mini|Blick auf Krems
Krems an der Donau ist mit Einwohnern (Stand ) die fünftgrößte Stadt Niederösterreichs und liegt an der Donau, 70 km westlich von Wien. Als Statutarstadt erfüllt sie sowohl die Aufgaben einer Gemeinde als auch eines Bezirks, darüber hinaus ist sie Verwaltungssitz des Bezirks Krems. Krems ist heute eine Handels-, Kultur-, Schul- und Universitätsstadt.
Geographie Geographische Lage Krems liegt im niederösterreichischen Donautal, wo die Große Krems in die Donau mündet, im östlichen Randbereich der Wachau und am Südabbruch des Waldviertels. Die Landschaften Wagram und Tullnerfeld schließen im Osten an. Im gegenüberliegenden Donaubereich erstreckt sich der Dunkelsteinerwald. Am rechten Donauufer liegt das bereits seit römischer Zeit besiedelte Mautern.
Krems liegt auf einer Höhe von , der tiefste Punkt im Gemeindegebiet sind die Steinplatten bei Hollenburg (), der höchste liegt mit ca. in der Nähe von Scheibenhof.
Klima Das Klima in Krems bildet ein Übergangsklima mit ozeanischen Einflüssen aus dem Westen sowie kontinentalen Einflüssen aus dem Osten. Dies zeigt sich in vergleichsweise hohen Temperaturschwankungen, mit warmheißen Sommern und kühlen Wintern. Die im Bezugszeitraum 1971–2000 höchste gemessene Temperatur betrug 36,8 °C im Juni und die tiefste −22,8 °C im Jänner. Die jährliche Durchschnittstemperatur beträgt 9,4 °C, dabei ist der Juli mit durchschnittlich 19,5 °C der wärmste Monat und mit −0,6 °C der Jänner der kälteste. Mit etwa 500 l/m² weist Krems eine sehr geringe Jahresniederschlagsmenge auf, der österreichische Durchschnitt beträgt ca. 1100 l/m². Insgesamt ist das Klima in Krems und Umgebung sehr gut für den Weinbau geeignet.
Natur
Durch den Übergang unterschiedlicher Klimazonen (vom milden pannonischen Klima zum rauen Waldviertler Klima) gibt es in Krems eine vielfältige Vegetation, von Feuchtgebieten in den Auwäldern bis zu Trockenrasen in den Weinbergen.
Stadtgliederung mini|Die Westansicht vom Stadtteil Stein mini|Ortsteil Rehberg im Kremstal
Das Gemeindegebiet umfasst zwölf Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):
Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Angern, Egelsee, Gneixendorf, Hollenburg, Krems, Landersdorf, Rehberg, Scheibenhof, Stein, Thallern und Weinzierl bei Krems.
Zur Katastralgemeinde Krems gehört der größere Teil des dicht bewohnten Stadtteils Mitterau. Der Rest gehört zur Katastralgemeinde Weinzierl, ebenso wie der in der Zwischenkriegszeit entstandene Stadtteil Lerchenfeld (auch Standort der VOEST Krems).
Nachbargemeinden
Geschichte Urgeschichte (ab 30.000 v. Chr.) Im Jahr 2005 wurde bei Ausgrabungen am Wachtberg ein 27.000 Jahre altes Kindergrab gefunden. Bei diesen aus der Eiszeit stammenden Funden handelt es sich um die älteste bekannte Grabstätte in Österreich. In den Lössablagerungen hat sich die Grabstelle gut erhalten. Die beiden bestatteten Säuglinge wurden mit einem Schulterblatt eines Mammuts bedeckt. Es sind auch noch Grabbeigaben erhalten. Die beiden männlichen Säuglinge waren nach neueren DNA-Analysen eineiige Zwillinge. Einer von beiden starb direkt nach der Geburt, der andere wenige Wochen danach. In der Nähe wurde das Grab eines weiteren männlichen Säuglings entdeckt; dieser war nach molekulargenetischen Analysen eng mit den Zwillingen verwandt, möglicherweise ein Cousin.
Ebenso spektakulär war der Fund im Zuge von archäologischen Grabungen bei Krems-Rehberg: das bisher älteste Kunstwerk Österreichs, die Fanny vom Galgenberg, eine 32.000 Jahre alte Frauenstatuette. Das Original der zierlichen Figur wird im Naturhistorischen Museum Wien gemeinsam mit der einige tausend Jahre jüngeren Venus von Willendorf präsentiert.
Slawische Siedlung (ab 7. Jahrhundert), Kolonisation (ab 9./10. Jahrhundert) Die ältesten Niederlassungen im Raum Krems-Stein wurden nicht dauerhaft bewohnt. Auch im frühen Mittelalter vertrieben kriegerische Auseinandersetzungen die Siedler immer wieder. Neueste Funde von Slawensiedlungen gerade in Krems und Stein lassen auf eine Siedlungskontinuität der Slawen seit dem 7. Jahrhundert schließen. Mit der Schlacht auf dem Lechfeld 955 stabilisierten sich die Verhältnisse, und die Kolonisation im Auftrag bayrischer und Salzburger Klöster und Stifte setzte verstärkt ein. Für Krems und Stein ist gesichert, dass ab dem 10. Jahrhundert rasch und kontinuierlich Kaufmanns- und Verwaltungsstützpunkte rund um den Hohen Markt in Krems und die Kirchensiedlung am Frauenberg in Stein errichtet wurden. Aus 995 ist die älteste Urkunde mit dem Namen Krems (orientalis urbs quae dicitur Cremisa) erhalten.Kaiser Otto III. gibt dem Bischof Gotesschalch von Freising Sechs Königshufen in Ulmerfeld zu Tausch. Urkunde Nr. 170 in: Südlich der Donau wird der heutige Stadtteil Hollenburg bereits in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 860 erwähnt.
Gründung, Münz- und Zollstätte, Stadtrecht (11./12. Jahrhundert), Vernichtung der jüdischen Gemeinden (1421) 1014 wurde die Pfarre Krems gegründet und in den Jahren 1130–1190 war Krems Münzstätte der ältesten babenbergischen Münzprägung. Vor 1200 wurde Stein zur landesfürstlichen Zollstätte. Aus 1305 ist das älteste geschriebene Stadtrecht überliefert, das aber bereits aus babenbergischer Zeit stammen dürfte. Die beiden Siedlungsräume Krems und Stein waren damals zwar in der Natur getrennt, doch über ein gemeinsames Stadtrecht und die gemeinsame Verwaltung verbunden. Ein rasches Wachstum, sowohl wirtschaftlich als auch räumlich, kennzeichnet diesen Abschnitt der Stadtgeschichte.
Im Rahmen der von Herzog Albrecht V. 1421 mit Edikt angeordneten Wiener Gesera wurde die jüdische Gemeinde in Krems – so wie in 16 weiteren landesfürstlichen Orten, darunter auch Herzogenburg – vernichtet.
Am 1. April 1463 verlieh der römisch-deutsche Kaiser Friedrich III. der Stadt Krems ein neues Stadtwappen, das heute noch gültig ist. Es zeigt einen bewehrten, rot bezungten goldenen Doppeladler mit über den Köpfen schwebender Kaiserkrone auf schwarzem Grund. Außerdem erhielt Krems das Privileg für den Bau einer Donaubrücke. Um 1470 wurde die Bürgerspitalskapelle errichtet, die im Türsturz des Portals den Wahlspruch Kaiser Friedrich III. A.E.I.O.U., mit der Jahreszahl 1470 in gotischen Ziffern, zeigt.
1447 wurde die Kremser Hauerinnung St. Paul, die älteste Hauerinnung im deutschsprachigen Raum, erstmals urkundlich erwähnt.
Neuzeit mini|Stadtansicht aus dem 17. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert war Krems ein Zentrum der Reformation, getragen von den wohlhabenden Fernhandelskaufleuten und den einkommensstarken Handwerkern. Dank der Lage an einem Handelsweg von Italien nach Mittel- und Nordeuropa machte Krems als Handelsstadt auch Wien Konkurrenz. Am Ende des Jahrhunderts war Krems fast zu 100 Prozent evangelisch, die Gegenreformation schlug jedoch mit voller Härte zu. Viele Kirchen und Profanbauten sind Zeugen der hohen Wirtschaftskraft und der kirchlichen Reformstreitigkeiten; am Ende siegten die Katholiken.
Zeitgleich kam es zu einer wirtschaftlichen Katastrophe, ausgelöst durch einen verheerenden Stadtbrand. 1645 wurde die Stadt im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden erobert und ein Jahr später von kaiserlichen Truppen unter Hans Christoph III. von Puchheim und Johann Wilhelm von Hunolstein rückerobert, wobei die Hälfte der Häuser beschädigt oder zerstört wurde.
Das Kapuzinerkloster zwischen den beiden Städten Krems und Stein (Kloster Und) wurde 1612 gegründet; nach einem Brand 1656 wurde es wieder aufgebaut.
Im Jahr 1756 wurde Martin Johann Schmidt Bürger von Stein. Der letzte große Barockmaler Österreichs lebte und arbeitete hier bis zu seinem Tod im Jahr 1801.
Vor allem im 18. und 19. Jahrhundert wurde in heute eingemeindeten Ortschaften südlich der Donau Braunkohle abgebaut. Der untertägige Abbau hinterließ Hohlräume im Untergrund, die mitunter zu Erdfällen führen. Ein solcher ereignete sich zum Beispiel im Februar 2019 im Ortsteil Brunnkirchen, wo in einem Weingarten plötzlich ein etwa 13 m tiefes Loch auftrat, das auf Stollen in zumindest 30 m Tiefe zurückgeführt und sicherheitshalber verfüllt wurde.
In der Schlacht von Dürnstein am 11. November 1805 vor den Toren von Stein besiegten die österreichisch-russischen Truppen die Franzosen unter Mortier, dennoch wurde der 3. Koalitionskrieg nach der Schlacht bei Austerlitz verloren.
In den Jahren 1849/50 wurden für die beiden Städte Krems und Stein eigene Stadtverwaltungen eingerichtet (Stein wurde erst im Jahr 1938 an Krems angeschlossen).
1872 wurde die Stadt Krems an das Bahnnetz angebunden. Die Holzbrücke, die über die Donau führte, wurde 1897 durch eine Stahlkonstruktion ersetzt, die wiederum im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Sie wurde daraufhin durch zufällig vorhandene Elemente ergänzt und ist heute ein Kulturdenkmal der bewegten Geschichte der Doppelstadt. Außerdem wurde nach der Fertigstellung der Kremser Eisenbahnbrücke die Bahnverbindung Krems – St. Pölten geschaffen.
Am 19. Juni 1933 wurde von zwei Nationalsozialisten im Alauntal ein Handgranatenüberfall auf eine Gruppe von christlich-deutschen Wehrturnern verübt. 30 Turner wurden dadurch verletzt, davon 17 schwer und einer lebensgefährlich; ein Turner starb an den Folgen des Anschlags. In der Folge wurde ein Betätigungsverbot für die österreichische NSDAP – Hitlerbewegung, ihre Neben- und Unterorganisationen und den Steirischen Heimatschutz erlassen. Im Zusammenhang damit wurden am 21. Juni auch 43 „deutschvölkische“ Turnvereine behördlich aufgelöst. Zudem wurde die Todesstrafe am 10. November 1933 wieder eingeführt und am 8. Juli 1934 auch auf Sprengstoffanschläge ausgeweitet. Ein Gedenkstein dessen wurde 1938 entfernt und nicht wieder angebracht.Gerhard Zeillinger: Zeichen der Zeit – „Starb für Österreich“. In: diepresse.com. 20. Juni 2008, abgerufen am 25. Februar 2025.
Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg Der „Anschluss“ Österreichs 1938 bedeutete auch in der Stadtgeschichte einen gravierenden Einschnitt. Die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Mitbürger, das Kriegsgefangenenlager STALAG XVII B Krems-Gneixendorf (die Vorlage für Billy Wilders Film Stalag 17) und die wehrwirtschaftlichen Interessen am Industrieausbau in Lerchenfeld waren nur einige der Auswirkungen und Folgen der NS-Zeit.
Unter Einschluss von 14 Gemeinden (Krems, Stein, Egelsee, Mautern, Oberrohrendorf, Unterrohrendorf, Landersdorf, Gneixendorf, Rehberg, Palt, Furth, Brunnkirchen, Thallern und Stratzing) der Umgebung wurde am 1. August 1938 eine Krems an der Donau benannte Großgemeinde gebildet.Verordnungsbl. f. d. Amtsbereich des Landeshauptmannes von Niederdonau 1938, Nr. 27, S. 20 Digitalisat Die ersten Bauprojekte, die realisiert wurden, sind der Kremser Hafen, ein Stahlwerk und der Stadtteil Lerchenfeld – danach wurde der Ausbau von Krems zur Gauhauptstadt im Reichsgau Niederdonau kriegsbedingt eingestellt. Da aus diesem Grund auch das geplante Gauforum nicht gebaut werden konnte, übersiedelten die Verwaltungseinrichtungen nicht nach Krems, sondern verblieben in Wien.
Am 15. Oktober 1938 wurde Krems an der Donau Stadtkreis.Verordnungsbl. Niederdonau, Jahrg. 1938, Nr. 37, S. 33 Digitalisat Am 2. April 1945 erfolgte der einzige Bombenangriff auf Krems, der massive Schäden im Gebiet des Bahnhofes verursachte und offiziell 108 Tote forderte (die genaue Zahl konnte wegen der Flüchtlingskolonnen aus dem Osten, die sich durch die Stadt bewegten, nicht ermittelt werden).