250px|rechts|mini|Chinesische Gelehrte, Gemälde von Du Jin (Ming-Dynastie) Die inoffizielle Geschichte des Gelehrtenwalds () ist ein Roman von Wu Jingzi aus dem Jahre 1749, der sich satirisch mit dem Leben und Wirken der Gelehrten- und Beamten-Oberschicht des kaiserlichen China und auch dem kaiserlichen Examenssystem auseinandersetzt.

Inhalt Die Handlung spielt in den Städten des Yangzi-Deltas, insbesondere Nanjing, Yangzhou, Suzhou und Hangzhou in der frühen Ming-Dynastie. Sie besteht aus einer losen Abfolge in sich abgeschlossener, lose ineinandergreifender, jeweils um eine Zentralfigur gruppierter Erzählungen, die verschiedene Aspekte des konfuzianischen Gelehrtenlebens beleuchten. Insgesamt treten in dem vielfältigen epischen Universum des Gelehrtenwaldes 35 Haupt- und mehr als 200 Nebenfiguren auf.

Im Prolog wird der einfache Hütejunge Wang Mian vorgestellt, der sich in eifrigem Selbststudium ein ungewöhnliches hohes Maß an Bildung verschafft. Den schließlich vom Kaiser angebotenen Beamtenposten schlägt er jedoch aus und zieht sich als Einsiedler in die Berge zurück.

Zhou Jin kann sich trotz hoher Begabung die Beteiligung an den kaiserlichen Examina nicht leisten und fristet daher ein kärgliches Leben als Dorfschullehrer. Infolge großzügiger Zuwendungen befreundeter Kaufleute tritt er schließlich doch an, steigt zu höchsten akademischen Ehren auf und wird seinerseits Prüfungskommissar. In dieser Funktion revanchiert er sich für die empfangenen Wohltaten durch Verständnis und Nachsicht für die Prüflinge.

Der ebenfalls aus kleinen Verhältnissen stammende Fan Jin wird während seiner Studien allgemein verlacht und verachtet und von seinem Schwiegervater, dem rohen Dorfmetzger Hu sogar misshandelt. Auch sein Schicksal wandelt sich schlagartig, als er den Magister- und Doktorgrad erlangt und in höchste Ämter aufsteigt.

Missbraucht werden die mit dem Akademikerstatus verbundenen Privilegien durch Yan Zhizhong. Er betrügt einfache Leute, indem er etwa dem Bauern Wang, der ein Yan entlaufenes Schwein versorgt hat, den Ersatz seiner Aufwendungen verweigert, oder indem er von Huan Mengdong unter Berufung auf einen irrtümlich ausgestellten Schuldschein Zinszahlungen für ein nie gewährtes Darlehen verlangt. Wenig sympathischer ist Yans jüngerer Bruder Yan Zhihu gezeichnet, dessen Geiz so weit geht, dass er noch auf seinem Totenbett darauf achtet, dass in der Lampe nicht zwei Öldochte brennen, wo einer ausreicht.

Die unterschiedliche Art und Weise, in der man ein öffentliches Amt ausüben kann, wird anhand zweier Präfekten von Nanchang, dargestellt. Unter dem Regime des von Passivität und laissez-faire geprägten Magistrats Qu vernahm man im Yamen nach Aussage eines Provinzrichters nur drei Geräusche: Das Murmeln von Gedichten, das Klappern von Schachfiguren und das Summen von Liedern. Ganz anders fielen die Geräusche unter Zhu tatkräftigen Nachfolger Wang Hui aus: Das Klirren der Geldwaage, das Klappern des Rechenbretts und das Klatschen des Rohrstocks. Später schließt sich Wang indes der Rebellion des sog. „Prinzen Ning“ an, muss fliehen und tritt schließlich unter falschem Namen in ein Kloster ein.

Qus Enkel Qu Laixun beweist bereits als Kind große literarische Begabung und wird daher von dem berühmten Hanlin-Professor Lu als Gatte für seine nicht minder begabte Tochter erwählt. Nach der Hochzeit verweigert er sich jedoch, sehr zum Verdruss der ambitionierten Familie Lu, einer akademischen Laufbahn und treibt seinen Schwiegervater damit in einen tödlichen Schlaganfall. Hierdurch geläutert wendet sich Qu Laixun doch noch der Wissenschaft zu.

Im Zuge dessen befreundet er sich mit Ma Chunshang, der – obwohl nie über den Lizentiatenstaus hinausgekommen – als Experte auf dem Gebiet des achtgliedrigen Aufsatzes gilt. Im „Turm des Bildungsmeeres“ zu Jiaxing arbeitet er an der Herausgabe einer Sammlung von Prüfungsaufsätzen.

Ständig auf der Suche nach „interessanten“ und „originellen“ Persönlichkeiten sind die Gebrüder Lou („3. und 4. Herr Lou“). Dabei fallen sie freilich auf allerlei Scharlatane und Windbeutel herein, wie etwa den im Xiang-Gebirge hausenden, verschrobenen „Gelehrten“ und Mädchenräuber Quan Wuyung oder den Schwertkämpfer Tianbei, der einer Festgesellschaft einen blutigen Schweinekopf vorsetzt und diesen obendrein als Menschenkopf ausgibt. Ihr idealistischer Einsatz für den zu Unrecht ins Gefängnis geworfenen Herrn Yang stößt nur begrenzt auf Dankbarkeit.

Ambivalent gezeichnet ist der junge Gelehrte Kuang Hui: Anfangs zeigt er ein Beispiel konfuzianischer Kindespietät, indem er seine Prüfungen unterbricht und nach Hause zurückkehrt, um sich ganz der Pflege seines siech daniederliegenden Vaters zu widmen. Er beschwichtigt nicht nur seinen energisch die Räumung des ihm gehörenden Hauses fordernden Onkel, sondern rettet am Ende sogar den Vater aus dem brennenden Haus. Nachdem ihm der hiervon gerührte Kreisamtmann die erfolgreiche Teilnahme an der Lizentiatenprüfung ermöglicht hat, gerät Kuang in den Kreis rund um den Kaufmann Jing und den Arzt Zhao, bei deren Dichterwettbewerben Kuang mit seinen Fähigkeiten aber nur mäßig zu glänzen vermag. Durch eine heimliche Doppelhochzeit treibt er seine Erstfrau, die Tochter des Amtsbüttels Zheng, in den Tod. Auch wird Kuang in die unlauteren Machenschaften des mit allen Wassern gewaschenen dritten Herrn Pan verwickelt, indem er sich von ihm als Strohmann für das Lizentiatenexamen des dummen Beamtensohns Jin Yua vermitteln lässt. Nachdem Pan deshalb und wegen zahlreicher anderer Verbrechen wie Frauenraub, Siegelfälschung, Steuerhinterziehung, Kreditwuchers und anderem ins Gefängnis geworfen wird, sagt er sich ungeachtet erwiesener Wohltaten von ihm los.

Niu Pulang schließlich, der Enkel eines armen Kerzen- und Weihrauchhändlers, eignet sich die Identität des verstorbenen berühmten Gelehrten Niu Puyi an. Gegenüber der Nachbarsfamilie Pu, die ihn nach dem Tod des Großvaters unterstützt und mit der er durch die Heirat mit deren Tochter verbunden ist, erweist er sich ebenso undankbar wie gegenüber seinem unvermutet gefundenen Großonkel Niu Yupu. Auch Niu Pulang nimmt sich heimlich eine Zweitfrau. Ein Erpresser schickt ihm schließlich die Witwe des richtigen Niu Puyi auf den Hals, die Niu Pulang – wenn auch letztlich erfolglos – vor Gericht zerrt.

Im Mittelteil des Romans spielt die Schauspielerfamilie Pao eine zentrale Rolle. Der alte Pao Wenjing adoptiert aus Barmherzigkeit den Sohn des Instrumentenbauers Ni, der aufgrund seiner Mittellosigkeit gezwungen war, seine Kinder eines nach dem anderen an fremde Leute zu verkaufen. Durch die Gunst des Präfekten Xiang gelingt es ihm später, seinen Adoptivsohn Pao Tingxi mit der Hofmeistertochter Wang zu verheiraten, die aber im Kindbett stirbt. Beide Paus gehen zeitweise dem Präfekten als Aufseher bei der Examensprüfungen zur Hand, lassen trotz der vielfältigen unlauteren Tricks der Kandidaten aber Milde walten. Nach dem Tod des Adoptivvaters heiratet er eine Frau Hu, die sich als wahre Xanthippe erweist und Tingxi wegen seines Schauspielerstandes verachtet, gleichwohl aber große Teile seines spärlichen Verdienstes für angeblich lebenswichtige Arzneien verbraucht. Schließlich trifft er unvermutet seinen ältesten, als Kind verkauften Bruder aus der Familie Ni wieder, der es zu einer einträglichen Stellung in der Provinzverwaltung gebracht hat; aber auch er stirbt. Gleichwohl findet Pao Tingxi eine Reihe Freunde und hat ein leidliches Auskommen.

150px|links|mini|Homosexuelle Schauspieler Gegensätzlich gezeichnet sind die Brüder Du, gleichwohl es sich bei beiden um herausragende Gelehrte handelt. Du Shenqing begeistert sich sowohl für die Schauspielkunst als auch für schöne Männer; Freunde spielen ihm einen Streich, in dem sie die Vorzüge des Tempelgelehrten Lai Xiashi preisen – der sich als ungeschlachtes Ungetüm erweist. Später veranstaltet Du am Ufer des Mochou-Sees in Nanjing einen Schauspielerwettbewerb, von dem lange gesprochen wird. Den chronisch klammen Schauspieler Pao Tingxi verweist er an seinen bis zur Verschwendung freigiebigen Bruder Du Shaoqing und gibt ihm Ratschläge, wie er seine Spendenfreudigkeit stimulieren könne.

Bei Du Shaoqing angekommen konkurriert Pao Tingqi um Dus Mittel freilich mit einer Reihe anderer Leute, die etwa den Preis für von Du verkaufte Reisfelder drücken, Geld für die Ausbesserung ihres Hauses oder die Pflege ihrer Ahnengräber haben wollen oder von Du finanzielle Unterstützung für die Beamtenprüfungen ihrer Söhne erwarten. Trotzdem gelingt es Pao Tingxi, hundert Silberunzen für den Aufbau einer eigenen Schauspieltruppe zu ergattern. Die Ermahnung zu mehr Sparsamkeit seitens seines sterbenden Onkels Lou schlägt Du Shaoqing in den Wind. Einem Ruf an den kaiserlichen Hof in Peking leistet Du angesichts der Schönheit Nanjings keine Folge.

Ebenfalls dem Hofdienst verweigert sich der Gelehrte Zhuang Shaoguang. Auf dem Weg in die Hauptstadt bewahren ihn die Schießkünste des berühmten Schleuderschützen Xiao Haoxian vor einem Raubüberfall durch Wegelagerer. Im Kaiserpalast weiß er seine Ablehnung so höflich und geschickt zu verpacken, dass ihm der Kaiser nicht nur verzeiht, sondern ihm obendrein den Yuan-See bei Nanjing als persönliches Eigentum schenkt. Auf der Rückreise bestattet er zwei wildfremde Wirtsleute, die während seiner Übernachtung bei ihnen gestorben waren. Zuletzt erreicht er sogar eine Amnestierung seines Gastes Lu Sinhou, der wegen Besitzes verbotener Schriften durch kaiserliche Schergen gefangen genommen worden ist. Gemeinsam mit Du Shaoqing und einem gewissen Qi Hengshan plant Zhuang den berühmten Taibo-Tempel, dessen Einweihung durch den Ausnahmegelehrten Dr. Yu einen Höhepunkt des Romans darstellt.

250px|rechts|mini|Kindespietät Guo Tiashan ist ein pietätvoller Sohn, der unter großen Gefahren seinen verschollenen Vater sucht. Nachdem er mit einem wilden Tiger, einem Einhorn und Wegelagerern zu kämpften hatte, findet er seinen Vater schließlich als Mönch im buddhistischen Kloster „Klause zum Bambusberg“. Der Vater verleugnet den Sohn, der schließlich weiterreist. Ein halbes Jahr später möchte der Abt, gerührt von soviel Sohnesliebe, Guo Tiashan im Zuge einer Reise zum Emei Shan besuchen, gerät dabei aber in den Hinterhalt des einst an der Klosterpforte abgewiesenen Räubers Wu Da, der nichts Geringeres vorhat, als des Abtes Gehirn zu verspeisen.

Befreit wird der Abt von dem Schleuderschützen Xiao Yunxian. Später tut sich dieser als Heerführer gegen wilde Barbarenstämme sowie als Städtebauer hervor, erntet aber gleichwohl den Undank des Kaiserhofs, da er das Budget überzogen hat.

Shen Qiongzhi ist eine der wenigen weiblichen Hauptfiguren des Romans. Die Lehrerstochter begehrt entgegen aller Sitte gegen die Verheiratung mit dem reichen Salzhändler Song auf, als sie bemerkt, dass sie dieser lediglich zu einer Nebenfrau machen will. Nachdem der von ihrem Vater angestrengte Prozess infolge Bestechung zuungunsten der Shens ausgeht, flieht sie in die Ferne. Dort hält sich mit dem Verkauf selbst verfasster Gedichte über Wasser, gerät angesichts der Ungewöhnlichkeit dieses Unterfangens aber in den Verruf, heimlich Prostitution zu betreiben. Unterstützung erfährt sie von Du Shaoqing.

Der Militärgouverneur Tang verdient sich erhebliche Meriten, indem er mit der Schlacht am Teich der wilden Ziegen den Aufstand des Miao-Häuptlings Bia Zhuangyan niederschlägt. rechts|275px|mini|Beamtenprüfung Seine Söhne indes kündigen bereits den Niedergang der Familie an: In den Examina versagen sie regelmäßig, verbringen ihre Zeit mit Schauspielaufführungen und insbesondere Bordellbesuchen, wo sie den Freudenmädchen detailliert die Feinheiten des kaiserlichen Prüfungssystems beschreiben. Der Gelehrte Yu Yuda schlägt ein Angebot, als Hauslehrer für die Tang-Söhne zu arbeiten, aus, da ihm diese nicht mit dem notwendigen Respekt begegnen.