Das Eberrauten-Greiskraut (Jacobaea abrotanifolia , Syn.: Senecio abrotanifolius ), auch Eberreisblättriges Greiskraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Jacobaea innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Es wird auch als Eberreisblättriges Greiskraut oder Bärenkraut bezeichnet.
Beschreibung mini|Illustration aus Atlas der Alpenflora mini|Gesamtblütenstand mit Blütenkörben mini|Blütenlorb von unten; gut sichtbar ist das Involukrum
Vegetative Merkmale Das Eberrauten-Greiskraut wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern. Der aufsteigende Stängel ist kahl oder locker behaart, verholzt im unteren Bereich und verzweigt nur oben.
Die unteren Laubblätter sind kurz gestielt die oberen sitzend. Die mittleren Stängelblätter sind ein-, zwei- bis selten dreifach fiederschnittig. Die Fiederabschnitte sind bei einer Breite von 1 bis 2 Millimetern schmal-linealisch, wobei die Endabschnitte zugespitzt sind.
Generative Merkmale Die Blütezeit reicht von Juli bis September. Der doldig-rispige Gesamtblütenstand enthält zwei bis zu acht körbchenförmige Teilblütenstände. Die bei einer Höhe von 6 bis 7 Millimetern becherförmige Hülle (Involukrum) enthält einreihig etwa 21 Hüllblätter. Der Blütenkorb weist einen Durchmesser 25 bis 40 Millimetern auf und enthält 10 bis 13 Zungenblüten und viele orangefarbene Röhrenblüten. Die gelb-, orange-gelbe bis rot-orangefarbene Zungenblüten sind 10 bis 15 Millimeter lang.
Die kahlen Achänen sind 3 bis 4 Millimeter lang. Der gelbliche Pappus ist 6 bis 8 Millimeter lang.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10; es liegt Tetraploidie mit einer Chromosomenzahl von 2n = 40 vor.
Ökologie Beim Eberrauten-Greiskraut handelt es sich um einen plurienn-pollakanthen, mesomorphen, skleromorphen Hemiphanerophyten. Das Eberrauten-Greiskraut ist eine Licht- bis Halbschattpflanze.
Blütenökologisch handelt es sich Köpfchenblumen, mit Röhren- und Zungenblüten mit völlig verborgenem Nektar. Als Belohnung für Bestäuber ist Nektar vorhanden. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten. Als Bestäuber gelten Bienen, Hummeln, Wespen, Bombyliden sowie Syrphiden. Als Blütenbesucher wurden Käfer, Fliegen, Hymenopteren und Falter beobachtet.
Das Eberrauten-Greiskraut ist gynomonözisch; es gibt weibliche und zwittrige Blüten auf einem Pflanzenexemplar. Es liegt Proterandrie vor: Blütenorgane sind zuerst männlich, später weiblich.
Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen erfolgte über Wind (Anemochorie).
mini|Jacobaea abrotanifolia subsp. abrotanifolia auf der Schynigen Platte in der Schweiz mini|Jacobaea abrotanifolia subsp. carpathica in der Slowakei mini|Jacobaea abrotanifolia im Val di Campo im Puschlav
Vorkommen Das Eberrauten-Greiskraut ist in den Alpen vom Kanton Wallis bis zum Nordbalkan verbreitet. Es gibt Fundortangaben für San Marino, den Vatikan Staat, Italien, die Schweiz, Österreich, Liechtenstein, Deutschland, Polen, Slowenien, die Slowakei, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, den Kosovo, Montenegro, Bulgarien, Rumänien, Albanien, Nordmazedonien, Griechenland, die Ukraine sowie die Krim.
In Österreich kommt es zerstreut von der montanen bis zur subalpinen Höhenstufe vor; fehlt im Burgenland und Wien. In Deutschland gedeiht es nur in den Berchtesgadener Alpen. In Tirol steigt das Eberrauten-Greiskraut bis in eine Höhenlage von 2650 Meter, in Graubünden bei Pontresina an der Fuorcla Pischa in eine Höhenlage von bis zu 2700 Meter auf.
Standorte sind meist Gesteinsflure, Trockenrasen und Zwergstrauchheiden. Das Eberrauten-Greiskraut gedeiht auf sommerwarmen, mäßig frischen basenreichen, neutralen, meist modrig-humosen, mittel-flachgründigen Steinböden. Das Eberrauten-Greiskraut ist ein Kiefern-Begleiter und kommt besonders in Pflanzengesellschaften der Verbands Erico-Pinion vor. In der Schweiz kommt es auch in Pflanzengesellschaften der Verbände Buntschwingelhalde (Festucion variae) oder Zwergwacholderheide (Juniperion nanae) vor.
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 2 (subalpin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).
Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Senecio abrotanifolius durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 869. Das Artepitheton hatte Linné aus Caspar Bauhins Namen im Pinax (1623) gebildet. Die Neukombination zu Jacobaea abrotanifolia wurde 1794 durch Conrad Moench in Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis ..., Seite 587 veröffentlicht.
Je nach Autor gibt es etwa drei Unterarten: Gewöhnliches Eberrauten-Greiskraut (Jacobaea abrotanifolia subsp. abrotanifolia, Syn.: Jacobaea abrotanifolia var. abrotanifolia): Mit leuchtend orangegelben Zungenblüten. Sie ist kalkliebend. Es gibt Fundortangaben für Schweiz, Liechtenstein, Italien, Deutschland, Slowenien, Kroatien, Nordmazedonien sowie Bosnien und Herzegowina. Sie kommt in Österreich östlich von Tirol vor. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40. Karpaten-Greiskraut (Jacobaea abrotanifolia subsp. carpathica , Syn.: Senecio carpathicus ): Die Blütenkörbe stehen einzeln auf den Stängeön. Sie kommt in Polen, in der Slowakei, in Rumänien, in der Ukraine und auf der Balkanhalbinsel vor. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 40. Tiroler Greiskraut (Jacobaea abrotanifolia subsp. tiroliensis , Syn.: Senecio abrotanifolius subsp. tiroliensis , Senecio tiroliensis ): Westliche Sippe mit orangeroten Zungenblüten. Sie kommt in der Schweiz, in Italien (Lombardei, Südtirol, Trentino, Venetien sowie Friaul) und Österreich (Vorarlberg, sowie Tirol) vor. Sie gedeiht gern über Silikat, in Österreich nur in den Bundesländern Tirol und Vorarlberg sowie in Südtirol und Liechtenstein. Sie gedeiht in Pflanzengesellschaften des Unterverbands Rhododendro-Vaccinienion oder des Verbands Juniperion nanae.
Literatur Xaver Finkenzeller: Alpenblumen. München 2003, ISBN 3-576-11482-3. Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
Einzelnachweise Conrad Moench: Methodus Plantas Horti Botanici et Agri Marburgensis ..., 1794, S. 587. doi:10.5962/bhl.title.304 Werner Greuter (2006+): Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. Datenblatt Jacobaea abrotanifolia In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 768–770. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. Datenblatt mit Verbreitung in Griechenland bei The Flora of Greece web - An annotated checklist of Vascular plants of Greece. Datenblatt mit Verbreitung in Italien bei Portale della Flora d'Italia - Portal to the Flora of Italy.
Weblinks
Gerhard Nitter: Senecio abrotanifolius (Eberrauten-Greiskraut) Syn. Jacobaea abrotanifolia. Thomas Meyer: Datenblatt Eberrauten-Greiskraut mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Herbarbelege aus Virtuelles Herbarium zur Flora von Deutschland online bei FloraWeb. H. Halbritter, H. Heigl, 2021: Senecio abrotanifolius. In: PalDat - A palynological database.
Kategorie:Senecioneae (Tribus)