Der Nissan Bluebird (ursprünglich Datsun Bluebird) ist ein von 1957 bis 2001 gebauter PKW der Mittelklasse des japanischen Automobilherstellers Nissan.

Die Konkurrenz zwischen dem Datsun Bluebird und dem Toyota Corona zwischen 1959 und 1967 wird als »BC war« bezeichnet. Dabei war Nissan stärker auf Technologie fokussiert, während Toyota den Schwerpunkt auf Marketing und später durch Qualitätszirkel auch auf Zuverlässigkeit legte. Es gab zwei solcher »wars« und letztlich ging es unentschieden aus. Der erste begann 1959 und endete mit einer Niederlage Toyotas. Der zweite begann 1963 und endete 1966 mit einer Niederlage Nissans, als Toyota seinen Konkurrenten auf den Exportmärkten überholte.

Der Datsun Bluebird wurde ab Anfang 1973 auch in Deutschland angeboten und Ende 1983, durch die Einstellung der Marke Datsun im Export, zum Nissan Bluebird, der im Herbst 1990 vom Nissan Primera abgelöst wurde. Danach gab es in Deutschland keinen weiteren Nissan-PKW, der den Namen „Bluebird“ trug. In anderen Ländern gab es jedoch noch weiterhin Fahrzeuge, die unter dem Namen „Bluebird“ angeboten wurden.

Im Sommer 2001 wurde der Name auf dem japanischen Heimatmarkt, wie zuvor schon im Export, aufgegeben; dort gibt es aber seit einiger Zeit den Nissan Bluebird Sylphy, der den Namen fortführt. In Taiwan hingegen wird das Modell noch weiterhin als Bluebird angeboten und dort von der Yulon Motor Company hergestellt. Anfangs wurde das Modell dort unter dem eigenen Markennamen Yue Loong gebaut und war dort eines der erfolgreichsten Modelle. Dennoch wurde das Modell 1971 für die nächsten acht Jahre durch ein anderes Modell, den Yue Loong VIP Brougham ersetzt. Das erste dort unter Nissan-Markennamen angebotene Bluebird-Modell kam 1992 auf den Markt. Für die Yulon-gefertigten Modelle werden andere Generationsbezeichnungen verwendet, die sich aus dem Zahlenanhang des Namens sowie der vorangestellten Abkürzung des Herstellernamens, also YLN, ergeben.

Übersicht Im Laufe der Zeit gab es folgende Bauserien:

Bluebird 210 (1957–1961): Viertürige Limousine, 1000 cm3, 34 SAE-PS. Bluebird 310 (1959–1963): Limousine, 1,2 Liter Hubraum, 48 SAE-PS. Bluebird 410/411 (1963–1967): Limousine, 1,2 oder 1,3 Liter, ab 1964 Sportausführung Bluebird SS, ab 1965 Bluebird SSS. Bluebird 510 (1967–1972): Limousine, Coupé und Kombi, Hubraum 1,3 bis 1,6, später 1,4 bis 1,8 Liter. Sehr erfolgreich in den USA, Bezeichnung dort Datsun 510, in anderen Märkten 180B/200B oder Datsun 1600. Erster in Deutschland erhältliche Variante der Bluebird-Serie. Bluebird 610 (1971–1976): Limousine, Coupé und Kombi, Hubraum 1,6 bis 2 Liter. Bezeichnung in Japan Bluebird-U, in Europa Datsun 160B/180B. Bluebird 810 (1976–1979): Limousine, Coupé und Kombi, Hubraum 1,6 bis 2 Liter. Bezeichnung im Export Datsun 160B/180B/200B. Vom 610 abgeleitet. Bluebird 910 (1979–1983): Limousine, Coupé und Kombi, Hubraum 1,6 bis 2 Liter. Erstes Modell, das in Deutschland den Namen Bluebird trug. Bluebird U11 (1983–1986): Limousine, 5-türige Schrägheck-Limousine (in Japan auch viertürige Hardtop-Limousine), Frontantrieb, Hubraum 1,6 bis 2 Liter. Bluebird T12/T72 (1985–1991): Limousine und Hardtop-Limousine, Frontantrieb, 1,6 bis 2,4 Liter; eigentlich ein Nissan Auster. Bluebird U12 (1987–1991): Limousine, Hardtop-Limousine und Kombi, kein Export nach Europa. Bluebird U13 (1991–1997): Limousine und Hardtop-Limousine (Bluebird ARX), Frontantrieb, 1,6 bis 2 Liter, kein Europa-Export. Bluebird U14 (1996–2001): Limousine, Frontantrieb, 1,8 bis 2 Liter, kein Europa-Export.

Datsun 210 (Bluebird; 1957–1961)

Der Mitte 1957 eingeführte Datsun 210 war der Nachfolger des Datsun 110. Der 3,80 Meter lange, 930 kg schwere Viertürer besaß einen Einliter-Vierzylinder mit seitlicher Nockenwelle und 34 SAE-PS, dazu vordere und hintere Starrachse und Trommelbremsen rundum. Er wurde bereits ab 1958 in den USA und anderen Exportmärkten als Datsun 1000 angeboten; im ersten Jahr wurden in den USA 52 Exemplare abgesetzt.

Als Datsun 114 wurde ab Oktober 1957 eine kostengünstigere Variante des 210 angeboten. Sie hatte einen anderen Kühlergrill und den alten 860-cm³-Nissan-D10-Motor mit 19 kW (25 PS) aus dem Datsun 110. Ab Oktober 1958 wurde der Datsun 211 gebaut, der den 210 mit einer größeren Heckscheibe und leicht überarbeiteter Front ablöste. Als Datsun 115 mit dem gleichen Motor, jedoch mit 20 kW (27 PS) löste er den 114 ab. Besonders ausgestattete Versionen des 210 und 211 wurden als Datsun Bluebird bezeichnet.

Ab Frühjahr 1959 wurde das Modell im Heimatmarkt dann Bluebird genannt.

Datsun Bluebird (PL 310, 1959–1963)

Ab Mitte 1959 ergänzte der nun auch offiziell Datsun Bluebird genannte PL310 das Modellprogramm. Er war etwas größer als der weitergebaute PL210 (Radstand + 6 cm, Länge + 3 cm) und wurde von einem 1,2 Liter großen OHV-Vierzylinder mit 48 SAE-PS angetrieben. Da die Maschine etwas elastischer war als der Einliter des 1000, bestückte Datsun den Bluebird mit einem Drei- statt einem Vierganggetriebe, ferner erhielt er eine vordere Einzelradaufhängung über Dreieckslenker. Außer der viertürigen Limousine wurden auch ein dreitüriger Kombi und ein Pick-up angeboten.

Datsun Bluebird (PL 410 / PL 411, 1963–1967)

Der PL410 wuchs in den Abmessungen wiederum um einige Zentimeter (Länge rund 4 Meter) und erhielt einen stärkeren 1,2-Liter-Motor (55 bis 60 SAE-PS). Im Angebot standen viertürige Limousine und fünftüriger Kombi wahlweise mit 3- oder 4-Gang-Schaltgetriebe und blattgefederter hinterer Starrachse. Ein kleines Facelift im Jahr 1965 bescherte dem Bluebird die Typnummer PL 411.

Datsun Bluebird (PL 510, 1967–1972)

Einen großen Fortschritt bedeutete der Bluebird der Baureihe PL 510 (in den USA Datsun 510 genannt). Ihn gab es als Limousine, Kombi und erstmals auch als Coupé, dazu erhielt er vordere Scheibenbremsen, unabhängig an Schräglenkern aufgehängte Hinterräder und den 1,6-Liter-Vierzylinder mit obenliegender Nockenwelle aus dem Sportwagen Datsun Fairlady mit 71 kW (96 PS), dazu ein Vierganggetriebe oder auf Wunsch eine Dreigangautomatik. Auf einigen Märkten wurde eine 81 kW (110 SAE-PS) starke Sportvariante namens Bluebird SSS angeboten.

Insbesondere in den USA erlangte diese Bluebird-Generation als kleine Sportlimousine erheblichen Anklang. In Deutschland bot der neu gegründete Nissan-Importeur 1972/73 den PL 510 unter der Bezeichnung Datsun 1600 deLuxe (59 kW/80 PS) ausschließlich als Limousine für DM 8890 (entspricht heute etwa €) an. In Australien dagegen wurde das Modell in allen Modellvariante als Datsun 1600 verkauft.

Datsun Bluebird (PL 610, 1971–1976)

Auf den betont schlicht und kantig gestalteten PL 510 folgte im Sommer 1971 der PL 610 (im Export Datsun 1600, Datsun 160, Datsun 180B und in den USA Datsun 610 genannt) mit rundlicher Karosserie im amerikanischen Stil, der als Limousine, Coupé und Kombi mit 1,6- und 1,8-Liter-Vierzylindermotoren in einer Vielzahl von Varianten angeboten wurde.

In Deutschland gab es den PL610 ab Anfang 1973 unter der Bezeichnung Datsun 180B (Limousine/Kombi) und 180B SSS (Coupé) mit 1,8 Litern Hubraum (65 kW/88 PS, Coupé 66 kW/89 PS) zu Preisen von DM 9850 bis 10.990. Im Herbst 1975 erfolgte ein Facelift mit Änderungen an Kühlergrill, Heckleuchten und Innenraum, das Coupé erhielt ein Fünfganggetriebe.

Technische Daten Datsun Bluebird 1957–1973Datsun Bluebird:310 (1960)PL310 (1960)410(1963)510/1,3(1967)510/1,6(1969)510 SSS(1969)610/1,6(1973)610/1,6 SSS(1973)610/1,6 SSS – E(1973)610/1,8(1973)610/1,8 SSS(1973)610/1,8 SSS – E(1973) Motor:  4-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt) Hubraum:  988 cm³ 1189 cm³ 1299 cm³ 1595 cm³ 1770 cm³ Bohrung × Hub:  73 × 59 mm 73 × 71 mm 73 × 77,6 mm 83 × 73,7 mm 85 × 78 mm Leistung bei 1/min:  28 kW(37 PS)bei 4600 37 kW (48 PS)bei 4800 40 kW(55 PS)bei 4800 49 kW(67 PS)bei 5200 71 kW(96 PS)bei 5600 81 kW(110 PS)bei 6000 74 kW(100 PS)bei 6000 78 kW(105 PS)bei 6200 84 kW(115 PS)bei 6200 78 kW(105 PS)bei 6000 84 kW(115 PS)bei 6000 92 kW(125 PS)bei 6200 Max. Drehmoment bei 1/min:  70 Nm bei 2400 86 Nm bei 2400 91 Nm bei 3600 108 Nm bei 2800 141 Nm bei 3600 146 Nm bei 4000 138 Nm bei 4000 141 Nm bei 4200 149 Nm bei 4400 153 Nm bei 3600 158 Nm bei 4000 163 Nm bei 3600 Verdichtung:  nicht angegeben Gemischaufbereitung:  1 Fallstromvergaser 1 Fallstrom-Doppelvergaser SSS: 2 SU-Horizontalvergaser, SSS-E: Elektronische Bosch-Einspritzung Ventilsteuerung:  OHV, Kette OHC, Kette Kühlung:  Wasserkühlung Getriebe:  3-Gang-Getriebe 3- oder 4-Gang-Getriebe a.W. Dreigang-Automatik 3-, 4- oder 5-Gang-Getriebe a.W. Dreigang-Automatik Radaufhängung vorn:  Querlenkerachse, Schraubenfedern je zwei ungleich lange Dreieckslenker, Schraubenfedern Radaufhängung hinten:  Starrachse, halbelliptische Blattfedern Querlenkerachse, Schraubenfedern (Kombi: Starrachse, halbelliptische Blattfedern) Lenkung:  Schneckenlenkung Kugelumlauflenkung Karosserie:  Stahlblech, auf Kastenrahmen Stahlblech, selbsttragend Spurweite vorn/hinten:  1210/1190 mm 1210/1200 mm 1210/1200 mm 1280/1280 mm 1310/1320 mm Radstand:  2280 mm 2380 mm 2420 mm 2500 mm Länge:  3860–3915 mm 4000 mm 4120–4165 mm 4215–4280 mm Leergewicht:  900–960 kg 885–960 kg 930–965 kg 955–1065 kg Höchstgeschwindigkeit:  105–115 km/h 128 km/h 140 km/h 150 km/h 160 km/h 165 km/h 165 km/h 160 km/h 165 km/h 170 km/h 175 km/h 175 km/h 0–100 km/h:  nicht angegeben Verbrauch (Liter/100 Kilometer):  6–9 N 8,0 N 8–10 S 9,5 N 10,5 S 9,5 S

Datsun Bluebird (PL 810, 1976–1979)

Beim Ende 1976 präsentierten PL810 handelte es sich um einen optisch stark überarbeiteten PL610 (Bezeichnung in den USA Datsun 810).

In Deutschland wurde der PL810 als Datsun 180B Bluebird von August 1977 bis Mai 1980 wiederum als Limousine, Coupé und Kombi mit dem bekannten 1,8-Liter-Motor verkauft, der mit Doppelvergaseranlage im Coupé mit 90 PS (66 kW) zwei Pferdestärken mehr leistete als in der Limousine. Die Preise beliefen sich 1977 auf DM 12.390 bis 13.390. In Australien war er als Datsun 200B bekannt. Parallel dazu war er auch in Neuseeland gebaut worden, wo er je nach eingebauter Motorisierung als Datsun 160B, Datsun 180B oder Datsun 200B benannt worden war.

Datsun Bluebird1600 (EU)1800 (EU)1800 SSS-E (EU)2000 (Japan)2000i(Japan)810 (USA) Motor:  4-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt) 6-Zylinder-Reihenmotor (Viertakt) Motortyp:  L16 Z18 L18E L20 L20E L24E Hubraum:  1595 cm³ 1770 cm³ 1998 cm³ 2393 cm³ Bohrung × Hub:  83 × 73,7 mm 85 × 78 mm 78 × 69,7 mm 83 × 73,7 mm Leistung bei 1/min:  59,5 kW(81 PS)bei 5600 65 kW(88 PS)bei 5000 66 kW(90 PS)bei 5800 85 kW(115 PS)bei 5600 95,5 kW(130 PS)bei 6000 88,5 kW(120 PS)bei 5200 Max. Drehmoment bei 1/min:  121 Nm bei 3600 132 Nm bei 3700 152 Nm bei 3600 162 Nm bei 3600 167 Nm bei 4400 173 Nm bei 4400 Verdichtung:  8,5:1 8,6:1 Gemischaufbereitung:  1 Fallstromvergaser Elektr. Einspritzung 1 Fallstromvergaser Einspritzung Ventilsteuerung:  OHC, Kette, 2 Ventile pro Zylinder Kühlung:  Wasserkühlung Getriebe:  4- oder 5-Gang-Getriebe (2000i nur Fünfganggetriebe) a.W. Dreigangautomatik Hinterradantrieb Radaufhängung vorn:  Federbeinachse, Schraubenfedern, Stabilisator Radaufhängung hinten:  Starrachse, Längs- und Schräglenker, Schraubenfedern oder Einzelradaufhängung mit Schräglenkern, Schraubenfedern Bremsen:  Scheibenbremsen vorne, Trommelbremsen hinten, Bremskraftverstärker (Japan auch Vierrad-Trommelbremsen) Lenkung:  Kugelumlauflenkung, a.W. servounterstützt Karosserie:  Stahlblech, selbsttragend Spurweite vorn/hinten:  1345/1350 mm 1350/1345 mm Radstand:  2500 mm 2650 mm Abmessungen:  4260–4385 × 1630 × 1380–1430 mm 4445–4570 × 1630–1645 × 1375–1385 mm Leergewicht:  1000–1050 kg 1025–1080 kg 1060–1075 kg 1150 kg 1190 kg 1195–1275 kg Höchstgeschwindigkeit (Werk):  160 km/h 165 km/h 175 km/h 165–175 km/h 180 km/h 180 km/h 0–100 km/h:  n. a. Verbrauch (Liter/100 km, Werk):  9,5 ca. 12–16 S

Datsun Bluebird (PL 910, 1979–1983)