mini|hochkant=1.8|Ehemalige Wohngebiete der Westlichen Abenaki und historische Orte (rot)

Die Westlichen Abenaki sind amerikanische Ureinwohner. Sie bilden die westliche Dialekt- und Stammesgruppe der Abenaki, die sich aufgrund ihres Dialektes von der östlichen Stammesgruppe, den Östlichen Abenaki unterschieden. Sie waren ursprünglich im äußersten Nordosten der USA beheimatet und sprachen Westliches Abenaki (auch Wôbanakiôdwawôgan), eine östliche Algonkin-Sprache. Sie bildeten einst mit vier anderen benachbarten Algonkin-Stämmen der Region zusammen die Wabanaki-Konföderation, die als Reaktion auf die Irokesen-Liga gebildet wurde.

Name und Sprache Die Westlichen Abenaki nennen sich selbst Waban-Aki oder Wobanakii, manchmal auch Benaki. Der Name bedeutet Volk der Morgendämmerung oder Volk des Ostens und stammt aus der Irokesen-Sprache.

Die Existenz dieser Gruppe wird von Linguisten auf eine Sprache zurückgeführt, die im frühen 19. Jahrhundert in Odanak, dem ehemaligen Saint Francis, gesprochen wurde und im 17. und 18. Jahrhundert durch zahlreiche Ortsnamen in Vermont und New Hampshire dokumentiert wird. Diese Sprache, die noch heute von Indianern in Odanak am Rivière Saint-François in der kanadischen Provinz Québec gesprochen wird, unterscheidet sich von der Sprache der Östlichen Abenaki in Maine durch Differenzen in der Aussprache, der Grammatik und im Wortschatz. Es gibt keine Erkenntnisse über die geographische Grenze zwischen den Sprachen der Östlichen und Westlichen Abenaki, da keine ausreichenden Daten aus dem Grenzgebiet vorliegen. Man kann vermuten, dass Westliches Abenaki von Indianern am oberen Merrimack River, am oberen und mittleren Connecticut River und am Lake Champlain gesprochen wurde.

Stämme der Westlichen Abenaki Arsigantegok Cowasuck Missisquoi Penacook Sokoki und eine Anzahl kleinerer Stämme, wie Naumkeag, Nashaway, Pawtuckett, Souhegan und Winnipesaukee.

Die Sokoki lebten zu Beginn des 17. Jahrhunderts am oberen Connecticut River und man kann sie als erste Bewohner von St. Francois, später Saint Francis, ansehen. Am oberen Merrimack River wohnten weitere Stämme der Westlichen Abenaki, die Winnipesaukee und die Penacook.

Flussabwärts gab es weitere Gruppen in Amoskeag (Manchester, New Hampshire), Souhegan, Nashaway, Pawtuckett (Lowell, Massachusetts) und Naamkeek, heute Salem in Massachusetts. Alle diese Stämme standen unter der Oberherrschaft von Passaconaway, dessen Hauptresidenz in Amoskeag und Pawtuckett lag, so ist zu vermuten, dass sie zu den Westlichen Abenaki gehörten.

Westliche Abenaki bewohnten auch die Ostküste des Lake Champlain. Man kennt heute ehemalige Dörfer an der Mündung der Flüsse Winooski, Lamoille und Missisquoi, auf der Grand Isle in Maine, doch die meisten Ureinwohner konzentrierten sich im 17. Jahrhundert am Missisquoi River. In vielen überlieferten Berichten werden die Missisquoi Champlain-Valley-Abenaki genannt. Die Stämme in den Tälern des Lake Champlain, des Connecticut und des Merrimack Rivers führten in der historischen Periode offenbar keine Kriege gegeneinander. Sie waren oft miteinander verbündet, siedelten in denselben Flüchtlings- oder Missionsdörfern und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie zu einem Volk gehörten.

+ Dörfer der Westlichen AbenakiBruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol. 15. Northeast. Kapitel: Western Abenaki, S. 148ff. Smithsonian Institution Press, Washington D.C. 1978, ISBN 0-16-004575-4 Dorf Heutiger Name Ortslage Stamm Squagheag Northfield oberer Connecticut Sokoki Pawtuckett Lowell Falls unterer Merrimack Pawtuckett Amoskeag Manchester mittlerer Merrimack ? Penacook Concord mittlerer Merrimack Penacook, Winnipesaukee Naamkeek Salem Massachusetts Bay Naumkeag Cowasuck Newbury oberer Connecticut Cowasuck Missisquois Swanton Lake Champlain Missisquoi Odanak Saint Francis Saint-François River Sokoki, Arsigantegok

Wohngebiet und Umwelt Das Wohngebiet der Westlichen Abenaki erstreckte sich zu Beginn des 17. Jahrhunderts über die heutigen US-Bundesstaaten New Hampshire und Vermont sowie die angrenzende kanadische Provinz Quebec. Geographisch gesehen besteht dieses Land aus vielen Gebirgen und Flüssen, von Westen nach Osten kann man das Champlain Valley, die Green Mountains, das Connecticut River Valley und die White Mountains nennen, deren angrenzendes Hochland im Süden die Täler des Lake Winnipesaukee und des Merrimac River durchschneiden. Es gibt hier das ganze Jahr hindurch reichlich Niederschläge. Die Winter sind bitterkalt und das Land ist vier bis fünf Monate hindurch mit Schnee bedeckt, die Sommer jedoch sind oft sehr warm.

In den Niederungen fand man einen Mischwald, der aus Laubbäumen, Hemlocktannen und Lebensbäumen bestand, die gelegentlich von großen einzelnen Exemplaren überragt wurden. Auf den Bergen und Berghängen wuchsen überwiegend nördliche Laubbäume und Rottannen, während es in den Sumpfgebieten Balsamfichten, Laubbäume, Schwarz-Fichten, Lärchen und Lebensbäume gab.

Das Gebiet war sehr wildreich, sowohl an Großwild als auch an Pelztieren. An großen Wildtieren gab es Elch, Hirsch und Schwarzbär und an Pelztieren Biber, Bisamratte, Otter, Mink, Marder, Fischermarder, Waschbär, Fuchs und Stinktier. Hier lebten zahllose Wölfe, Bobcats, Hasen, Kaninchen, Wiesel, Eichhörnchen und viele Arten von Vögeln. Weiter nördlich fand man mehr Elche und weniger Hirsche, dafür aber Waldland-Karibus und noch mehr Biber.

mini|hochkant=0.6|Wandertaube (Ectopistes migratorius)

Lebensunterhalt Bei den einzelnen Gruppen gab es lokale Unterschiede im Jahreszyklus bedingt durch andere Nahrungsquellen. Dennoch konnte von Historikern ein allgemein gültiger Jahresablauf rekonstruiert werden. Allgemein üblich war im Frühling das Anzapfen von Ahornbäumen zur Herstellung von Sirup und Zucker. Man machte einen schrägen Schnitt in die Rinde und steckte einen Holunderbeerenzweig, aus dem das Mark herausgebohrt worden war, in das untere Ende des Schnittes. Den herauslaufenden Saft sammelte man in Behältern aus Birkenrinde und kochte ihn zu Sirupkonsistenz. Dazu benutzten die Abenaki Rindeneimer oder Tontöpfe, die in späteren Jahren durch handelsübliche eiserne Kessel ersetzt wurden.

Als nächste Aktivität wurden große Mengen an Fisch aus den Frühlingsschwärmen im Fluss gefangen, dazu benutzte man Reusen, Fallen, Angeln und Netze. Die Abenaki sammelten Frühlingspflanzen, zum Beispiel die Knollen der Erdbirnen oder wilde Kartoffeln. Sie jagten wilde Tauben (engl. Passenger pigeons), die in riesigen Vogelzügen durch das Land nach Norden wanderten.

Die Feld- und Gartenarbeit wurde vorwiegend von Frauen geleistet, die im Mai die Felder mit Mais, Bohnen und Kürbissen (die sog. Three Sisters) bestellten, während Männer nur den Tabak in kleinen separaten Gärten pflanzten. Die Landwirtschaft hatten die Abenaki vor der Kolonialzeit offenbar von den Irokesen übernommen; sie war ein wichtiges Element der Stabilisierung der Bevölkerungszahl, um der irokesischen Expansion standzuhalten.Diana Muir: Reflections in Bullough's Pond: Economy and Ecosystem in New England. University Press of New England, 2000. Die Sommeraktivitäten zum Lebensunterhalt bestanden aus Unkrautjäten in den Maisfeldern, Fischen und dem Pflücken wilder Beeren, von denen Blaubeeren besonders geschätzt wurden.

Kleidung und Schmuck mini|Abanaki-Paar Die Männer trugen eine aus gegerbtem Leder gefertigte Hose mit einem fransenbesetzten Gürtel, der zwei bis drei Mal um die Taille geschlungen und an der Hüfte verknotet wurde. Es gab zwei verschiedene Muster an Mokassins, den Biberschwanz und die Hasennase.

In der kalten Jahreszeit trug man Fußlappen aus Hasenfell unter den Mokassins und ein zweites Paar mit höheren Schäften wurde darüber gezogen. Es gab Leggings mit Füßen, die bis zum Oberschenkel reichten und am Gürtel befestigt wurden. Ein Kleidungsstück für kaltes Wetter war ein ärmelloser, bemalter Mantel, der vorn und hinten aus je einem Elchlederstück bestand. Dazu gab es separate Ärmel. Leider ist kein Museum bekannt, das ein Exemplar dieses Mantels besitzt.

Den jungen, unverheirateten Mann erkannte man an seinem langen, offen getragenen Haar, während die Haartracht des verheirateten Mannes aus einer mit Lederriemen gehaltenen Rolle oder einem Knoten auf dem Scheitel bestand. Die Frau trug ihr langes Haar offen, charakteristisch waren zwei Haarbänder und eine flache Rolle auf dem Scheitel, die von einem Lederband mit ausgefransten Enden gehalten wurde. Für kaltes und nasses Wetter gab es Mützen. Die Kopfbedeckung der Frauen war rund und beide Geschlechter haben Federn darauf getragen. Die Männer hatten zum Beispiel Fellmützen aus der Haut von jungen Hirschen, noch mit dem Geweih daran. Zur Kleidung trugen die Männer ein Messer in einer Scheide vor der Brust. Am Gürtel waren ein Trinkbecher aus Hartholzbaumwurzel und ein kleiner Lederbeutel mit Feuerzeug, Pfeife, Tabak und dem Medizinbeutel befestigt. Die Frauen waren üblicherweise mit Mokassins, Leggings, einem knielangen Hemd und einer Jacke, die bis zur Mitte der Oberschenkel reichte, bekleidet.

Die Kleidung der Abenaki wurde frühzeitig durch europäische Handelsgüter beeinflusst, aber sogar noch nach 1850 sah man ältere Leute in traditioneller Tracht.

Geräte und Werkzeuge Auf der Jagd benutzten die Westlichen Abenaki Jagdwaffen, die aus Pfeil und Bogen, Messer und Speer bestanden. Im Kriegsfall kam eine charakteristische Kriegskeule mit einem runden Kopf aus einer Hartholzwurzel und austretenden angespitzten Zweigen als Waffe dazu.

Zu den wichtigsten Ausrüstungsstücken im Winter gehörten Schneeschuhe und im Sommer war das Birkenrindenkanu unentbehrlich. Schwere Lasten transportierte man im Winter auf einem Toboggan oder auf dem Rücken in einer Decke mit Gurten. Spankörbe, die im 19. Jahrhundert sehr verbreitet waren, gab es wahrscheinlich erst nach dem Kontakt mit Weißen. Babys wurden von ihren Müttern auf dem Wiegenbrett (engl. Cradle board) getragen.Bruce G. Trigger (Hrsg.): Handbook of North American Indians. Vol. 15. Northeast. Kapitel: Western Abenaki, S. 148ff.

Lebenszyklus Kindheit Die Abenaki waren wie alle Indianer fürsorgliche Eltern, die ihre Kinder niemals schlugen. Kinder wurden durch oft wiederholte traditionelle Erzählungen und Ermahnungen erzogen und fürchteten die öffentliche Missbilligung, wenn sie ein Verbot übertreten hatten. Es gab auch Strafen, zum Beispiel wurde das Gesicht eines Kindes mit schwarzer Farbe bemalt oder es wurde aus dem Wigwam gewiesen. Vielfach übernahmen die Großeltern väterlicherseits die Erziehung ihrer Enkel. Ein Knabe bekam im Alter von etwa sechs Jahren den ersten kleinen Bogen mit Pfeilen für Schießübungen und mit 10 bis 12 Jahren durfte er erstmals gemeinsam mit seinem Vater oder Onkel auf die Jagd gehen. Die kleinen Mädchen wurden frühzeitig an den Arbeiten im Haushalt beteiligt. Kam der Junge in die Pubertät, suchte er eine richtungweisende Erscheinung, während sich das Mädchen bei ihrer ersten Menstruation zurückziehen musste.

Hochzeit Hatte ein junger Mann eine passende Frau für sich gefunden, schickte er einen Vermittler mit einem Geschenk, zum Beispiel einer Wampumkette, zur Auserkorenen. Wies das Mädchen das Geschenk zurück, so hatte sie den Bewerber abgelehnt. Wurde der Antrag angenommen, ging der junge Mann auf die Jagd, bis er ein ansehnliches Brautgeschenk erlegt hatte. Danach folgte eine Zeit, in der das Paar versuchsweise miteinander schlief. Es kam vor, dass man sich danach wieder trennte und der Mann seine Präsente verlor. Die Hochzeitszeremonie wurde im Beisein des Häuptlings und der Familien abgehalten und es folgte gewöhnlich ein ausgiebiges Festessen und rituelle Tänze.

Beerdigung