mini|hochkant|Ältestes Stammwappen derer von Hohenlohe mit ursprünglicher Helmzier Das Haus Hohenlohe ist ein ursprünglich edel- und hochfreies fränkisches Adelsgeschlecht, das im Heiligen Römischen Reich die reichsunmittelbare Herrschaft Hohenlohe aufbaute, die 1495 zur Grafschaft erhoben wurde. Es zählt damit zum deutschen Hochadel und existiert bis heute in mehreren Linien.

Das ab 1153 von Weikersheim aus aufgebaute Herrschaftsgebiet erstreckte sich über die später nach ihm benannte Hohenloher Ebene zwischen Kocher, Jagst und Tauber. Es gelang den freien Edelherren, ihren begrenzten Besitz zu verteidigen, Burgen und Städte auf ihrem Gebiet zu gründen, zu erweitern und verschiedene Residenzen zu errichten. Trotz wiederholter Teilungen im 13. und 15. Jahrhundert sowie Gebietsschenkungen an den Deutschen Orden (1219) konnte Hohenlohe ein fast geschlossenes Territorium bilden. Die Herren von Hohenlohe wurden 1450 in den Reichsgrafenstand erhoben, ab 1744 stiegen die verschiedenen Linien nach und nach in den Reichsfürstenstand auf. Die regierenden und gemeinsam im Reichsfürstenrat vertretenen Linien verloren ihre Unabhängigkeit 1806 durch Mediatisierung infolge der Rheinbundakte an das Königreich Württemberg, die Exklave Schillingsfürst fiel an das Königreich Bayern.

Der Wahlspruch des Hauses Hohenlohe lautet „ex flammis orior“ (deutsch: Aus Flammen erhebe ich mich). Der Hausorden trägt den Namen Hausorden von der Goldenen Flamme (Fürstlich Hohenlohescher Haus- und Phönixorden).

Das große Landeswappen Baden-Württembergs mit den Stauferlöwen trägt heute als Kronaufsatz die Wappen der Regionen, aus denen sich das Land zusammensetzt, darunter den fränkischen Rechen des ehemaligen Herzogtums Ost- und Westfranken, da die baden-württembergische Region Heilbronn-Franken sich neben der Stadt und dem Landkreis Heilbronn aus den Landkreisen Schwäbisch Hall, Main-Tauber sowie dem Hohenlohekreis zusammensetzt, in denen ein eigener ostfränkischer Dialekt gesprochen wird: Hohenlohisch.

mini|hochkant|Stammwappen derer von Hohenlohe

Geschichte des Hauses Hohenlohe Familienname und Herkunft

mini|Schloss Weikersheim im Taubertal. Im Hof des Renaissanceschlosses der Bergfried der Stammburg aus der Stauferzeit. Das Stammland des Hauses ist der frühere Taubergau und Gollachgau. 1153 wird erstmals Konrad von Weikersheim (Conradus de Wighartesheim, * um 1130; † 1183) in einer Urkunde des staufischen Kaisers Friedrich Barbarossa erwähnt. Der Ort Wighartesheim war altes Reichsgut und wurde 837 in einer Urkunde des Klosters Fulda erstmals erwähnt als Besitz des Würzburger Dienstmanns Wipert von Wichhartesheim. Dieser besaß vermutlich nur einen Hof im Ort, der im 12. Jahrhundert durch Schenkung an das Kloster Comburg kam, welches spätestens zur Zeit der Ersterwähnung Konrads im Jahr 1153 dessen Familie damit belehnt hatte. Zu dieser Zeit wurde zwischen zwei Armen der Tauber mitten im Taubertal eine Sperrburg errichtet, deren Bergfried in der heutigen Renaissanceanlage noch erhalten ist. Erst 1244 erwarben die Herren von Hohenlohe die Burg Weikersheim vom Kloster zu Eigen.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. A. Kröner Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 860 Die Siedlung im Vorfeld der Burg erhielt 1313 Stadtrecht und Mauer, war zunächst Allodialgut der Herren von Hohenlohe, dann aber ab 1345 Lehen des Klosters Fulda, ab 1392 Lehen des Bistums Würzburg. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Stadt Objekt zahlreicher Verpfändungen und befand sich erst ab 1468 in dauerndem Besitz der Hohenloher Grafen.

mini|hochkant=0.6|links|Die Burg Hohlach stand vermutlich westlich der St. Georgskirche in Hohlach. Heinrich von Weikersheim wird 1156 bis 1182 in Urkunden erwähnt und Adelbert von Weikersheim ca. 1172 bis 1182. Letzterer benutzte 1178 als Herkunftsbezeichnung erstmals von Hohenlohe („Albertus de Hohenloch“), womit zugleich dieser Ortsname (heute Hohlach) zuerst erscheint. Sein Bruder Heinrich nannte sich ebenso ab 1182 (in der Form „Hohenlach“ oder „Holach“). Der Name bedeutet „hochgelegenes Gehölz“ (hohes Loh).E. Fuchshuber: Uffenheim, S. 100ff. Er leitet sich von der nicht mehr existierenden Burg Hohlach bei Uffenheim in Mittelfranken ab. Konrads Sohn Heinrich (* um 1150; † um 1212) wurde zum Stammvater der weiteren Generationen der Hohenlohe; dessen Bruder Adelbert, der urkundlich zwischen 1189 und 1209 erscheint, beteiligte sich am Dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich Barbarossa.

mini|hochkant=0.6|Die Burg Pfitzingen, einst neben der Kirche gelegen, war Sitz der gleichnamigen Edelherren. Für die Zeit vor Konrad von Weikersheim, seinen Brüdern und seinem Sohn Heinrich von Hohenlohe gibt es keine gesicherten Nachweise. Es gilt als plausibel, ist aber nicht belegbar, dass die Herren von Weikersheim und späteren Herren von Hohenlohe mit den Edelherren von Pfitzingen bei Niederstetten stammesgleich sind. Die Burg Pfitzingen, 7 km südlich von Weikersheim, wurde bereits um 1100 erbaut, die Burg Weikersheim vermutlich einige Jahrzehnte später. Die nahe bei Pfitzingen gelegene Burg Haltenbergstetten wurde um 1200 von den Hohenlohe erbaut. Und sowohl die Herren von Pfitzingen als auch die Herren von Hohenlohe führten denselben Leitnamen Konrad. Der 1136/1141 bezeugte Konrad von Pfitzingen könnte also der Vater des Konrad von Weikersheim gewesen sein. Konrad von Pfitzingen soll mit einer nach 1135/1140 verstorbenen Sophia verheiratet gewesen sein, welche angeblich eine natürliche Tochter des Stauferkönigs Konrad III. mit einer vornehmen Dame Gerberga war.Tobias Weller: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Böhlau, Köln 2004, S. 211–220. Siehe auch: Stammliste der Staufer. Deshalb rühmten sich später die Hohenlohe einer Verwandtschaft mit den Staufern, die damals nicht nur Herzöge von Schwaben, sondern auch römisch-deutsche Könige und Kaiser waren. Nach Angaben von Hansmartin Decker-Hauff sollte aufgrund der von ihm verwendeten Lorcher Quellen eine nahe Verwandtschaft des Hauses Hohenlohe zum Hause Hohenstaufen bestanden haben. Diese Angaben lassen sich jedoch in ihren Details gemäß neuerer Nachforschungen nicht zweifelsfrei belegen.Klaus Graf: Staufer-Überlieferungen aus Kloster Lorch. In: Sönke Lorenz u. a. (Hrsg.): Von Schwaben bis Jerusalem. Facetten staufischer Geschichte. Sigmaringen 1995, S. 209–240Tobias Weller: Auf dem Weg zum „staufischen Haus“. Zu Abstammung, Verwandtschaft und Konnubium der frühen Staufer. In: Hubertus Seibert, Jürgen Dendorfer (Hrsg.): Grafen, Herzöge, Könige. Der Aufstieg der Staufer und das Reich (1079–1152). Ostfildern 2005, S. 41–63, hier S. 56–63.

Möglicherweise kam es zum Namenswechsel Weikersheim-Hohenlohe, indem ein Mitglied des (Pfitzingen-)Weikersheimer Stammes die Erbin eines schon bestehenden Geschlechts auf Hohlach heiratete, wodurch diese Grundherrschaft an die Weikersheimer gefallen sein könnte.Hubert zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Friedrich Karl zu Hohenlohe-Waldenburg: Hohenlohe. Bilder aus der Geschichte von Haus und Land (= Mainfränkische Hefte, Heft 44). Würzburg 1965, S. 4. Auf ähnliche Weise dürfte das Erbe der Herren von Mergentheim an die Familie gefallen sein, denn 1219 schenkten die Brüder Andreas, Friedrich und Heinrich von Hohenlohe, vom Kreuzzug nach Damiette zurückgekehrt, dem Deutschen Orden Besitz und Rechte samt zweier Burgen in Mergentheim.

Bis ins 14. Jahrhundert hatten die Hohenlohe das einträgliche Geleitrecht an den Handelsstraßen um das Taubertal inne, das unter anderem von Weikersheim aus wahrgenommen wurde. Die Burg Hohlach sicherte hingegen die Straße Rothenburg-Ochsenfurt. Vermutlich wurde aber der Name Hohenlohe angenommen, weil Weikersheim ein Lehen des Klosters Comburg war, Hohlach aber ein ReichslehenBurg Hohlach (Mitte des 12. Jh.), in: Historisches Unterfranken – Datenbank zu mittelalterlichen Burgen in Franken., das seinen Besitzern die Reichsunmittelbarkeit gewährte. Hohlach verlor jedoch bald an Bedeutung, die Besitzungen der Familie wurden vielmehr um das etwa 20 km weiter westlich gelegene Weikersheim nach Süden hin zur Grafschaft Hohenlohe ausgebaut.

Erste Teilung mini|Bad Mergentheim mit dem Deutschordensschloss. Die Kommende wurde 1219 von den Hohenlohe gestiftet. Von den drei Söhnen Konrads von Weikersheim starben Konrad und Albrecht kinderlos. Heinrich von Hohenlohe, der dritte Sohn, hatte fünf Söhne, von denen Andreas, Heinrich und Friedrich in den Deutschen Orden und damit den geistlichen Stand eintraten, wodurch dem Haus Hohenlohe bedeutende Besitzungen um Mergentheim verlorengingen, aus denen die Deutschordenskommende Mergentheim hervorging.Eine der beiden geschenkten Burgen in Mergentheim diente der dort entstandenen Kommende des Deutschen Ordens als erstes Domizil. Das spätere Deutschordensschloss geht nach neuen Erkenntnissen auf eine 1269 von den Hohenlohe an den Orden veräußerte, zuvor von den Staufern zu Lehen gehende Burg zurück. Erbaut hatte sie um 1090 der mit einer Gräfin von Mergentheim verheiratete Graf Heinrich von Rothenburg. Die beiden Söhne Gottfried und Konrad standen in der Stauferzeit an der Spitze des Hauses und waren Gefolgsleute von Kaiser Friedrich II., nachdem schon ihre Onkel Konrad und Albrecht im 12. Jahrhundert mehrmals auf Reichstagen erschienen waren und Albrecht am Dritten Kreuzzug von 1189 teilgenommen hatte. Friedrich II. belohnte die beiden Brüder für ihre Dienste mit der Verleihung von italienischen Grafschaften als Lehen. Konrad von Hohenlohe erhielt im Dezember 1229 die Grafschaft Molise in den Abruzzen im Königreich Sizilien, musste sie aber bereits 1230 im Rahmen der Lösung des Kaisers aus dem Kirchenbann durch Papst Gregor IX. wieder zurückgeben. Ab 1230 führten Konrad und Gottfried (sowohl einzeln als auch gemeinsam) den Titel Graf von Romagna (das zu Reichsitalien gehörte).

mini|links|Burg Brauneck, um 1230 errichtet Ein Familienvertrag aus dem Jahr 1230 regelte unter anderem die Abgrenzung des gemeinschaftlichen Lehensgebiets. Konrad erhielt den östlichen, heute größtenteils in Bayern liegenden Teil mit der Burg Brauneck, die er vermutlich um diese Zeit erbauen ließ und die etwa auf halbem Weg zwischen Weikersheim und Hohlach liegt. Gottfried erhielt den westlichen Teil mit Weikersheim, den er nach Süden hin erweiterte. Konrads Familienzweig, die Linie Hohenlohe-Brauneck, dehnte ihren Herrschaftsbereich ebenfalls nach Süden aus, bis Creglingen an der Tauber, wo sie die Burg Creglingen erwarben. Doch strebten sie auch nach Norden, indem sie im Hochstift Würzburg mehrere freigewordene Lehen kauften, sodass sie das Gebiet von Brauneck über Oberickelsheim, Martinsheim, Gnodstadt und Obernbreit bis an den schiffbaren Main besaßen, an welchem sie die Orte Marktsteft und Sickershausen kontrollierten. Aus ersessenen und usurpierten Reichsrechten etwa in Obernbreit oder der Vogtei in Marktsteft versuchten sie, ähnlich der Weikersheimer Linie, eine eigene kleine Landesherrschaft zu etablieren.Volkmar Wirth: Zur Geschichte der sechs Maindörfer. In: Korrespondent von und für Deutschland. Nürnberg 1884, Nr. 571. S. 1. Die Herrschaften Brauneck und Hohlach ließen sie von Ministerialen, den Herren von Enheim, verwalten. Um 1300 erwarben die Herren von Hohenlohe-Brauneck die Burg Jagstberg und starben in männlicher Linie 1390 aus, nachdem viele ihrer Söhne geistliche Würdenträger geworden waren. Zwischen den Erben in weiblicher Linie und den Burggrafen von Nürnberg kam es zum Streit um die Besitzungen, schließlich wurden die Herrschaften aufgeteilt und kamen 1448 an das hohenzollerische Fürstentum Ansbach. Die oben aufgezählten „sechs Maindörfer“ der Braunecker Hohenlohe wurden zur „Speerspitze“ der Ansbacher Markgrafen im Gebiet des Würzburger Hochstifts.

Gebietserweiterungen mini|Schloss Langenburg über dem Jagsttal