mini|DeSoto-Kühlerfigur an einem Custom DeSoto war eine Automobilmarke aus den USA, die zur Chrysler Corporation gehörte und von 1928 bis 1961 vor allem auf dem nordamerikanischen Markt vertrieben wurde. DeSoto bot Personenkraftwagen an, die technisch und stilistisch eng an die jeweiligen Chrysler-Modelle angelehnt waren. Daneben entstanden unter dem Markennamen schwere Lastwagen, die außerhalb der USA, insbesondere in der Türkei, gebaut wurden. Ihre Fertigung dauerte bis zum Jahr 1978 an.
Geschichte Entstehungsgeschichte mini|Namensgeber Hernando de Soto. Sein stilisiertes Porträt fand sich zeitweise auf DeSoto-Logos. Die Marke DeSoto wurde am 4. August 1928 von Walter P. Chrysler gegründet. Namensgeber war der spanische Konquistador Hernando de Soto, der im 16. Jahrhundert Expeditionen nach Mittelamerika und durch das südliche Nordamerika unternommen hatte.
Die 1925 gegründete Chrysler Corporation war in den ersten drei Jahren ihrer Existenz nur mit der Marke Chrysler am US-amerikanischen Markt vertreten. Demgegenüber vertrieb General Motors zahlreiche Marken, die sehr unterschiedliche Preissegmente abdeckten; zeitweise gehörten bis zu 10 Marken zum General-Motors-Konzern, von denen einige allerdings nur sehr kurzlebig waren. Auch Studebaker und Willys-Overland unterhielten mit Erskine bzw. Whippet zusätzliche Marken.
Dieser Entwicklung schloss sich Chrysler mit der Gründung der Marken Plymouth im Juni 1928 und DeSoto im August desselben Jahres an. DeSoto war in einem mittleren Marktsegment zwischen den beiden anderen Marken positioniert. Auf diese Weise konnte Chrysler im Mittelklassebereich präsent sein, ohne den Ruf der eigenen Marke, die mit hochpreisigen Autos verbunden wurde, zu beeinträchtigen.
Kurz nach der Einführung der Marke DeSoto übernahm Chrysler zusätzlich den 1914 gegründeten Automobilhersteller Dodge Brothers Inc, der ebenfalls in einem Marktsegment unterhalb von Chrysler angesiedelt war. Damit hatte die Chrysler Corporation nun eine Marke in der unteren Mittelklasse und zwei im mittleren Preissegment. Einige Berichte behaupten, dass Chrysler auf die DeSoto-Gründung verzichtet hätte, wenn die Übernahme von Dodge zu einem früheren Zeitpunkt möglich gewesen wäre; andere Quellen behaupten, mit der Gründung der Marke DeSoto habe Chrysler den Zweck verfolgt, den Kaufpreis für Dodge zu drücken. Der Konzern positionierte DeSoto nun in einem Marktsegment zwischen Dodge und Chrysler und Plymouth in den Markt unterhalb von Dodge. Damit hatte die Chrysler Corporation ab 1929 insgesamt vier Marken in unterschiedlichen Preisklassen im Angebot.
1929–1942 mini|DeSoto CF Convertible (1931) mini|DeSoto Airflow (1934) mini|Mit Klappscheinwerfern: DeSoto von 1942 mini|US-Präsident Franklin D. Roosevelt in einem DeSoto In den ersten Jahren war Chryslers Zwei-Marken-Strategie in der Mittelklasse relativ erfolgreich. Im ersten Modelljahr produzierte DeSoto 81.065 Fahrzeuge. Das war ein Rekord für eine neu gegründete US-amerikanische Automobilmarke. Dieser Erfolg hielt fast 30 Jahre lang an.Geschichte der Marke DeSoto auf der Internetseite www.allpar.com (abgerufen am 14. Juli 2015). Ungeachtet der Weltwirtschaftskrise blieben DeSotos Umsätze relativ stabil, 1932 wurde der Ausstoß von Dodge um etwa 25.000 Fahrzeuge übertroffen.
1933 positionierte der Konzern DeSoto dichter an der Marke Chrysler, in der Absicht, die Distanz zu Dodge zu erhöhen und dadurch die Dodge-Umsätze zu verbessern.Wolfgang Blaube: Zwischenhoch. Geschichte der Marke DeSoto. In: Oldtimer Markt. August 2015, S. 38. Diese Neuausrichtung hatte zur Folge, dass DeSoto 1934 das stromlinienförmige Airflow-Design übernahm, das in diesem Jahr bei der Spitzenmarke des Konzerns als Chrysler Airflow debütierte. Das Design war ebenso fortschrittlich wie polarisierend. Es erwies sich als zu ambitioniert für den amerikanischen Markt, sodass weder die hochpreisige Chrysler-Version noch der etwas preiswertere und kürzere DeSoto Airflow erfolgreich waren. DeSotos Lage war im Vergleich zu den Schwestermarken des Konzerns besonders problematisch. Während Dodge und Plymouth gar keine Airflow-Versionen anboten, sondern ausschließlich konventionell gestaltete Fahrzeuge im Programm hatten, konnte Chrysler die schwachen Verkaufszahlen seines Airflow jedenfalls ansatzweise durch konventionelle Modelle kompensieren, die die Marke parallel im Programm hatte. DeSoto hingegen bot 1934 als einzige Konzernmarke ausschließlich Airflow-Modelle an.Wolfgang Blaube: Zwischenhoch. Geschichte der Marke DeSoto. In: Oldtimer Markt. August 2015, S. 40. Das führte zu einem dramatischen Rückgang der Verkaufszahlen; 1934 produzierte DeSoto lediglich 13.940 Fahrzeuge, etwa die Hälfte des Vorjahresausstoßes. Ab 1935 erschienen die konventionell gestalteten Airstream-Modelle, die halfen, die Defizite wieder gut zu machen. Für den Rest der 1930er Jahre wurden die DeSotos „größer und langweiliger“.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 223. Das Design war konservativ, traf aber den Geschmack der Kunden. Die Verkäufe wurden in dieser Zeit zusätzlich angeregt durch Werbespots mit Spencer Tracy und Walt Disney.
Das 1942er DeSoto-Modell (S10) war das erste massenproduzierte Auto mit Klappscheinwerfern auf dem nordamerikanischen Markt. Klappscheinwerfer hatte es erstmals 1935 am Cord 810 gegeben, einem von Gordon Buehrig gestalteten Oberklassefahrzeug, und Chrysler hatte sie 1941 beim Newport Show Car aufgegriffen.Abbildung des Chrysler Newport auf der Internetseite (abgerufen am 14. Juli 2015). DeSoto vermarktete dieses Designmerkmal als „Air-Foil“-Lichter und bewarb sie mit dem Slogan: „Ouf sight, except at night“ (deutsch etwa: „Nicht zu sehen, außer bei Nacht“). Klappscheinwerfer wurden nur im Modelljahr 1942 angeboten. Ein weiteres Designmerkmal des 1942er-Jahrgangs war ein über die ganze Wagenbreite gehender Kühlergrill mit senkrechten Chromstreben.Beschreibung der DeSoto-Modelle der 1940er-Jahre auf der Internetseite www.allpar.com (abgerufen am 14. Juli 2015). Sie blieben – in verschiedenen Variationen – bis 1955 als besonderes Markenzeichen aller DeSoto-Modelle erhalten.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 224. Chrysler lieferte den DeSoto in zwei Ausstattungsvarianten – „Deluxe“ und „Custom“ – und es standen zwei Radstände zur Wahl – 121,5 und 139,5 Zoll (3086 und 3543 mm). Die Chassis gab es mit verschiedenen Aufbauten, darunter ein „Business Coupé“ mit kurzem Radstand, zwei- oder viertürigen Limousinen mit kurzem oder langen Radstand, bis hin zu siebensitzigen Taxis mit langem Radstand. Der Motor mit 237 ci (3,8 l) Hubraum leistete 115 hp (86 kW).
Die DeSotos des Modelljahrs 1942 wurden nur wenige Monate lang produziert. Bereits Anfang 1942 stellte DeSoto wie alle anderen nordamerikanischen Automobilwerke die Fertigung ziviler Fahrzeuge kriegsbedingt ein. Insgesamt entstanden weniger als 25.000 Fahrzeuge,Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 225. die heute – nicht zuletzt wegen der Klappscheinwerfer – zu den gesuchten Klassikern gehören.
1946–1960 Neuanfang mit Vorkriegsmodellen mini|DeSoto (1946) 1946 nahm DeSoto die Produktion ziviler Automobile wieder auf. Die Fahrzeuge der Modelljahre 1946 bis 1948 entsprachen technisch und stilistisch weitgehend den 1942er-Modellen; allerdings war die DeSoto-Palette weniger vielseitig als vor dem Krieg. Das Design war geringfügig überarbeitet worden. Die vorderen Klappscheinwerfer wurden durch runde Einzelscheinwerfer ersetzt, die in die vorderen Kotflügel eingelassen waren. Die Kotflügel waren weniger stark ausgeformt und gingen im Bereich der Vordertüren fließend in den Karosseriekörper über. Die Fahrzeuge hatten ein Kastenrahmenfahrgestell, eine Einzelradaufhängung vorne und hinten die in den USA sehr lange noch übliche Starrachse. Die Sechszylindermotoren von DeSoto waren seitengesteuert. Ein halbautomatisches Getriebe von Gyrol Fluid Drive mit hydraulischer Kupplung, die mittels Tip-Toe (Drucktastenvorwahl) bedient wurde, gehörte bereits zum Leistungsumfang.
Zusätzlich zu den regulären Modellen bot DeSoto Versionen mit verlängertem Radstand an, die als Taxis, Flughafenzubringer und Hotelfahrzeuge verwendet wurden. Diese Versionen blieben bis 1955 im Programm.
Neue Karosserien und Motoren mini|DeSoto Custom Station Wagon (1950) mini|Vorstellung des ersten V8-Motors von DeSoto mit Shirley Buchanan (1952) Zum Modelljahr 1949 präsentierte DeSoto ebenso wie die anderen Chrysler-Marken vollständig neu gestaltete Fahrzeuge. Sie hatten einen Ponton-ähnlichen Aufbau, wodurch das Raumangebot im Inneren wuchs. Die Modelle Diplomat und Diplomat Custom, die von Plymouth-Modellreihen abgeleitet waren, wurden als Exportmodelle konzipiert, die mit einem 2,8 Liter großen Reihensechszylindermotor angeboten wurden. 1951 wurden die Chrysler-Stoßdämpfer Oriflow als technische Neuerung eingeführt. Neben dem im Vorjahr eingeführten Faux-Cabriolet Sportsman gab es jetzt ein Kombimodell („Station wagon“), das ohne Holzbeplankung mit versenkbarem Heckfenster angeboten wurde.
Mit dem Modelljahrgang 1951 wurden die senkrechten Zierstäbe am Kühlergrill zugunsten von senkrechten zahnähnlichen Rippen aufgegeben. Zeitweilig wurden beim Opel Olympia Rekord in Deutschland ähnliche Zierelemente verwendet. Die Motorleistung lag bereits bei 117 PS. Bis 1952 benutzte DeSoto die Bezeichnungen Deluxe und Custom als Modellnamen.
Zum Modelljahr 1952 kam ein neuer Achtzylindermotor ins Programm. Es war DeSotos erster Achtzylindermotor seit 1932 und zugleich der erste Achtzylinder in V-Auslegung. Der als Fire Dome Eight bezeichnete V8 lehnte sich an Chrysler-Konstruktionen an. Er hatte einen Hubraum von 276 Kubikzoll (4.255 cm³) und leistete in der ersten Ausführung 160 PS. Der Motor hatte schräg hängende Ventile und halbkugelförmige Brennräume. Er wurde in einer modernen teilautomatisierten Fabrik in Dearborn produziert, die bis zu 96 Arbeitsgänge mittels Präzisionsautomaten in 34 Schritten ausführten. Der bislang alternativlos verwendete Reihensechszylinder mit der Bezeichnung Powermaster, dessen konstruktive Wurzeln auf die 1930er-Jahre zurückgingen, blieb parallel dazu bis 1955 im Programm; allerdings verkaufte sich die nur 116 PS leistende Einheit zunehmend schlechter.Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980. Beekman House, New York 1984, ISBN 0-517-42462-2, S. 227.
1953 wurden die Modellnamen Deluxe und Custom fallengelassen. Die Sechszylindermodelle wurden fortan Powermaster Six und die V8-Modelle als Firedome 8 bezeichnet. Auf dem Höhepunkt gehörten Firesweep, Firedome und Fireflite zu De Sotos populärsten Modellen. Das halbautomatische Getriebe wurde durch einen hydraulischen Drehmomentwandler modifiziert, der kein separates Öl mehr benötigte, sondern vom Motorenöl mitversorgt wurde. Mit dem Modelljahrgang 1954 wurde auch das erste Vollautomatikgetriebe des Chrysler-Konzerns, das Power-Flite-Getriebe, für DeSoto offeriert. Bereits 1953 wurde das Coupé Adventurer von Ghia in Turin als „Traumwagen“ gebaut. Mit dem abnehmenden Interesse an den Sechszylindermodellen verschwanden diese aus dem Programm. Es blieben die Modelle Firedome und Fireflite mit den V8-Motoren, die bereits über mehr als 200 PS verfügten. Für den Export wurden weiterhin die Modelle Diplomat und Diplomat Custom gefertigt. Der 1956 vorgestellte DeSoto Adventurer als Hardtop-Coupé wuchs bis 1960 zu einer vollständigen Modellversionspalette an.
Der Hundred-Million-Dollar-Look mini|DeSoto Firedome (1956)