mini|Sinterklaas wird in der nordniederländischen Stadt Groningen empfangen (2015). Dem Bischofsdarsteller zu Pferd geht ein traditioneller Zwarte Piet mit schwarzer Gesichtsfarbe voran. Nach einem Zug durch die Stadt trifft Sinterklaas den Bürgermeister. Rechts im Bild sieht man einen Wachmann. Der Zwarte Piet (niederländisch; westfriesisch Swarte Pyt, „Schwarzer Peter“) oder Piet ist in den Niederlanden und Flandern der Helfer des Sinterklaas, des Heiligen Nikolaus in der niederländischen Überlieferung. Der im November und Dezember allgegenwärtige Zwarte Piet ist außerordentlich beliebt in der Bevölkerung, das Sinterklaasfest ist überhaupt wesentlich wichtiger als Weihnachten.

Der Zwarte Piet war ursprünglich eine Schreckfigur der niederländischen Folklore, ohne Bezug zum Sinterklaasbrauchtum. Eingang in den Nikolausbrauch fand diese erst Mitte bzw. (namentlich) gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Ab dieser Zeit hatte sie eine ähnliche Funktion wie Knecht Ruprecht, Schmutzli oder Krampus: das Bestrafen böser Kinder anstelle des sich körperlich zurückhaltenden Heiligen. In Frankreich und im französischsprachigen Teil Belgiens heißt diese Figur Père Fouettard. Im 20. Jahrhundert wurde aus dem einzelnen Helfer eine Gruppe von Zwarte Pieten, die dem Sinterklaas zur Seite stehen. Die Gesichter der Darsteller sind braun oder schwarz geschminkt, getragen wird bunte festliche Kleidung, die an Diener des 16. Jahrhunderts erinnert.

Seit dem Jahr 2013 häuft sich die Kritik, ob die Figur des Zwarte Piet (als ein Fall von Blackface) rassistisch geprägt sein könne. Anlass war die Forderung der jamaikanischen Professorin für Sozialgeschichte Verene Shepherd, Mitglied einer Arbeitsgruppe bei dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR), das Sinterklaasfest mitsamt dem Zwarte Piet abzuschaffen. Auf die Vorwürfe wurde in der Bevölkerung emotional reagiert. Seitdem gibt es alternative Kostümierungen, in denen das Schwarz im Gesicht nur als Ruß angedeutet wird oder die Darsteller in anderen Farben wie Grün oder Rot geschminkt sind. Die Figur wird häufiger nur noch Piet und nicht mehr Zwarte Piet genannt.

Funktion und Merkmale mini|St. Nikolaas en zijn knecht bei einer disziplinarischen Maßnahme, um 1885 Das Sinterklaasfest am 5. Dezember ist die beliebteste Volkstradition in den Niederlanden, wie 2010 eine Umfrage ergeben hat. In seiner heutigen Form ist es in den Niederlanden und Flandern einzigartig. Es ist vor allem ein Kinderfest, an dem auch Erwachsene teilnehmen. Der Tradition nach bringen Sinterklaas und Zwarte Piet während des Sinterklaasfestes am 5. Dezember Geschenke. Zwarte Piet klettert dabei durch die Schornsteine der Häuser – in denen die Menschen schlafen – und verteilt Süßigkeiten. Zudem tritt er als Helfer des Sinterklaas auf, um sein Buch oder seinen Stab festzuhalten, sein Pferd zu leiten, oder sonstige Arbeit für ihn zu verrichten.

mini|Ein Mann wird zum Zwarte Piet geschminkt, Amsterdam, 30. November 1945 Bis in die 1970er-Jahre hatte der Zwarte Piet oft eine Rute bei sich, mit der er böse Kinder bestrafte. Die Rute sieht man heutzutage nur noch sehr selten in der Hand des Zwarte Piet. Obwohl sie als Attribut noch vorhanden ist, wird sie nicht mehr benutzt.

Manche Kinder haben Angst vor dem Zwarte Piet, denn in dem Buch des Sinterklaas sind alle bösen Taten vermerkt. Zudem behaupteten einige Eltern gegenüber ihren Kindern, dass Zwarte Piet die störrischen Kinder in einem Jutesack mit nach Spanien nehme.

In der jüngeren Zeit sind Sinterklaas und Zwarte Piet schon Wochen vor dem 5. Dezember in den Innenstädten zu sehen, häufig in der Nähe von Kaufhäusern. Mitte November hält der Sinterklaas festlichen Einzug in eine bestimmte Stadt, was vom Fernsehen übertragen wird. Vor allem derjenige Sinterklaas, der im Sinterklaasjournaal des Kinderfernsehens gezeigt wird, hat viele Zwarte Pieten als Helfer. Pieten haben unterschiedliche Aufgaben erhalten, wie Einkauf, Einpacken, Transport usw. Auch kennt man nun einen Leiter der Pieten, den sogenannten „Hauptpiet“. Die gespielte Nachrichtensendung berichtet von den Schwierigkeiten der Pieten auf dem Weg in die Niederlande. Beispielsweise hat ein Piet die Geschenke verloren, sodass es gemeinsamer Anstrengung der bischöflichen Entourage bedarf, um das Fest für die Kinder zu retten.

In den älteren Darstellungen hatte der Zwarte Piet ein schwarzes Gesicht, große rote Lippen, eine Afrofrisur und goldene Ohrringe. Er war wild, kindlich und unzuverlässig, riss Possen und sprach unbeholfen. Laut einem Kinderlied sagt er: Want ook al ben ik zwart als roet / Ik meen het wel goed (Auch wenn ich schwarz wie Ruß bin, so meine ich es doch gut). Demzufolge musste er sein Gutsein erst behaupten, da vom Äußeren her nicht davon auszugehen war. Später wurde der Zwarte Piet ernsthafter und klüger, als Stütze für den betagten Sinterklaas.

Ursprung Der Kult um den Heiligen Nikolaus von Myra ist sehr alt, der niederländische Zwarte Piet lässt sich hingegen bis in die Zeit des Barock zurückverfolgenWillem van der Hoeven: Stryd van Bacchus tegen de Indiaanen. Boertig Heldendicht. Fredrik Helm, Amsterdam 1710, S. 7. und wird bspw. 1766 in Pieter Nieuwlands De bespookte Waereld ontspookt neben Figuren wie Poltergeist, Nachtmahr und Klabautermann als Schreckgestalt genannt.Pieter Nieuwland: De bespookte Waereld ontspookt. De Duivel geroskamt, en het Euangelie van den Spinnerok weerlegt. Amsterdam 1766, S. 30. Im Alpenraum ist der Krampus als schwarzer, weil dämonischer Knecht des Nikolaus belegt. Dieser Gegensatz schwarz – weiß (Bart des Nikolaus) hat einen vorchristlichen Ursprung: Der (belohnende) gute Geist bezwingt den (strafenden) bösen Geist. Ein Zusammenhang von Krampus mit Zwarte Piet ist nicht belegt.

Der „moderne“ Zwarte Piet stammt vom Lehrer Jan Schenkman. Der niederländische Heilige wohnt laut Schenkman (1850) in Spanien. Möglicherweise stammt das daher, dass sich der niederländische Landesname Spanje auf appeltjes van oranje (goldene Äpfelchen, Apfelsinen) reimt, wie man es im berühmten Lied über Piet Hein findet. Oder es hat damit zu tun, dass die Niederlande im 16. Jahrhundert, seit dem das Kinderfest belegt ist, ebenso wie Spanien zur Habsburgermonarchie gehörte. Auf jeden Fall könnte das Land damit zu tun haben, dass ein Mohr in orientalischer Tracht die Bühne betreten hat, denn in Spanien gab es die knapp 800-jährige Herrschaft der Mauren in al-Andalus. Das Wort moor, das oft für den Zwarte Piet verwendet wird, kann sich sowohl auf einen Schwarzafrikaner als auch auf einen dunkleren Nordafrikaner beziehen.

mini|Eine Schenkman-Ausgabe von etwa 1907, mit einem grimmigen Zwarte Piet. Laut dem Direktor des Rijksmuseum gibt es aus dem Jahre 1520 ein Gemälde über den Hof von Kaiser Karl V. Ein stolzer schwarzer Mann habe darauf bereits die Attribute, wie sie später vom Zwarte Piet her bekannt wurden. Sinterklaas hatte jedoch zunächst noch keine Begleitung, erst 1850 bildete Schenkman ihn in seinem Bilderbuch mit einem namenlosen schwarzen Diener ab. In einer späteren Ausgabe von 1858 hat dieser eine Pagen-Uniform mit Puffhose und Barett an. Schenkman hat den knecht zwar nicht erfunden, da es Hinweise auf eine frühere Verwendung gibt, aber kanonisiert, so das Meertens Instituut für Volkskunde. Ein Bezug zur Sklaverei, wie es sie damals noch in den niederländischen Kolonien gab, kann zwar nicht belegt werden, doch könnten die stereotypisierenden Abbildungen durchaus durch den damaligen Diskurs über Kolonialismus und Sklaverei geprägt sein. Den Namen Pieter gibt es seit 1859, erst um 1900 bürgerte sich der Name Zwarte Piet ein.

Ein Bezug zu den schwarzen Raben von Wotan ist hingegen eher auszuschließen, ebenso wie der Vergleich des durch die Luft reitenden Wotan mit dem über die Dächer reitenden Sinterklaas eher oberflächlich ist. Auch ist Zwarte Piet nicht schwarz durch Ruß, denn schwarz ist er bereits bei der Ankunft mit dem Boot aus Spanien und nicht erst, nachdem er die Geschenke durch die Schornsteine abgeliefert hat.

Kontroverse Vereinzelter Protest mini|Puppen in einem Amsterdamer Kaufhaus, November 2012 Seit etwa den 1970er-Jahren hat es immer wieder Klagen über den Zwarte Piet gegeben, da dieser mit seinem Äußeren und Verhalten an einen ungebildeten Schwarzen erinnere und daher rassistisch sei. Beispielsweise sagte 1987 eine schwarze Niederländerin in der Kindersendung Sesamstraat, dass sie die Tradition nicht möge, weil zur Sinterklaaszeit Schwarze als Zwarte Piet angesprochen werden würden.NRC.nl: In 1987 legde Gerda het al uit aan Pino: Zwarte Piet is 'helemaal niet leuk', Abruf am 24. Oktober 2013.

Im Jahre 2011 wollten zwei schwarze Niederländer beim Einzug des Sinterklaas ein Transparent „Nederland kan beter“ („Die Niederlande können es besser“) hochhalten. Als die Polizei dies untersagte, folgten sie der Anweisung, ließen aber ihre T-Shirts mit der Aufschrift „Zwarte Piet is racisme“ sehen. Dies wollten die Polizisten als nicht genehmigte Demonstration verbieten, die beiden Betroffenen folgten der Anweisung nicht. Folglich kam es zu einem Handgemenge und einer Festnahme. Die beiden wurden mit einer Buße von 140 Euro belegt.John Helsloot: Zwarte Piet and Cultural Phasia in the Netherlands, Abruf am 12. April 2016.

EenVandaag vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk sammelte im Jahr 2013 Äußerungen von dunkelhäutigen Niederländern (oft surinamischer oder karibischer Abstammung). Viele sagten, sie hätten als Kind ein schönes Sinterklaasfest erlebt, dem stünden aber auch Erinnerungen von Diskriminierung und Mobbing gegenüber. Sowohl Erwachsene als auch Kinder hätten „Witze“ gemacht, ob das dunkelhäutige Kind zu früh ins Land gekommen sei oder das Boot (zurück nach Spanien) verpasst habe. Wenn sie etwas dagegen gesagt hätten, seien sie auf Unverständnis gestoßen. Daher hätten sie gelernt, sich anzupassen. Als Erwachsene würden viele Sinterklaas feiern, einige aber vermieden die Feierlichkeiten so weit wie möglich. Das Fest solle zwar nicht abgeschafft, aber der Knecht an die heutige Zeit angepasst werden., Abruf am 24. Oktober 2013.

Vorwürfe 2013 mini|Sinterklaas mit zwei Zwarte Pieten in der niederländischen Kolonie Ostindien, erste Hälfte 1930er-Jahre Im Oktober 2013 kam es in den Niederlanden zu einem landesweiten Protest, als eine jamaikanische Professorin für Sozialgeschichte meinte, die Niederlande müssten den Zwarte Piet abschaffen. Verene Shepherd gehört seit 2008 zu einer vierköpfigen Arbeitsgruppe Working Group of Experts on People of African Descent bei dem Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR), die auf Missstände auf dem Gebiet der Menschenrechte aufmerksam macht. Im Januar 2013 hatte die Gruppe die niederländische Regierung um Aufklärung über das Sinterklaasfest gebeten. Der Zwarte Piet halte ein Stereotyp aufrecht, das Menschen afrikanischer Herkunft als zweitklassigen Bürger darstelle und Rassismus wecke. Die Gruppe schrieb auch, dass sie gehört habe, dass Sinterklaas und Zwarte Piet der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Niederlande vorgeschlagen werden solle. Letzteres, so erklärte ein Vertreter der Regierung im Juli, stimme aber nicht.

Shepherd sagte in einem Interview mit einer niederländischen Zeitung:Volkskrant.nl: Hooft VN-onderzoek: Zwarte Piet is terugkeer slavernij, Abruf am 24. Oktober 2013.

Ihrer Meinung nach solle das Sinterklaasfest 2013 zum letzten Mal stattfinden, ein einziger Santa Claus sei doch ausreichend (statt sowohl Nikolaus am 6. Dezember und den Weihnachtsmann am 24. zu haben). Sie wolle die Frage in der UN-Vollversammlung behandelt sehen. mini|"Pietprotest", eine Demonstration gegen den Zwarte Piet, Amsterdam im November 2013