Sir Falkes de Bréauté († nach 18. Juli 1226 in Rom) war ein ausländischer Söldner im Dienst des englischen Königs Johann Ohneland. Als Günstling des Königs stieg er zu einem mächtigen Baron auf. Nach einer erfolglosen Revolte gegen Johanns Nachfolger Heinrich III. musste er jedoch England verlassen und starb im Exil.
Herkunft Falkes de Bréautés stammte aus der Normandie, doch seine genaue Herkunft ist ungeklärt. Angeblich war er ein unehelicher Sohn eines Ritters, nach anderen Angaben entstammte er einer Familie des niederen Adels aus Bréauté. Die meisten Chronisten vermuteten jedoch, dass er von nichtadliger Geburt war. Er soll von kleiner Statur, aber schlau, rücksichtslos und tapfer gewesen sein. Sein Name war angeblich eine Ableitung von „Sense“ (), da er damit einen Totschlag begangen hatte.David A. Carpenter: The struggle for mastery. Britain, 1066–1284. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 0-19-522000-5, S. 306.
Aufstieg unter König Johann Ohneland Falkes und seine Familie werden nicht vor 1204 in England erwähnt. Vermutlich kamen er, mindestens drei seiner Brüder und eine Schwester nach der französischen Eroberung der Normandie im Französisch-Englischen Krieg 1204 nach England. Bréauté diente wahrscheinlich als Sergeant dem König, nach späteren, jedoch unbelegten Angaben diente er als königlicher Türsteher. Vermutlich gehörte er zu einem Kontingent Soldaten, das im Januar 1206 als Verstärkung in das südwestfranzösische Poitou geschickt wurde. Bereits im Februar 1207 betraute ihn König Johann mit der Verwaltung der walisischen Herrschaften Glamorgan und Wentloog, die der König seinem bisherigen Günstling William de Braose entzog. Vermutlich wurde Bréauté um diese Zeit zum Ritter geschlagen und kurz darauf zum Constable des königlichen Carmarthen Castle sowie zum Verwalter von Gower in Wales ernannt. Während der Kriege gegen Llywelyn ab Iorwerth unternahm er 1211 einen erfolgreichen Feldzug von Cardiff gegen den walisischen Fürsten Llywelyn ab Iorwerth, wobei er bis Aberystwyth vorstieß.David A. Carpenter: The struggle for mastery. Britain, 1066–1284. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 0-19-522000-5, S. 284. In Wales machte er sich einen Namen als grausamer und rücksichtsloser Söldner, 1212 beauftragte ihn der König beispielsweise mit der Zerstörung von Strata Florida Abbey, weil die Mönche die Gegner des Königs unterstützt hatten. Daneben diente Falkes dem König als Söldnerführer in Flandern und im Poitou, wobei er wahrscheinlich beim König in hoher Gunst stand. Ab Januar 1215 gehörte er häufig zum Gefolge des Königs in England, entgegen gelegentlicher Behauptungen wird er jedoch nicht namentlich in der Magna Carta als einer der ausländischen Günstlinge erwähnt, die England verlassen sollten. Er gehörte jedoch vermutlich zu den Gefolgsleuten des Königs, die schwören mussten, dass sie die Bestimmungen der Magna Carta einhalten würden.
Rolle im Krieg der Barone Heerführer unter König Johann Im kurz darauf ausbrechenden Ersten Krieg der Barone gehörte Bréauté zu den rücksichtslosen und unerschrockenen Söldnern, die König Johann uneingeschränkt und loyal dienten. Von den Baronen wie auch von den mittelalterlichen Chronisten wurde Bréauté dafür gehasst. Am 28. November 1215 eroberte er Castlethorpe Castle, eine Burg von William Mauduit in Buckinghamshire, kurz darauf eroberte er von William de Beauchamp Bedford Castle, das ihm König Johann zur Verwaltung überließ. Anfang 1216 teilte der König sein bei London versammeltes Heer. Während ein Teil unter dem Kommando von dem Earl of Salisbury und vier Söldnerführern, darunter Bréauté, blieb, zog der König mit dem anderen Teil selbst nach Nordengland. Als im Mai 1216 der französische Prinz Ludwig mit einem Heer in England landete und den englischen Thron beanspruchte, sollte Bréauté Oxford gegen die Rebellen sichern. Am 17. Juli plünderte er zusammen mit dem Earl of Chester Worcester, dessen Einwohner sich Prinz Ludwig unterworfen hatten. Der König belohnte Bréauté, indem er ihn zum Sheriff von sechs Grafschaften in den Midlands ernannte, und im September oder Oktober 1216 belohnte der König ihn mit der Erlaubnis, Margaret FitzWarin, die jüngst verwitwete Frau von Baldwin de Redvers, den ältesten Sohn des Earl of Devon zu heiraten, die Anspruch auf ein reiches Wittum hatte. Margaret war die Erbin und Tochter von Warin Fitzgerald, dem königlichen Chamberlain, sowie die Erbin ihrer Mutter, Alice de Courcy, der Erbin der Courcys aus Stogursey in Somerset. Durch diese Heirat wurde Bréauté einer der bedeutendsten Grundbesitzer Englands. Er besetzte sofort die Isle of Wight, die zum Wittum seiner Frau gehörte, und kurz darauf Stogursey, dazu wurde er Chamberlain of the Exchequer. Als König Johann am 19. Oktober 1216 plötzlich starb, gehörte Bréauté zu seinen Testamentsvollstreckern. Die königliche Partei krönte unverzüglich den minderjährigen Sohn Johanns als Heinrich III. zum neuen König, und am 12. November 1216 gehörte Bréauté zu den königlichen Baronen, die die Anerkennung der Magna Carta durch den Regenten William Marshal bezeugten.
Plünderungen und Grausamkeiten Bréauté diente auch Heinrich III., wie er König Johann gedient hatte. Als Sheriff von sechs Grafschaften in den Midlands war er für die Rebellen und Prinz Ludwig ein wichtiger Gegner. Die Rebellen eroberten Hertford und Cambridge, doch Bréauté hielt die Burgen von Oxford, Buckingham, Northampton und Bedford. In diesen Wirren begingen Bréautés Söldner ihre größte Grausamkeit. Nachdem sich die Stadt und die Abtei von St Albans am 12. Januar 1217 Prinz Ludwig ergeben mussten, überfiel Bréauté zehn Tage später die Stadt. Nach unvorstellbaren Grausamkeiten bei der Plünderung der Stadt zogen die Söldner zur Abtei. Sie ermordeten den Koch des Abts und forderten 200 Mark, andernfalls drohten sie mit der Brandschatzung der Abtei. Auch Warden Abbey in Bedfordshire wurde von den Söldnern heimgesucht. Bréauté entschädigte später beide Abteien, doch die Abtei von St Albans nahm seine Buße nur aufgrund der Stellung seiner Frau an. mini|Die Schlacht von Lincoln. Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert
Sieg in Lincoln Ende Februar 1217 zog Bréauté mit einer königlichen Armee nach Südengland, doch der Entsatz des belagerten Rye, einem der Cinque Ports, scheiterte. Auf ihrem Rückzug nach Mittelengland eroberte und plünderte seine Armee die Isle of Ely. Anschließend unterstützte Bréauté den Earl of Chester bei der Belagerung von Mountsorrel Castle in Leicestershire. Daraufhin teilte sich das verbündete Heer der Rebellen und der Franzosen. Während Prinz Ludwig weiterhin Dover Castle belagerte, zog die andere Hälfte nach Leicestershire, um Mountsorrel Castle zu entsetzen. Nachdem sie dies erreicht hatten, zogen die Rebellen weiter nach Lincoln, wo eine andere Gruppe der Rebellen das royalistische Lincoln Castle belagerte. Dort wurden sie von dem königlichen Heer gestellt. In einem erbitterten Straßenkampf siegte das königliche Heer unter William Marshal und dem Bischof von Winchester. Bréautés Männer hatten vor der Schlacht Lincoln Castle besetzt, und seine Armbrustschützen brachten den Franzosen und den Rebellen von den Burgmauern während der Schlacht schwere Verluste bei. Dann unternahm Bréauté einen kühnen Ausfall in die Stadt, bei dem er gefangen genommen wurde, doch kurz darauf wieder von seinen Männern befreit werden konnte. Anschließend kämpfte er weiter, bis sich seine Truppen mit dem königlichen Heer zusammenschließen und die Rebellen entscheidend schlagen konnten. Selbst Bréautés Gegner würdigten seinen tapferen Kampf gegen einen zahlenmäßig überlegenen Gegner und seinen Beitrag zum Sieg des königlichen Heeres. In dem Kampf machte er zahlreiche Gefangene, die er nur widerwillig freiließ, nachdem der Krieg der Barone im September 1217 durch den Frieden von Lambeth für König Heinrich III. siegreich beendet wurde.
Konflikte mit der Minderjährigkeitsregierung Der Sieg des Königs war der Höhepunkt von Bréauté Karriere. Auf seine Kosten bewirtete er den Königshof Weihnachten 1217 in Northampton. In den nächsten Jahren gehörte er jedoch zu den Siegern, die nun in Gegnerschaft zum Justitiar Hubert de Burgh standen, vor allem weil dieser königliche Burgen und Güter zurückforderte, die von Bréauté und anderen Baronen zu ihren eigenen Gunsten verwaltet wurden. Falkes Stellung war zunächst unangreifbar. Als führendes Mitglied der Regierung des minderjährigen Königs ignorierte er bis 1219 Urteile der lokalen Gerichte, die ihn aufforderten, einen Teil seiner Burgen zu übergeben. In Essex, Hertfordshire und East Anglia diente er selbst als königlicher Richter und verhinderte so Urteile zu seinen Ungunsten. Nach dem Tod seines Schwiegervaters, des Earl of Devon, erhielt er als Mitgift für seine Frau im März 1218 Plympton Castle mit der Honour of Plympton in Devon, dazu wurde er Vormund für seinen Stiefsohn Baldwin, dem minderjährigen Erben von Devon. Daneben blieb er weiter Sheriff der sechs Grafschaften in den Midlands sowie von 1218 bis 1221 Sheriff von Rutland. Da diese Ämter alle zeitlich begrenzt und jederzeit widerrufbar waren, beruhte seine Stellung auf der Gunst des Regentschaftsrates. Auch das Courcy-Erbe seiner Frau wurde von ihrer älteren Halbschwester Alice of Cornhill, die mit dem früheren Rebellen Hugh de Neville († 1234) verheiratet war, vor Gericht angefochten.
Dazu hatte sich Bréauté auch unter den Parteigängern des Königs zahlreiche Feinde gemacht. William Marshal der Jüngere hatte während des Kriegs der Barone vier Güter an Bréauté verpfänden müssen, nun versuchte er erbittert, sie zurückzuerlangen. In der Ausübung seines Amtes als Sheriff machte Bréauté sich weitere Feinde. Der Earl of Salisbury verübelte Bréauté, dass er Nicola de la Haye, die Herrin von Lincoln Castle, gegen ihn unterstützte. Salisbury plante bereits, zusammen mit Robert de Courtenay einen Angriff auf Bréautés Besitzungen in Devon zu starten. Diese Beispiele zeigen, wie gefährdet Bréautés Stellung war. Ohne eigenen, unabhängigen Landbesitz war er auf die Unterstützung von mächtigen Magnaten wie dem Earl of Chester oder von Bischof Peter des Roches angewiesen, die Gegner der Herrschaft von Justitiar Hubert de Burgh waren. Bréauté schien sich selbst wohl bewusst zu sein, wie gefährdet seine Position als verachteter, als nichtadlig geborener Ausländer war. Um 1222 erklärte er bei einem Streit, den er als Sheriff von Northamptonshire mit John Marshal führte, dass Marshal und alle in England geborene Männer Verräter seien, die nur auf einen Wiederbeginn des Bürgerkriegs hinarbeiten würden. Dann behauptete er, dass ganz England nicht groß genug sei, wenn er gegen sie Krieg führen würde, und dass nicht einmal 30 königliche Briefe seine Meinung ändern würden. Seine Frustration darüber, dass der Eigennutz der Barone seine Amtsführung als Sheriff behinderte, änderte jedoch nichts daran, dass er selbst alle Versuche der Regentschaft blockierte, die in seinem Besitz befindlichen königlichen Besitzungen zurückzuerlangen.
Die Regierungskrise im Winter von 1223 bis 1224