Die Pflanzengattung Alcantarea gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 47 Arten gedeihen auf Felsaufschlüssen nur im östlichen Brasilien.

Beschreibung mini|links|Illustration von Alcantarea regina mini|links|Illustration von Alcantarea imperialis mini|Dreizählige Blüte von Alcantarea regina

Erscheinungsbild und Blätter Alcantarea-Arten sind immergrüne, ausdauernde, krautige Pflanzen. Sie wachsen zumeist als Epiphyten oder Lithophyten, also auf Bäumen oder an Felsen. In der Regel sind es Trichterbromelien. Die Trichter („Zisternen“) zum Sammeln von Wasser und Nährstoffen entstehen dadurch, dass ihre Sprossachsen gestaucht sind und die Laubblätter dicht in Rosetten zusammen stehen und sich überdecken. Die parallelnervigen Laubblätter sind ganzrandig und meist schwertförmig. Diese unbeschuppten Bromelien können sehr groß werden, mit Trichterdurchmessern von über 1 Meter. Sie brauchen viele Jahre bis zur Bildung ihres Blütenstandes.

Blütenstände und Blüten Die großen Hochblätter der 3 bis 5 Meter hohen Blütenstände sind bei vielen Arten lange haltbar. Die Blütenstände können unverzweigt oder verzweigt sein. Die zwittrigen Blüten sind dreizählig. Es sind drei Kelchblätter vorhanden. Die drei freien Kronblätter sind relativ lang, linealisch und rollen sich spiralig ein. Es sind zwei mal drei Staubblätter vorhanden. Die drei Fruchtblätter sind zu einem halbunterständigen Fruchtknoten verwachsen.

Früchte und Samen Es werden Kapselfrüchte gebildet. Die Samen besitzen einen „Fallschirm“, ähnlich wie bei der Pusteblume.

Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung erfolgte 1894 als Untergattung Vriesea subgen. Alcantarea durch Édouard Morren ex Mez in Bromeliaceae, Teil 3 in C. F. P. von Martius: Flora Brasiliensis, Band 3, 3, Seite 516. Den Rang einer Gattung Alcantarea hat sie seit 1995 durch Harms in Bromélia; revista da Sociedade Brasileira de Bromélias, 2, 3, Seite 15–23. Der Gattungsname Alcantarea ehrt den Kaiser von Brasilien Dom Pedro II. de Alcântara (1840 bis 1889). Ein weiteres Synonym für Alcantarea ist Glaziouia hort. ex .

Die Systematik der Unterfamilie Tillandsioideae ist wegen der Abgrenzungsproblematik der Gattungen und neuerer phylogenetischer Untersuchungen, nach denen die ursprüngliche Gattung Vriesea in drei Gattungen (Vriesea, Alcantarea und Werauhia) aufgeteilt wurde, steten Veränderungen unterworfen. Diese Arten waren in der Gattung Vriesea eingegliedert, 1995 stellte sie Jason R. Grant in eine eigenständige Gattung Alcantarea und zuletzt war es eine Untergattung innerhalb der Gattung Vriesea

Die Alcantarea-Arten gedeihen auf Felsaufschlüssen nur im östlichen Brasilien.

Es gibt 2025 etwa 47 Arten in der Gattung Alcantarea (bei Luther 2008 erst 23 Arten):mini|Laubblätter und knospiger Blütenstand von Alcantarea extensa mini|Habitus, Blütenstand und gelbe Blüten von Alcantarea geniculata mini|Habitus und Blütenstand von Alcantarea heloisae mini|Knospiger Blütenstand von Alcantarea nahoumii mini|Zusammengesetzter Blütenstand von Alcantarea regina mini|Ausschnitt eines zusammengesetzten Blütenstandes mit Blüten im Detail von Alcantarea regina Alcantarea abacta : Sie wurde 2015 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht an Inselbergen in Höhenlagen von 500 bis 600 Metern. Alcantarea acuminatifolia : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht an senkrechten Granitfelswänden im Gebiet des Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 400 Metern. Alcantarea alegrensis : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht an steilen, fast senkrechten Granitfelswänden von Inselbergen in Höhenlagen von 42 bis 545 Metern. Alcantarea aurantiaca : Sie wurde 2015 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur am Pedra Grande in Höhenlagen von etwa 360 Meter gefunden. Alcantarea australiana : Sie wurde 2015 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur im Campos dos Goytacazes gefunden. Alcantarea benzingii : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Alcantarea brasiliana (Syn.: Vriesea regina sensu ): Sie gedeiht an Felsen in Höhenlagen von etwa 500 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea burle-marxii : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Alcantarea cerosa : Sie wurde 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht an senkrechten Granitfelswänden in voller Sonne in Höhenlagen von etwa 323 Metern. Alcantarea chimaera : Sie wurde 2022 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie bildet dichte Bestände auf Granitfelsen im Atlantischen Regenwald in einer Höhenlage von etwa 1800 Meter. Alcantarea compacta : Sie wurde 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht an Felsen in „Campos Rupestres“-Aufschüssen in Höhenlagen von 1200 bis 1400 Metern. Alcantarea delicata : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch in dichten Beständen auf fast senkrechten Granitfelsen im Atlantischen Regenwald in einer Höhenlage von etwa 140 Meter. Alcantarea distractila : Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht in großen Beständen an fast senkrechten Felswänden in Höhenlagen von etwa 300 Metern. Alcantarea duarteana : Sie gedeiht an Felskuppeln in Höhenlagen von 1250 bis 1450 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Alcantarea extensa : Sie gedeiht an Felsvorsprüngen in voller Sonne nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Alcantarea farneyi : Sie gedeiht an Felsen in Höhenlagen von 1500 bis 1600 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea forzzae : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch in Höhenlagen von etwa 1200 Meter. Alcantarea galactea : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espı́rito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht an Gneiss-Granit-Felsen von nur drei Inselbergen in Höhenlagen von 300 bis 630 Metern. Alcantarea geniculata : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea glaucifolia : Sie wurde 2015 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Alcantarea glaziouana : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea heloisae : Sie wurde 2003 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht an Felsen. Alcantarea imperialis (Syn.: Vriesea gigantea , Vriesea glaziouana sensu , Vriesea imperialis , Tillandsia regina sensu non , Tillandsia blokii , Vriesea blokii hort. ex , Vriesea blokii ): Sie gedeiht an hohen Felswänden in Höhenlagen von 1300 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea intermedia : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch an sonnigen exponierten Standorten auf Plateaus von Granitfelsen im Atlantischen Regenwald in Höhenlagen von etwa 400 Meter. Alcantarea lanceopetala : Sie wurde 2014 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht an Granit-Felsen im Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 1000 Metern. Alcantarea longibracteata : Sie gedeiht an geneigten Felsen zwischen krautiger oder strauchiger Vegetation in Höhenlagen von 170 bis 600 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Alcantarea lurida : Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Alcantarea martinellii : Sie wurde 2009 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht an Felsen nur an zwei Granit-Aufschlüssen in Höhenlagen von 1000 bis 1300 Metern in der Serra dos Órgãos nur in der Nähe von Petrópolis. Alcantarea mucilaginosa : Sie wurde 2009 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Dieser Endemit gedeiht an steilen Granit-Felsen entlang der Straße in Höhenlagen von etwa 700 Metern nur in der Nähe von Venda Nova dos Imigrantes. Alcantarea nahoumii : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Alcantarea nana : Sie wurde 2014 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch nur auf den Gipfelbereichen von Bergen in Höhenlagen von 1000 bis 1200 Metern. Alcantarea nevaresii : Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea nigripetala : Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur entlang der Straße von Santa Luzia do Córrego Azul nach Nova Belém gefunden und gedeiht an schrägen Granit-Felsen in Höhenlagen von 610 bis 630 Metern. Alcantarea occulta : Sie wurde 2013 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht terrestrisch oder manchmal lithophytisch in Höhenlagen von 90 bis 1550 Metern. Alcantarea odorata : Sie gedeiht in großen Gruppen in der Sonne an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Alcantarea pataxoana : Sie wurde 2012 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht in dichten Gruppen in voller Sonne an Granitfelsen im Mata Atlântica in Höhenlagen von etwa 536 Metern. Alcantarea patriae : Sie wurde 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht in der Sonne auf Felsen in Höhenlagen von 120 bis 400 Metern. Alcantarea recurvifolia : Sie wurde 2014 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur in der Campos-Rupestres-Vegetation des Diamantina-Plateaus gefunden und gedeiht in voller Sonne auf blanken Quarzit­felsen in Höhenlagen von etwa 1350 Metern. Alcantarea regina (Syn.: Tillandsia regina , Vriesea regina , Vriesea hillegeeriana , Tillandsia blokii , Vriesea blokii , Vriesea edmundoi , Alcantarea edmundoi ): 2009 wurde erkannt, dass Alcantarea edmundoi ein Synonym ist und dass das Verbreitungsgebiet damit größer ist. Sie kommt in den brasilianischen Bundesstaaten südöstliches Minas Gerais, südliches Rio de Janeiro sowie nordöstliches São Paulo vor. Alcantarea roberto-kautskyi : Sie wurde 1999 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht lithophytisch. Alcantarea simplicisticha : Sie wurde 2008 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht an Felsen in Höhenlagen von 180 bis 360 Metern. Alcantarea tortuosa : Sie wurde 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro erstbeschrieben. Sie gedeiht in der Sonne an blanken Felsen in Höhenlagen von etwa 1900 Metern. Alcantarea trepida : Sie wurde 2010 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben. Sie gedeiht in der Sonne an steilen Felsen und auf den Plateaus der Inselberge in Höhenlagen von 300 bis 900 Metern. Alcantarea turgida : Sie wurde 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht an Felsen in Höhenlagen von 1200 bis 1300 Metern. Alcantarea vandenbergii : Sie wurde 2018 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie gedeiht in dichten Beständen lithophytisch an sonnigen exponierten Standorten auf Plateaus von Granitfelsen. Alcantarea vasconcelosiana : Sie wurde 2009 aus dem brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais erstbeschrieben. Sie gedeiht auf Inselbergen an schrägen Granitfelsen, die von einer krautigen bis strauchigen Vegetation bedeckt sind, in Höhenlagen von etwa 1000 Metern. Alcantarea vinicolor : Sie wurde 1995 aus dem brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo erstbeschrieben.

Bilder von Alcantaraea imperialis:

Quellen Literatur