Werewolf: The Forsaken (deutscher Titel: Werwolf: Paria) ist ein Pen-&-Paper-Rollenspiel, das in der fiktiven Spielwelt Welt der Dunkelheit (World of Darkness) angesiedelt ist. Die Reihe erschien beim US-amerikanischen Verlag White Wolf und wurde im deutschsprachigen Raum bis 2006 von Feder und Schwert verlegt. Seit dieser Verlag die Welt der Dunkelheit-Reihe eingestellt hat, gibt es keine neuen deutschsprachigen Produkte mehr.

Es ist als Spiel der „Neuen Welt der Dunkelheit“ thematisch der Nachfolger des Spiels Werewolf: The Apocalypse aus der „Classic World of Darkness“. Es handelt sich aber nicht um eine Fortführung dieses Spiels.

Charaktere Der Spieler schlüpft in die Rolle der „Verlassenen“, Werwölfe, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Balance zwischen der Geisterwelt und der materiellen Welt zu bewahren und Eindringlinge von einer Welt in die andere (meistens von der Geisterwelt in die materielle Welt) aufzuhalten. Die Werwölfe nennen sich „Uratha“, mit einem Wort, das aus der alten Sprache der Geister, genannt die „Erste Sprache“, stammen soll.

Menschen mit dem Blut der Uratha in sich werden Wolfsblütige genannt und können die „Erste Verwandlung“ durchmachen. Wann und warum das geschieht, kann aber nicht gesagt werden, lediglich, dass es nicht vor der Pubertät und nach dem 60. Lebensjahr geschieht. Jeder Charakter bekommt dabei vom Mond ein Vorzeichen (die jeweilige Mondphase) verliehen und kann sich entweder einem von fünf Stämmen anschließen oder zu einem Stammeslosen werden. Letztere werden Geisterwölfe genannt.

Die Uratha sind extrem territoriale Raubtiere, die einen instinktiven Drang zur Jagd verspüren. Die meisten von ihnen haben Probleme damit, ihre Aggressionen zu kontrollieren, was sie an einem Zusammenleben mit normalen Menschen hindert und auch das Leben untereinander erschwert. Zudem spüren Menschen diese Aggression, je mehr die Verbindung eines Uratha zu seinem Geisteranteil wächst. Die meisten Menschen fühlen sich davon abgestoßen. Zudem droht jedem Werwolf die Gefahr, in die „Todesraserei“ zu verfallen. In diesem Zustand drohen sie alles und jeden, egal ob Freund oder Feind, anzugreifen. Es sei schon vorgekommen, dass Uratha in diesem Zustand ihre „Gegner“ verspeist haben.

Zudem verfügen die Uratha über ein instinktives (aber nur oberflächliches) Verständnis der Ersten Sprache, um mit Geistern kommunizieren zu können. Ein flüssiges Verständnis dieser Sprache muss erlernt werden.

Im breiteren Kontext des publizierten Materials gehören die Uratha technisch gesehen zu den Gestaltwandlern. Sie sind Wesen, die teils Mensch, teils Geist und teils Tier sind. Dabei sind sie weder die einzigen Gestaltwandler, noch die einzigen Werwölfe, sondern lediglich eine spezialisierte Form von Werwölfen. Es gibt allerdings einige Unterschiede zu den anderen Gestaltwandlern: So sind die Uratha wesentlich aggressiver als die meisten anderen Werwesen, ihre Wunden heilen schneller, zudem haben sie eine weit komplexere Gesellschaftsstruktur und ein engeres Verhältnis zur Geisterwelt als die meisten anderen Gestaltwandler. Die Uratha haben in der Welt der Dunkelheit allerdings nicht viel Kontakt zu den anderen Gestaltwandlern und werden von ihnen eher gemieden.Phil Brucatto, Jackie Cassada, Alexa Duncan: Changing Breeds. White Wolf Publishing, 2007, ISBN 978-1-58846-493-4.

Fähigkeiten

Die Uratha sind sowohl geistige als auch physische Wesen, welche die Energie der Geister (genannt „Essenz“) nutzen können, um bestimmte übernatürliche Fähigkeiten (genannt „Gaben“) zu aktivieren bzw. sich zu verwandeln oder ihre Heilung voranzutreiben oder von Geistern durchdrungene Gegenstände (genannt „Fetische“) zu aktivieren. Im Gegensatz zu Menschen heilen Uratha sehr schnell, manchmal innerhalb von Sekunden, und können mit großem Aufwand sogar Glieder nachwachsen lassen. Wunden, die durch Silber verursacht werden, gleichen jedoch Brandwunden und heilen nur schlecht und sehr langsam. Gegen normale Krankheiten sind die Uratha immun, und die meisten Fremdstoffe werden schnell aus ihrem Körper ausgeschieden.

Die Uratha haben einen schnelleren Stoffwechsel als Menschen und benötigen daher mehr Nahrung. Was sie essen können und wollen, hängt von der jeweiligen Form und ihren persönlichen Vorlieben ab. Die meisten bevorzugen Fleisch, eine vegetarische Lebensweise ist zwar möglich, aber nur schwer zu erreichen. Uratha können sich nur mit Menschen fortpflanzen, wobei die Chance, dass ein Kind ebenfalls ein Uratha wird, sehr gering ist. Eine Fortpflanzung mit Wölfen ist nicht möglich, und eine Paarung zwischen zwei Uratha hat die Geburt eines Monsters zur Folge und gilt daher als eine der schwersten Sünden.

Gestaltwandel

Die Uratha können zwischen fünf Formen wählen. Je nach Form hat der Uratha andere Vor- und Nachteile bzw. kann andere Nahrung zu sich nehmen, reagiert anders auf bestimmte Stoffe und Medikamente und hat andere Instinkte, die in den Vordergrund treten. Die drei Mischformen zwischen Mensch und Wolf erzeugen dabei (ebenso wie der Gebrauch übernatürlicher Kräfte) bei normalen Menschen eine Art Verdrängungsmechanismus, wodurch sie vieles oder alles Erlebte vergessen. Auch mechanische Aufzeichnungsgeräte erleiden in diesen Fällen regelmäßig Fehlfunktionen. Nur Menschen, die selbst übernatürlich sind oder einen sprichwörtlich eisernen Willen haben, sind davon nicht betroffen. Die fünf Formen heißen: Mensch (Hishu): Ein Uratha sieht wie ein normaler, wenn auch sehr gesunder Mensch aus und ist in allen physischen Belangen ein Mensch. Dies ist die Form, mit der die meisten Uratha am vertrautesten sind und in die sie zurückkehren, wenn sie bewusstlos werden oder sterben. Fast-Mensch (Dalu): Der Uratha ist deutlich größer, haariger und stärker. Ohren, Zähne und Krallen sind leicht zugespitzt, und die Gesichtszüge sind eckiger. Die Gesichtsbehaarung ist hier auch bei Frauen deutlich erkennbar. Diese Form reagiert im Groben wie die Menschenform. Wolfsmensch/Kriegsform (Gauru): Diese Mischlingsform aus Mensch und Wolf ist fast drei Meter groß, zweibeinig und extrem stark. In dieser Form kommt die Blutlust eines Uratha an die Oberfläche, und es ist noch schwerer als gewöhnlich, die Kontrolle zu behalten und nicht in die Todesraserei zu verfallen. Im Gegensatz zu den anderen Formen, kann diese nur für eine kurze Zeit gehalten werden, wird meist nur zum Kampf eingesetzt, und ihre Reaktion auf bestimmte Chemikalien ist unvorhersehbar. Diese Form nimmt ein Uratha automatisch an, wenn er in die Todesraserei verfällt. Fast-Wolf (Urshul): In dieser Form sind Uratha riesige, schnelle und starke Wölfe mit etwa eineinhalb Metern Schulterhöhe, die vom Aussehen eher dem ausgestorbenen Dire Wolf gleichen als heutigen Grauwölfen. Im Groben reagiert diese Form wie die Wolfsform. Wolf (Urhan): In dieser Form ist ein Uratha von einem normalen Grauwolf nicht zu unterscheiden und hat die gleichen physischen Eigenschaften. Je nachdem, aus welchem Gebiet der Uratha stammt bzw. welches Gebiet seine Vorfahren am meisten geprägt hat, kann diese Gestalt anders aussehen. Gibt es in den jeweiligen Gebieten Wolfsarten, so entspricht die Form der jeweiligen Unterart des Grauwolfes bzw. entsprechenden anderen Caniden wie Afrikanischen Wildhunden, Rotwölfen oder Rothunden, aber niemals Haushunden. Einige Uratha Afrikas und des Nahen Ostens sind sogar so ähnlich wie Hyänen geformt bzw. gefärbt.Chris Campbell, Jess Hartley, Peter Schaefer: Skinchangers. White Wolf Publishing, 2006, ISBN 978-1-58846-335-7.

Gaben

Neben ihren physischen Eigenschaften und der Fähigkeit zum Gestaltwandel, die jeder Uratha besitzt, können sie auch über eine Reihe übernatürlicher Fähigkeiten verfügen, die „Gaben“ genannt werden. Sie sind einem Uratha nicht angeboren, sondern werden ihm von Geistern in Form eines Handels verliehen. Es ist nicht möglich, diese Gaben von anderen Uratha zu erlernen. Dabei sind manche Gaben leichter zu erlernen als andere, je nach Vorzeichen und Stamm bzw. Sippe. Wieder andere Gaben sind nur bestimmten Uratha zugänglich. Welche Effekte diese Gaben haben, ist unterschiedlich. Sie können die körperlichen Fähigkeiten eines Uratha erhöhen, seine Gestalt verändern, ihm hellseherische Fähigkeiten verleihen, die Elemente kontrollieren etc. Je mächtige der Effekt der Gabe ist, desto höher muss der Rang des Urathas in der Geisterwelt sein, und umso höher ist der Preis des Geistes, um sie lernen zu können.

Weiterhin können die Uratha mit Hilfe bestimmter Rituale Geister in Gegenstände oder sogar Tätowierungen sperren und diesen Objekten damit übernatürliche Fähigkeiten verleihen. Wie stark diese Fetische sind, hängt vom Geist ab, der in ihnen angeschlossen wurde.

Gesellschaft

Die Uratha können theoretisch aus jeder menschlichen Gesellschaft kommen, welche nach ihrer ersten Verwandlung unterschiedlich stark an Wichtigkeit verliert oder zunimmt. Manche wenden sich völlig von den Menschen ab, andere nicht. Die meisten Werwölfe bilden Rudel unterschiedlicher Größe, um ihre Reviere besser verteidigen und effizienter jagen zu können. Dabei beträgt die Mindestgröße für ein Rudel drei Individuen. Ein „Totem“ genannter Geist, der sich dem Rudel anschließt, ist ebenfalls notwendig.

Zudem schwört jeder unter den Verlassenen, der einem Stamm angehört, den Eid des Mondes, welcher grob die Moral der Uratha („Harmonie“) anzeigt. Die einzelnen Strophen des Eides sind: Der Wolf muss jagen – die Uratha müssen die Aufgaben von Vater Wolf erfüllen. Das Volk ermordet nicht das Volk – die Uratha ermorden andere Uratha nicht. Die Niederen ehren die Hohen; die Hohen respektieren die Niederen. Respektiere deine Beute. Die Uratha sollen sich an die Menschen halten – Uratha können sich nicht mit Wölfen fortpflanzen, und eine Paarung von zwei Uratha bringt ein Monster hervor. Esse nicht das Fleisch von Menschen und Wölfen. Die Herde darf nichts wissen – die Menschen dürfen nichts von den Uratha wissen.

Vorzeichen

Jeder der Verlassenen hat ein Vorzeichen, bestimmt durch die jeweilige Mondphase, welches seine Rolle in der Gesellschaft der Uratha bestimmt. Der Mond („Luna“) bestimmt, basierend auf der Persönlichkeit und den Fähigkeiten der Person, unter welcher Mondphase ein Uratha seine erste Verwandlung hat und welches Vorzeichen ihm dadurch zugeordnet wird. Die fünf Vorzeichen, die Zugang zu bestimmten Gaben gewähren, lauten wie folgt: Rahu (Vollmond, Krieger) – Krieger jeglicher Art Cahalith (Dreiviertelmond, Visionär) – Seher, Erzähler und Bewahrer von Überlieferungen Elodoth (Halbmond, Der Grenzgänger) – Diplomat an den Geisterhöfen, Richter und Vermittler Ithaeur (Sichelmond, Herr der Geister) – Okkultisten und Bewahrer des Wissens über die Geister Irakka (Neumond, Schleicher) – Späher, Spion und Fährtensucher

Stämme

Die Verlassenen haben fünf Stämme. Diese Stämme sind Verbünde von Uratha, die sich entschlossen haben, je einem von fünf Wolfsgeistern zu folgen, welche als die erstgeborenen Kinder von Vater Wolf gelten, aber nicht von Mutter Luna abstammen. Jeder verlangt dabei eine bestimmte Haltung oder Vorgehensweise für das Leben der Uratha, die ihm folgen, genannt der Stammesbann. Diese fünf Stämme – sowie in Klammern ihre Namen in der Ersten Sprache – sind: Blutklauen (Suthar Anzuth) – Stamm des Fenris Wolf, welche besonders dem Kriegeraspekt der Uratha verpflichtet sind; Stammesbann: „Biete keine Kapitulation an, die du nicht akzeptieren würdest.“ Knochenschatten (Hirfathra Hissu) – Okkultisten, welche mit der Hilfe ihres Patrons Todeswolf die Geheimnisse der Geisterwölfe ergründen wollen; Stammesbann: „Zahle es jedem Geist mit gleicher Münze heim.“ Nachtjäger (Meninna) – Beschützer der „Tore“, spiritueller Zentren, an denen die Barriere zwischen den beiden Welten dünner ist, und Anhänger der schwarzen Wölfin; Stammesbann: „Lass keinen heiligen Ort in deinem Territorium geschändet werden.“