mini|Sultan-Ahmed-Moschee in Istanbul Osmanische Architektur ist der Oberbegriff für die Architektur des Osmanischen Reiches. In seinen Kerngebieten, dem auf der Balkanhalbinsel gelegenen Rumelien und Kleinasien (Anatolien), entstand im 14. und 15. Jahrhundert eine Architektur, die den für die Islamische Architektur typischen Bauten wie der Moschee, der Hochschule (Madrasa), der Karawanserei oder dem Bad (Hamam) eine besondere architektonische Gestalt verlieh. Die osmanische Architektur integrierte Bauelemente aus der Rum-seldschukischen ebenso wie aus der armenischen und persischen sowie der byzantinischen Architektur. Aus der Synthese der Architektur des Nahen Ostens, des Mittelmeerraums und des byzantinischen Reiches entstanden einmalige Bauten: Die Wohnhäuser, Moscheen, Karawansereien und Medresen von Safranbolu und Bursa, die Selimiye-Moschee in Edirne und die monumentalen Bauten Istanbuls in der heutigen Republik Türkei zählen zum UNESCO-Welterbe.

Geschichtlicher Überblick Vorbilder und frühe Bauten Nach Gründung des Osmanischen Reichs – als Datum wird traditionell das Jahr 1299 angenommen – besetzten und besiedelten die turkstämmigen Osmanen nach und nach die ehemals byzantinischen Regionen Bithynien und Mysien. Die ersten Bauten, an denen sich stilistische Veränderungen nachweisen lassen, die sie von der seldschukischen ebenso wie von der Architektur der Beyliks in anderen Regionen Anatoliens unterscheiden, tauchen in den 1320er und 1330er Jahren auf. Die Konstruktion der Wände und die schmückenden Einzelheiten entstammen häufig der byzantinischen Architektur, während Grundrisse und Gewölbeformen eher der seldschukischen Bautradition entstammen. Die Orhan-Moschee in Bursa ist einer der ältesten erhaltenen osmanischen Sakralbauten und ein gutes Beispiel für den sogenannten „byzantinisch-osmanischen Übergangsstil“. Das aus groben Ziegeln und Hausteinen aufgeführte Mauerwerk unterscheidet sich von den rein steinernen seldschukischen Bauten, bei denen meist nur die Minarette aus den leichteren Ziegeln erbaut wurden. Details der Baudekoration wie Kragsteinbänder, Sägezahn-Friese und Ochsenaugen-Fenster sind byzantinischen Ursprungs. Ousterhout wies so viele technische und dekorative Parallelen zur auf das Baujahr 1336 datierten byzantinischen Panagia-Pantobasilissa-Kirche im bithynischen Tirilye auf, dass er sogar davon ausging, dass dieselben Baumeister Kirchen und Moscheen errichtet haben könnten. Die reichliche Verwendung byzantinischer Spolien in frühosmanischen Bauten, deutlich sichtbar beispielsweise in den Säulen und Kapitellen der Nordfassade der Hüdavendigar-Moschee von Bursa, ist ebenfalls nicht ungewöhnlich für die spätbyzantinische Architektur, und muss nicht unbedingt als symbolische Aneignung verstanden werden.Robert Ousterhout: Ethnic identity and cultural appropriation in early Ottoman architecture. Muqarnas 12 (1995), S. 48–62 online, abgerufen am 15. Oktober 2016.

mini|Ertuğrul Gazi-Mausoleum in Söğüt Eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der frühosmanischen Architektur ist die Ertuğrul-Mescit, die Türbe (Mausoleum) des Ertuğrul Gazi, des Vaters Osmans I., in Söğüt. Es besitzt eine kleine Vorhalle, ein großer Bogen leitet in den quadratischen Innenraum, der von einer Kuppel überwölbt ist. Der Bau ähnelt einem zoroastrischen Feuertempel der persischen Architektur.

Deutlich erkennbar sind auch Vorbilder aus der seldschukischen Architektur. Eine – allerdings zu späterer Zeit angebrachte – Bauinschrift an der Alten Moschee von Edirne nennt Hacı Alaeddin als Baumeister aus Konya, der alten Hauptstadt der Rum-Seldschuken. Eine frühe osmanische Moschee ist in Manisa erhalten und diente späteren Bauten als Vorbild.Robert Anhegger (1958): Beiträge zur osmanischen Baugeschichte II: Die Üç Şerefeli Cami in Edirne und die Ulu Cami in Manisa. Istanbuler Mitteilungen, Heft VIII, S. 40–56 Ein aus der seldschukischen Architektur übernommenes Element ist die Betonung der Mihrabnische durch eine Kuppel, wie sie sich beispielsweise in der Alaeddin-Moschee in Konya findet.

Frühzeit: 14. und 15. Jahrhundert mini|Alte Moschee von Edirne, erbaut 1402/9–1414 mini|Hagia Sophia in Vize (Türkei), nach der Eroberung Thrakiens umbenannt in Gazi-Süleyman-Paşa-Moschee

Die osmanische Baukunst fand erste Eigenständigkeit im Repräsentationsbedürfnis der Sultane, die nach der Eroberung von Bursa (1326), İznik (1331) und Edirne (1362) in diesen Städten monumentale Bauwerke errichteten. In İznik sind aus dieser frühen Zeit die Süleyman-Pascha-Medrese (1331), Hacı-Özbek-Moschee (1333) und die 1334 zur Orhan-Moschee umgebaute Hagia Sophia-Kirche erhalten. Bursa war von 1326 bis 1368 die erste Hauptstadt des Osmanischen Reichs. Im Zeitraum zwischen 1380 und 1420 entstanden dort die Hüdavendigar-Moschee (errichtet 1365–1385 unter Murad I.), die Große Moschee (Ulu Cami, 1396–1399), die Grüne Moschee (1412–1419) und die Orhan-Gazi-Moschee. Diese Bauten prägten den so genannten „Bursa-Stil“. Dieser verlieh dem klassisch-islamischen Stil der von einer Vielzahl von Kuppeln überdachten Vielpfeiler-Moschee eine spezifisch osmanische Ausprägung. Auf Bursa folgte von 1368 bis 1453 Edirne als Hauptstadt. Am Rand des Stadtzentrums des antiken Adrianopel entstanden Baukomplexe (Külliye), bestehend aus einer Moschee, der ein Grabmal (Türbe) des Stifters, Schulgebäude (Medrese), Bäder (Hamam) und Armenküchen (Imaret) angegliedert sein konnten. In Edirne sind neben einer Markthalle (Bedestan) und der Cisr-i Ergeni („Ergeni“- oder „lange Brücke“, ), die der ersten osmanischen Stadtgründung auf dem Balkan, Uzunköprü, ihren Namen gab, die Alte Moschee,Eski Cami auf Archnet, abgerufen am 20. September 2016. Muradiyye- und Üç-Şerefeli-Moschee aus der Frühzeit der osmanischen Architektur erhalten.

Im Zuge der Ausdehnung des Reichs übernahmen die neuen Herrscher Kirchenbauten der byzantinischen Architektur, wie die Hagia Sophia in Nicäa, die Hagia Sophia von Trapezunt und, nach der Eroberung von Konstantinopel (1453) Kirchen wie die Theotokos-Kyriotissa-Kirche (die heutige Kalenderhane-Moschee), das Pantokrator-Kloster (die heutige Zeyrek-Moschee), die frühbyzantinische Hagia Irene und die damals größte Kirche der Christenheit, die Hagia Sophia. Im weiteren Verlauf gewinnt der stilistische Einfluss der byzantinischen Architektur zunehmend an Bedeutung. Deutlich wird dies an den beiden Bauten des Architekten Hayreddin für Sultan Bayezid II., dem Sultan-Bayezid-Komplex in Edirne (err. 1484–1488) und der Beyazıt-Moschee (err. 1501–1506) in Istanbul. Die monumentale Hauptkuppel der Beyazıt-Moschee wird von zwei Halbkuppeln, ihr längliches Schiff von Doppelarkaden flankiert. Oberhalb der Arkaden erheben sich Tympana, die von zahlreichen Fenstern durchbrochen sind und mittels Pendentifs an die Kuppel anschließen. Diese Bauweise sollte später durch den Architekten Sinan und seinen Bauherrn Süleyman I. zu einem neuen und originellen Baustil der klassischen osmanischen Moschee geführt werden.

Klassische Zeit: 16. Jahrhundert mini|Sinan-Pascha-Moschee in Prizren, Kosovo Als „klassische Epoche“ der osmanischen Architektur gilt das 16. Jahrhundert. Hier fällt die Expansionszeit des Reiches unter Süleyman I. mit dem Wirken des Architektengenies Sinan (um 1490 – 1588) zusammen. Allgemein als größter osmanischer Architekt bezeichnet, ist Sinan aber auch einer der wenigen, deren Namen nicht nur Spezialisten bekannt sind. Ihm folgte 1588 Davut Ağa, diesem wiederum 1599 Dalgıç Ahmed Çavuş (bis 1606). Davut Ağa plante die Neue Moschee in Istanbul, deren Bau erst 1663 fertiggestellt werden konnte. Die Kriege dieser Zeit, sowohl mit dem persischen Safawidenreich (Osmanisch-Safawidische Kriege: 1532–1555, 1578–1590, 1623–1639) als auch mit der Habsburgermonarchie (Langer Türkenkrieg, 1593–1606) waren so kostspielig, die politische Situation am Sultanshof so unsicher, dass kaum Ressourcen für aufwändige Bauten zur Verfügung standen. Nach dem Friedensschluss von Zsitvatorok 1606 ließ Sultan Ahmed I. durch den Hofarchitekten Sedefkar Mehmed Ağa die Sultan-Ahmed-Moschee nahe der Hagia Sophia errichten. Ihre sechs Minarette prägen bis heute das Stadtbild.

17. Jahrhundert Das 17. Jahrhundert war politisch durch eine Reihe schnell wechselnder Sultane von geringem Einfluss gekennzeichnet, die sich kaum als Mäzene betätigen konnten. Da während dieser Zeit Frauen, vor allem die Sultansmütter, die Regierungsgeschäfte bestimmten, wird diese Periode als Weiberherrschaft bezeichnet. Von 1635 stammt die Külliye des Großwesirs Bayram Pascha, die sich neben dem Haseki-Sultan-Komplex befinden. 1638 wurde zur Erinnerung an die geglückte Eroberung Bagdads der Bağdad Köşkü (Bagdad-Kiosk) im vierten Hof des Topkapı-Palasts errichtet. Mit der Ernennung Köprülü Mehmed Paschas 1656 zum Großwesir begann eine Periode politischer Stabilisierung, so dass die Neue Moschee vollendet werden konnte. Ungewöhnlich erscheint bei dieser Moschee, dass der zugehörige Baukomplex nur eine Türbe und einen prächtigen Pavillon besitzt, keine Medrese, Armenküche oder ein Hospital mehr. An den Hof der Neuen Moschee unmittelbar angrenzend wurde der Mısır Çarşısı (Ägyptischer Basar) erbaut.

Spätzeit: 18. und 19. Jahrhundert In der Spätzeit – also im 18. und 19. Jahrhundert – wird der Wandmalerei schließlich größere Bedeutung zugemessen, und pflanzenartig-wucherndes Ornament, teils mit dem Barock entlehnter Motivik, ist im Inneren der Moscheen – in den Provinzen auch teils an den Außenwänden (z. B. in der „Bunten Moschee“ in Tetovo und der von Travnik, oder der Bairakli-Moschee in Samokow) – zu finden. Wenn auch die spätosmanischen Moscheen verspieltere Bauplastikelemente in ihr Repertoire aufnehmen, so wird doch bis zuletzt nicht an der Grundidee der osmanischen Moschee, dem überkuppelten Kubus, gerüttelt, die sie von anderen Architekturstilen der islamischen Welt unterscheidet. mini|Maktul-Ibrahim-Pascha-Moschee in Rasgrad, Bulgarien In der europäischen Kunstgeschichte wird der osmanischen Architektur nach wie vor kaum Raum geboten. Dies hängt einerseits damit zusammen, dass Europäer die osmanische Moschee lange für ein wenig eigenständiges Derivat byzantinischer Baukunst, besonders der Hagia Sophia, hielten; andererseits damit, dass der osmanischen Architektur mit ihrer eher nüchternen Fassadengestaltung, Repetition und Selbstreferenz die künstlerische Kreativität abgesprochen wurde („Ingenieursästhetik“). Der Kenner vermag hingegen Überraschendes weniger im Gesamtcharakter als im Detail zu finden. Die Moscheen der Spätzeit, zumindest seit der Nuruosmaniye-Moschee (1748–1756), nähern sich allerdings bereits stark westlicher Ästhetik an, und selbst die Fassaden werden zur Zeit des sogenannten Osmanischen Barocks bewegter und verspielter; ein Wandel, der in Bauten wie der auffälligen Nusretiye-Moschee (1820er) seinen Höhepunkt findet, bevor die Architektur der Tanzimatzeit (nach 1839) dann tatsächlich als Teil des europäischen Mainstreams, wenn auch mit lokalen Eigenheiten, anzusehen ist. Das Tabu üppiger, plastischer Fassaden wird letztendlich zur Mitte des 19. Jahrhunderts gebrochen, und Stilrichtungen europäischer Kunst (Barock, Gotik, Neoklassizismus etc.) vermischen sich mit lokalem Substrat zu einem hybriden Eklektizismus (z. B. Moscheen in Ortaköy, Aksaray, Yıldız; Dolmabahçe- und Çırağan-Palast am Bosporus; hölzern-filigrane Küstenvillen (yalıs) am Bosporus etc.).

Bautypen Moschee mini|Grundriss der Isabey-Moschee in Selçuk mini|Moschee in Halfeti mini|Hatuniye-Moschee in Tokat

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