilienthal hat eine Gesamtfläche von 7.203 Hektar, davon werden 5.689,3 Hektar als landwirtschaftliche Flächen genutzt. Weitere 128,4 Hektar sind Wald.
Geologie Der Süden und Westen des Gemeindegebietes entlang der Wümme gehört zu den Flussmarschen der Unterweser, der Norden zum Teufelsmoor. Heidberg im Osten gehört zu den Ausläufern der Achim-Verdener Geest. Auch in den Feuchtgebieten gibt es kleine Geestinseln, etwa in Frankenburg und bei der St.-Jürgens-Kirche.
Unter dem Kernort Lilienthal befindet sich ein Salzstock, der mit seinem Salz die Quelle der Pannlake im Hollerland speist.
Geschichte mini|Klosterkirche Lilienthal Der Bremer Bischof und erste Hamburger Erzbischof Ansgar von Bremen ließ 865 auf dem kleinen Geesthügel der heutigen St.-Jürgens-Kirche eine steinerne Wegkapelle errichten.
Im Jahr 937 wurde das Dorf Trupe erstmals erwähnt, 1183 seine Kapelle.
Die Erschließung des Sankt-Jürgenslandes im Westen des heutigen Gemeindegebietes durch holländische Siedler (Hollerkolonisation) begann 1106.
Kloster Lilienthal Der Ort Lilienthal selber geht auf die Gründung des Klosters Lilienthal durch den Bremer Erzbischof Gerhard II. zurück. Unter dem Namen (‚St. Maria im Tal der Lilien‘) begann 1232 der Bau des Nonnenklosters, das dem Zisterzienserorden angegliedert und 1264 geweiht wurde. Maria mit dem Kind und die Lilien als ihr Symbol erscheinen bis heute im Ortswappen. Um 1400 erlebte das Kloster seine Blütezeit.
Nach der Reformation wurde das Kloster ein evangelisches Damenstift, das sich unter kläglichen Bedingungen noch bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges halten konnte. 1650 erfolgte die Säkularisation; auf dem ehemaligen Grundbesitz des Klosters, der aufgeteilt wurde, entwickelte sich die Ortschaft Lilienthal.
Schweden Nach den Bestimmungen des Westfälischen Friedes wurden das Erzstift Bremen und das ehemalige Hochstift Verden zu Herzogtümern säkularisiert und dem Königreich Schweden unterstellt, das damit das Land zwischen Weser und Elbe beherrschte. Königin Christina von Schweden belehnte einen verdienten schwedischen Heerführer, den Landgrafen Friedrich von Hessen-Eschwege, mit der neu geschaffenen Herrschaft Osterholz, in der die Ämter Lilienthal und Osterholz zusammengeschlossen waren. Nach dem frühen Tod des Landgrafen übernahm 1655 seine Frau Eleonore die Regierung mit Sitz in Osterholz und mühte sich tatkräftig um eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sanitären Lage der Landbevölkerung. Nach ihrem Tod 1692 fiel das Lehen an die schwedische Krone zurück.
Hannover Lilienthal blieb bis 1712 schwedisch – daher die schwedischen Farben des Wappens –, kam dann an Dänemark und 1719 unter die Herrschaft des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg. Lilienthal wurde Sitz des hannoverschen Amtes Lilienthal. 1740 wurden die Klosteranlagen abgerissen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden unter der Leitung des hannöverschen Moorkommissars Jürgen Christian Findorff auch im Norden des heutigen Gemeindegebiets von Lilienthal mehrere Moorkolonien angelegt, Lüningsee (1763), Lüninghausen (1764), Westerwede (1764), Moorende (1778) und Mooringen (1778), sowie nach Findorffs Tod noch SchrötersdorfNach dem zuständigen Lilienthaler Amtmann und Astronomen Johann Hieronymus Schroeter benannt. (1805) und Neu Mooringen (1808).
Astronomie in Lilienthal 1782 bezog der Amtmann Johann Hieronymus Schroeter den Amtshof. Neben der Verwaltungstätigkeit nahm die Beschäftigung mit der Astronomie einen Großteil seiner Zeit in Anspruch. Er errichtete in Lilienthal im Garten seines Amtshauses eine Sternwarte. Die Sternwarte Lilienthal wurde in den folgenden Jahren zu dem am besten ausgerüsteten Observatorium der Welt. Hier befand sich unter anderem ein „Riesenteleskop“ mit 50 cm Öffnung und 8,25 m Brennweite. Es war seiner Zeit das größte Observatorium auf dem europäischen Kontinent. Durch das Teleskop erlangte Lilienthal Berühmtheit und wurde von Astronomen, hohen Staatsbeamten und Militärs zahlreicher Staaten besucht. Schroeter stand in brieflichem Kontakt zu vielen bedeutenden Astronomen seiner Zeit. Zusammen mit Heinrich Wilhelm Olbers und anderen Gelehrten gründete er am 21. September 1800 in Lilienthal die Astronomische Gesellschaft, die erste astronomische Vereinigung der Welt. Nach Schroeters Tod von 1816 verfiel die Sternwarte. 1850 wurden die letzten Überbleibsel abgerissen. Ein Großteil der Instrumente war zuvor an die Universität Göttingen gegangen. Das Romanfragment Lilienthal oder die Astronomen von Arno Schmidt spielt auf diese Sternwarte an. Seit November 2015 steht mit dem Telescopium Lilienthal ein funktionstüchtiger Nachbau des 27-Fuß Spiegelteleskops von 1793 am Ortseingang.
19. Jahrhundert Der Befreiungskrieg 1813 traf Lilienthal hart. Nachdem ein Kosake aus dem Dorf heraus auf französische Soldaten auf dem Rückzug geschossen hatte, ließ General Dominique Joseph Vandamme das gesamte Dorf Lilienthal in der Nacht vom 20. auf den 21. April 1813 plündern und dann in Brand setzen. Mehrere Einwohner kamen ums Leben; 180 Häuser wurden zerstört.Beiträge zur künftigen Biographie Vandammes. In: Niederrheinische Blätter, 9. Februar 1814, S. 3–4. Nur die Kirche, einige wenige Häuser und die Sternwarte blieben von den Flammen verschont.Rupprecht Knoop: Der große Brand in Lilienthal 1813. In: Heimat-Rundblick. Geschichte, Kultur, Natur. Nr. 104, 1/2013 (Frühjahr 2013). Druckerpresse-Verlag, , S. 14–15.
Mit dem Deutschen Krieg von 1866 wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert. Die preußische Regierung vereinigte 1885 die hannöverschen Ämter Lilienthal und Osterholz zum Landkreis Osterholz.
20. und 21. Jahrhundert Im weiteren Verlauf wuchs die Gemeinde stetig. 1939 hatte sie 3.100 Einwohner, 1974 deren 12.500. Durch die Eingemeindung der Nachbardörfer im gleichen Jahr wuchs die Einwohnerzahl auf nahezu 17.000. Heute ist Lilienthal geprägt durch neue Wohnviertel, deren Bewohner oftmals durch die Nähe zur Großstadt Bremen angezogen werden und ein „Haus im Grünen“ bauen möchten.
mini|Ehemaliger Kleinbahnhof Lilienthal Von 1900 bis 1956 war Lilienthal durch die Kleinbahn Jan Reiners an Bremen angebunden.
Mit dem Evangelischen Hospital Lilienthal e. V. entstand 1960 eine große Komplexeinrichtung des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers mit Behindertenhilfe, Altenpflege und Krankenhaus. Sie erwarb innerhalb von mehr als 30 Jahren durch Schenkungen umfangreiche Ländereien und entwickelte sich zu Lilienthals Arbeitgeber mit der größten Mitarbeiterzahl. 1993 wurde der Betrieb auf drei Tochtergesellschaften in der Rechtsform von drei gemeinnützigen Gesellschaften mit beschränkter Haftung übergeleitet. Dies sind jetzt:
die Lilienthaler Diakonie gGmbH (vormals: Diakonische Behindertenhilfe gGmbH Wohnstätte Lilienthal) das Michaelisstift der Evangelischen Dienste Lilienthal gGmbH die privat geführte Artemed Klinikgruppe mit der Klinik Lilienthal (vormals: Martins-Krankenhaus) als Allgemeinkrankenhaus mit den Spezialbereichen Orthopädie, Viszeral- und Wirbelsäulen-Chirurgie
Am 28. Oktober 2013 wurde eine Umgehungsstraße mit einer aufwendigen neuen Wümmebrücke in Betrieb genommen, um die Lilienthaler Hauptstraße vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Seit Planungsbeginn 1990 stellte das Evangelische Hospital hierfür einen großen Teil der benötigten Flächen zur Verfügung.
Am 1. August 2014 wurden der Kernort und Falkenberg an das Straßenbahnnetz der BSAG angeschlossen.
Eingemeindungen mini|hochkant|Wörpe am Mühlendeich Das Gebiet der heutigen Gemeinde Lilienthal ist durch eine Reihe historischer Daten zusammengewachsen: Bei der Gebietsreform vom 1. April 1929 kamenAmtsblatt der Regierung Stade 1929 Butendiek zu Lilienthal Lüningsee und Lüninghausen zu Westerwede Feldhausen und Truperdeich zu Trupe Neu Mooringen zu Mooringen Schrötersdorf zu Worphausen Kleinmoor zu Frankenburg
Bei den Gebietsreformen vom 1. April und 1. Oktober 1937 kamen zu Lilienthal: Falkenberg Moorhausen Trupe Trupermoorzu Sankt Jürgen: Frankenburg Niederende-St. Jürgen Oberende Wührden-Mittelbauerzu Worphausen: Moorende Mooringen Westerwede Bei der Gebietsreform vom 1. März 1974 wurden nach Lilienthal eingemeindet: Heidberg Sankt Jürgen Seebergen Worphausen
Politik
Rat Der Rat der Gemeinde Lilienthal besteht aus 26 Ratsfrauen und Ratsherren. Die festgelegte Anzahl der Ratsmitglieder für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern beträgt in Niedersachsen 32., abgerufen am 15. Mai 2015. Auf Beschluss des Gemeinderates wurde diese Zahl auf 26 reduziert.Satzungsbeschluss, abgerufen am 15. Mai 2015 Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.
Stimmberechtigt im Rat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister. Die aktuelle Amtszeit des Rates begann am 1. November 2021. Die letzten Ratswahlen ergaben die folgende Ergebnisse: Parteien und Wählergemeinschaften %2001 Sitze2001 %2006 Sitze2006 %2011 Sitze2011%2016Sitze2016 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 42,45 15 35,85 9 24,66 6 37,910 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 26,06 9 27,86 7 21,86 6 26,67 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 6,88 2 17,53 4 34,38 9 16,34 Q Querdenker Lilienthal — — — — 16,11 4 8,22 LINKE Die Linke — — — — 2,38 1 5,31 FDP Freie Demokratische Partei 10,48 3 14,75 3 — — 4,31 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands — — — — — — 1,50 JEZ Jugend entwickelt Zukunft 14,13 4 — — — — — EW Hansen Einzelwahlvorschlag John Hansen — — — — 0,61 0 —— EW Rossol Einzelwahlvorschlag Harald Rossol — — 4,00 1 — — —— Gesamt 100 33 100,0 25 100,0 2610025 Wahlbeteiligung 58,84 % 51,02 % 55,55 % 59,76 %
Bürgermeister Erster hauptamtlicher Bürgermeister war seit 2004 Willy Hollatz. 2011 wurde er ohne Gegenkandidaten mit 73,4 Prozent der Stimmen wiedergewählt., abgerufen am 15. Mai 2015 Er trat 2016 zurück. Im September 2016 stellten sich sechs Kandidaten zur Wahl. Im zweiten Wahlgang setzte sich Kristian Willem Tangermann (CDU) mit 65,15 % der Stimmen durch; die Wahlbeteiligung lag bei 43 %. Er wurde im September 2021 für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Tangermann starb im März 2022. Im Oktober 2022 wurde Kim Fürwentsches (Bündnis 90/Die Grünen) zu seinem Nachfolger gewählt.
Wappen und Flagge mini|120px|Flagge der Gemeinde Lilienthal
Partnerschaften Stadskanaal (Niederlande, Provinz Groningen), seit 1971Eintrag über die Partnerschaft zu Stadskanaal auf der Homepage der Gemeinde Lilienthal Aufgerufen am 8. Mai 2019, 18:01 Émerainville (Frankreich, Großraum von Paris), 1993–2010 Bielsko-Biała (Polen, Woiwodschaft Schlesien), 1996–2011Die Freundschaft ist einfach eingeschlafen Weser-Kurier.de 19. Oktober 2011, abgerufen am 12. September 2020 Lilienthal ist im Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen vertreten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bodendenkmale
Die Freilichtbühne Lilienthal befindet sich in Frankenburg.