Die Pflanzengattung Vriesea gehört zur Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 214, früher etwa 300 Arten sind in der Neotropis verbreitet. Einige Arten und ihre Sorten sind Zierpflanzen für tropische Parks sowie Gärten und gut als Zimmerpflanzen geeignet.
Beschreibung mini|hochkant|links|Illustration von Vriesea psittacina aus John Lindley, Edwards's Botanical Register, Volume 29, 1843, Tafel 10 mini|hochkant|Aufgeschnittene Blüte im Detail von Vriesea roethii; deutlich zu erkennen die Ligulae, die schuppenartigen Fortsätze an der Basis der Kronblätter, die für die Unterscheidung der Gattungen dieser Unterfamilie wichtig sind mini|hochkant|Offene Kapselfrüchte von Vriesea procera mit darauf gekeimten Jungpflanzen
Erscheinungsbild und Blätter Vriesea-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie wachsen meist als Epiphyten, manchmal als Lithophyten und selten terrestrisch. Meist sind es Trichterbromelien, also ist ihre Sprossachse gestaucht und die Laubblätter stehen dicht in Rosetten zusammen. Die Laubblätter überdecken sich, so dass ein Trichter zum Sammeln von Wasser entsteht. Neben trichterförmig können die Laubblätter auch röhren- oder schlauchförmig zusammenstehen. Selten werden Ausläufer gebildet.
Die einfachen, parallelnervigen Laubblätter sind meist schwertförmig, linealisch, schmal-linealisch oder linealisch-dreieckig und ganzrandig. Auf den Laubblättern sind immer Saugschuppen vorhanden, doch befinden sie sich bei den meisten Arten nur in den Blatttrichtern.
Blütenstände und Blüten Es werden endständig auf oft deutliche erkennbaren, langen aufrechten bis hängenden Blütenstandsschäften die Blütenstände gebildet. Die Hochblätter der Blütenstandsschäfte sind gut entwickelt und kürzer bis länger als die Internodien. Die oft auffälligen, leuchtend grünen, strohfarbenen, gelben, roten, rosafarbenen oder bräunlichen Tragblätter der Blütenstände sind bei vielen Arten lange haltbar. Die Gesamtblütenstände können unverzweigt oder verzweigt sein und enthalten ährige Teilblütenstände, in denen die gestielten, aufrechten bis zurückgekrümmten Blüten mehr- oder oft zweizeilig angeordnet sind. Die Blütenstiele sind meist kurz.
Die zwittrigen Blüten sind dreizählig mit doppelter Blütenhülle und meist radiärsymmetrisch. Die drei mehr oder weniger symmetrischen Kelchblätter sind frei und können gekielt sein. Die drei Kronblätter sind frei oder meist zu einer kurzen Kronröhre, die viel kürzer als die Kelchblätter ist, verwachsenen. Die gleichen, symmetrischen Kronblätter sind linealisch, elliptisch oder verkehrt-eiförmig und aufrecht bis zurückgekrümmt. Die Kronblätter sind weiß, grün, gelb, braun oder purpurfarben. Die Kronblätter besitzen an ihrer Basis zwei straffe und aufrechte oder lasche und hängende Ligulae = schuppenartigen Fortsätze, die für die Unterscheidung der Gattungen dieser Unterfamilie wichtig sind und in Form und Größe unterschiedlich sind. Die zweimal drei freien Staubblätter können die Kronblätter überragen. Die Staubfäden sind fadenförmig oder abgeflacht. Drei Fruchtblätter sind zu einem mehr oder weniger oberständigen Fruchtknoten verwachsen, der viele Samenanlagen enthält. Die Narben sind deutlich oder undeutlich dreilappig oder becherförmig und immer papillös.
Früchte und Samen Die Kapselfrüchte öffnen sich scheidewandspaltig = septizid. Die spindelförmig Samen besitzen an ihrer Basis ein langes, gerades, fedriges Anhängsel, das wie „Fallschirm“ ähnlich wie bei der Pusteblume wirkt.
Systematik und Verbreitung Taxonomie Die Gattung Vriesea wurde 1843 durch John Lindley in Edwards's Botanical Register, Volume 29, 1843, Tafel 10, dort „Vriesia“ geschrieben, aufgestellt. Der Gattungsname Vriesea ehrt den niederländischen Botaniker Willem Hendrik de Vriese (1806–1862). Typusart ist Vriesea psittacina
Äußere Systematik und Ausgliederung von Arten in andere Gattungen Die Systematik der Gattung Vriesea ist wegen der Abgrenzungsproblematik zur nahe verwandten Gattung Tillandsia und phylogenetischer Untersuchungen, nach denen die ursprüngliche Gattung Vriesea in drei Gattungen (Vriesea, Alcantarea und Werauhia) aufgeteilt wurde, steten Veränderungen unterworfen. Im nichtblühenden Zustand sind die Gattungen Tillandsia und Vriesea oft nicht voneinander zu unterscheiden. Der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Gattungen liegt in zwei kleinen Schuppen, den sogenannten „Ligulae“, an der Basis der Kronblätter (Petalen), die nur an frischen Blüten gut zu erkennen, an getrockneten Herbarmaterial jedoch nur schwer nachweisbar sind. Basierend auf phylogenetischen Untersuchungen von multilocus DNA-Sequenzen und morphologischen Vergleichen gliederten Barfuss et al. 2016 26 Arten weitere in die neuen Gattungen Goudaea, Jagrantia, Lutheria, Stigmatodon und Zizkaea aus. 2016 wurde die Gattung Cipuropsis reaktiviert und dort Arten, die zuvor in der Gattung Vriesea s. l. eingegliedert waren, eingestellt.
Die Gattung Vriesea s. str. gehört zur Subtribus Vrieseinae der Tribus Vrieseeae in der Unterfamilie Tillandsioideae innerhalb der Familie Bromeliaceae. Zur Subtribus Vrieseinae gehören neben der Gattung Vriesea s. str. die Gattungen Alcantarea Stigmatodon sowie Waltillia .
Arten, Unterarten, Varietäten und ihre Verbreitung Die Gattung Vriesea ist in der Neotropis verbreitet; das Hauptverbreitungsgebiet liegt in Brasilien. Viele Arten gedeihen in den tropischen Regen- bis Bergwäldern.
Es gibt etwa 220 Vriesea-Arten (Stand Ende 2025) nach der Ausgliederung von Arten in andere Gattungen:mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Vriesea amethystina mini|hochkant|Habitus und Blütenstände von Vriesea atra im Habitat mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea bituminosa mini|hochkant|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blüte im Detail von Vriesea bleherae f. atroviolaceifolia mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea duvaliana mini|hochkant|Ausschnitt eines Blütenstandes mit roten Hochblättern und gelber Blüte von Vriesea duvaliana, gut zu erkennen ist die dreilappige Narbe mini|hochkant|Einfacher Blütenstand von Vriesea ensiformis mit roten Hochblättern und gelber Blüte mini|hochkant|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Blüte im Detail von Vriesea erythrodactylon mini|hochkant|Blütenstand von Vriesea fenestralis mini|hochkant|Habitus und Laubblätter von Vriesea fenestralis, eine Art mit schöner Blattzeichnung mini|hochkant|Habitus und Laubblätter von Vriesea fosteriana, eine Art mit schöner Blattzeichnung mini|hochkant|Blütenstand von Vriesea fosteriana mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea friburgensis var. tucumanensis mini|hochkant|Habitus und Laubblätter von Vriesea gigantea mini|hochkant|Habitus und Laubblätter von Vriesea hieroglyphica, eine Art mit schöner Blattzeichnung mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea incurvata mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstände mit Blüten von Vriesea malzinei var. disticha mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Vriesea maxoniana mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea nanuzae mini|hochkant|Dreizählige Blüte im Detail von Vriesea nanuzae mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea oleosa mini|hochkant|Dreizählige Blüte im Detail von Vriesea oleosa mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und verzweigter Blütenstand mit gelben Blüten von Vriesea oxapampae mini|hochkant|Ausschnitt eines verzweigten Blütenstandes mit gelber Blüte im Detail von Vriesea oxapampae mini|hochkant|Die langen Blütenstände von Vriesea platynema und die gedrungenen Blütenstände einer Guzmania-Hybride mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea procera mini|hochkant|Habitus und gefleckte Laubblätter von Vriesea racinae mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea roethii mini|hochkant|Ausschnitt eines Blütenstandes mit Deckblättern und Blüten im Detail mit Kelch- und Kronblättern von Vriesea roethii mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea rodigasiana im Habitat mini|hochkant|Habitus und Blütenstand von Vriesea saundersii mini|hochkant|Habitus und Blütenstand von Vriesea sazimae im Habitat mini|hochkant|Habitus und hängender Blütenstand von Vriesea scalaris mini|hochkant|Habitus und knospiger Blütenstand von Vriesea schwackeana mini|hochkant|Habitus und Blütenstand von Vriesea sucrei mini|hochkant|Habitus, Laubblätter und Blütenstand von Vriesea tequendamae im Habitat Vriesea agostiniana : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro vor. Vriesea alta : Sie wurde anhand einer Illustration eines Exemplars, das wohl aus Panama stammt erstbeschrieben und über diese Art ist wenig bekannt. Vriesea altimontana : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1100 bis 1200 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Vriesea altobocainensis : Sie wurde 2021 aus dem brasilianischen Bundesstaat São Paulo erstbeschrieben. Vriesea altodaserrae : Sie gedeiht terrestrisch und epiphytisch hauptsächlich in Regenwäldern, in größeren Höhenlagen und entlang der Küste in Höhenlagen von 1 bis 1000 Metern in den brasilianischen Bundesstaaten São Paulo, Paraná sowie Santa Catarina. Vriesea altomacaensis : Sie gedeiht in Höhenlagen von 1300 bis 1400 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Vriesea altomayoensis : Sie wurde 2009 aus dem peruanischen Amazonas erstbeschrieben. Vriesea amethystina : Sie gedeiht epiphytisch in Sümpfen nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Vriesea arachnoidea : Sie gedeiht epiphytisch und terrestrisch auf Laubmull in Höhenlagen von 1300 bis 1400 Metern im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Vriesea atra : Sie gedeiht an Felsen in Höhenlagen von 1000 bis 1800 Metern im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Vriesea atropurpurea (Syn.: Vriesea albescens , Vriesea glauca ): Sie gedeiht an Felsen nur im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais. Vriesea aureoramosa : Die Erstbeschreibung erfolgte 2020. Sie gedeiht epiphytisch auf Inselbergen in Höhenlagen von 300 bis 650 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Espírito Santo. Vriesea bahiana : Dieser Endemit gedeiht an Felsen in Höhenlagen von etwa 1000 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat Bahia. Vriesea barbosae : Sie wurde 2007 aus dem brasilianischen Bundesstaat Pernambuco erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur im unteren Stockwerk in Restbeständen des Mata Atlântica gefunden. Vriesea barilletii (Syn.: Vriesea eumorpha hort. ex , Vriesea crotalophora hort. ex ): Sie kommt in Brasilien vor. Vriesea baturitensis : Sie wurde 2013 aus dem nordöstlichen brasilianischen Bundesstaat Ceará erstbeschrieben. Sie gedeiht als Epiphyt in Höhenlagen oberhalb von 800 Metern. Vriesea biguassuensis : Sie kommt nur im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina vor. Vriesea billbergioides : Es gibt drei Varietäten im südöstlichen Brasilien: Vriesea billbergioides var. ampla : Sie gedeiht epiphytisch im Wald in Höhenlagen von etwa 1800 Metern nur im brasilianischen Bundesstaat São Paulo. Vriesea billbergioides var. billbergioides: Sie gedeiht epiphytisch in Regenwäldern in Höhenlagen von 1600 bis 2000 Metern in den brasilianischen Bundesstaaten Minas Gerais sowie Rio de Janeiro. Vriesea billbergioides var. subnuda : Dieser Endemit gedeiht epiphytisch in Höhenlagen von etwa 1700 Metern nur in Pedra Sao Joao in der Serra dos Órgãos im brasilianischen Bundesstaat Rio de Janeiro. Vriesea bituminosa : Sie gedeiht lithophytisch an Felswänden und epiphytisch im Regenwald in Höhenlagen von 1200 bis 2150 Metern in Venezuela sowie Brasilien. Vriesea blackburniana : Sie wurde 2005 aus dem brasilianischen Bundesstaat Bahia erstbeschrieben. Sie wurde bisher nur als Epiphyt an Baumstämmen in einer Höhe von etwa 5 Metern über dem Grund wachsend in einem gut erhaltenen Fragment des Mata Atlântica in Höhenlagen von 600 bis 700 Metern gefunden. Sie ist vergesellschaftet mit vielen anderen Bromelienarten.