Die Wirtschaft Rumäniens erzielte 2024 nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds ein nominales Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 384 Mrd. US-Dollar, was rund 20.278 US-Dollar bzw. 46.906 Euro pro Kopf entspricht. Die Weltbank klassifiziert Rumänien als ein Land mit oberem Einkommensniveau. Seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes gehört Rumänien zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften in Europa. Zwischen 1990 und 2021 stieg das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um 364 %.
Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegte Rumänien 2019 Platz 51 von 141 Ländern. Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2018 Platz 37 von 180 Ländern.heritage.org
Wirtschaftsstruktur In den traditionell dominierenden Industriezweigen Maschinenbau, Metallurgie, Chemie, Ölindustrie und Petrochemie vollzieht sich seit einigen Jahren ein Strukturwandel. Rumäniens Industrie befindet sich inzwischen eindeutig auf dem Weg zu technisch anspruchsvolleren Produkten. Der hinsichtlich der Zahl der Beschäftigten (350.000) bedeutendste Sektor der Textil- und Bekleidungsindustrie, der rund ein Viertel der rumänischen Exporte generiert, ist angesichts zunehmender Konkurrenz auf den internationalen Märkten (China, Indien, Vietnam) dabei, sich aus dem Billiglohnsegment zu lösen und in anspruchsvollere Textilsektoren vorzudringen. Im Bereich des Maschinenbaus sind die Bereiche Ausrüstungen und Anlagen, Schiffbau und Kraftfahrzeuge wettbewerbsfähig und zukunftsträchtig. Vor allem die Kfz- und Kfz-Zulieferindustrie gilt inzwischen als Schwerpunkt für die Entwicklung der modernen Industrielandschaft. Besonders erfolgreich entwickelt sich aufgrund der Verfügbarkeit hochqualifizierter rumänischer Fachkräfte der Bereich IT-Technologien und Software. Einen regelrechten Boom verzeichneten vor allem in den Jahren 2006–2008 Bau- und Baustoffindustrie, deren Wachstumsraten weit über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum lagen – eine Entwicklung, die sich durch den zunehmenden Wohlstand der breiten Bevölkerung trotz insgesamt sinkender Bevölkerung erklärt. Zunehmend wächst die Bedeutung Rumäniens als Standort für Kfz-Zulieferer. Besonders dynamisch dürften sich insbesondere die Bereiche Umweltsektor (Beseitigung von Altlasten), Technologiesektor, vor allem die IT-Branche, Telekommunikation und der Energiebereich entwickeln. mini|Rumänische Nationalbank in Bukarest (Banca Națională a României)
Die größten Anteile am Export halten Industriegüter wie Textilien, Leder, Holz, landwirtschaftliche Produkte, Düngemittel, mechanische und elektrotechnische Geräte sowie Maschinen. In der Landwirtschaft werden unter anderem Sonnenblumen, Weizen, Flachs, Sojabohnen, Reis, Wein (siehe: Weinbau in Rumänien) sowie Obst angebaut.
Der Störfang an der Schwarzmeerküste dient der Produktion von Kaviar.
Rumänien ist reich an Bodenschätzen. Neben Erdöl – dessen Verarbeitung einer der wichtigsten Industriezweige ist – besitzt es Erdgas, Steinkohle, Eisenerze, Bauxit, Gold, Silber und Uran. Die wichtigste Wasserstraße Rumäniens ist die Donau, mit den Häfen Brăila, Galați und Giurgiu. Constanța ist der bedeutendste Seehafen Rumäniens.
Tourismus Der Tourismus spielt in Rumänien eine große Rolle. 2015 erwirtschaftete der Tourismus 8,3 Milliarden Dollar, 3,4 % mehr als 2014. Die Zahl der Gäste betrug 17,6 Millionen (davon 9,3 Mio. aus dem Ausland), was einem Zuwachs von 15,5 % entsprach. Die Zahl der Touristen hat sich damit seit Beginn des 21. Jahrhunderts kontinuierlich gesteigert. Die meisten ausländischen Touristen kamen 2015 aus Moldawien, Ungarn, Bulgarien, der Ukraine und Deutschland.
Für Herbst 2004 war der Baustart für das erste von zwei touristischen Großprojekten geplant. Nach einem Fossilienfund entstand im Kreis Hunedoara ein Dinosaurierpark. Der Baubeginn des zweiten Großprojekts – des Themenparkes Dracula-Park bei Sighișoara (Schäßburg) – wurde von einer Bürgerinitiative verhindert und sollte dann in der Nähe von Bukarest entstehen. Das Projekt scheiterte jedoch, weil die Regierung keine Investoren für das Projekt fand.
Verkehr
Rumänien ist ein wichtiges Transitland zwischen Mitteleuropa und Osteuropa. In Rumänien besteht seit Januar 2005 eine Vignettenpflicht für PKW und LKW auf allen Straßen. Die Vignetten (Rovinietă) sind online, an den Grenzübergängen und an vielen Tankstellen erhältlich.adac.de Auch einige Donaubrücken sind mautpflichtig.
Industrie mini|hochkant|Ehemaliges Logo von Dacia
Die Industrie und auch die meisten Dienstleistungsfirmen konzentrieren sich vor allem im Großraum Bukarest. Die Industrie des Landes trug 2014 mit etwa 33,2 % zum BIP bei und beschäftigte ungefähr 28,9 % aller Arbeitnehmer, während der Dienstleistungssektor mit 64,4 % den größten Anteil zum BIP beitrug und mit 42,8 % die meisten Arbeitnehmer beschäftigte.
Die gemessen an ihrem Umsatz wichtigsten Zweige des produzierenden Gewerbes in Rumänien sind die Lebensmittel- und die Metall-verarbeitende Industrie sowie das Druck- und Verlagswesen, der Maschinenbau und die Produktion von Elektronikartikeln und Maschinen (vor allem Dieselmotoren für Schiffe und Lokomotiven). Von Bedeutung sind weiterhin die Eisenindustrie, der Schiffbau, das Brauwesen, die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Produktion von Zement sowie die Herstellung von chemischen Erzeugnissen und Arzneimitteln. Darüber hinaus werden Keramikgegenstände, Porzellan, Öfen, Fahrräder und Papier hergestellt. Die Wirtschaftsentwicklung ist stark vom Export und damit von der Weltkonjunktur abhängig. Dominierender Sektor war die Leichtindustrie, man exportierte Haushaltsgeräte, Spielzeug, Elektronikartikel und Textilien.
Börse Unternehmen wenden sich an Kapitalmärkte, um Gelder zu beschaffen, die der Finanzierung von Fabrik- und Bürogebäuden usw., der Durchführung von Forschung und Entwicklung sowie einer Vielzahl anderer wichtiger Aktivitäten dienen sollen. Ein großer Teil des Geldes kommt von wichtigen Institutionen wie den Rentenversicherungen, Versicherungsgesellschaften, Banken, Stiftungen, Hochschulen und Universitäten. Zunehmend kommt es auch von Einzelpersonen. Heute sind circa 52 Prozent der Haushalte in Besitz von Aktien, während es 1989 nur 32 Prozent waren.
Die Börse und andere Kapitalmärkte verdanken ihren Erfolg einerseits v. a. der IT-Industrie (Neuer Markt), sind aber auch von Tradition und Vertrauen abhängig. Es gibt Tausende von Aktien, aber die Wertpapiere der größten, bekanntesten und am meisten gehandelten Unternehmen werden generell an der Bukarester Börse (BVB) notiert. Die meisten der gehandelten Aktien und Wertpapiere werden am Romanian Association of Securities Dealers Automated Quotation System (Rasdaq) gehandelt, einem elektronischen Kommunikationsnetz der Aktien- und Wertpapierhändler, das 2005 von der BVB übernommen wurde. Auch die Derivatebörse SIBEX ist nach einer Übernahme mittlerweile unter dem Dach der BVB. Ein unvorhergesehener Aufschwung am Aktienmarkt verbunden mit einfacherer Anlage in Aktien führte in den 1990er Jahren zu einer drastischen Zunahme der öffentlichen Beteiligung an den Wertpapiermärkten. Das jährliche Handelsvolumen an der Bukarester Börse schnellte von 40 Millionen Aktien 1990 auf 900 Millionen Aktien 1998 empor.
Wirtschaftsdaten Mitgliedschaft in Wirtschaftszusammenschlüssen Freihandelsabkommen mit der EFTA (Unterzeichnung 10. Dezember 1992)* Assoziierungsabkommen mit der EU (In Kraft getreten am 1. Februar 1995; EU-Mitgliedschaft seit 1. Januar 2007) Bosporuskommuniqué zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit von elf Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres (Unterzeichnung 25. Juni 1992) Black Sea Bank for Trade and Development (seit Dezember 1994) Mitglied von WTO (Welthandelsorganisation), Weltbank, IWF (Internationaler Währungsfonds) Protokoll der 16 (internationales System von Zollpräferenzen zwischen derzeit 13 Staaten) Beobachterstatus im Landwirtschaftsausschuss der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD (seit 28. Juni 2001) Handelsabkommen ist außer Kraft gesetzt worden durch Assoziierungsabkommen mit der EU, dieses gilt trotz Beitrittsvertrag fort
Kennzahlen Bruttoinlandsprodukt (BIP) (2022): 285.884 Mrd. € (1) Bruttoinlandsprodukt pro Kopf (2022): 15.010 € (1) Wirtschaftswachstum (2021): 5,9 % (2) Monatliches Bruttoeinkommen (Dezember 2025): 1940 € (2) Monatliches Nettoeinkommen (Dezember 2025): 1160 € Import (2018): 82,86 Mio. € (1) Export (2018): 67,73 Mio. € (1) Inflationsrate (2018): 4,7 % (2) Arbeitslosenquote (2018): 3,9 % (1) Beschäftigungsverteilung (2006) (2) Industrie: 32,8 % Land-/Forstwirtschaft: 7,3 % Dienstleistungen: 60 % Selbstständigenrate: 8,8 %
Die wichtigen Wirtschaftskennzahlen Bruttoinlandsprodukt, Inflation, Haushaltssaldo und Außenhandel entwickelten sich in den letzten Jahren folgendermaßen: +Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und anderer KennzahlenJahr2010201520162017201820192020202120222023BIP in Mrd. USD (Kaufkraftparität)370,5461,5479,2527,8575,8649,9660,7726,1809,8857,0BIP pro Kopf in USD (Kaufkraftparität)18.25623.22624.25126.86829.47833.47734.18237.81442.52644.974BIP-Wachstum (real)−3,9 %3,2 %2,9 %8,2 %6,0 %3,9 %−3,7 %5,7 %4,1 %2,1 %Inflation (in Prozent)6,1 %−0,6 %−1,6 %1,3 %4,6 %3,8 %2,6 %5,0 %13,8 %10,4 %Staatsverschuldung (in Prozent des BIP)30 %39 %40 %37 %36 %37 %49 %52 %51 %52 %
Wirtschaftsgeschichte Transformation Zur Zeit der Rumänischen Revolution 1989 lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei etwas unter 5000 US-Dollar (PPP) pro Kopfromania-central.com: Romania’s Real Sector. Die Privatisierung der Industrie begann 1992. Von mehr als 6300 Unternehmen in staatlichem Besitz wurden je 30 % der Aktien in fünf Investmentfonds übertragen, die den Bürgern zugeteilt wurden. Jeder Bürger erhielt 1992 für die fünf Fonds je einen Gutschein. Die restlichen 70 % der Aktien kamen in einen staatlichen Investmentfonds (FPS, Fondul Proprietății de Stat), der pro Jahr 10 % bis 15 % verkaufen sollte. Weitere Unternehmen und andere Besitztümer wurden direkt verkauft. Der Anteil der im industriellen Sektor beschäftigten Arbeitnehmer fiel von etwa 40 % 1990 bis 1999 auf etwa 25 %.romania-central.com: Bild 3.3: Sectors Relative to GDP 1990–2005 1995–1996 gab es eine weitere Privatisierungsrunde, bei der auch wieder die Bürger beteiligt wurden. Ende 2000 wandelte die Regierung von Adrian Năstase den staatlichen Fonds in die Behörde für Privatisierung und Verwaltung der Staatsanteile (APAPS) um.Rumänische Botschaft in Wien: Privatisierung Nach diversen Umgestaltungen ist seit 2004 die Behörde für die Verwertung von Staatsvermögen (AVAS, Autoritatea pentru Valorificarea Activelor Statului) für weitere Privatisierungen zuständig. Ebenso besteht seit 2005 der Börsengehandelte Entschädigungsfonds Fondul Proprietatea.
2001 gelang der Verkauf des größten Stahlwerks Sidex Galati an die Mittal Steel Company. Im Juli 2004 kaufte der österreichische Energieversorger OMV die Aktienmehrheit an dem rumänischen Öl- und Erdgaskonzern PETROM und übernahm 60.000 Mitarbeiter. Ende 2005 erhielt die österreichische Erste Bank den Zuschlag für 61,88 % an der größten rumänischen Bank, der Banca Comercială Română (BCR). Der Kaufpreis lag bei 3,75 Mrd. Euro.
Inflation und Währungsumstellung