Bernhard Herschel (* 23. Dezember 1837 in Emmerich; † 20. Oktober 1905 in Mannheim) war ein deutscher Kaufmann, Mannheimer Stadtrat und stiftete unter anderem das Herschelbad.
Leben miniatur|hochkant|Grabstein von Bernhard Herschel und seiner Frau auf dem jüdischen Friedhof in Mannheim Bernhard Herschel war der jüngste Sohn des aus Amersfoort stammenden jüdischen Kaufmanns Simon Jesaias Herschel und Minna Herschel, geb. Moses. Am 16. September 1865 heiratete Herschel Caroline Aberle, deren Familie aufgrund ihrer Kunst- und Möbelhandlung und durch politisches und kulturelles Engagement in Mannheim sozial hochgeachtet war. Das Ehepaar Herschel blieb kinderlos.
Herschel wurde 1905 mitten aus dem Leben gerissen, seine Frau war ein Jahr vorher gestorben. Beide sind auf dem jüdischen Friedhof Mannheim bestattet.
Unternehmertum 1860 wurde Bernhard Herschel nach der Heirat seiner Schwester Zinobia mit dem Großkaufmann Henri Eduard Enthofen Teilhaber der Tabakgroßhandlung Herschel, Enthoven & Co. in Amsterdam. 1865 eröffnete die Firma ein Kontor in der im internationalen Tabakgeschäft traditionell bedeutenden Handels- und Binnenhafenstadt Mannheim. Mit dem Erwerb des Bürgerrechts 1865 wurde Herschel badischer Staatsangehöriger. Das Unternehmen Herschel, Enthoven & Co. dehnte die Geschäftsbeziehungen auf Österreich-Ungarn aus, nach der Reichsgründung 1871 wendete es sich dem aufstrebenden und zukunftsträchtigen Bankwesen zu. Seit 1872 befand sich der Unternehmenssitz in den damals von Herschel erworbenen stattlichen Anwesen B1, 5 an der Breiten Straße. Ende der 1880er-Jahre trat Herschel von seinen unternehmerischen Aktivitäten zurück, da seine angeheirateten Neffen Tabakgroßkaufmann Robert Hirschhorn (Mannheim) und Bankier Sigmund Alsberg (Amsterdam) ins Unternehmen eingetreten waren.
Gesellschaftliches Engagement und Stiftertum Herschel war 1869 war Mitinitiator des Nationalliberalen Vereins Mannheim, 1880 gehörte er dem Aufsichtsrat der Deutschen Union-Bank an. 1887 wurde Herschel in den Bürgerausschuss und durch diesen in den Stadtrat gewählt, dessen Mitglied er bis zu seinem Tod 1905 blieb. Er war in der Sparkassenkommission und der Kommission für das Gas- und Wasserwerk tätig und brachte seine Berufserfahrung und Wirtschaftskenntnisse zum Nutzen der Allgemeinheit ein. Bernhard Herschels Interesse galt auch der Schulbildung und er setzte sich dafür ein, dass die Stadt die Verpflichtung für eine gute Töchterschule tragen solle. Mehrere Jahre war er Vorsitzender der Theaterkommission und Mitglied des Stiftungsrates des Wespinstiftes, damals ein Waisenhaus heute ein Kinder- und Jugendhilfezentrum.
Anlässlich ihrer Silbernen Hochzeit stiftete das Ehepaar 1890 die beiden Herschelbrunnen im Schlosshof, die die für Mannheim so wichtigen Schifffahrtswege Rhein und Neckar symbolisieren. Sie verfügten zudem testamentarisch 200.000 Goldmark für die Verschönerung des Bahnhofs- bzw. des Friedrichsplatzes.
Bernhard Herschel stiftete auf Anregung des damaligen Oberbürgermeisters Otto Beck, mit dem befreundet war, kurz vor seinem Tod eine halbe Million Goldmark für die Errichtung einer Schwimmanstalt. Als Testamentvollstrecker setzte er den Juristen und Anwalt Max Hachenburg ein. Herschel stellte folgende Bedingungen für die Errichtung: Das Bad müsse in den Quadraten gelegen sein, das Baugelände solle kostenlos zu überlassen sein und der Bau von der Stadt geleitet werden. Die Fertigstellung des Herschelbades verzögerte sich bis 1920 aufgrund der Suche nach einem geeigneten Bauplatz und des Ersten Weltkriegs.
Herschel war Mitglied der Freimaurerloge Carl zur Eintracht in Mannheim.
Ehrungen
1892 Zähringer Löwenorden 2. Klasse, später 1. Klasse 1905 Titel eines Kommerzienrats Herschelplatz vor dem Herschelbad
Literatur Herschel, Bernhard. In: Karl Otto Watzinger: Geschichte der Juden in Mannheim 1650–1945. Kohlhammer, Stuttgart 1987, S. 100–101. ISBN 3-17-008696-0. Lothar Mark, Tanja Vogel, Claudia Schöning-Kalender: Das Mannheimer Herschelbad – ein gefährdetes Juwel im Stadtbild Mannheims. In: Badische Heimat 1/2007, S. 193 – 198 (Link zum Open Access)
Weblinks Stadtpunkte: Mannheimer Geschichte vor Ort - Bernhard Herschel (PDF-Datei; 375 kB) Freunde und Förderer des Herschelbades in Mannheim e.V. - Bernhard Herschel (mit Foto von Bernhard Herschel) Bernhard Herschel in der Deutschen Biographie Bernhard Herschel im Marchivum Bernhard Herschel in LEO-BW
Einzelnachweise
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