mini|hochkant|Wappen derer von Bodenhausen

Bodenhausen ist der Name eines ursprünglich niedersächsischen Adelsgeschlechts. Später gelangten die Herren von Bodenhausen auch in Hessen, Braunschweig, Anhalt, Sachsen und Preußen zu Besitz und Ansehen. Zweige der Familie bestehen bis heute. Die früher in Hessen landsässige Linie ist dort noch heute Mitglied in der Althessischen Ritterschaft.

Geschichte Herkunft mini|Burgstall der Burg Bodenhausen

Das Geschlecht erscheint erstmals mit Teginhardus de Bodenhusen, der von 1135 bis 1150 in Urkunden genannt wird.Stammtafeln der Familie von Bodenhausen. Dietrich Universitäts-Druckerei, W. Fr. Kästner, Göttingen 1865. Mit ihm beginnt auch die Stammreihe. 1186 wird ein Heinrich von Bodenhausen in einer Urkunde auf dem Rusteberg genannt.RIplus Regg. EB Mainz 2 [n. 382], in: Regesta Imperii. Regesta Imperii., abgerufen am 14. Februar 2024. Ein weiterer früher Namensträger war nach Johann Georg Leuckfeld der Ritter Heinrich von Bodenhausen, der als Zeuge in einem Diplom, das Herzog Albrecht von Braunschweig 1267 dem Kloster Pöhlde ausstellte, auftritt.Johann Georg Leuckfeld: Anitiquit. Poeldens. Oder Historische Beschreibung des vormaligen Stifts Poelde / Praemonstratenser Orden. Capitel 17, Gottfried Freytag, Wolffenbüttel 1707, S. 90. in: V. Bertramus: Henrichs Ritter von Bodenhausen, 1267 Pfingsten. Cyriacus Spangenberg nennt Johann von Bodenhausen 1360 als „Derectorum Doctor“ und Domherren zu Erfurt.

Ursprünglicher Stammsitz der Familie ist wahrscheinlich die gleichnamige Burg Bodenhausen bei Ballenhausen, heute Ortsteil der Gemeinde Friedland im Landkreis Göttingen. In älterer Literatur wird auch ein Hof Bodenhausen bei Ehlen, heute Ortsteil der Gemeinde Habichtswald, genannt.

Ob die Herren von Bodenhausen und Hanstein mit dem rheinhessischen Adelsgeschlecht von Saulheim stammesverwandt sind, ist nicht geklärt.Bernd Sternal, Wolfgang Braun: Burgen und Schlösser der Harzregion. Band 5, Verlag Sternal Media, BoD, Norderstedt 2014, S. 14. ISBN 978-3-7347-3773-2. Alle drei Adelsfamilien verwendeten das gleiche Wappen und waren im 12. Jahrhundert Bedienstete oder Ministerialen der Mainzer Erzbischöfe, die Hansteiner auf Burg Rusteberg, die Bodensteiner auf Burg Bodenhausen und die Saulheimer im Rheingebiet.

Ausbreitung und Besitzungen mini|Herrenhaus Niedergandern, Niedersachsen. mini|Herrenhaus Reckershausen, Niedersachsen. mini|Schloss Arnstein, Hessen. mini|Rittergut. in Burgkemnitz, Sachsen-Anhalt mini|Gut Helpt, Mecklenburg.

Bruno von Bodenhausen wurde 1318 durch Herzog Otto den Milden unter anderem mit der Vogtei in Niedergandern belehnt; das dortige Rittergut mit seinem Nebengut Reckershausen ist bis heute im Besitz der Familie geblieben.

1373 war Heiligenstadt in Thüringen im Besitz bzw. Teilbesitz der Familie. In Niederhessen breitete sich das Geschlecht stark aus und erlangte 1560 Schloss Arnstein bei Witzenhausen und 1614 Burg Mühltroff im Vogtland. Schloss Arnstein blieb bis 1938 im Besitz der Familie.

Während des 18. Jahrhunderts kamen weitere Besitzungen in Kursachsen hinzu (u. a. NiedertrebraNiedertrebra, in: Schlossarchiv. Vgl. H 52, Nr. 358 Lehnangelegenheiten der Gesamtfamilie von Bodenhausen, ausgeführt von Freiherrn Ernst Ludwig von Bodenhausen, Gesandter und Bevollmächtigter in Wien, 1837–1842 (Akte), LSA, Benutzungsort Wernigerode, Stand 14. Februar 2024.). Im Anhaltischen war die Familie im 17. und 18. Jahrhundert begütert und wurde noch Mitte des 19. Jahrhunderts mit Trebbichau belehnt. Vorübergehend waren Angehörige auch in der Altmark, in Westfalen und in Schlesien besitzlich, später hauptsächlich in Kurhessen.

Melchior von Bodenhausen, Herr auf Arnstein und Niedergandern und Enkel von Heinrich von Bodenhausen und Catharina von Kerstlingerode, war 1521 landgräflich hessischer Rat auf dem Reichstag zu Worms. Seine Söhne Otto Heinrich und Wilke setzten den Stamm fort. Der Sohn Otto Heinrichs, Herr unter anderem auf Arnstein und Wülfingerode, Krafft von Bodenhausen, wurde kurmainzischer und kursächsischer Rat, Beisitzer des Landgerichts auf dem Eichsfeld, Oberst zu Ross und Hauptmann der Ämter Torgau und Liebenwerda. Ausgehend mit Kraft von Bodenhausen ist auch genealogisch die durchgehende Stammlinie des Hauses Radis ab Ende des 16. Jahrhunderts gut belegbar.

Cuno Odomar von Bodenhausen, Enkel von Otto Heinrich, wurde Mitglied in der Fruchtbringenden Gesellschaft unter dem Namen „der Bequeme“.

Um 1655 kommt Gut und Schloss Burgkemnitz in die Familie. Dazu gehörte bis etwa 1918 noch Meineweh als Nebengut.

Ein Hans von Bodenhausen war Mitte des 17. Jahrhunderts kursächsischer Oberhofmarschall und Otto von Bodenhausen um dieselbe Zeit fürstlich brandenburgisch-culmbacher Geheimrat. Melchior Otto von Bodenhausen, Herr auf Mühltroff im Vogtland, heiratete eine Tochter aus dem schlesischen Adelsgeschlecht von Reiswitz und erlangte dadurch das Rittergut Grabowka bei Ratibor in Oberschlesien.

Im 17. Jahrhundert erwarb Melchior von Bodenhausen (Sohn des Wilke) das Gut Leubnitz von Hildebrand Eichelberg Trützschler. In der Folge entbrannte ein Rechtsstreit mit den Erben des Leonhard von Milkau zu Christgrün wegen der Gewähr von 2000 Gulden neben den aufgelaufenen Zinsen gegenüber den Mitbelehnten Wolff Wilhelm Trützschler Besitzer (Trützschler). Der Rechtsstreit begann im Jahr 1616 und zog sich bis zu einem endgültigen Vergleich zwischen den milkauischen Erben und Franz Wilke von Bodenhausen (Sohn des Otto von Bodenhausen) in das Jahr 1645.Hauptstaatsarchiv Dresden 10084, Appellationsgericht Dresden, Nr. 666.

Um 1700 erwarb Kraft Burchhard von Bodenhausen, Enkel des oben genannten Kraft von Bodenhausen auf Radis, das Rittergut Brandis in Sachsen; sein Sohn Otto Wilhelm von Bodenhausen ließ zwischen 1724 und 1727 das Schloss Brandis nach Plänen von David Schatz errichten.

Von 1905, respektive seit 1911, bis 1945 gehörten die mecklenburgischen Güter Groß Miltzow und Helpt den Bodenhausen, zeitweise, bis 1937 auch Kegendorf bei Laage.

Ausbildung in Adelsinternaten Die Bodenhausen besuchten in Vorbereitung ihrer Karrieren als Land- und Forstwirte, im Staats- und Militärdienst, zu allen Zeiten verschiedene Gymnasien, auch in Berlin und bekannte traditionsreiche Adelsinternate. Besonders häufig treten zuerst hier die Klosterschule Rossleben und die Klosterschule Ilfeld in Erscheinung.

Standeserhebungen Am 2. August 1669 zu Wien erhielt Franz Wilke von Bodenhausen auf Arnstein, Mühltroff und Leibnitz den Reichsfreiherrenstand.

Ernst Ludwig Carl Mordian von Bodenhausen (1785–1854) erhielt als Kammerjunker am Hof von Jérôme Bonaparte am 6. März 1812 gemeinsam mit seinen beiden jüngeren Brüdern die Erhebung in den Freiherrnstand im Königreich Westphalen.Verzeichnis der Adelsbestätigungen im ehemaligen Königr. Westfalen. In: L. Clericus: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik, Sprhagistik und Genealogie, VI. Jahrgang, №. 12, 1875, Hrsg. Herold Verein, Druck Stahel Würzburg, Verlag Mitscher & Röstell, Berlin, im Dezember 1875, S. 132. Teil-Digitalisat

Hans von Bodenhausen, Fideikommissherr auf Degenershausen, und der jeweiligen Besitzer des Fideikommiss und Nachkomme seiner Eltern, erhielt am 6. Juni 1859 zu Berlin die preußische Genehmigung zur Führung des Namens von Bodenhausen genannt Degener. Er und seine Brüder Julius und Bodo von Bodenhausen erhielten am 15. Dezember 1869 zu Berlin, Conrad von Bodenhausen (zu Abtsdorf), der spätere Vizeadmiral, am 28. Mai 1870 zu Berlin und die übrigen Angehörigen des Hauses Radis am 10. Juni 1874 zu Berlin die preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels.

Eine anhaltische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels für Bodo von Bodenhausen auf Radis, herzoglich anhaltischer Kammerherr, erfolgte am 1. Mai 1875.

Arthur von Bodenhausen, Fideikommissherr auf Reckershausen, erlangte am 12. Juli 1891 zu London eine preußische Genehmigung zur Fortführung des Freiherrentitels.

Am 2. Oktober 1912 erfolgte für Arthur Freiherr von Bodenhausen, königlich sächsischer Oberstleutnant, und Gustav Freiherr von Bodenhausen, königlich sächsischer Major und nachmaliger Fideikommissherr auf Niedergandern, eine Eintragung in das königlich sächsische Adelsbuch unter der Nummer 416.

Wappen Blasonierung des Stammwappens: „In Silber drei (2:1) zunehmende, rote Mondsicheln. Auf dem silbern-rot bewulstetem, hersehendem Topfhelm (auf gelehntem Schild) mit rot-silbernen Decken eine wachsende, oben mit drei roten und zwei silbernen Hahnenfedern wechselnd besteckte, konische, silberne Säule, seitlich besteckt mit einer zunehmenden und abnehmenden, roten Mondsichel.“

Aufgrund der Wappenähnlichkeit ist eine Stammesverwandtschaft mit den von Hanstein aus dem benachbarten Eichsfeld wahrscheinlich.

Bekannte Familienmitglieder mini|Begräbnistafel der Familie von Bodenhausen in Radis Heinrich und Günther von Bodenhausen, Amtmänner auf dem Rusteberg (1393) Margaretha von Bodenhausen, Äbtissin875 Jahre Beuren. Beiträge zur Geschichte eines Dorfes im Eichsfeld 1128–2003, Hrsg. Gemeinde Leinefelde-Beuren, Verlag Mecke, Duderstadt, Leinefelde-Beuren 2003, S. 170. ISBN 3-936617-14-7. im Kloster Beuren (1519–1537) Hans von Bodenhausen (1606–1684), königlich dänischer Offizier Bodo von Bodenhausen (1633–1700), deutscher Jurist, Hofbeamter und Rittergutsbesitzer Otto Wilhelm von Bodenhausen (1680–1754), Kreishauptmann zu Leipzig Bodo Friedrich von Bodenhausen (1705–1781), bremen-verdischer Minister Ernst von Bodenhausen (1785–1854), hannoverscher Gesandter in Wien Rudolph Woldemar von Bodenhausen (1826–1900), Oberleutnant und Landtagsabgeordneter Bodo von Bodenhausen (1836–1919), preußischer Generalleutnant Hans von Bodenhausen-Degener (1839–1912), deutscher Rittergutsbesitzer und Parlamentarier Julius von Bodenhausen (1840–1915), Mitglied des Deutschen Reichstages Hans von Bodenhausen (Politiker) (1841–1921), deutscher Jurist und Landrat, Mitglied des Deutschen Reichstags Conrad von Bodenhausen (1848–1938), deutscher Vizeadmiral, 1902/11 Reichskommissar beim Seeamt Hamburg Cuno von Bodenhausen (1852–1931), Maler Arthur von Bodenhausen (1859–1914), Generalmajor Bodo von Bodenhausen (1860–1911), deutscher Verwaltungsbeamter und Rittergutsbesitzer Edwin von Bodenhausen (1860–1920), preußischer Generalleutnant Arthur von Bodenhausen (1860–1936), Kammerherr, Rittmeister und Abgeordneter des Provinziallandtages der Provinz Hessen-Nass Eberhard von Bodenhausen genannt Degener (1868–1918), Kunsthistoriker der Wiener Moderne Kraft von Bodenhausen (1871–1952), Politiker Dora von Bodenhausen (1877–1969), Ehefrau von Eberhard von Bodenhausen Bodo-Wilke von Bodenhausen (1894–1976), Kommunalpolitiker (NSDAP) Erpo von Bodenhausen (1897–1945), deutscher Generalleutnant Luli von Bodenhausen (Julie Dorothea Baronin von Bodenhausen; 1902–1951), Schauspielerin und Autorin

Sachzeugen In der ev. Liebfrauenkirche von Witzenhausen (Werra-Meißner-Kreis) befindet sich das 1575 datierte Grabmal für ein Ehepaar von Bodenhausen sowie ihre vier Söhne und vier Töchter., DI 87, Witzenhausen (Altkreis), Nr. 63 (Edgar Siedschlag, Mitarbeit: Fuchs, Rüdiger), in: www.inschriften.net, 31. August 2023, abgerufen am 23. Januar 2026.

In der Kirche Radis steht an der Chorraumsüdwand eine sandsteinerne Grabplatte mit Inschrift und 2 × 8 Wappen für Cune von Bodenhausen (1601–1637) und an der Chorraumnordwand eine anlog gestaltete Platte für Curd von Bodenhausen (1604–1632). Bei beiden Grabplatten handelt es sich um einfache Steinmetzarbeiten, die sehr gut erhalten sind.Hans-Joachim Böttcher: Historische Grabdenkmale und ihre Inschriften in der Dübener Heide, in: AMF (Arbeitsgemeinschaft für Mitteldeutsche Familienforschung e. V.), Band 165, 2005 (08), S. 30–31. ZDB-ID 2380765-9.

Literatur Leopold von Zedlitz-Neukirch: Neues Preussisches Adels-Lexicon. Band 1. Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 265–266. (Digitalisat)