Begabtenförderung ist die Unterstützung von Lernenden, die als überdurchschnittlich begabt identifiziert wurden (zum Beispiel als hochbegabt). Ziel ist es, die Entwicklung der Potenziale dieser Lernenden anzuregen und bestmöglich zu begleiten.

Begabtenförderung ist Teil der Begabungsförderung. Während sich Begabtenförderung auf eine bestimmte Gruppe von Lernenden konzentriert, beschäftigt sich Begabungsförderung mit allen Lernenden, bei denen noch nicht entwickeltes Potenzial vermutet wird.

Gelegentlich wird der Begriff der Begabtenförderung rein monetär ausgelegt und als Förderung von besonders leistungsstarken Lernenden verstanden, meist in Form von Zuschüssen oder Stipendien.

Begabtenförderung in Deutschland

Begabtenförderung für Studierende in Deutschland Die Begabtenförderung in Deutschland besteht in der öffentlichen Wahrnehmung hauptsächlich in den staatlich finanzierten Studienzuschüssen, die von den 13 Begabtenförderwerken in Form von Stipendien an besonders leistungsstarke Studierende vergeben werden.

Daneben bestehen jedoch weitere rund 2.100 Stipendiengeber.vgl. mystipendium.de Im Sommer 2011 hat der Bund zudem das Deutschlandstipendium aufgelegt, das den Hochschulen ermöglicht, mit Bundesmitteln und hälftig eingeworbenen Privatmitteln von ihnen ausgewählte Studierende jeder Nationalität mit einem Stipendium von monatlich 300 € zu fördern.

Einen Überblick über die kaum überschaubare Begabtenförderungslandschaft bieten mittlerweile Informationsportale wie die kostenlose und ehrenamtlich betriebene Datenbank mystipendium.de oder der Stipendienlotse des Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Kritisiert wird, dass die Begabtenförderung ihr Potential nicht ausschöpft: Selbst Abiturienten oder Studierende mit sehr gutem Profil bewerben sich nur zu einem Viertel bis einem Drittel für ein Stipendium.Allensbach-Studie 2010: Großer Bedarf – wenig Förderung. Studienfinanzierung 2010. Auch beim Deutschlandstipendium wurden (Stand 2012) die angekündigten Erwartungen bei weitem nicht erreicht: Ursprünglich sollten 160.000 Studierende beziehungsweise acht Prozent aller Studierenden durch das Deutschlandstipendium gefördert werden. Mit Stand Ende Mai 2012 waren es nur 5.400 Studierende.Nur für 0,2 Prozent gibt es das „Deutschlandstipendium“. In: Der Tagesspiegel. 31. Mai 2012.

Begabtenförderung für Schüler in Deutschland Auch für Schüler gibt es Möglichkeiten der Begabtenförderung, vor allem Wettbewerbe, Hochbegabten- und Spezialschulen und spezialisierte Ferienlager. Es gibt verschiedene Wettbewerbe für begabte Schüler: Jugend forscht, Bundeswettbewerb Fremdsprachen, Bundeswettbewerb Mathematik, Mathematikolympiade, Chemieolympiade, Physikolympiade, Biologieolympiade, Philosophieolympiade, Bundeswettbewerb Informatik, Jugend musiziert, Jugend debattiert, Adam-Ries-Wettbewerb.

Das Bundesland NRW hat 2010 ein Projekt begonnen (mit sieben Gymnasien und drei Grundschulen; 2012 kamen weitere Schulen hinzu); es heißt 'Netzwerk Hochbegabtenförderung NRW'. Pressemeldung, 8. Juli 2013. auf: schulministerium.nrw.de www.karg-stiftung.de

Auch in Bayern gibt es inzwischen acht Gymnasien, die ab der 5. Jahrgangsstufe Spezialklassen für besonders begabte Schüler anbieten.Informationen des Kultusministeriums Bayern zu den Hochbegabtenklassen In Zusammenarbeit mit der Karg-Stiftung Frankfurt am Main und dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst sowie dem eVOCATIOn-Weiterbildungsinstitut (Würzburg) sollen diese bis zum Herbst 2016 im Rahmen des Projekts Karg Campus Schule Bayern zu Kompetenzzentren der Begabtenförderung ausgebaut werden.Pressemitteilung des Kultusministeriums Bayern vom 28. Januar 2015, Informationen der Karg-Stiftung zum Projekt Karg Campus Schule Bayern

In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit vier gymnasiale Schulen mit Hochbegabtenförderung ab Klasse 5: Diese sind dem Heinrich-Heine Gymnasium in Kaiserslautern, dem Max-von-Laue Gymnasium in Koblenz, dem Otto-Schott Gymnasium in Mainz sowie dem Auguste-Viktoria Gymnasium in Trier angeschlossen. Die erste Schule für Hochbegabte startete in Rheinland-Pfalz im Schuljahr 2003/2004.

Einige Gymnasien bieten ab der 6. Klasse besondere Hochbegabtenklassen an.

Es gibt ebenfalls einige staatliche Internatsschulen für Hochbegabte: In Hessen die Internatsschule Schloss Hansenberg, in Sachsen das Sächsische Landesgymnasium Sankt Afra, in Baden-Württemberg das Landesgymnasium für Hochbegabte Schwäbisch Gmünd und in Sachsen-Anhalt die Landesschule Pforta.

Des Weiteren gibt es zahlreiche Schulen mit fachspezifischer Hochbegabtenförderung (teilweise in Spezialschulteilen oder Spezialklassen): Mathematisch-Naturwissenschaftlich: Albert Schweitzer Gymnasium Erfurt Spezialschulteil, Carl-Zeiss-Gymnasium Jena, Johannes-Kepler-Gymnasium Chemnitz, Wilhelm-Ostwald-Gymnasium Leipzig, Goetheschule Ilmenau Sprachlich: Salzmannschule Schnepfenthal Musikalisch: Musikgymnasium Schloss Belvedere, Musikgymnasium Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin, Thomasschule zu Leipzig, Musikgymnasium Käthe Kollwitz Rostock, Musikzweig der Latina „A. H. Francke“ in Halle/Saale, Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz in Montabaur Sportlich: Sportgymnasium Oberhof, Sportinternat Hannover, Sportgymnasium und Sportmittelschule Leipzig

Verschiedene Organisationen bieten Ferienlager zur Förderung begabter Schüler an. Dazu gehören: Bildung und Begabung e. V.: Deutsche SchülerAkademieDeutsche SchülerAkademie Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e. V.: JGW-SchülerAkademieJugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e. V. (in Kooperation mit der Deutschen SchülerAkademie) Unterschiedliche Träger in den einzelnen Bundesländern: Deutsche JuniorAkademienDeutsche JuniorAkademien (DJA) Akademie Burg Fürsteneck: Hessische Schülerakademie Jugendbildung in Gesellschaft und Wissenschaft e. V.: JGW-MathematikAkademie (2007 bis 2009) Leipziger Schülergesellschaft für Mathematik: Mathe-Spezialistencamp Wurzel e. V.: Schülerakademie Mathematik TU Ilmenau: PhysiksommerPhysiksommer an der TU Ilmenau Georg-August-Universität Göttingen: Göttinger MathecampGöttinger Mathecamp

Untersuchungen zur Leistungsfähigkeit existierender Begabtenförderungsprogramme (Bildungscontrolling) wurden in Deutschland bisher nur vereinzelt durchgeführt.

Sonstige Angebote Für hochbegabte Underachiever (zum Beispiel mit pausierter oder abgebrochener Ausbildung) boten seit 2016„Der erste Lehrgang für drei junge Erwachsene zwischen 26 und 32 Jahren sei zu Ende gegangen, sagte der Geschäftsführer der Dr. Farassat-Stiftung in Veitshöchheim (Landkreis Würzburg), Reinhard Foegelle.“ In: Hochbegabte „Underachiever“: Vorbereitung aufs Berufsleben. Eine Stiftung aus Unterfranken hat zum ersten Mal erwachsene „Underachiever“ aufs Berufsleben vorbereitet. Focus-online vom 3. Dezember 2016 (abgerufen am 3. Juli 2024). die Dr.-Farassat-Stiftung des gleichnamigen F&K-Delvotec-Gründers und die daraus entstandene Agentur Quantenspringer eine sehr marginale projekt- und design-thinking-basierte (Wieder-)Eingliederung ins Berufs- und Sozialleben an und vermittelten dabei hochbegabte Teams und Unternehmen mit disziplinenübergreifenden Fragestellungen aus der Berufspraxis. Seit 2019 arbeitete die Stiftung vermehrt mit der TU München zusammen. Seit dem 30. November 2020 hat die Dr. Farassat-Stiftung ihr Förderprogramm eingestellt.„Die Dr. Farassat-Stiftung hat ihr Förderprogramm zum 30. November 2020 eingestellt.“ In: Webseite der Dr.-Farassat-Stiftung auf der Webseite quantenspringer.com (abgerufen am 3. Juli 2024). Im Moment (Juli 2024) gibt es nur noch sehr hochpreisige Angebote der sehr kleinen Agentur Quantenspringer in Schaafheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg in Hessen) im Bereich CoachingWir helfen Ihnen, Ihre „PS auf die Straße zu bringen“ Coaching auf der Webseite der Agentur Quantenspringer (abgerufen am 3. Juli 2024), Trainee"Training für Service/Innendienst" auf der Webseite der Agentur Quantenspringer (abgerufen am 3. Juli 2024) und KarriereberatungKarriereberatung/Bewerbungstraining auf der Webseite der Agentur Quantenspringer (abgerufen am 3. Juli 2024).

Begabtenförderung in der DDR In der DDR gab es verschiedene Einrichtungen, in denen begabte Schüler gefördert wurden.

Zu den bekanntesten und ältesten Einrichtungen zählen die Russischschulen, zu denen später Schulen mit anderen Erweiterungen hinzukamen. Spezialschulen für die mathematisch-naturwissenschaftlich begabten Schüler gab es in fast allen Bezirken der DDR. Die meisten sind heute Gymnasien mit einem speziellen Profil, beispielsweise das Heinrich-Hertz-Gymnasium in Berlin oder das Wilhelm-Ostwald-Gymnasium in Leipzig. Einige „überlebten“ als Spezialschulteile, z. B. am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Erfurt. Zudem gab es an den Erweiterten Oberschulen Spezialklassen.

Mit der Gründung der Spezialklassen für Chemie wurde im Jahr 1964 erstmals an einer Hochschule der DDR (wie bis dahin meist nur in den USA üblich; siehe Juniorstudium), mit der Ausbildung hochbegabter Schüler begonnen, die schon vor dem Abitur auch in den Forschungsbetrieb der Hochschule eingebunden wurden. Mitte der 1960er Jahre entstanden weitere Spezialklassen für Mathematik und Physik an den Universitäten Berlin, Halle und Rostock sowie den Technischen Hochschulen Karl-Marx-Stadt und Magdeburg. Diese Spezialklassen unterstanden dem Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen und nicht (wie z. B. die Spezialschulen) dem Ministerium für Volksbildung.

Besonders mathematische und naturwissenschaftliche Begabungen wurden auch außerhalb des Unterrichts intensiv in Arbeitsgemeinschaften, Klubs und Korrespondenzzirkeln gefördert und über Schul-, Kreis- und Bezirksolympiaden ermittelt.

Eine besondere Form stellten die Stationen Junger Naturforscher und Techniker dar, an denen sich Begabte in Mathematik und Bereichen der Naturwissenschaften fortbilden konnten. In den 1970er Jahren wurden Mathematische Schülergesellschaften gegründet, in denen begabte Schüler durch universitäre Mathematiker gefördert wurden. Auch gab es Spezialklassen für Chemie. Nach der Wende wurde das DDR-Schulsystem an das der Bundesrepublik angeglichen; solche Einrichtungen wurden nach und nach bis auf einige wenige geschlossen.

Begabtenförderung in Österreich

Begabtenförderung für Schüler in Österreich Grundsätzlich kann zwischen Förderansätzen innerhalb der Organisation Schule und außerschulischen Förderangeboten unterschieden werden.

Begabtenförderung innerhalb der Schule

Individualisierung & Differenzierung im Regelunterricht Dabei werden Schüler nach ihren Interessen, Stärken und Begabungen unterrichtet. Möglichkeiten hierfür bieten u. a. folgende Ansätze:

Curriculum Compacting: Die Anforderungen des Lehrplans werden individuell angepasst, indem der Unterrichtsstoff für einen Schüler oder für eine Gruppe komprimiert beziehungsweise in kürzerer Zeit durchgenommen oder selbständig (auch außerhalb des Unterrichts) erarbeitet wird. Die gewonnene Zeit kann für zusätzliche begabungsfördernde Unterrichtsangebote genutzt werden. Drehtürmodell: Dieses ermöglicht begabten Schülern, sich für eine begrenzte Zeit aus dem regulären Unterricht eines Gegenstandes oder mehrerer Unterrichtsfächer zu entfernen, um sich z. B. einem Projekt zu widmen. Es empfiehlt sich, hierfür einen Lernvertrag abzuschließen, in dem die genauen Modalitäten festgelegt werden. Mentoring & Tutoring: Schüler werden von erfahrenen Personen in ihrem Lernen begleitet. Dies kann sowohl inhaltliche als auch organisatorische oder metakognitive Bereiche umfassen. Begabte Schüler können sowohl passiv (z. B. durch die Unterstützung bei eigenem Forschen) als auch aktiv als Tutoren profitieren.

Akzelerierende Fördermaßnahmen Zielsetzung ist dabei die Möglichkeit zu beschleunigtem Lernen: