Ohrid, auch Ochrid (; [], indefinit Ohër []; ), ist mit etwa 39.000 Einwohnern die achtgrößte Stadt Nordmazedoniens. Sie ist Verwaltungssitz einer Opština und liegt im Südwesten des Landes am Ohridsee, unweit der albanischen Grenze.

Ohrid bildet ein regionales wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Zentrum und ist der größte Ort am Ohridsee. Nahe der Stadt befindet sich der Flughafen Ohrid, einer der zwei internationalen Flughäfen des Landes.

Heute ist Ohrid eine überregional bekannte Touristenattraktion. Die gut erhaltene Altstadt, die Festung mit Rundblick, die vielen Kirchen, Klöster und Moscheen sowie der große, Millionen Jahre alte See ziehen nicht nur Besucher aus den Balkanländern, sondern auch aus dem übrigen Europa und aus Asien an. Die UNESCO erklärte 1979 den Ohridsee und ein Jahr darauf die Umgebung des Sees zum UNESCO-Welterbe.Siehe auch:

Name In der antiken griechischen Geschichtsschreibung taucht vermehrt der Ortsname Lychnidós () auf, was entweder von lychnís (Genitiv lychnidós; „ein kostbarer Stein, der Licht ausstrahlt“) oder von lýchnos („Laterne“, „tragbares Licht“) kommen soll und „Stadt des Lichts“ bedeuten würde. Eine andere Hypothese geht von einem illyrisch-albanischen Ursprung des Wortes Lychnítis oder Lychnídos aus. Letztere sollen nur Umformungen von ljchjeni (alb. liqeni) sein.

Später entstand aus Lychnidos unter den Römern das lateinische Lychnidus oder Lycnidus.

Im frühen Mittelalter taucht ein neuer Name auf. Im Jahre 879 ist erstmals der Name Ohrid belegt. Laut Stefan Mladenow (1936) und Henrik Barić (1952) ist das Wort Ohrid nur durch die Lautgesetze des Albanischen zu verstehen: So soll aus dem antiken (illyrischen) Lychnis durch das südalbanische r die Form Lychris entstanden sein, denn nur im Albanischen kann sich ein n nach einem Guttural zu einem r verändern.

Im Mazedonischen und in den anderen südslawischen Sprachen wird die Stadt heute Ohrid (kyrillisch Охрид) genannt. Im Albanischen heißt sie Ohri (maskulin, bestimmte Form) und Ohër (unbestimmte Form). Im Türkischen wird sie Ohri genannt, wobei hier die Betonung auf dem I liegt und nicht wie im Albanischen auf dem O. Im Griechischen wird die Stadt heute als Ochrída bezeichnet.

Geographie mini|Blick von Nordosten über die Ohrid-Ebene zu den beiden Altstadthügeln am See (2010) Ohrid liegt auf (beim heutigen Marktplatz) am nordöstlichen Ufer des Ohridsees. Das Stadtgebiet erstreckt sich mit einer Fläche von rund neun Quadratkilometern über zwei Hügel und der umliegenden Ebene. Die beiden Erhebungen Gorni Saraj (Festungshügel) und Deboj liegen auf 785 bzw. und bieten einen Panoramablick über Stadt, See und Umgebung. Durch die Jahrhunderte wuchs die Stadt von ihrem historischen Stadtkern aus vor allem in Richtung Nordosten zu ihrer heutigen Größe heran; es entstanden so neue großflächige Wohngebiete, die heute bis zu den Dörfern Leskoec und Velgošti reichen. Östlich des Stadtgebietes erhebt sich der bis zu hohe Galičica-Bergzug, dessen Gebiet 1958 zum Nationalpark erklärt wurde.

Zwischen Ohrid und dem Dorf Vapila – rund 15 Kilometer nördlich gelegen – erstreckt sich die Ohrid-Ebene. Danach beginnt die Hügellandschaft Plakenska Planina mit Höhen von über . Nordwestlich von Ohrid erhebt sich bei der St. Erasmus-Höhlenkirche ein kleinerer Gebirgszug, der die Ebenen von Ohrid und der Nachbarstadt Struga trennt. Südwestlich bildet der Ohridsee auf rund 4,5 Kilometer die natürliche Stadtgrenze. Mit Ausnahme des Sees sind Gewässer in Ohrid rar. Die kleinen Bäche Grašnica und Orman im Westen der Stadt münden südlich des Stadtstrandes (Gradska Plaža) in den See. Oft sind Wohngebiete in Bachnähe an regenreichen Tagen von Hochwasser bedroht. Die Stadtverwaltung unternahm Anfang 2000 einige Schutzmaßnahmen, wie die Tieferlegung des Bachbettes, die Erweiterung des Ufers, die teilweise Kanalisierung von einzelnen Bachabschnitten und die Errichtung von Schutzdämmen. Die Hochwassergefahr konnte so verringert werden.

Im Weiteren führt von der Wasserquelle Biljanini Izvori („Weiße Quellen“) im Südosten der Stadt ein längerer Wasserlauf bis zum See, an dem sich eine Marina befindet.

Klima In Ohrid herrscht wie auch überwiegend im Land ein Übergangsklima zwischen mediterran und kontinental. Die Winter sind typischerweise kalt und niederschlagsreich, die Sommer heiß und trocken.

Bevölkerung Entwicklung der Einwohner- zahlen seit 1900 Jahr Einwohner 1900 14.860 1923 ca. 12.000 1924 ca. 10.000 1981 39.093 1994 41.146 2002 42.033 2016 38.900 Nach der letzten Volkszählung vom Jahr 2002 hatte Ohrid 42.033 Einwohner. Zum orthodoxen Christentum bekannten sich 33.987, zum sunnitischen Islam 7.599, zur römisch-katholischen Kirche 119, zur protestantischen Kirche vier und zu anderen Religionen 324 Personen. Die Zahl der Haushalte wurde mit 12.043 angegeben, dies machte durchschnittlich 3,4 Einwohner pro Haushalt.

Ohrid war zu Ende der osmanischen Zeit eine eher kleine Stadt. Andere Städte in der Region wie Bitola und Skopje waren zu dieser Zeit größer und für die Osmanen auch strategisch wichtiger. So zählte Ohrid zu Beginn des 20. Jahrhunderts nur rund 15.000 Einwohner; Bitola dagegen hatte über 60.000 und Skopje etwas über 40.000 Einwohner. Erst zur Zeit Jugoslawiens wuchs die Stadt und zählte 1981 schon knapp 40.000 Einwohner. Am Wachstum waren Einwanderungswellen aus benachbarten Dörfern und aus Städten Nordmazedoniens sowie die einsetzende Industrialisierung stark beeinflussend.

Zur Bevölkerung in der Großgemeinde von Ohrid siehe Abschnitt Bevölkerung im Artikel „Opština Ohrid“.

Stadtgliederung mini|links|Stadtplan mit Quartieren Die Stadt Ohrid ist offiziell nicht gegliedert, jedoch können größere Quartiere unterschieden werden, die aber meist nicht genaue Grenzen aufweisen. Zu den wichtigsten Stadtvierteln gehören Centar, Varoš, Košišta, Mesokastro, Leskaica, Voska, Daljan, Železnička, Ost-Ohrid, Pristanište und Biljanini Izvori. Sie wurden meist nach den örtlichen Gegebenheiten benannt.

Die Quartiere Košišta, Mesokastro und Varoš befinden sich um die mittelalterliche Festung (im Uhrzeigersinn und von Norden beginnend) und bilden zusammen den historischen Stadtkern mit zahlreichen Bürgerhäusern und engen Gassen. Mit anderen Städten auf dem Balkan, unter anderem Berat (Albanien) und Nessebar (Bulgarien), hat Ohrid große Ähnlichkeiten in der städtebaulichen Architektur.

Als Varoš (früher auch Grad, „Stadt“) wird derjenige Teil der Stadt bezeichnet, der sich innerhalb der einstigen Stadtmauern befand. Die beiden Hügel, welche die Mauern umschlossen, tragen die Namen Gorni Saraj („Obere Residenz“) und Deboj (früher Novi Saraj, „Neue Residenz“). Die Namen der Hügel und die heutigen gleichnamigen Quartiere sind auf die Residenzen des albanischen Derebeyi („Talfürst“) Cemâleddin Bey zurückzuführen. mini|Blick von der Festungszitadelle auf dem Hügel Gorni Saraj nach Südosten Richtung Altstadt, Seepromenade und Galičica (2023) Auf dem Hügel Gorni Saraj („Oberes Serail“) steht die glockenförmige Zitadelle der ehemaligen Festungsanlage der Stadt. Sie wird von den Mazedoniern Samuilova Tvrdina („Samuil-Festung“), von den Albanern Kala/-ja und von den Türken Kale genannt, und ist das Wahrzeichen von Ohrid. Im Sommer ist die Zitadelle beliebtes Ausflugsziel, da man von den Türmen und Mauern einen Rundblick über Stadt und See hat. 18 Türme und vier Tore sind in ihrer ursprünglichen Bauweise heute erhalten geblieben, darunter auch die Türme und Tore der Stadtbefestigung. Die Mauern sind bis zu 16 Meter hoch und insgesamt drei Kilometer lang. Gleich östlich der Zitadelle steht das antike Theater. Die archäologische Ausgrabungsstätte Plaošnik mit Ruinen des antiken Lychnidos befindet sich ebenfalls auf dem Hügel gleich südlich des Haupttors der Samuil-Festung. Gleich daran angeschlossen steht die St. Panteleon-und-Kliment-Kirche, die im 9. Jahrhundert errichtet wurde, und im Südwesten an den Klippen des Ohridsees die St. Johannes-von-Kaneo-Kirche.

Im Stadtteil Varoš innerhalb der alten Stadtmauern steht im Nordosten die Heilige-Gottesmutter-vom-Spital-Kirche, die Heiliger-Nikolaus-vom-Spital-Kirche, die St. Kliment-Kapelle, das Bürgerhaus der Familie Robevi (heute das Stadtmuseum) und im Südosten die Sophienkirche.

Östlich des Stadthügels Deboj erstreckt sich an der Flaniermeile das Viertel Mesokastro mit dem Platanenplatz (Çınar, türkisch für „Platane“), oder auch Marktplatz genannt. Dort steht die Zeynel-Abidin-Pascha-Moschee von 1564 mit der dazugehörenden, heute einzigen Tekke der Stadt und einer Türbe. Eine 1100 Jahre alte Platane gibt dem Platz den Namen. Weiter südlich des Çınar an der Flaniermeile steht die Ali-Pascha-Zentralmoschee aus dem Jahre 1573; sie ist die größte Moschee von Ohrid und muslimisches Gemeindezentrum. Nördlich des Platanenplatzes befindet sich der heutige Markt, an welchem montags traditionell der Großmarkt stattfindet. Das Mesokastro-Quartier umfasst die gesamte Altstadt außerhalb der Stadtmauern bis zum nördlichen Ende der Flaniermeile, wo die alte Straße nach Struga beginnt und sich das Viertel Košišta befindet. Die architektonische Einheit der Altstadt wurde durch Bautätigkeiten vor allem aus den 1960er bis 1990er Jahren verändert.

In den Ebenen um den historischen Stadtkern befindet sich im Nordwesten der Stadtteil Voska und im Norden und Nordosten der Stadtteil Leskaica. In Voska stehen die Haydar-Pascha-Moschee aus dem Jahre 1490 und die Kuloğlu-Moschee, die wahrscheinlich im 15. oder 16. Jahrhundert erbaut wurde. Durch den Stadtteil verläuft die Hauptstraße Goce Delčev, die früher die einzige Verbindung ins benachbarte Struga war. Das Viertel ist hauptsächlich von Albanern, Türken, Roma und slawischen Muslimen bewohnt.

Westlich von Voska befindet sich der etwas kleinere Stadtteil Daljan, der am See liegt und von Plattenbauten geprägt ist. Der Stadtstrand (Gradska Plaža) erstreckt sich von den Felswänden des Festungshügels in ganzer Länge bis zum Stadtende. Er unterteilt sich in die Abschnitte Mladinski, Mladost, Partizan und Mizo (von West nach Ost). Nordöstlich von Voska schließt sich der Bezirk Železnička an, der früher Endstation der Eisenbahnlinie von Kičevo war. Ein weiteres großes Viertel ist Ost-Ohrid mit Einfamilienhäusern und dem einzigen öffentlichen Krankenhaus der Stadt.

Das Quartier Leskaica ist von vielen neueren Einfamilienhäusern und einigen Hochhäusern geprägt. Die Hadschi-Durgut-Moschee aus dem Jahre 1466 und die neue Busstation stehen in diesem Viertel. Dort befinden sich außerdem eine Textilfabrik und eine der größten Primarschulen der Stadt.

An der Seepromenade, die beim Hafen beginnt, liegt das Viertel Pristanište („Hafen“). Es ist das touristische, gastronomische und kulturelle Zentrum der Stadt mit landesweit berühmten Hotels, Restaurants, Bars, Cafés, Kneipen, Pubs und Discos. Kino, Theater und Bibliothek befinden sich ebenfalls dort. Am südlichen Ende dieser Seepromenade liegen die Biljanini Izvori (zu deutsch „Weiße Quellen“). Dieses Erholungsgebiet ist bei vielen Einwohnern wegen der vielen Parks und Promenaden beliebt. Auch das Fußballstadion, ein Tennisplatz, ein Schwimmbad und eine große Konzerthalle befinden sich in diesem Viertel.

Die vierspurige Umgehungsstraße Boulevard Turistička wurde in den 1970er und 1980er Jahren um das Stadtzentrum angelegt; da die Stadt gewachsen ist, verläuft sie jetzt jedoch mitten durch Wohngebiete. Der Schnellverkehr erfolgt heute jedoch mehrheitlich über die neue Schnellstraße Železnička im Norden von Ohrid.

Im Stadtzentrum (Centar) befinden sich Stadt- und Gemeindeverwaltung, Post, einige Banken, viele Dienstleistungsbetriebe, zahlreiche Wohnungsblöcke, Dutzende von Geschäften, Feuerwehr und Polizei. Einige zum Teil sehr große Hotelkomplexe, die in jugoslawischer Zeit erbaut wurden, stehen heute vollständig leer und prägen das Quartierbild maßgebend.

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