Der Burgberg (auch die Burgberge genannt) erhebt sich oberhalb der 150-Meter-Höhenlinie bis als Höhenzug des Weserberglands nördlich von Bevern im Landkreis Holzminden. Die im Mittelalter erfolgte Hutewaldnutzung der Höhenlagen und die Holzgewinnung führten vielerorts zur Auslichtung der Wälder und zur Bildung von Magerflächen auf flachgründigen, vorwiegend fruchtbaren Muschelkalk-Böden mit wärmeliebenden und fraßgeschützten Pflanzenarten. Der Erhalt der kleinteiligen und hochspezialisierten Kulturlandschaft wird in der überwiegend mit Buchenwald bestandenen Region durch langfristige, ökologische Waldentwicklung, (Streifen-)Mahd, den Einsatz von Weidetieren wie Heidschnucken, Rotem Höhenvieh und Wisenten sowie Besucherlenkung gefördert. Besonderes Augenmerk gilt dem in der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet ausgewiesenen Skabiosen-Scheckenfalter (hier mit seinem letzten Rückzugsgebiet in Niedersachsen) und dem gefährdeten Frauenschuh mit seinem größten Vorkommen in Norddeutschland. Die Zauneidechse hat am Burgberg ihre höchste Dichte im Land Niedersachsen. Am Großen und Kleinen Everstein befinden sich Mauerreste der namensgebenden Burg Everstein aus dem 12. Jahrhundert. Auf der höchsten Erhebung steht der Turm 28 der ehemaligen Telegrafenlinie Berlin–Koblenz.
Geographie Lage hochkant=1.4|mini|alt=Die topographische Karte zeigt mit Höhenlinien bewaldete und unbewaldete Gebiete, Berge mit Höhenangaben sowie Verkehrswege|Topographische Karte des Burgbergs hochkant=1.4|mini|alt=Der Bildschirm-Screenshot zeigt auf einem Satellitenbild von Landsat 7 und einem unterlegten Höhenmodell aus der Vogelperspektive die Beschriftung des südlich gelegenen Ortes Lobach, der Niedersächsischwen Mühlenstraße und Landestraßenbezeichnungen|Satellitenbild des Burgbergs Der Burgberg, der zum Naturpark Solling-Vogler gehört, befindet sich zwischen den Mittelgebirgszügen Vogler im Norden, Homburgwald im Nordosten und Solling im Süden. Er erstreckt sich über die Gemeinden Golmbach im Norden, Negenborn und Arholzen im Osten sowie Bevern im Süden und Westen mit einer Länge von rund 6 km in West-Ost-Richtung. Im Süden durchquert die Bundesstraße 64 – die Niedersächsische Mühlenstraße – das Gebiet.
Naturräumliche Zuordnung Die Berggruppe zählt zur naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37) in der Haupteinheit Sollingvorland (371) und in der Untereinheit Nördliches Solling-Vorland (371.0) zum Naturraum Golmbacher Berge (Südwestabdachung des Voglers und Burgberg; 371.01).Jürgen Hövermann: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten und ihre Umgrenzung auf Blatt 99 Göttingen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB) Dieser wird dem Landschaftstyp „Aufgelockerte Wald- und Agrarlandschaft des Berg- und Hügellandes“ zugeordnet. Die Berg- und Tallandschaft des Burgberges ist durch das Neben- und Miteinander unterschiedlicher kultur- und naturbetonter Ökosysteme charakterisiert und stellt Kulturlandschaftsformen wie Heckenlandschaften und Grünland-Gehölz-/Streuobstkomplexe dar.
Berge Namentlich erwähnt auf der Topographischen Karte werden der „Burgberg“ () im Zentrum des Höhenzugs, „Großer“ () und „Kleiner Everstein“ () im Ostteil des Burgbergs und mit Mauerresten der Burg Everstein, die „Hirschzunge“ () in deren direkter, nördlich gelegener Nachbarschaft, der „Friedberg“ () im Westen und der „Hasenstiegkopf“ () im Norden. Im Gewann „Ebenholz“ im äußersten Südwesten liegt der „Kratzberg“ ().
Die geomorphographische Karte GMK25 (25m-Raster) weist entlang eines Nord-Süd-Streifens vom Hangfuß () südlich von Warbsen bis zur Telegraphenstation () folgende Hänge und Scheitelbereiche auf:
Hänge und Verflachungen, Neigungsstufe 4 (ackerbaulich nicht mehr nutzbar) Hänge und Verflachungen, Neigungsstufe 5 und 6 (Steilhänge mit deutlicher Neigung zu gravitativen Hangbewegungen) Hänge und Verflachungen, Neigungsstufe 2 und 3 (Hänge mit deutlicher Neigung zur Erosion, aber ackerbaulich nutzbar) Gratartige Scheitelbereiche, Neigungsstufe 2 und 3 Flächenhafte Scheitelbereiche, Neigungsstufe 2 und 3 Gratartige Scheitelbereiche, Neigungsstufe 0 und 1 (extrem flache Standorte in Scheitellage)
Gewässer Der Beverbach im Süden und der Forstbach im Norden des Burgbergs fließen außerhalb des Höhenzugs. Quellen befinden sich im Süden mit dem Kaiserbrunnen, an den Nordhängen (zum Teil mit Kalktuffbildung) im Niveau der Oolithbänke auf und im Südosten als 450 m² große Sickerquelle am Grund eines Erdfalls in Gipsgestein über Röt.
Klima Das kühlgemäßigte Klima wird durch die Lage im ozeanisch-kontinentalen Übergangsbereich Mitteleuropas (Cfb-Klima nach Köppen/Geiger, kontinentale Falllaub- und Mischwälder nach Troll/Paffen) und durch seine Lage im Übergangsbereich von Mittelgebirgsregionen und Norddeutscher Tiefebene bestimmt (montane Höhenstufe). Es ist geprägt durch mäßig hohe Jahresmitteltemperaturen um die 9 °C. Die durchschnittlichen Tagestemperaturen liegen an 220 bis 360 Tagen über dem Gefrierpunkt. Die mittlere jährliche Niederschlagssumme liegt zwischen 800 und 850 mm. Der nördliche Teil des Burgberges ist mit 750 bis 800 mm etwas trockener.
Geologie hochkant=1.4|mini|alt=Das Diagramm zeigt auf der Hochachse die Höhenmeter und rechts davon in unterschiedlichen Farben die geologische Schichtenfolge mit Kurzbezeichnungen der Gesteine und darunter eine Legende|Lithostratigraphische Schichtfolge am Burgberg bei Bevern mini|Blick nach Nordwesten auf einen Muschelkalksteinbruch () Vor 246 bis 239 Millionen Jahren bedeckte ein flaches Meer das Germanische Becken. Darin wurde Kalkschlamm ausgefällt, in den massenhaft Muscheln, Seelilien-Stielglieder und andere Fossilien eingebettet wurden. Die Gesteine des Wellenkalks der lithostratigraphischen Schichtfolge des Unteren Muschelkalks (vor 243 bis 240 Millionen Jahren) prägen den Höhenzug inmitten des Buntsandsteins der Solling-Scholle. Der Wellenkalk ist 90–100 Meter mächtig und besteht überwiegend aus grauen, wellig-schiefrigen Kalken, welche in unebene Platten und kleine Brocken zerfallen können. Im Bereich der Burgberge kommen von den drei Wellenkalk-Zonen, die durchgehende Horizonte bilden und die Kanten und Kämme der Wellenkalklandschaft bedingen, die Oolithbänke und die Terebratelbänke zum Vorschein. Die Gesteine der Terebratelbänke bilden die Kämme und Kuppen der Wellenkalkberge. Die Terebratelbank ist in Form recht harter, dickbankiger, zum Teil löcheriger Kalke entwickelt, die sich meist durch eine höckerige Schichtfläche auszeichnen. Im Südwesten und im Osten findet sich mit dem Röt der Obere Buntsandstein.
Reflexionsseismische Profile (2D-Seismik) zum Abbilden von Strukturen im Untergrund wurden durch die Wintershall AG vom 22. Oktober 1984 bis 5. November 1984 im Solling – also auch am Burgberg – erstellt.
Geomorphologie Dem Charakter eines Mittelgebirges entsprechend, wechselt das Relief zwischen Tälern und Bergrücken ab, die eher gerundet und weitgespannt sind. Der Bergrücken kann breitenparallel ohne große Höhenunterschiede überwunden werden. Das steilste Tal ist Einzugsbereich der größten Quelle Kaiserbrunnen. Im Norden des Burgbergs () gibt es einen Einzelerdfall, dessen Einsturzzeitraum unbekannt ist. Westlich des „Kleinen Eversteins“ finden sich zwei geschlossene Hohlformen (abflusslose Senken) mit angenommener Wasserundurchlässigkeit.
Böden Über dem Muschelkalk hat sich mit der Rendzina ein flachgründiger Humuskarbonatboden mit den Horizonten Ah/cC entwickelt, der aufgrund der geringen Wasserspeicherung warme, trockene und gut durchlüftete Standorte bildet. Damit vergesellschaftet sind Braunerde-Rendzina aus Kalkstein insbesondere an den Nordhängen des Höhenzugs, flache Terra-fusca-Parabraunerde in den Höhenlagen des Burgbergs, mit der Pararendzina ein Boden mit hoher Bodenfruchtbarkeit an den westlichen und südlichen Hängen und deren zum Teil lössvermischter Hangschutt. Im südlichen Teil im Bereich der Südlichen Burgberghänge befinden sich darüber hinaus Braunerde aus Sand- und Schluffstein oft mit Löss-Beimengungen (ebenfalls ein Boden mit hoher Bodenfruchtbarkeit) sowie Böden auf Tonstein wie Pelosol-Braunerde oder Böden, die unter Stauwassereinfluss stehen wie Pseudogley und Pseudogley-Pelosol.
Den digital verfügbaren Bodenkarten sind Bewertungen dieser Böden als Ausgleichskörper im Wasserhaushalt für 30-jährige Zeiträume (1971–2000 und 1991–2020) zu entnehmen. Die Böden wirken als Zwischenspeicher im Landschaftswasserhaushalt. Zentral ist die Bewertung der Retentionsleistung und der Infiltrationsleistung. Über den gesamten Zeitraum gab es keine Unterschiede in der Funktionserfüllung. Die Pararendzinen an nicht erodierten Standorten auf dem Burgberg sind als seltene Böden deklariert. „Als selten gelten vor allem Böden, die infolge ungewöhnlicher Kombinationen der Standortbedingungen (Ausgangsgestein, Klima, Relief) seltene Eigenschaften oder Ausprägungen aufweisen.“
Lebewesen
Pilzflora Die Online-Pilzkartierung nennt 224 Arten für das Blatt 4123 Stadtoldendorf Quadrant 1, darunter viele Mycorrhizabildner wie den Dickblättrigen Schwärz-Täubling (Russula nigricans), den Ringlosen Butterpilz (Suillus collinitus), den Fichten-Reizker (Lactarius deterrimus), den Sommer-Trüffel (Tuber aestivum) aber auch viele Holzbewohner wie Zunderschwamm (Fomes fomentarius), den Rotrandigen Baumschwamm (Fomitopsis pinicola), die Langstielige Ahorn-Holzkeule (Xylaria longipes) oder der Gemeine Rindensprenger (Vuilleminia comedens) auf. Erwähnenswert ist auch der sonst in Niedersachsen ausgestorbene Krause Adernzähling (Plicatura crispa). Über einen Fund des Saprophyten Hymenoscyphus fraternus an toten Ahornblättern wurde am 9. September 1990 berichtet.
Auf Flechten wachsende Pilze wurden am 30. April 2016 am Everstein mit Agonimia globulifera an einer Wegböschung auf kalkreichem Rohboden zwischen Moosen gesammelt. Da die namensgebenden schwärzlichen Kügelchen nicht eindeutig entwickelt, die sonst selten gebildeten Fruchtkörper hingegen häufig waren, muss anhand weiterer Funde geklärt werden, ob es sich möglicherweise um eine bisher nicht beschriebene Art handelt. Zwackhiomyces lecanorae auf Lecanora albescens wurde am selben Tag in der Nähe an brüchigem Muschelkalkfels aufgefunden.
Fauna Historische Molluskenfunde Sauermilch berichtete 1935 von großen Kolonien der Gemeinen Heideschnecke (Helicella ericetorum), von Vorkommen der Riemenschnecke (Helicodonta obvoluta), der Glatten Schließmundschnecke (Cochlodina laminata) und der Berg-Vielfraßschnecke (Ena montana).
Wirbeltiere Die Fledermaus Großes Mausohr (Myotis myotis) wurde im FFH-Gebiet an verschiedenen Stellen nachgewiesen. Eine natürliche Entwicklung der Wälder mit einem hohen Anteil von Alt- und Totholz und Höhlenbäumen sowie unterwuchsfreien oder -armen Buchenwäldern unterstützt den Erhalt und die Verbesserung der Habitatbedingungen für diese Art. Die Wildkatze (Felis sylvestris) ist im gesamten Gebiet verbreitet. Reproduktionsnachweise konnten erbracht werden. Schalenwild wie Reh, Rothirsch und Wildschwein wird bejagt. Ein weiteres in Anhang IV der FFH-Richtlinie gelistetes Säugetier ist die Haselmaus (Muscardinus avellanarius).
In der Region befinden sich als wertbestimmende Brutvögel der Rotmilan (Milvus milvus), der Uhu (Bubo bubo) und der Neuntöter (Lanius collurio). In der Niedersächsischen Umweltkarte wird der Burgberg als Lebensraum des Schwarzstorchs markiert.
Zauneidechse (Lacerta agilis) (mit 12–143 Beobachtungen an einem halben Tag), Blindschleiche (Anguis fragilis) und Waldeidechse (Zootoca vivipara, Syn.: Lacerta vivipara) finden ausreichend wärmebegünstigte Standorte und Totholz auf dem Burgberg.
Wirbellose