Die eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn Stolberg–Herzogenrath verbindet den Stolberger Hauptbahnhof an der Schnellfahrstrecke Köln–Aachen über Alsdorf mit Herzogenrath an der Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach. Die Strecke umfährt damit das Oberzentrum Aachen in einem weiten Bogen und bildet zusammen mit den beiden anderen genannten Strecken einen Ring um die Stadt; auch Ringbahn genannt. Wichtigster Unterwegsbahnhof war lange Zeit der Grubenbahnhof Alsdorf. Die Strecke wurde 2000 von der EVS Euregio Verkehrsschienennetz übernommen und bis Juni 2016 vollständig reaktiviert.
Geschichte
mini|links|Ehemaliger Bahnhof Mariadorf mit Bahnübergang Blumenrather Straße
Für den Steinkohlebergbau brachte die Erschließung des Aachener Steinkohlereviers durch die Eisenbahn Transportkosteneinsparungen von bis zu zwei Dritteln mit sich. Um die Kohle von der Grube Maria zur Bahnstrecke Köln–Aachen und die Kohle von der Grube Anna zur Bahnstrecke Aachen–Mönchengladbach zu transportieren, wurden zunächst Pferdebahnen eingesetzt. Da die Kapazität dieser Pferdebahnen nicht ausreichte, wurde in zwei Abschnitten die insgesamt 20 Kilometer lange Bahnstrecke durch die Rheinische Eisenbahn-Gesellschaft gebaut. Der erste Abschnitt nach Stolberg wurde 1870, der zweite Abschnitt nach Herzogenrath 1891 in Betrieb genommen.Hans Jakob Schaetzke: Eschweiler Bergwerks-Verein: Geschichte und Geschichten eines Bergbauunternehmens im Aachener Revier. Eschweiler Bergwerks-Verein AG (Hrsg.), Herzogenrath 1992, ISBN 3-923773-14-5, S. 43. Die Strecke diente in erster Linie dem Anschluss der drei an der Strecke liegenden Steinkohlebergwerke an das Schienennetz. Der Personenverkehr war zweitrangig.
Nach der Schließung der meisten Bergwerke in den 1980er Jahren wurde der Verkehr auf wenige Züge am Tag eingeschränkt. Dafür verkehrten zunehmend Bahnbusse parallel zu den Zügen, so dass die Fahrgastzahlen weiter zurückgingen. Am 28. Dezember 1984 wurde der Personenverkehr eingestellt.
Nachdem 1992 zunächst die Kokerei in Alsdorf und bald darauf die Grube Emil Mayrisch in Siersdorf als letzte Gruben des Aachener Reviers geschlossen wurden, nahm auch der Güterverkehr stark ab. Die Stilllegung des Kraftwerks in Siersdorf 1996 führte zu einer Einstellung des Gesamtbetriebs am 1. August 1996. Der Abschnitt Herzogenrath–Kellersberg wurde 1998 stillgelegt.
Reaktivierung
mini|links|Euregiobahn an der Bahnstation in Alsdorf-Annapark
Die EVS arbeitete seit 2004 an einer Reaktivierung der Strecke für den Güter- und Personenverkehr. In fünf Schritten konnte die Strecke schließlich innerhalb 12 Jahren vollständig reaktiviert werden. Am 11. Dezember 2004 wurde zunächst der Verkehr von Herzogenrath nach Merkstein zum Haltepunkt Herzogenrath-August-Schmidt-Platz durch die Euregiobahn wieder aufgenommen. Am 11. Dezember 2005 wurde die Strecke bis zum neuen Haltepunkt Alsdorf-Annapark wieder hergerichtet. Anfang 2008 wurde aus Richtung Herzogenrath kommend vor dem Haltepunkt Alsdorf-Annapark ein zweites Gleis errichtet. Außerdem wurden die Bahnsteige der bereits bestehenden Haltepunkte verlängert und ggf. auf 76 Zentimeter über Schienenoberkante erhöht. Die Reaktivierung des Teilstücks Alsdorf-Annapark – Alsdorf Poststraße (im Stadtteil Blumenrath, anstelle des alten Haltepunktes Hoengen-Begau, der zu weit von Wohnbebauung entfernt lag) erfolgte am 9. Dezember 2011. Um 18:02 Uhr eröffnete eine Sonderfahrt der Euregiobahn nur für geladene Gäste ab Alsdorf-Annapark die Strecke. Am 11. Dezember 2011 begann der planmäßige Fahrgastbetrieb. Grund für die Verzögerung waren laut EVS die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn über den Kauf des Empfangsgebäudes des Stolberger Hauptbahnhofs, in dem die Leitstelle für das elektronische Stellwerk eingerichtet wurde (2011).
Im August 2013 wurde mit den Bauarbeiten für die Wiederherstellung der Strecke zwischen dem Haltepunkt Alsdorf Poststraße und dem neuen, zweigleisigen Bahnhof Eschweiler-St. Jöris begonnen. In Zukunft sollen hier Zugkreuzungen möglich sein. Am 12. Juni 2014 erfolgte die Inbetriebnahme dieses Streckenabschnitts.
Die ursprünglich für Winter 2014 geplante, vollständige Eröffnung der Gesamtstrecke wurde wegen fehlender Finanzierung auf Dezember 2015 verschoben. Auf Grund der ursprünglich ab 2017 geplanten Elektrifizierung der Strecke wurde für die Unterquerung der Strecke Aachen–Köln ein neues, aufwändiges Kreuzungsbauwerk realisiert, um die für die Oberleitung erforderliche Durchfahrtshöhe zu gewährleisten. Dazu wurde ein Trogbauwerk durch das Sumpfgebiet Lehmsief errichtet und ein Bachlauf verlegt. Wegen des unerwartet hohen Grundwasserspiegels wurde Anfang 2015 bekannt, dass das Trogbauwerk verlängert werden muss. Die dadurch erforderliche Überarbeitung von Planung und Bau des Trogbauwerks verzögerte den Ringschluss bis Juni 2016. Der ursprüngliche Kostenrahmen betrug ca. 4,6 Mill. Euro.
Die geplante Elektrifizierung konnte ebenfalls nicht wie beabsichtigt durchgeführt werden, da die Oberleitung in der Einflugschneise des Flugplatzes Merzbrück gehangen hätte und damit nicht genehmigungsfähig gewesen wäre. Die seit langem geplante Verlegung und Verlängerung der Startbahn wurde im Rahmen eines Clusters der Hochschulen für zukunftsträchtigen Flugzeugbau durch das Land Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt. Daher konnten die konkreten Vorbereitungen für die Elektrifizierung aufgenommen werden, die 2020/2021 erfolgen sollte. Am 28. Oktober 2022 wurde der Planfeststellungsbeschluss zur Elektrifizierung durch die Planfeststellungsbehörde erlassen und im Internet der Bezirksregierung Köln im Zeitraum vom 23. November 2022 bis zum 6. Dezember 2022 öffentlich zugänglich gemacht.https://www.uvp-verbund.de/trefferanzeige?docuuid=5FF82748-614D-49D8-AFA8-36DDD2522541
Streckenbeschreibung
Stolberg (Rheinland) Hauptbahnhof
mini|links|Stolberg (Rheinl) Hbf, 2014 mini|Stolberg Ende 2013: Das erneuerte Gleis der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath ist fertiggestellt, wird aber bis auf Bauzüge noch nicht benutzt.
Stolberg ist seit dem 19. Jahrhundert ein Eisenbahnknotenpunkt in der Region und speziell im Aachener Revier.
Hier trafen und treffen mehrere Strecken aufeinander: neben der Bahnstrecke Stolberg–Herzogenrath noch die Schnellfahrstrecke Köln–Aachen, die Bahnstrecke Stolberg–Kohlscheid, die Bahnstrecke Stolberg–Münsterbusch, die Bahnstrecke Mönchengladbach–Stolberg und die Bahnstrecke Stolberg–Walheim.
Bis Ende der 1970er Jahre gab es in Stolberg ein Bahnbetriebswerk, das Dampflokomotiven und Schienenbusse beheimatete.
Abzweigstelle Würselen Quinx
mini|Würselen Quinx mit ehemaligem Stellwerk.
Direkt hinter der Unterführung unter der Autobahn A 4 befindet sich die Abzweigstelle Würselen Quinx am Streckenkilometer 3,5. Von dieser Abzweigstelle führte die Bahnstrecke Stolberg–Kohlscheid zuletzt in Richtung des Gewerbegebiets Kaninsberg/Aachener Kreuz zur Firma St. Gobain (Autoglasherstellung).
Im Jahr 2000 übernahm die EVS die Strecke. Eine geplante Reaktivierung der Strecke sollte die Euregiobahn über Würselen, den Bahnhof Aachen Nord bis in die Aachener Innenstadt zum Elisenbrunnen führen. Diese Pläne wurden bis heute nicht realisiert. Stattdessen wurde die Strecke 2004 stillgelegt.
Haltepunkt Forschungsflugplatz Würselen-Merzbrück mini|links|Haltestelle der RB20 am Forschungsflugplatz Aachen-Würselen Am Streckenkilometer 5,5 befand sich der Bahnhof Merzbrück. Im früheren Bahnhofsbereich findet sich heute noch das Anschlussgleis der Landhandelsfirma Pütz. Im Rahmen der Reaktivierung der Strecke erfolgte 2024 wieder der Anschluss des Flugplatz Merzbrück an die Schienenstrecke.
Anfang 2015 wurde bekannt, dass die Errichtung des Haltepunktes Merzbrück erst mit der Fertigstellung der Elektrifizierung erfolgen soll. Dies kann aber wiederum erst nach der Verlegung der Startbahn erfolgen, da sonst die Oberleitung in der Einflugschneise des Flugplatzes hängen würde. Die Startbahn wurde im Jahr 2020 verlegt und seit Oktober 2020 läuft das Planfeststellungsverfahren für die Elektrifizierung der Euregiobahn. Eine Neuausschreibung mit elektrischen Fahrzeugen ist daher frühestens für den Zeitraum ab 2024 möglich; spätestens Ende 2025 sollte der elektrische Betrieb aufgenommen werden. Erst im Februar 2026 erfolgte der Spatenstich zur Elektrifizierung des Euregiobahnnetzes.Das EVS-Netz wird elektrifiziert: Bund und Land investieren rund 43 Millionen Euro, Pressemitteilung auf avv.de vom 2. Februar 2026
Im Oktober 2024 wurde der Haltepunkt der Forschungsflugplatz Würselen-Merzbrück unabhängig von der Elektrifizierung bereits fertiggestellt.Würselen: RB20-Halt in Merzbrück schon fertig, Pressemitteilung auf antenneac.de vom 30. Oktober 2024
Bahnhof St. Jöris
mini|Neueröffneter Bahnhof St. Jöris
Der Ort St. Jöris hatte von 1949 bis 1981 einen eigenen eingleisigen Haltepunkt. Dieser wurde zum kleinen Fahrplanwechsel zum 15. Juni 2014 im Rahmen der Euregiobahn reaktiviert und zum Bahnhof hinaufgestuft. Dieser besitzt jetzt zwei Gleise und ist seit 10. Juni 2016 ein Überholbahnhof. Der Grund für den Ausbau liegt in der Reaktivierung des Restabschnitts nach Stolberg. Eine Rampe, ein Fahrkartenautomat und ein Wartehäuschen sind vorhanden, außerdem wird der Bahnsteig videoüberwacht. Der Bahnhof besitzt noch keinen eigenen Parkplatz, weshalb ein Parkplatz eines nahegelegenen Sportplatzes für Pendler freigegeben ist.
Haltepunkt Alsdorf Poststraße / Haltepunkt Hoengen-Begau
mini|links|Neuer Haltepunkt Alsdorf Poststraße mini|Alter Haltepunkt Begau (2007)
Der ehemalige Haltepunkt Hoengen-Begau lag am Streckenkilometer 8,9 an der Aachener Straße. Nur 600 Meter weiter unmittelbar an der Poststraße wurde ein neuer Haltepunkt Alsdorf Poststraße (km 9,5) gebaut, der seit Dezember 2011 von der Euregiobahn angefahren wird.
Haltepunkt Alsdorf-Mariadorf / Bahnhof Mariadorf
mini|links|Neuer Haltepunkt Alsdorf-Mariadorf mini|Ehemaliger Bahnhof Mariadorf
Früher hatte Mariadorf eine größere Bedeutung als gegen Ende des Betriebs. Damals trafen sich im Bahnhof ein Anschlussgleis zur Grube Maria, die alte Verbindungskurve zur Bahnstrecke Aachen Nord–Jülich und die Strecke Stolberg–Herzogenrath.
Der Ort hatte deshalb früher einen eigenen Bahnhof bei Streckenkilometer 10,3 mit einem Empfangsgebäude am Bahnübergang der Blumenrather Straße. Das Bahnhofsgebäude und der alte Mittelbahnsteig sind heute noch erhalten. Das Empfangsgebäude befindet sich heute in Privatbesitz und wurde zu einer Moschee (Mevlana Moschee) umfunktioniert.
Heute befindet sich ein neu eingerichteter Haltepunkt Alsdorf-Mariadorf (km 10,4) der Euregiobahn zwischen den Bahnübergängen Blumenrather Straße und Straßburger Straße. Die alten Gleisanlagen wurden vollständig zurückgebaut und ein neues Einzelgleis errichtet. Ebenso wurden neue Bahnübergänge installiert. Der Haltepunkt wird seit Dezember 2011 planmäßig von der Euregiobahn angefahren.
Haltepunkt Mariagrube
Nur wenige Meter vor dem Erreichen des Haltepunktes Mariagrube überquerte die Strecke die Trasse Aachen Nord–Jülich der Aachener Industriebahn Gesellschaft auf einer Eisenbrücke am Streckenkilometer 10,9.
Der Haltepunkt Mariagrube lag am Ortsausgang Mariadorfs in Richtung Alsdorf. Errichtet wurde er an der Überführung über die Aachen–Jülicher Strecke. Damit bestand für die Bergleute endlich eine nahegelegene Haltestelle zur Grube Maria. Bis zur Eröffnung des Haltepunktes mussten sie den mehrere hundert Meter langen Weg vom Bahnhof Mariadorf bis zur Grube in Kauf nehmen. Einen neuen Haltepunkt Mariagrube gibt es für die Euregiobahn nicht mehr; jedoch wurde das Brückenbauwerk über der ehemaligen Strecke Aachen Nord – Jülich neu gebaut.
Haltepunkt Alsdorf-Kellersberg / Abzweigstelle Kellersberg
mini|Neuer Haltepunkt Alsdorf-Kellersberg