miniatur|Fußball mit Wabenstruktur
Der Fußball ist das Spielgerät der gleichnamigen Mannschaftssportart Fußball.
Geschichte miniatur|Lederfußball für die Wettbewerbe bei den Olympischen Spielen 1936 miniatur|Ikosaederstumpf und klassischer Fußball
In China spielte man bereits in vorchristlicher Zeit mit Lederbällen, die mit Federn und Tierhaaren gefüllt waren. Die ersten Fußbälle bestanden aus verschiedenen Materialien wie auch Stoffresten und wurden von Netzen zusammengehalten. Zwischen den Jahren 220 und 680 erfand man dort den luftgefüllten Ball.
1920 erfand Fritz Stöcklein in Schweinfurt den schnürlosen VAU-DE-Es-Fußball mit Rückschlagventil.
In den 1930er Jahren erfanden die Argentinier die Blase mit Ventil. Der Nachteil des unbehandelten Leders war, dass es sich bei Regen mit Wasser vollsog und so schwerer wurde. Erst durch Imprägnierung gelang es, diesen Effekt zu mindern. Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in der Schweiz kam ein Spielball mit einem Durchmesser von 21,5 cm zum Einsatz. Das Material war aus lohgegerbtemlohgegerbtes oder auch altgegerbtes Leder ist die Bezeichnung für rohgares, vorwiegend mit Eichen- und Fichtenrinde in der Grube gegerbtem Leder statt gefettetem Rindsleder mit 1,8 Millimeter Dicke.
Bis zum Ende der 1960er Jahre bestand der Fußball aus vernähten Lederstreifen (meist sechs Gruppen von zwei oder drei nebeneinander liegenden Streifen) und war mit einer Schweinsblase gefüllt. Diese wurde ursprünglich am oberen Ende zusammen geknotet, so dass die Luft nicht entweichen konnte.
Zur Fußball-Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko wurde ein aus Fünf- und Sechsecken zusammengenähter Ball eingeführt. Der Telstar Durlast war der erste offizielle Ball einer Fußball-WM, bei den vorherigen Weltmeisterschaften entschied immer der Gastgeber über das Spielgerät. Der aus 12 Fünfecken und 20 Sechsecken bestehende Fußball entwickelte sich weltweit zu einem Quasi-Standard. Aus geometrischer Sicht ist ein solcher Fußball ein Ikosaederstumpf, also ein vollkommen symmetrisches Ikosaeder, dessen zwölf Ecken zu Fünfecken geebnet wurden.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1986 (erneut in Mexiko) wurde erstmals ein Fußball eingesetzt, der vollsynthetisch war und gegen Nässe damit weitestgehend unempfindlich ist. Heute werden hochwertige Bälle nicht mehr genäht, sondern verklebt, um den Einfluss der Nässe zusätzlich zu verhindern.
Form und Maße
Nach den Regeln des Fußball-Weltverbandes (FIFA) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist ein Fußball regelgerecht, wenn er kugelförmig ist, aus einem geeigneten Material gefertigt ist, einen Umfang von mindestens 68 cm und höchstens 70 cm hat, zu Spielbeginn ein Gewicht von mindestens 410 Gramm, jedoch höchstens 450 Gramm besitzt und mit einem Überdruck von 0,6 bis 1,1 bar gefüllt ist.
Dies entspricht der Ballgröße 5, die allgemein im Erwachsenenbereich eingesetzt wird.
Für die Altersklassen der Kleinfeld-/Jugendspiele sieht die Empfehlung des DFB folgende Bälle vor:
G-Jugend Größe 3 (290 g) Ø 19,10 cm F-Jugend Größe 3/4 (290 g) Ø 19,10 cm/21,01 cm E-Jugend Größe 4 (290 g/350 g) Ø 21,01 cm D-Jugend Größe 4/5 (350 g) Ø 21,01 cm/22,28 cm
Die Empfehlung des DFB ist für seine einzelnen Landesverbände nicht bindend und wird daher unterschiedlich gehandhabt. So schreibt der Westdeutsche Fußballverband (WDFV) als Regionalverband seinen drei Landesverbänden ab dem 1. Juli 2017 für die G-/F-Jugend Größe 3 (290 g) und für die E-/D-Jugend Größe 4 (350 g) verbindlich vor.
Fußbälle in Größe 1 (Durchmesser ca. 14,5 cm / Umfang ca. 45 cm) und Größe 2 (Umfang ca. 46 bis 48 cm, Gewicht ca. 225 g) werden im offiziellen Sportbetrieb kaum eingesetzt und eher im privaten Freizeitsport genutzt. Statt als Spielgerät werden Fußbälle dieser kleinsten Größe dafür zum Beispiel als Souvenirartikel verwendet.
Farbe Üblicherweise haben Fußbälle heute eine helle, meist weiße Grundfarbe. Ein klassischer Fußball hat zusätzlich noch schwarze Flecken. Wenn im Winter Schnee auf dem Rasen liegt, kommen sogenannte Winter- oder Schneebälle zum Einsatz, welche eine orange-rote Grundfarbe haben, um einen Kontrast zur Umgebung zu bilden.
Der erste weiße Ball, der im Fußball verwendet wurde, soll in den frühen 1930er Jahren in Brasilien benutzt worden sein, in einem Spiel zwischen São Paulo da Floresta und dem CR Vasco da Gama. Das Spiel wurde spätabends ausgetragen. Die Spieler hatten Schwierigkeiten, den Ball zu sehen, der damals üblicherweise braun war. Joaquim Gomes Simon besorgte eine Dose Farbe und malte den Ball weiß an.Erster weißer Ball, Bericht auf memoriasdoesporte.com.br vom 27. August 2018, Seite auf portug., abgerufen am 30. August 2018.
Herstellung Klassische Fußbälle werden in Handarbeit wie folgt angefertigt: Auf der Rückseite des Leders wird PVC in einzelnen Bahnen mit einem Futter aus mehreren Lagen Baumwoll- und Polyesterstoff beklebt. Dadurch wird der Ball stabilisiert und behält seine Form. Die fünf- bzw. sechseckigen „Waben“ werden gestanzt und zugleich mit Schlitzen für die Naht versehen. Ein Arbeiter stanzt pro Tag Einzelteile für 300 bis 400 Bälle aus. Die ausgestanzten Einzelteile werden zu Sätzen sortiert. Die aus Naturkautschuk bestehende Gummiblase (auch Seele genannt) sowie der Nähfaden werden dazugegeben. Auf die Fäden wird Wachs aufgetragen, um die Naht und damit den Ball wasserdicht zu machen. Für einen Ball sind durchschnittlich drei Stunden Nähzeit nötig, so dass ein Arbeiter etwa drei Bälle pro Tag nähen kann. Nach dem Nähen findet eine Qualitätskontrolle statt. Rundheit, Masse und Luftverlust werden überprüft. Anschließend werden die Bälle lackiert und bekommen Design und Markenlabel aufgetragen. Schließlich werden sie exportfertig verpackt und per Flugzeug oder Schiff an den Bestimmungsort versandt.
Etwa 75 % von mehr als 40 Millionen Stück pro Jahr der Weltproduktion an Fußbällen stammen aus dem Gebiet um die Stadt Sialkot im Punjab (Pakistan). Die Fußbälle werden bis auf einige Ausnahmen von äußerst schlecht bezahlten Nähern hergestellt, oft auch von Kindern unter 14 Jahren. Pro Ball verdienen die Näher zirka 65 bis 75 Cent. Der Endpreis des offiziellen WM-Balls 2018 liegt in Deutschland bei 149,95 Euro.Der WM-Ball kommt aus Pakistan. In: taz, 12. Juni 2018. Um Kinderarbeit einzuschränken, beauftragen einige Sportartikelkonzerne nur noch Firmen, die ihre Arbeiter zentral in großen Fabrikhallen unter kontrollierten Arbeitsbedingungen beschäftigen (siehe Fairer Handel). Andere verlagern die Produktion jedoch nach China, da die Löhne dort noch niedriger sind. Die seit 2004 hergestellten Kunststoffbälle müssen nicht mehr vernäht werden, sondern werden verklebt, dies bedroht die Einnahmen und damit die Lebensbasis zehntausender Pakistanis.
Als Internationaler Matchball Standard bezeichnet die FIFA die Prüfsiegel der nach ihren Produktqualität-Standard-Mindestvorgaben hergestellten Fußbälle. Ausschließlich diese dürfen bei Hallen- oder Freiluftturnieren der FIFA sowie ihrer sechs Basis-Konföderationen verwendet werden. Die Bezeichnung ist das kostengünstige technische Äquivalent zum gebührenpflichtig zu lizenzierenden FIFA Inspected-Siegel.
Offizielle Spielbälle Bis zur Fußball-Weltmeisterschaft 1966 wurde der Spielball jeweils vom Gastgeber bestimmt und stammte üblicherweise von einem Hersteller aus dem Land des Ausrichters. Seit 1970 werden alle offiziellen Spielbälle bei den Welt- und Europameisterschaften sowie den Olympischen Sommerspielen von Adidas hergestellt. Seit der Saison 2000/01 beliefert Adidas zudem die UEFA Champions League mit einem Ball namens „Finale“ und zwischen 2010 (Einführung eines einheitlichen Bundesliga-Spielballs) und 2018 die Bundesliga mit dem „Torfabrik“-Ball. Seit der Saison 2018/19 wird der einheitliche Bundesliga-Spielball mit dem „Brillant APS“ von Derbystar gestellt., wuv.de vom 20. August 2018, abgerufen am 5. April 2019. Im März 2025 gab die DFL bekannt, dass ab der Saison 2026/27 erneut Adidas den offiziellen Spielball für die 1. und 2. Bundesliga stellt.
FIFA-Weltmeisterschaften Für die FIFA-Weltmeisterschaften wurden jeweils Weiterentwicklungen von den ausgewählten Unternehmen hergestellt.
Top Star – Schweden 1958: Der Topstar aus schwedischer Herstellung wurde aus einer Liste von 102 eingereichten Bällen ausgewählt. Er war aus gelblichem Leder, das in den damals üblichen länglichen Panels verarbeitet wurde. Der Topstar wurde als zweiter offizieller Spielball auch bei der nachfolgenden Weltmeisterschaft 1962 noch eingesetzt.Heilmann (2010), zitiert nach N. Thomma, WM-Bälle. Eine Jagd um die Welt, Tagesspiegel am Sonntag vom 9. Mai 2010, abrufbar im Online-Archiv
Mr. Crack – Chile 1962: Mr. Crack war der Ball eines chilenischen Herstellers aus gelblichem Leder. Aufgrund qualitativer Mängel ließ die FIFA als zweiten offiziellen Spielball nochmals den Topstar von 1958 zu.
Challenge 4-Star – England 1966: Der Challenge 4 Star wurde vom englischen Hersteller Slazenger produziert und bestand wie seine Vorgänger aus Leder, die im länglichen Panel-Design zusammengefügt wurden. Der im Finale eingesetzte Ball hatte eine rötlich-braune Farbe. miniatur|hochkant|Telstar 1974
Telstar – Mexiko 1970: Der Telstar war, wie für Fußbälle zu dieser Zeit üblich, komplett aus Leder. Anders als andere Bälle war er indessen aus 32 handvernähten Panels gefertigt und bestand aus zwölf schwarzen Fünfecken und 20 weißen Sechsecken (dies entspricht einem Ikosaederstumpf). Das schwarz-weiße Design des Telstar wurde besonders bekannt. Der Telstar – dessen Name von „Star of Television“ abgeleitet wurde – war gegenüber braunen Bällen im Schwarzweißfernsehen besser zu erkennen. Neben dem schwarz-weißen Modell wurden auch weiße und braun-rote Modelle für die WM produziert.
Telstar Durlast – Deutschland 1974: Bei dieser Fußball-WM wurden zwei Spielbälle eingesetzt. Der Telstar erlebte sein Comeback mit einer schwarzen statt der bisherigen goldfarbenen Beschriftung. Zusätzlich führte man nach dem Erfolg des Telstar mit dem Chile ein ganz in Weiß gehaltenes neues Modell ein. Dieser Ball war nach dem rundum weißen Ball benannt, mit dem während der WM 1962 in Chile gespielt wurde.
Tango Durlast – Argentinien 1978: Im Fußballdesign gab es 1978 mit der Einführung des Tango eine entscheidende Weiterentwicklung. 20 identische Triaden vermittelten den optischen Eindruck von zwölf identischen Kreisen. Das klassische Wabenmuster wurde damit abgelöst, denn die Spielbälle der nächsten fünf Fußball-Weltmeisterschaften basierten auf diesem Grunddesign. Der Tango zeichnete sich zudem durch eine höhere Wetterbeständigkeit aus.
Tango España – Spanien 1982: Gegenüber dem Tango von 1978 wurde das Design nur geringfügig verändert. Allerdings kam beim Tango España eine wichtige technische Innovation zum Einsatz. Der Tango España – noch immer ganz aus Leder – hatte erstmals wasserdicht versiegelte Nähte. Dadurch verringerte sich die Wasseraufnahme des Balls bei feuchtem Spielwetter drastisch, und die Gewichtszunahme wurde minimiert.
Azteca México – Mexiko 1986: Der Azteca war der erste vollsynthetische Spielball bei einer Fußball-WM. Die Verwendung von synthetischen Materialien erhöhte die Strapazierfähigkeit und reduzierte die Wasseraufnahme weiter. Der Azteca zeigte bis dahin unerreichte Eigenschaften bei harten Böden, in Höhenlagen und bei feuchtem Klima. Sowohl das Design des Balles war von der kulturellen Vergangenheit des Landes geprägt wie auch der Name, der von den Azteken abgeleitet wurde. miniatur|hochkant|Etrusco Unico 1990
Etrusco Unico – Italien 1990: Der Etrusco Unico stellte die nächste Entwicklungsstufe synthetischer Materialien dar. Er war der erste Spielball mit einer inneren Schicht aus schwarzem Polyurethan-Schaum. Dadurch war der Etrusco Unico vollständig wasserabweisend. Der Ball ließ sich besser spielen und erreichte höhere Schussgeschwindigkeiten. Jede der 20 Tango-Triaden zierten drei etruskische Löwenköpfe.
Questra – USA 1994: