miniatur|Verkündigung des Papstnamens Martins V. im Jahre 1415 auf dem Konzil von Konstanz Der Papstname wird von einem neu gewählten Papst anstelle seines Taufnamens angenommen und verbleibt ihm, wie im Fall des Papstes Benedikt XVI., auch nach einem Amtsverzicht. Seinen Namenstag begeht der Papst hingegen nach wie vor nach seinem Taufnamen. Der Papstname wird der in Rom versammelten Menge am Ende eines Konklaves vom Kardinalprotodiakon auf Lateinisch verkündet:

Sollte ein Angehöriger einer der unierten Ostkirchen zum Papst gewählt worden sein, entfällt das Wort „Romanae“. Ist der Gewählte nicht im Kardinalsrang, entfällt der entsprechende Passus.

Die Tradition, bei der Wahl zum Papst einen neuen Namen anzunehmen, reicht zwar nicht bis zu den Ursprüngen des Papstamtes zurück, aber durch Abstimmung der Namen der modernen Päpste mit denen des Altertums und durch eine einheitliche Nomenklatur von den Anfängen bis heute trägt er auf seine Art zum Fortbestand dieser Institution bei.

Formen und Varianten von Papstnamen Wie andere Rufnamen unterscheiden sich auch die Papstnamen in verschiedenen Sprachen. Für gewöhnlich werden die Namen in die jeweilige einheimische Sprache „übersetzt“, sofern es in ihr ein Äquivalent für sie gibt. Deshalb wird ein Papst, der auf Latein Ioannes und auf Griechisch Ιωάννης (Ioánnis) heißt, auf Französisch Jean, auf Englisch John, auf Italienisch Giovanni, auf Spanisch Juan, auf Ungarisch János und auf Deutsch Johannes genannt. Sofern nicht speziell angemerkt, sind die in diesem Artikel verwendeten Papstnamen die deutschsprachigen. Für den 2013 gewählten Papst setzte sich im Deutschen sofort Franziskus durch, wohl weil damit der Verweis auf Franz von Assisi am deutlichsten „übersetzt“ wird. Päpste mit dem Namen Johannes wurden im Deutschen gleichfalls nie nur „Johann“ genannt, während „Paul“ als Übersetzung für lat. Paulus (eigentlich: „der Kleine“) auch für den Papstnamen üblich war.

Namen und Sprachen Nicht jede „Übersetzung“ – meist eine im Laufe der Jahrhunderte erfolgte Umformung oder phonetische und grammatikalische Anpassung – ist möglich oder notwendig. Einige seltene Namen behalten ihre lateinische oder griechische Form, weil es kein deutsches Äquivalent gibt (Hormisdas, Sisinnius); andere lateinische Namen sind unverändert auch auf Deutsch gängig, beispielsweise wenn der jeweilige Name im Deutschen als „säkularer“ Vorname üblich ist (Pius, Leo).

In nicht-katholischen Ländern und Kulturen werden Papstnamen häufig anderen Sprachen entliehen. Auf Türkisch ist es üblich, Päpste mit ihrem französischen Namen mit vorangestellter Nummer zu bezeichnen. Johannes Paul II. und Benedikt XVI. heißen darum im Allgemeinen ikinci Jean Paul und onaltıncı Benoit. Mit zunehmender Verbreitung des Englischen findet man jedoch immer öfter die Formen ikinci John Paul bzw. onaltıncı Benedict. Man findet sogar die lateinischen oder italienischen Namen. Darüber hinaus wird bei diesen Formen manchmal die Rechtschreibung der Herkunftssprache beibehalten, manchmal der Name phonetisch geschrieben (Jan Pol).

Die kulturelle und sprachliche Dominanz eines Staates über einen anderen hat starken Einfluss auf die Namensgebung im dominierten Land, auch im Hinblick auf Papstnamen. Auf Aserbaidschanisch, einer dem Türkischen sehr nahen Sprache, benutzt man die russischen Papstnamen, weswegen Johannes Paul II. ikinci Ioann Pavel – auf Russisch Иоанн Павел второй (Ioann Pawel wtoroj) – genannt wurde. Auf Tagalog, der Amtssprache der Philippinen, werden die spanischen Papstnamen verwendet. In den protestantisch geprägten Ländern Nordeuropas werden am häufigsten die lateinischen Papstnamen verwendet, auch wenn in der jeweiligen Sprache ein Äquivalent existiert. Ausnahmen werden aber für die gängigsten Vornamen (Paul, Alexander) gemacht, und bei anderen kann die Orthographie der der Landessprache angepasst werden (zum Beispiel durch Ersatz von c durch k). Im Gegensatz dazu haben Sprachen in orthodoxen Ländern Entsprechungen für die Heiligennamen der frühen christlichen Kirche und können darum die Mehrzahl der Papstnamen übersetzen.

Zudem ist das Christentum in einigen arabischen Ländern seit langem ansässig, sodass es für katholische Heilige und damit auch für Päpste Namen auf Arabisch gibt. Diese Namen weichen zum Teil von ihrem strengen Äquivalent aus der muslimischen Tradition ab: Johannes wird als wiedergegeben, wenn ein katholischer Papst gemeint ist, aber als , wenn Moslems den Propheten Johannes den Täufer meinen.

Vieldeutigkeit bestimmter Namen Selbst in den „offiziellen“, lateinischen Päpstelisten kann es vorkommen, dass verschiedene Namen, die aber ähnlich klingen oder eine ähnliche Bedeutung haben, im Nachhinein durcheinandergebracht wurden. Zum Beispiel trugen wohl die ersten drei Päpste der Antike namens Sixtus den griechischen Namen Xystos (der Geglättete) oder den römischen Vornamen Sextus (der Sechste). Die beiden Namen wurden zu einem einzigen Namen Sixtus (latinisiert-griechisch manchmal auch Xystus) vermischt, der dann in der Renaissance von zwei weiteren Päpsten aufgegriffen wurde.

Die gleiche Vermischung ist aus lautlichen Gründen Marinus oder Martin widerfahren (siehe unten). Diese Verwirrung wird jedoch heute als Fehler erkannt, und die beiden Namen werden als verschieden angesehen.

Zwischen 615 und 618 regierte ein Papst mit dem lateinischen Namen Deusdedit, wörtlich „Gott gab“. Von 672 bis 676 regierte ein anderer Papst, dessen lateinischer Name Adeodatus („von Gott gegeben“) praktisch dieselbe Bedeutung hat. Es ist üblich geworden, die beiden Namen als Varianten ein und desselben anzusehen und die beiden Päpste in Listen auf Latein als Adeodatus primus und Adeodatus secundus zu führen.

Auf den Fall des dritten Papstes, der je nach Quelle Kletus oder Anaklet genannt wird, wird im Artikel Anaklet eingegangen.

Geschichte

Namen der ersten Päpste

miniatur|180px|Simon Bar Jona, als Petrus nach kirchlicher Überlieferung der erste Papst; Gemälde von Rubens

Die bekannten Daten zu den frühesten Bischöfen von Rom beschränkten sich oft auf ihren Namen.

Nach dem Evangelium nach Matthäus hieß der Apostel Petrus Simon, bevor ihm Christus durch einen Ausspruch, der nach katholischem Verständnis das Papstamt insgesamt mit Simon als erstem Inhaber begründet, den Beinamen Petrus verlieh:

Von Petrus’ unmittelbaren Nachfolgern ist wenig bekannt. In den später harmonisierten Listen der ersten „Päpste“ gibt es zahlreiche Unklarheiten, insbesondere was ihre Regierungszeiten betrifft. Von Historikern wird allgemein angenommen, dass ihre Namen korrekt überliefert sind, ihre Amtszeiten und Funktionen sind dagegen meistenteils ungeklärt. Die Person Anaklets, der auch Kletus genannt wird, wurde aufgrund von Missverständnissen in der Überlieferung unhistorisch verdoppelt.

Die frühen Gemeindevorsteher Roms dürften jüdischer Herkunft gewesen sein und Griechisch gesprochen haben. Erst im 3. Jahrhundert rekrutierte sich die Führungsschicht der römischen Gemeinde immer stärker aus Lateinisch sprechenden Christen. Die Namen der Amtsträger sind fast durchgängig lateinisch oder griechisch überliefert. Die lateinischen Namen können praenomina, nomina oder cognomina, also Vornamen, Familiennamen oder Beinamen sein.

Nur zwei Papstnamen sind hebräischer Herkunft. Sie entstammen direkt dem Neuen Testament und tauchen in der Spätantike auf, als sich das Christentum bereits lange vom Judentum getrennt hatte. Diese Namen sind Johannes (im Jahre 523, nach Johannes dem Täufer) und Zacharias (im Jahre 741, nach Zacharias, Johannes’ Vater). Schließlich scheint ein Papst einen germanischen Namen getragen zu haben, nämlich Lando. Er war (vor Johannes Paul I. 1978 und Franziskus 2013) der letzte Papst, der einen neuen Namen trug. Nach ihm führten alle neugewählten Päpste Namen, die mindestens ein Vorgänger schon getragen hatte, und bald bildete sich die Gewohnheit systematischer Namensänderung heraus.

Die antiken Päpste bis ins späte 6. Jahrhundert werden fast durchgängig als Heilige verehrt. Darum wurden die Namen, die sie trugen, für kommende Generationen zu Taufnamen, und werden zum Teil bis heute verwendet, z. B. Eugen, Julius, Pascal, Urban, Silvester, Felix und möglicherweise Kai.

Ursprung der Namensänderung der Päpste

Der erste beurkundete Fall einer Namensänderung eines Mannes, der zum Papst gewählt wurde, ist der eines Mercurius im Jahre 533. Da er nicht den Namen einer heidnischen Gottheit tragen wollte, nannte er sich Johannes II. Das wiederholte sich, wenn ein Mann mit dem Namen eines heidnischen Gottes oder Kaisers gewählt wurde; 955 bestieg ein Octavian daher den päpstlichen Thron als Johannes XII.

Im Jahre 983 wurde Petrus Canepanova als Johannes XIV. Papst. Er wollte einen zweiten „Papst Petrus“ nach dem ersten Papst und Apostel Petrus vermeiden. Durch spätere Fehlinterpretation seiner „aktiven“ Herrschaft und seiner Haftzeit als zwei Pontifikate unterschiedlicher Personen entstand übrigens eine Verwirrung bei der Zählung der Päpste seines Namens. Daher wurde der Name von Johannes XXI. nicht als XX. gezählt, zwecks Korrektur des vermeintlichen Fehlers. Die anderen Träger des Namens Peter oder einer Variante, die Papst wurden, änderten ihren Namen aus demselben Grund wie Johannes XIV.

Mit Bruno von Kärnten wurde 996 der erste Deutsche zum Papst gewählt. Ihm folgte 999 der erste französische Papst, Gerbert von Aurillac. Beide trugen germanische Vornamen, die der päpstlichen Tradition fremd waren (obwohl ein Vorgänger, Lando, trotz seiner italienischen Herkunft einen germanischen oder langobardischen Papstnamen getragen hatte). Sie änderten ihre Namen darum und wurden zu Gregor V. bzw. Silvester II. Zu dieser Zeit waren germanische Vornamen bereits weit verbreitet, nicht nur in germanischen Ländern. Von nun an änderten alle Träger eines germanischen Namens diesen, wenn sie Papst wurden. Die einzigen Ausnahmen machten zwei Gegenpäpste des 11. Jahrhunderts, die ihre germanischen Namen beibehielten: Theoderich und Albert. (Einzig bei Gegenpapst Gregor VI. ist der wirkliche Name unklar, möglicherweise hat auch er seinen Namen nicht geändert.)

Aus all diesen Gründen beschäftigte die Notwendigkeit einer Namensänderung bereits die Mehrzahl der Päpste zum Ende des 10. Jahrhunderts, aber der Brauch etablierte sich für fast alle Päpste unabhängig von ihren Taufnamen. Er erhielt eine symbolische Bedeutung: Der neue Papst war nicht mehr derselbe Mann wie vor seiner Wahl, und darum sollte auch sein Name nicht mehr derselbe sein. Dies gab der Erwählung zum Papstamt eine besondere Wichtigkeit, wenngleich sie nie als Sakrament wie die Priester- oder Bischofsweihe anerkannt wurde.

miniatur|Inthronisation von Benedikt XIII., Gegenpapst in Avignon, im September 1394