Verviers ist eine Stadt im Osten Belgiens und liegt im Tal der Weser () in den nördlichen Ausläufern der Ardennen. Sie gehört zur Provinz Lüttich in der Wallonischen Region. Die Grenze zu Deutschland liegt etwa 30 Kilometer entfernt. Verviers ist die Hauptstadt des gleichnamigen Bezirks, zu dem 29 Gemeinden gehören.
Geschichte
Die Geschichte der Stadt liegt bis zum 12. Jahrhundert im Dunkeln. Grundbesitz vom Kloster Stablo ist nicht nachweisbar. Belgische Historiker meinen, Stabloer Mönche hätten schon Ende des 7. Jahrhunderts hier eine Pfarrei (paroisse) gegründet. Dazu fehlen die Urkunden. Anfang des 11. Jahrhunderts soll Verviers Teil des Marquisat de Franchimont gewesen sein. 1012 soll es mit einer Güterübertragung des Marquis Réginard an das Hochstift Lüttich gekommen sein, das im Jahr 1155 Kaiser Friedrich I. bestätigt: Veruier cum advocatia et omnibus pertinentiis ist Eigentum des Lütticher Bischofs (MGH DD FI, Nr. 123).
Verviers war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein weltweit bekannt als Zentrum des Wollhandels und der Textilindustrie. Ausgangspunkt der Textilindustrie war das weiche (d. h. fast kalkfreie) Wasser der Weser, das sich hervorragend zum Waschen von Wolle und anderen Textilien eignete. Der geringe Kalkgehalt des Wassers der Weser erklärt sich dadurch, dass die Weser und ihre Zuflüsse sich aus den Mooren des Hohen Venns speisen. Heute erinnert ein Museum an die Zeit der Textilindustrie. Heute existiert hier eine Produktionsstätte für Solarmodule.
Stadtgliederung Die Stadt Verviers umfasst seit der Gemeindefusion von 1977 zusätzlich die ehemaligen Gemeinden Ensival, Heusy, Lambermont, Petit-Rechain und Stembert. Die Stadt Dison bildet mit Verviers eine geschlossene urbane Zone.
Politik
Stadtrat
Es wurde eine große Koalition aus MR – LE – Sonst. und PS eingegangen.https://www.rtbf.be/article/elections-communales-a-verviers-un-accord-de-majorite-est-tombe-11451475
Sehenswürdigkeiten Sehenswert sind die zahlreichen aus der Epoche des Historismus stammenden Bürgerhäuser, die ganze Straßenzüge prägen. Seit Beginn der 1990er Jahre werden vermehrt Anstrengungen unternommen, das Stadtbild attraktiver zu gestalten. Verviers nennt sich „Wallonische Hauptstadt des Wassers“, zahlreiche neu angelegte Brunnen, Wasserspiele und ein Musée de l’eau verdeutlichen dies. An die Geschichte der Textilindustrie erinnert das Centre Touristique de la Laine et de la Mode, in dem wechselnde Ausstellungen und Seminare stattfinden.
Bedeutende Sakralbauten sind die Kirche Saint-Remacle aus dem Jahr 1838 und die 1650 fertiggestellte Kirche Notre-Dame des Récollets. Das ehemalige Postamt (1909) mit Stilelementen aus Neogotik und Neorenaissance steht in direkter Nachbarschaft zur Fontaine Ortmans (1895). Das neoklassizistische Theater, der Justizpalast und das Rathaus aus dem späten 18. Jahrhundert sind weitere Sehenswürdigkeiten.
Das Empfangsgebäude des zwischen 1925 und 1930 erbauten Vervierser Hauptbahnhofs weist Merkmale des späten Jugendstils auf, er ist einer der seltenen quer über den Gleisen angelegten Reiterbahnhöfe.
Unweit von Verviers liegt die Gileppe-Talsperre, die seit 1878 die Wasserversorgung der Stadt und ihrer Industrie gewährleistet.
Die Assahaba-Moschee ist die größte Moschee in der Wallonie.
Verkehr mini|Bahnhof Verviers-Central (2021) mini|Straßenbahn und Bus in der Rue Houget (1969) Verviers liegt an der Bahnstrecke Aachen–Lüttich(–Brüssel). Am Bahnhof Verviers-Central halten im Stundentakt IC-Züge der Linie 01 (Eupen–Brüssel–Ostende). Montags bis freitags außerdem IC-Züge (Linie 12) von Welkenraedt nach Kortrijk. Des Weiteren besitzt die Regionalbahn L 09 nach Spa-Géronstère im Bahnhof ihren Ausgangspunkt.
Hier befindet sich zudem der Haltepunkt Verviers-Palais, der nur von der S-Bahn Lüttich bedient wird. Aachen Hbf ist im Stundentakt mit dem euregioAIXpress erreichbar.
Die Autobahn A 27 durchquert die Stadt auf kurvenreicher Streckenführung Richtung Eifel. Nördlich der Stadt verläuft die Autobahn A 3 Aachen–Brüssel.
Zwischen 1884 und 1969 bediente die Straßenbahn Verviers den öffentlichen Nahverkehr in Verviers und seinen Nachbargemeinden. Bis 1952 verband eine Strecke der SNCV Verviers mit dem Kurbad Spa, bis 1956 bestand eine weitere SNCV-Strecke nach Eupen.
Städtepartnerschaften Arles, Frankreich La Motte-Chalancon, Frankreich Bradford, Vereinigtes Königreich Mönchengladbach, Deutschland Roubaix, Frankreich Die drei letztgenannten Städte sind als „Textilstädte“ mit Verviers und untereinander durch Partnerschaften verbunden.
Söhne und Töchter der Stadt Henri Simonis (1640–1725), Tuchfabrikant und Gründer der Iwan-Simonis-Billardtuchfabrik William Cockerill, Senior (1759–1832), Erfinder und Industrieller, kam 1797 nach Verviers Iwan Simonis (1769–1829), Billardtuchfabrikant (Urenkel von Henri Simonis) Henri-Antoine Jardon (1768–1809), General der Infanterie Alexandre Louis Simon Lejeune (1779–1858), Arzt und Botaniker Joseph Henrion (1793–1868), erster belgischer gehörloser Lehrer Barthélemy Vieillevoye (1798–1855), Historien-, Porträtmaler und Hochschullehrer Richard Courtois (1806–1835), Botaniker Alfred Skene (1815–1887), Industrieller und Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus Henri Vieuxtemps (1820–1881), Violinist und Komponist Félicien Chapuis (1824–1879), Arzt und Entomologe Charles Rau (1826–1887), Anthropologe und Kurator des Smithsonian Paul Nicolas Édouard Peltzer (1829–1903), Technischer Direktor der Tuchfabrik Peltzer & Fils sowie Politiker Auguste Peltzer (1831–1893), Verwaltungsdirektor der Tuchfabrik Peltzer & Fils sowie Politiker Armand Peltzer (1843–1885), Ingenieur und Mordbeteiligter im Justizfall Peltzer Léon Peltzer (1843–1885), Geschäftsmann und Mordbeteiligter im Justizfall Peltzer Édouard Peltzer (1859–1934), Gesellschafter bei Peltzer & Fils sowie Politiker Henri Pirenne (1862–1935), Historiker Paul Christophe (1870–1957), Bauingenieur Guillaume Lekeu (1870–1894), Komponist Mathieu Crickboom (1871–1947), Violinist Eduard Jüngerich (1872–1935), deutscher Architekt, Stadtplaner und Baubeamter Olga Zanders (1872–1946), deutsche Papierfabrikantin Mathieu Quoidbach (1873–1951), Radrennfahrer Victor Vreuls (1876–1944), Violinist, Dirigent und Komponist Albert Dupuis (1877–1967), Komponist Jules de Grand Ry (1880–1966), belgischer Staatsbeamter Guy Weitz (1883–1970), Organist und Komponist Yvan Goor (1884–1958), Rad- und Motorradrennfahrer Jean Genten (1892–1944), römisch-katholischer Geistlicher und Märtyrer Louis Zurstrassen (1892–1971), Industrieller und Politiker Antoine Fonck (1893–1914), erster Soldat, der im Ersten Weltkrieg für Belgien gefallen ist Joseph Martin Peters (1894–1943), römisch-katholischer Geistlicher und Märtyrer Jacques Magnée (1903–1943), römisch-katholischer Geistlicher, Jesuit und Märtyrer Jourdain-Willy Dressen (1908–1945), römisch-katholischer Geistlicher, Dominikaner und Märtyrer Léon Lacroix (1909–2016), Numismatiker und Klassischer Archäologe Joseph Mostert (1912–1967), Mittelstreckenläufer André Blavier (1922–2001), Bibliothekar, Publizist und Schriftsteller Guy Jacques (1924–1944), Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Raymond Macherot (1924–2008), Comicautor für die Zeitschriften Tintin und Spirou Philippe Derchain (1926–2012), Ägyptologe Roger Leloup (* 1933), Comiczeichner, zeitweise im Studio Hergé Félix Simtaine (* 1938), Jazzmusiker Violetta Villas (1938–2011), polnische Sängerin Jean Vallée (1941–2014), Sänger Yvan Ylieff (* 1941), Politiker Jean Mawhin (* 1942), Mathematiker und Mathematikhistoriker Jean-Jacques Andrien (* 1944), belgischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent Jean-Marie Klinkenberg (* 1944), Linguist und Semiotiker Janot Buchem (1946–2014), Jazzmusiker Jacques Géron (1950–1993), Comiczeichner Marc Duez (* 1957), Automobilrennfahrer Georges Ruggiu (* 1957), Rundfunkmoderator und Kriegsverbrecher Axel Urhausen (* 1958), belgischer Allgemein- und Sportmediziner sowie Olympia-Arzt Ingrid Leonie Severin (* 1959), Kunsthistorikerin und Kuratorin Jacques Stotzem (* 1959), Gitarrist (Fingerstyle) Claude K. Dubois (* 1960), Kinderbuchautorin und Illustratorin Eric van de Poele (* 1961), Automobilrennfahrer André Charlier (* 1962), Jazzmusiker Vinciane Pirenne-Delforge (* 1963), Althistorikerin Geisela Reinhardt (* 1964), französischer Musiker des Gypsy-Jazz Eddy Seel (* 1970), Supermoto-Rennfahrer Vincent Vosse (* 1972), Automobilrennfahrer Dominique Monami (* 1973), Tennisspielerin David Engels (* 1979), Althistoriker, Professor an der ULB Sébastien Rosseler (* 1981), Radrennfahrer Philippe Gilbert (* 1982), Radrennfahrer Sébastien Parotte (* 1984), Opernsänger Bertrand Baguette (* 1986), Automobilrennfahrer Kévin Van Melsen (* 1987), Radrennfahrer Mücahit Ceylan (* 1991), belgisch-türkischer Fußballspieler Clinton Mata (* 1992), angolanisch-belgischer Fußballspieler Green Montana (* 1993), Rapper Boris Vallée (* 1993), Radsportler Albert Sambi Lokonga (* 1999), belgisch-kongolesischer Fußballspieler Irina Balus (* 2005), slowakische Tennisspielerin Cihan Çanak (* 2005), belgisch-türkischer Fußballspieler Sam Parmantier (* 2005), Biathlet
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Verviers
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in der Provinz Lüttich Kategorie:Euregio Maas-Rhein