Die Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Eigenschreibweise: „Johannes Gutenberg-Universität Mainz“), kurz JGU, ist eine Universität in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz. Mit rund 30.000 Studierenden an etwa 100 Instituten und Kliniken gehört sie zu den zwanzig größten Universitäten in Deutschland.

Seit einer Strukturreform zum 1. September 2010 ist die Universität in zehn Fachbereiche gegliedert. Die JGU wurde nach dem Erfinder des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, Johannes Gutenberg, benannt. Die JGU ist nach eigenen Angaben die einzige Volluniversität im Bundesland Rheinland-Pfalz.siehe , Zitat: „Als einzige Volluniversität des Landes Rheinland-Pfalz vereint sie nahezu alle akademischen Disziplinen, inklusive Universitätsmedizin Mainz und zwei künstlerischer Hochschulen, unter einem Dach – eine in der bundesdeutschen Hochschullandschaft einmalige Integration.“, abgerufen am 15. August 2025.

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Technische Universität Darmstadt bilden gemeinsam die strategische Allianz der Rhein-Main-Universitäten (RMU).

Geschichte Alte Universität: 1477–1823 links|mini|Domus Universitatis (ca. 2006)

Die erste Mainzer Universität geht auf eine Initiative des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Adolf II. von Nassau zurück, der den damals erforderlichen Prozess der päpstlichen Approbation in die Wege leitete. Nachdem Papst Sixtus IV. am 23. November 1476 die Errichtung der Hochschule genehmigt hatte,Mainz (Erzstift), Retro-Bibliothek, in: Meyers Konversationslexikon. wurde sie 1477 von Adolfs Nachfolger, Diether von Isenburg, ins Leben gerufen. Erster Rektor war Jakob Welder. Da die Matrikel der Universität aus dieser Zeit verloren gegangen sind, ist von den eingeschriebenen Studenten des ersten Jahres nur Johannes Ugelheimer namentlich bekannt, dessen Studienbescheinigung aus dem Jahr 1481 erhalten geblieben ist.

In der Anfangszeit ab 1477 diente der Hof zum Algesheimer als zentrales Universitätsgebäude. Dort fanden Senatssitzungen, Promotionen sowie hochschulinterne Feste statt, und nachweislich lebten hier die Mitglieder der medizinischen, theologischen und juristischen Fakultäten. Etwas später wurde für die Juristen eine eigene Burse im Hof zum Gutenberg eingerichtet. Die Philosophen der Via Antiqua unterhielten seit 1482 ebenfalls eine gesonderte Burse im Hof zum Schenkenberg, wo auch die ersten Bestände der Universitätsbibliothek untergebracht waren. Der Jurist Justin Göbler schilderte seine Mainzer Studienjahre von 1516 bis 1519 in der Burse (Hof) zum Schenkenberg ausführlich im Vorwort zu einem 1562 veröffentlichten Buch.Justin Göbler: Gerichtliche Proceß. 2. Auflage Christian Egenolff Erben, Frankfurt am Main 1562, Vorwort von 1562, Bl. iir-v. (digitale-sammlungen.de), unveränderte Neuauflage 1567 (Google-Books), Passage noch nicht enthalten in der Ausgabe Christian Egenolff, Frankfurt am Main 1532 (www.digitale-sammlungen.de). Teil der Universität war seit 1568 auch das sechs Jahre zuvor gegründete Mainzer Jesuitenkolleg, dem der Algesheimer Hof zugesprochen wurde. Der Hof zum Schenkenberg war fortan das einzige Unterrichtsgebäude, bis unter der Leitung der Jesuiten zwischen 1615 und 1618 der Neubau der Domus Universitatis errichtet wurde.Übersicht über die historischen Gebäude der Universität.

Der letzte in Mainz residierende Kurfürst und Erzbischof, Friedrich von Erthal (1719–1802), versuchte, die Universität zu reformieren. Um ihre finanzielle Ausstattung zu verbessern, übertrug er ihr das Vermögen der 1781 aufgelösten Mainzer Klöster Altmünster, Reichklara und Kartause. 1790 kam es zum Mainzer Knotenaufstand, als Handwerker, die von Studenten provoziert worden waren, diese sowie Organe der Universität angriffen. In den Wirren nach der Gründung der Mainzer Republik 1792 und deren Niederschlagung durch Preußen und Österreicher kam der Lehrbetrieb allmählich zum Erliegen. Nach der erneuten Einnahme von Mainz durch Revolutionstruppen wurde die Universität 1798 unter französischer Herrschaft offiziell aufgehoben. Lediglich eine Grande école in Form einer École spéciale de médecine sollte beibehalten werden. So fanden bis 1823 in der medizinischen Fakultät noch Vorlesungen statt. (französisch).

Neugründung 1946 Die heute existierende Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurde 1946 von der französischen Besatzungsmacht gegründet. Raymond Schmittlein, Leiter der Kultur- und Erziehungsabteilung der französischen Militärregierung, war einer der maßgeblichen Betreiber dieser Wiederbegründung. Durch das Dekret der französischen Militärregierung am 1. März wurde die Kontinuität der Mainzer Universität impliziert: Die Universität wurde „ermächtigt, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen“. Als erste Universitätsgebäude dienten die auch heute noch in Gebrauch befindlichen Reste einer Luftwaffenkaserne, die 1938 nach der Remilitarisierung des Rheinlandes während der Zeit des Nationalsozialismus errichtet worden war. Am 15. Mai 1946 nahm die nun „Johannes Gutenberg-Universität Mainz“ genannte Hochschule unter dem Leitspruch „Ut omnes unum sint – Dass alle eins seien“ den Lehrbetrieb auf. mini|Ehemaliges Kasernengebäude, das von der Universität genutzt wird. In der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ging die 1877 gegründete Philosophisch-Theologische Hochschule Mainz auf, sie wurde zu deren Katholisch-Theologischer Fakultät.Geschichte des Mainzer Priesterseminars, abgerufen am 16. Juli 2018.

Kontinuitätsfrage Die Kontinuität zwischen Alter Universität und Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist wegen der Unterbrechung des Lehrbetriebes von über 100 Jahren strittig. Mit der Gründungsurkunde, in der ausdrücklich die Wiederaufnahme der Tätigkeit gestattet wird, begründete der Generalverwalter der französischen Militärregierung in Baden-Baden die umstrittene Kontinuität der Mainzer Universität. Begründet wird die Kontinuität besonders damit, dass die alte Universität nie förmlich aufgelöst wurde und weil der 1781 gegründete Mainzer Universitätsfonds von staatlicher Seite stets als Universitätsvermögen anerkannt wurde. Die Stiftung Mainzer Universitätsfonds, deren Erträge in vollem Umfang an die Johannes Gutenberg-Universität in Mainz fließen, umfasst bis heute Wohnungen, Häuser und Erbbaurechte sowie 850 ha landwirtschaftliche Nutzflächen in Form von Ackerland und Weinbergen. Damit gehört die Stiftung zu den bedeutendsten Großgrundbesitzerinnen in Rheinland-Pfalz.Stiftung Mainzer Universitätsfonds: Lediglich das Priesterseminar und eine Hebammenlehranstalt bestanden in der Zeit bis zur Wiedereröffnung fort.

Nach 1946 mini|Altes Logo

Im Jahr 1950 wurde das Forschungsinstitut für Wirtschaftspolitik gegründet. Seit der Wiedereröffnung der Universität widmete sich Fritz Straßmann dem Aufbau des Instituts für Chemie und des MPI für Chemie, das aus dem Umzug des vormaligen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Chemie in Berlin nach Mainz entstand. 1956 wurde das MPI für Chemie von Otto Hahn eingeweiht. 1967 nahm Otto Hahn den Forschungsreaktor Mainz in Betrieb, der als Forschungsneutronenquelle dient. 1972 schlug sich die Wirkung der 68er Studentenproteste auch in der Struktur der Universität Mainz nieder. Die Fakultäten wurden aufgehoben und die Universität in Fachbereiche gegliedert. 1973 wurden im Zuge der Hochschulreform und der Neugliederung der Universität in Fachbereiche die Hochschulinstitute für Kunst, Musik und Leibesübungen in die Universität eingegliedert.

1974 wurde Peter Schneider zum ersten Präsidenten der nun als „verfasste Gruppenuniversität“ organisierten Hochschule gewählt. 1979 wurde die erste Beschleunigerstufe des Elektronen-Beschleuniger MAMI (Mainzer Mikrotron) am Institut für Kernphysik in Betrieb genommen, nachdem vier Jahre zuvor die Entstehung eines solchen Rennbahn-Mikrotrons auf dem Campus der Universität beschlossen wurde. 1990 wurde die Stufe B des MAMI nach zehnjähriger Umbau- und Entwicklungszeit in Betrieb genommen. 1990 wurde Jürgen Zöllner, Professor des Institutes für Physiologische Chemie, Präsident. Er wurde im Mai 1991 Minister für Wissenschaft und Weiterbildung des Landes Rheinland-Pfalz im Kabinett Scharping (SPD) und blieb es bis November 2006. Als Koordinator der SPD für Hochschulpolitik spielte Zöllner eine große Rolle in der Hochschulpolitik der SPD und bei der Entwicklung der Studienkonten. 2002 zeichnete das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) die JGU für ihre besonderen Reformergebnisse als Best-Practice-Hochschule aus.

Im Jahr 2004 kam die JGU durch die europäischen und amerikanischen Marsmissionen Mars Express/Beagle 2 und Opportunity/Spirit in die Schlagzeilen, da zwei der wichtigsten Analysegeräte an Bord aus Mainz stammten. Das APIs (Alpha Particle X-Ray Spectrometer) wurde vom MPI für Chemie in Mainz auf dem Campusgelände der Universität und das MIMOS II (Miniaturisiertes Mößbauer-Spektrometer) an der Johannes Gutenberg-Universität entwickelt. Seit einer Strukturreform zum 1. Januar 2005 ist die Universität in elf Fachbereichen organisiert. 2006 wurden im Rahmen der 1960-Jahr-Feier zur Wiedereröffnung der Universität erstmals goldene Promotionsurkunden an die noch lebenden Promovenden der Jahre 1947 bis 1956 verliehen. Die allererste Promovendin war eine Zoologin, die bei Wolfgang von Buddenbrock-Hettersdorff promovierte. Die vierte Stufe C des Elektronen-Beschleunigers MAMI (Mainzer Mikrotron) wurde nach mehrjähriger Umbau- und Entwicklungszeit am Institut für Kernphysik in Betrieb genommen.

Das Ministerium für Wissenschaft und Weiterbildung führte zum Wintersemester 2004/2005 die von Zöllner mitentwickelten Studienkonten ein. Bei Überziehen des Studienkontos fielen in der Übergangszeit pauschal Studiengebühren von 650 Euro pro überzogenem Semester an. Die Studienkonten erlaubten ein kostenfreies Erststudium innerhalb des 1,75-Fachen der Regelstudienzeit. In einem zweiten Schritt sollten die Konten zukünftig nach tatsächlich „verbrauchten“ Studienzeiten abgebucht werden. Ob der enorme Verwaltungsaufwand zur tatsächlichen Verbesserung der Studienbedingungen führt, war umstritten. Messbarer Erfolg war ähnlich wie bei der Einführung von Langzeitstudiengebühren in anderen Bundesländern der Rückgang der nominell eingeschriebenen Studierenden. Ob durch die Maßnahme tatsächlich weniger Lehrleistung an der Universität abgefragt wurde, oder letztlich nur Karteileichen aus den Akten des Studierendensekretariates entfernt wurden, war wegen der dezentralen Organisation der universitären Lehre nicht nachweisbar. Zum 1. März 2012 wurden die Studienkonten in Rheinland-Pfalz abgeschafft.Drittes Landesgesetz zur Änderung hochschulrechtlicher Vorschriften vom 20. Dezember 2011.

Im Juni 2009 wurde das Helmholtz-Institut Mainz gegründet. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der JGU und des GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Gegenwart mini|Forum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Januar 2006) mini|Gebäude der Universitätsmedizin (2013) mini|Naturwissenschaftliche Fakultät (2023) mini|Blick aus dem Institut für Informatik auf den Fachbereich Chemie (2004)

Allgemeines Heute hat die Johannes Gutenberg-Universität Mainz rund 30.000 Studierende und besteht aus mehr als 100 Instituten und Kliniken.

Beim Erasmus-Studierendenaustausch stand die Universität 2007 an erster Stelle, belegt seitdem bezüglich der absoluten Zahl der Austauschstudierenden im bundesweiten Vergleich deutscher Hochschulen Spitzenplätze, Uni-Mainz.de. und hat mit 15 % nach eigenen Angaben den höchsten Anteil ausländischer Studierender. Sie erhielt mehrfach das Europäische Qualitätssiegel für besondere Verdienste im Erasmus-Programm. In: uni-mainz.de, 2014, abgerufen am 15. August 2025.