Die Lößnitz () ist die Landschaft flussabwärts von Dresden im Elbtalkessel auf der rechten Elbseite. Sie entspricht heute der Radebeuler Flur mit ihren zehn ehemaligen Ortschaften (2606 Hektar Gesamtgröße), die oft auch als Lößnitzortschaften zusammengefasst werden. Als sächsischer Naturraum gehört die Lößnitz zum Sächsischen Lössgefilde und dort innerhalb des Sächsischen Hügellands (Nr. 46, Teil von D19) zur Dresdner Elbtalweitung (Nr. 460). miniatur|Johann Alexander Thiele, Blick von den Lößnitzhöhen auf Dresden

Abgeleitet ist die Bezeichnung vom sorbischen lěsnica (Waldbach), mit dem die hier ansässigen Bewohner vor der fränkischen Besiedlung den 6,7 Kilometer langen Lößnitzbach durch die Bergschlucht Lößnitzgrund bezeichneten, der vom Dippelsdorfer Teich bis zur Elbe fließt.

Innerhalb der Lößnitz liegt die Weinbau-Großlage Lößnitz. Diese besteht aus mehr als 30 Prozent Steillagen aus Syenitgestein, aus dem auch die trockengesetzten Weinbergsmauern bestehen. Sie gehört als Teil des Bereichs Meißen zum Sächsischen Weinbaugebiet. Die Rebfläche der Lößnitz beträgt etwa 85 Hektar. Im Zusammenhang mit dem Weinbau steht auch das Denkmalschutzgebiet Historische Weinberglandschaft Radebeul.Satzung für das Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ (PDF; 101 kB), abgerufen am 14. Juni 2012

miniatur|hochkant=1.5|Lößnitz-Panorama, Blick vom Spitzhaus nach Dresden. Ausschnitt aus einer Radierung von Johann Gottlob Henschke, Anfang 19. Jahrhundert

Geografische Lage Die Lößnitz liegt flussabwärts von Dresden auf dem rechten Ufer des Elbtalkessels, wobei die Elbe die südwestliche Grenze bildet. Im Osten grenzt sie über die Junge Heide an die Dresdner Heide. Im Norden und Westen liegt die Großenhainer Pflege. Die Lößnitz liegt im Ballungsraum Oberes Elbtal.

Geologie Die größtenteils im Elbtalkessel liegende Landschaft gliedert sich in die Elbaue, die Nieder- und Mittelterrasse sowie den Steilanstieg des Elbhangs, einem Teil der Lausitzer Verwerfung, und die Hochfläche, die zur Lausitzer Platte gehört. Der tiefste Punkt in der Elbaue liegt bei und der höchste auf der Wahnsdorfer Kuppe bei .

Das Gebiet wird durch mehrere Kerbtäler zerschnitten, von denen der Lößnitzgrund mit dem Lößnitzbach dauerhaft Wasser führt. Die anderen Täler, der Fiedlergrund, der Kroatengrund und der Rietzschkegrund werden durch sogenanntes Verlorenes Wasser gebildet, das nach Erreichen des wasserdurchlässigen Sandbodens der Elbterrassen versickert und wieder ins Grundwasser übergeht.

Klima miniatur|Klimadiagramm der Wetterwarte Wahnsdorf auf der Wahnsdorfer Kuppe Aufgrund der klimatischen Bedingungen am Nordhang des Elbtals ist in der Lößnitz Edelobst- und Weinanbau möglich. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 9,2 °C. Da dort im Elbtal das mildeste Klima von Sachsen herrscht, wird es auch „Sächsisches Nizza“ genannt.

Klimatisch abgegrenzt von der Lage im Elbtal ist das Gebiet auf der Hochebene, auf der sich Wahnsdorf mit der ehemaligen Wetterstation befindet. Das Klimadiagramm der ehemaligen Wetterwarte Wahnsdorf auf der 246 Meter hohen Wahnsdorfer Kuppe zeigt die dort herrschenden Durchschnittstemperaturen und Niederschläge der Periode 1961–1990. Die wärmsten Monate sind Juli und August mit durchschnittlich 18,1 beziehungsweise 17,8 °C und die kältesten Januar und Februar mit −1,2 beziehungsweise −0,7 °C im Mittel. Der mittlere Jahresniederschlag liegt mit 648 Millimetern etwas unter dem bundesdeutschen Schnitt von 800 Millimetern. Der meiste Niederschlag fällt im Juli mit durchschnittlich 109 Millimeter, der geringste im Februar mit durchschnittlich 36 Millimeter. Das Temperatur-Jahresmittel liegt mit 8,6 °C unter dem im Elbtal. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer liegt mit 1634 Stunden etwas über dem bundesdeutschen Schnitt von 1541 Stunden, am längsten scheint die Sonne im Mittel im Juli mit 217 Stunden und am wenigsten im Dezember mit 51 Stunden. (ZIP; 42 kB)

mini|hochkant|Informationstafel in Zaschendorf Schutzgebiete Innerhalb der Landschaft Lößnitz liegt das vormalige Landschaftsschutzgebiet Lößnitz (d33, Kennung inzwischen aufgehoben), das mit seiner Größe von etwa 586 Hektar (MS Excel; 57 kB), abgerufen am 12. Juni 2012. seit 1974 vor allem die Flächen des Steilhangbereichs der Lausitzer Verwerfung unter Schutz stellt. An dieses schließt sich im Nordwesten das vormalige Schutzgebiet Friedewald und Moritzburger Teichgebiet (d 17) an; beide sind 2015 zusammengefasst zum Landschaftsschutzgebiet Friedewald, Moritzburger Teichgebiet und Lößnitz (d 17, Größe 6779 Hektar). (MS Excel), abgerufen am 29. Dezember 2015. Im Radebeuler Osten geht es in die Dresdner Heide (d 16, Schutzgebietsgröße 6133 Hektar).

Direkt an der Elbe verläuft der Radebeuler Teil des städteübergreifenden und insgesamt 5387 Hektar großen Landschaftsschutzgebiets Elbtal zwischen Dresden und Meißen mit linkselbischen Tälern und Spaargebirge (d 83). Das Gebiet wurde im November 2007 durch den Landkreis Meißen beschlossen.„VO des LRA Meißen vom 05.11.2007 (SächsGVBl. S. 523); geändert am 17.07.2006 (ABl. vom 28.07.2006)“. Nach (MS Excel; 57 kB), abgerufen am 12. Juni 2012. Es besteht auf Radebeuler Flur aus den Elbwiesen von Serkowitz einschließlich der Seewiesen bis Kötzschenbroda zur Festwiese. Weiter westlich kommen noch die Elbwiesen südlich des Vierruthenwegs hinzu.Sächsische Schutzgebiete beim SMUL, abgerufen am 12. Juni 2012. Ein großer Teil dieser LSG-Flächen stellen ebenfalls den Radebeuler Teil des Vogelschutzgebiets Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg.Kartendienst Schutzgebiete in Deutschland.

In der Lößnitz befindet sich ebenfalls das 115 Hektar große Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Lößnitzgrund und Lößnitzhänge (Natura-2000-Gebiet, EU-Meldenr.: DE4847304, Landesinterne Nr.: 159),außer Kraft: das vor allem aus Waldflächen auf beiden Seiten des Lößnitzbachs den Hängen mit den Quellen am Straken sowie den bewaldeten Hängen im Fiedlergrund besteht.Radebeuler Amtsblatt 07/2009 Schutzwürdig sind „[m]ehr oder weniger steilhängige Bereiche mit Hainsimsen-Buchen(misch)wäldern und Eichen-Hainbuchenwäldern mit Übergängen zu bodensauren Eichenmischwäldern, Silikat-Magerrasen, zahlreiche Trockenmauern, Vorkommen gefährdeter Pflanzenarten“.Schutzgebiete nach Naturschutzgesetz (PDF; 332 kB) Hinzu kommen Habitate von beispielsweise „Mopsfledermaus, Großes Mausohr, Spanische Flagge [und] Fischotter“.Radebeuler Amtsblatt 10/2010

Geschichte miniatur|Darstellung bei Oeder 1607, Tafel IX, Ausschnitt Lößnitz (Achtung: Süden ist hier oben!) miniatur|Hoflößnitz mit der Lage Goldener Wagen sowie Bismarckturm und Spitzhaus Die Lößnitz wurde archäologischen Funden nach erst spät besiedelt. Aus der Periode der Schnurkeramiker (späte Jungsteinzeit, um 2200 v. Chr.–2000 v. Chr.) gibt es erste Siedlungsspuren auf Radebeuler und Niederlößnitzer Gebiet. In Serkowitz wurde ein Brandgräberfeld aus der Frühbronzezeit (2000 v. Chr.–1600 v. Chr.) gefunden.

Ebenfalls auf Serkowitzer Gebiet wie auch in Weinböhla und Coswig finden sich dann Urnenfelder der Mittleren Bronzezeit (Lausitzer Typ, 1600 v. Chr.–1300 v. Chr.), und aus der Spätbronzezeit (1300 v. Chr.–800 v. Chr.) finden sich in Kötzschenbroda und Naundorf archäologische Reste. Weitere Funde aus dieser Zeit weisen auf eine recht dichte Besiedlung unterhalb der Heidesandterrassen auf den hochwasserfreien Kuppen hin.

Aus der Völkerwanderungszeit sind Funde germanischer Besiedlung selten. Um das Jahr 600 kamen jedoch Sorben in die Region. Von einer relativ dichten slawischen Besiedlung zeugen weitere Fundorte, von denen das 1925 bei Kötzschenbroda angeschnittene Gräberfeld schon frühe christliche Einflüsse zeigt.

Weinbau bis in die Niederungen Siehe auch: Geschichte des Weinbaus in der Lößnitz, Liste von Winzerhäusern in Radebeul.

Die Chronik des Bischofs Thiedmar von Merseburg berichtet, dass bereits beim Eindringen der Truppen von Heinrich I. in den Gau Nisan um 929 im Elbtal Weinstöcke vorgefunden wurden.Liselotte Schließer: Kleine Geschichte der Stadt Radebeul. In: Dresdner Hefte. Nr. 54, 1998, S. 11, zitiert nach: Begründung gemäß § 21 Abs. 3 Sächsisches Denkmalschutzgesetz zur Satzung für das Denkmalschutzgebiet „Historische Weinberglandschaft Radebeul“ (PDF) Die fränkischen und sächsischen Siedler übernahmen zum Teil sorbische Dörfer, zum Teil gründeten sie solche auch neu. Auch die acht Dorfkerne auf Radebeuler Flur weisen als Runddörfer sorbische oder als Angerdörfer fränkische Züge auf. Im Laufe der folgenden Jahrhunderte gehörten einige Dörfer weltlicher Herrschaft, einige unterstanden dem Bischof von Meißen, teilweise gehörten Teile dem einen Herren und anderen Teile der Kirche.

Die nördlich des Angers von Kötzschenbroda, dem seit dem Mittelalter größten aller Lößnitzdörfer, liegende und zu Kötzschenbroda gehörende Flur wurde bereits 1271 als Kötzschbergisches Weingebirge erwähnt, als Dietrich von Zlauschwitz dem Kloster Sitzenroda 12 Fuder Wein lieferte.Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radelbeul 2005. Kötzschber war dann auch über Jahrhunderte die Bezeichnung für Wein aus dieser Region, der seine Erwähnung durch Martin Luther findet, der ihn 1520 in einem Brief an den Meißner Bischof für seine Güte lobte. 1273 wurde als erster Kirchenbau in der Region die Kirche von Kötzschenbroda erwähnt.

Bereits zu dieser Zeit gab es neben den Dorfgemeinden mit ihrer Flur und den Bauernbergen (Weinberge in der Hand der freien Bauern, die die Altgemeinde darstellten) die Herren- oder Eigentümerberge, die separat dem Amt Dresden unterstanden.

1286 findet sich die erste schriftliche Erwähnung des Lezenitzbergs in einer Lehnsurkunde des Meißner Bischofs, als er diesen oberhalb von Haus Reinhardtsberg gelegenen Weinberg zusammen mit dem Aldenberg dem Dresdner Maternihospital lehnte. Damit war der Name lisnica (Waldbach, Lößnitzbach) auf einen Weinberg übertragen.

1401 übernahm während der Dohnaischen Fehde der Markgraf von Meißen Wilhelm I. der Einäugige von den Burggrafen von Dohna das Presshaus und umliegendes Gelände der späteren Hoflößnitz. Damit konzentrierten die Wettiner den Weinbau der Umgebung für fast fünf Jahrhunderte auf dieses Hofgut. Nach der Reformation übernahmen die Wettiner weiteren umfangreichen Weinbergsbesitz von der Kirche und den Klöstern. Kötzschenbroda gehörte vor 1401 in Teilen ebenfalls dem Markgrafen von Meißen, zum anderen Teil der Familie Küchenmeister, die ihre Rechte 1401 an den Markgrafen abtraten.Stadtarchiv Radebeul (Hrsg.): Stadtlexikon Radebeul. Historisches Handbuch für die Lößnitz. 2. Auflage. Stadtarchiv, Radebeul 2005, S. 107. Aus 15 Weinbergen im Jahr 1547 wurden bis zum Jahr 1630 allein in der Lößnitz 23 Weinberge, die sich im Besitz der Wettiner befanden.

So bezeichnete dann auch 1607 der Landvermesser Matthias Oeder in der Ersten Kursächsischen Landesaufnahme die Gegend um den Lezenitzberg „Die weinberge in der Lösnitz“.Matthias Oeder: Die erste Landesvermessung des Kurstaates Sachsen Auf Befehl Des Kurfürsten Christian I. ausgeführt von Matthias Oeder (1586–1607). Tafel 9. 1650 baute Kurfürst Johann Georg I. das Schloss Hoflößnitz neben sein Presshaus. Dies führte 1717 bei Christian Gerber zur Benennung Hoflößnitz: „Die Lößnitz ist ein gewisser Strich, da lauter hohe Gebirge seyn, die köstlichen Wein tragen, und weil die Churfürstlichen Berge auch allda liegen, wird diese Gegend genennet die Hoffe-Lößnitz. Und dieser Lößnitzwein ist auch der beste im gantzen Land, der in guten Wein-Jahren dem Franken-Wein vorzuziehen, dem Rhein-Wein aber gleich zu achten ist.“