Westfalia Herne (offizieller Name: Sport Club Westfalia 04 e. V. Herne) ist ein Sportverein aus Herne. Der Verein wurde am 13. Juni 1904 gegründet und hat die Vereinsfarben Blau und Weiß. Er bietet aktuell die Sportart Fußball an. Die Handballabteilung spaltete sich im Jahre 1992 unter dem Namen HC Westfalia Herne ab. Frühere Erfolge wurden auch in der Leichtathletik und im Badminton errungen.
Die erste Mannschaft spielt seit 2026 in der siebtklassigen Landesliga Westfalen. Von 1933 bis 1944 und von 1954 bis 1963 spielten die Herner erstklassig, in der Gauliga Westfalen bzw. der Oberliga West. 1959 und 1960 nahm der Verein an der Endrunde um die deutsche Meisterschaft teil. Von 1975 bis 1979 spielte die Westfalia in der 2. Bundesliga. Spielstätte des Vereins ist das Stadion am Schloss Strünkede.
Geschichte Frühe Jahre (1904 bis 1925) Der Verein wurde am 13. Juni 1904 von 16 jungen Kaufleuten, Angestellten und Schülern höherer Schulen im Rittersaal des Schloss Strünkede gegründet. Ursprünglich waren die Vereinsfarben Rot-Weiß, ehe im Jahr 1914 die heutigen Farben angenommen wurden. Schon 1905 trat der Verein dem Westdeutschen Spiel-Verband bei und meldete zwei Mannschaften für die Meisterschaftsspiele. Drei Jahre später gelang mit dem Aufstieg in die A-Klasse Mark der Sprung in die höchste Spielklasse, die jedoch nach einem Jahr wieder verlassen werden musste.
In den folgenden Jahren gründeten sich mit Germania Herne (gegründet 1909) und dem SV Sodingen (gegründet 1912) zwei Lokalrivalen, mit denen sich die Westfalia über viele Jahrzehnte um die örtliche Vorherrschaft streiten sollte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde nur noch auf lokaler Ebene gespielt. Teilweise mussten die Wettbewerbe abgebrochen werden. Während der Ruhrbesetzung 1923 beschloss der Vorstand der Westfalia, den Club im Vereinsregister offiziell aufzulösen. Inoffiziell existierte die Westfalia jedoch weiter, sie spielte zumeist in der zweithöchsten Spielklasse.
Die Ära Kracht und der Zweite Weltkrieg (1925 bis 1945) Saisondaten 1925–1945 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1925/26 2. Ruhrbezirkskl., Gr. Mark II 2. 56:20 38:18 1926/27 2. Ruhrbezirkskl., Gr. Hellweg 3 II 1. 73:28 29:7 1927/28 2. Ruhrbezirkskl., Gr. HER II 4. 35:42 16:16 1928/29 2. Ruhrbezirkskl., Gr. HER III 1. 53:23 23:7 1929/30 1. Ruhrbezirkskl., Gr. DO/BO II 1. 88:35 40:8 1930/31 Ruhrbezirksliga, Gr. A I 2. 57:37 27:5 1931/32 Ruhrbezirksliga, Gr. 2 I 5. 40:45 19:17 1932/33 Ruhrbezirksliga, Gr. B I 5. 38:29 18:18 1933/34 Bezirksklasse, Gr. 2 II 1. 58:42 31:13 1934/35 Gauliga Westfalen I 6. 25:29 18:18 1935/36 Gauliga Westfalen I 5. 34:39 16:20 1936/37 Gauliga Westfalen I 2. 42:33 21:15 1937/38 Gauliga Westfalen I 3. 37:17 25:11 1938/39 Gauliga Westfalen I 4. 26:24 19:17 1939/40 Gauliga Westfalen I 4. 47:56 20:16 1940/41 Gauliga Westfalen I 5. 50:37 23:21 1941/42 Gauliga Westfalen I 7. 26:32 17:19 1942/43 Gauliga Westfalen I 5. 49:46 18:18 1943/44 Gauliga Westfalen I 5. 31:35 16:20 1944/45 Gauliga Westfalen I abgebrochen BO = Bochum, DO = Dortmund, HER = Herne mini|links|Blick ins Stadion am Schloss Strünkede 1925 übernahm der Studienrat Hermann Kracht das Präsidentenamt. Der wegen seiner nationalistischen Einstellung auch „deutsche Hermann“ genannte Vorsitzende leitete eine Fusion mit Fortuna Herne zu Westfalia-Fortuna Herne ein, die 1931 wieder gelöst wurde. Sportlich bogen die Herner in die Erfolgsspur ein. 1926 scheiterte die Westfalia in der Aufstiegsrunde zur erstklassigen 1. Ruhrbezirksklasse noch an Germania Bochum und den Sportfreunden Essen. Ein Jahr später hatte der SV Castrop 02 die Nase vorn.
Dann stiegen die Herner 1929 und 1930 zweimal in Folge auf und waren wieder erstklassig. Dort hatte die Westfalia Pech. Punktgleich mit Germania Bochum beendete die Mannschaft die Saison 1930/31, die von der Berufsspieleraffäre um den FC Schalke 04 überschattet war. Das Entscheidungsspiel um den Gruppensieg wurde im neutralen Castrop mit 1:2 verloren, so dass die Bochumer das Endspiel um die Ruhrmeisterschaft gegen Union Gelsenkirchen erreichten.
In den folgenden Spielzeiten rutschte die Westfalia ins Mittelmaß ab und wurde bei der Gründung der Gauliga Westfalen 1933 nicht berücksichtigt. Den Aufstieg dorthin sicherte sie sich schließlich ein Jahr später; damit leitete sie die erste erfolgreiche Ära der Vereinsgeschichte ein. Nach den Rängen sechs und fünf in den ersten beiden Spielzeiten wurden die Herner in der Saison 1936/37 Vizemeister hinter dem seinerzeit als beinahe unschlagbar geltenden FC Schalke 04.
Ein Jahr später wurde die Westfalia Dritter und schlug im Saisonverlauf Borussia Dortmund, die erst 1936 erstmals erstklassig geworden war, mit 8:2. Paul Matzkowski wurde in dieser Saison mit 28 Treffern Torschützenkönig. Zwar gab es auch empfindliche Niederlagen wie ein 0:14 beim FC Schalke 04 in der Saison 1939/40Hardy Grüne: Enzyklopädie des deutschen Ligafußballs. Band 1: Vom Kronprinzen bis zur Bundesliga. 1890 bis 1963. Deutsche Meisterschaft, Gauliga, Oberliga. Zahlen, Bilder, Geschichten. S. 193, 378, 387., dennoch geriet die Westfalia während der gesamten Gauligaära nie in Abstiegsgefahr; sie belegt in der „ewigen Tabelle der Liga“ den zweiten Platz.
Nachkriegszeit (1945 bis 1954) Saisondaten 1945–1954 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1945/46 Landesliga Westfalen, Gr. 1 I 2. 45:26 19:13 1946/47 Landesliga Westfalen, Gr. 1 I 4. 46:36 22:14 1947/48 Landesliga Westfalen, Gr. 1 I 2. 51:27 31:13 1948/49 Landesliga Westfalen, Gr. 2 II 5. 54:25 32:20 1949/50 II. Division West, Gr. 1 II 8. 52:54 29:31 1950/51 II. Division West, Gr. 1 II 6. 66:58 33:27 1951/52 II. Division West, Gr. 1 II 6. 64:50 34:30 1952/53 II. Division West II 8. 58:65 29:31 1953/54 II. Division West II 2. 70:50 39:21 Nach dem Zweiten Weltkrieg sperrte die britische Kommandantur das Stadion und verweigerte dem Verein, sich neu zu konstituieren. Hintergrund war die nationalistische Gesinnung von Vereinspräsident Kracht. Erst nach einem Freundschaftsspiel gegen britische Soldaten kehrten die Herner in ihr Stadion zurück. Die westfälischen Gauligisten von 1939 bis 1944 bildeten daraufhin die zweigleisige Landesliga Westfalen.
Gleich in der ersten Spielzeit wurde die Westfalia Vizemeister hinter dem FC Schalke 04, der auf eigenem Platz mit 3:1 geschlagen werden konnte. In der folgenden Spielzeit verpassten die Herner als Vierter die Qualifikation für die neu geschaffene Oberliga West und waren wieder zweitklassig. Der Weg in die Oberliga war lang. 1948 verpasste die Mannschaft nach einer 0:5-Niederlage im Entscheidungsspiel gegen SuS 13 Recklinghausen das Endspiel um die Westfalenmeisterschaft. Ein Jahr später wurde die Westfalia in die neu geschaffene II. Division West aufgenommen, in der sie sich langsam nach oben spielte und 1952 für die eingleisige Liga qualifizierte.
1954 gelang schließlich der Durchbruch unter Trainer Rudolf Prokoph. Angeführt von Amateurnationalspieler Günter Grandt, der mit 29 Treffern Torschützenkönig wurde, gelang als Vizemeister hinter dem Duisburger SpV der Aufstieg in die Oberliga. Am letzten Spieltag mussten die Herner beim direkten Verfolger SG Wattenscheid 09 antreten, auf den die Westfalia einen Punkt Vorsprung hatte. Mit einem 2:1-Sieg am Beckmannshof, den Siegtreffer erzielte Günter Grandt, sicherten sich die Herner den Aufstieg. Im Gegensatz zu anderen Ruhrgebietsvereinen wurde die Westfalia nicht von einem Bergwerk unterstützt; das Elektrounternehmen Funke & Huster stand hinter dem Verein, der wieder zum zwei Jahre zuvor aufgestiegenen Lokalrivalen SV Sodingen aufschloss. Außerhalb des Ruhrgebiets sorgte Hernes Aufstieg für Skepsis. So soll der Präsident des 1. FC Köln, Franz Kremer, gefragt haben, „was ein Nest wie Herne mit zwei Oberligisten will“.
Oberliga West (1954 bis 1963) Saisondaten 1954–1963 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1954/55 Oberliga West I 13. 57:63 26:34 1955/56 Oberliga West I 13. 51:60 24:36 1956/57 Oberliga West I 11. 33:38 27:33 1957/58 Oberliga West I 12. 41:54 27:33 1958/59 Oberliga West I 1. 60:23 45:15 1959/60 Oberliga West I 2. 56:37 37:23 1960/61 Oberliga West I 5. 60:47 34:26 1961/62 Oberliga West I 6. 58:45 34:26 1962/63 Oberliga West I 14. 43:65 21:39 mini|links|Helmut Benthaus Die Westfalia tat sich in der Oberliga schwer und schaffte in der Aufstiegssaison 1954/55 den Klassenerhalt erst am letzten Spieltag durch ein 3:2 beim Duisburger SpV. Lokalrivale Sodingen leistete durch ein 2:0 gegen den Meidericher SV Schützenhilfe. 1955 übernahm der gebürtige Schlesier Fritz Langner den Trainerposten in Herne und baute einheimische Talente wie Helmut Benthaus, Alfred Pyka oder Hans Tilkowski in die Mannschaft ein, die allesamt später Nationalspieler wurden. Am 28. Dezember 1958 standen die drei genannten Spieler in der Anfangsformation der DFB-Auswahl bei einem Länderspiel in Ägypten.
In der Oberligasaison 1958/59 wurden die Herner überraschend Meister. Die Zeitung Der Fußball-Sport sprach von einer „handfesten Rebellion gegen die etablierten Dynastien im Westen“. Für die Endrunde um die deutsche Meisterschaft musste die Westfalia zwangsweise in das Dortmunder Stadion Rote Erde umziehen, da der DFB eine Stadionkapazität von 40.000 Plätzen vorschrieb. Mit zwei Siegen – 1:0 gegen Tasmania Berlin und 3:1 gegen den Hamburger SV – wurden die Herner Gruppendritter. Ein Jahr später sicherte sich die Westfalia die Vizemeisterschaft und qualifizierte sich nach einem 1:0-Sieg im Entscheidungsspiel im neutralen Hannover über Kickers Offenbach erneut für die Endrunde. Dort wurden die Herner Letzter.
In den frühen 1960er Jahren ging es sportlich bergab. Die Einführung der Bundesliga zeichnete sich ab; aber der Vorstand scheute sich, für das Erreichen der Bundesliga Risiken einzugehen. Laut Alfred Pyka wollte die Mannschaft in die Bundesliga, doch der Vorstand habe immer gesagt, dass „das Risiko zu groß sei“. So zerfiel die erfolgreiche Mannschaft, die sich noch zwei Jahre in der oberen Tabellenhälfte hielt. Mit einem drittletzten Platz in der letzten Oberligasaison 1962/63 verspielten die Herner die Qualifikation für die Bundesliga deutlich.
Zwischen Regional- und Verbandsliga (1963 bis 1974) Saisondaten 1963–1974 Saison Liga Level Platz Tore Punkte 1963/64 Regionalliga West II 6. 69:63 45:31 1964/65 Regionalliga West II 12. 45:56 31:37 1965/66 Regionalliga West II 15. 39:66 26:42 1966/67 Regionalliga West II 11. 41:41 31:37 1967/68 Regionalliga West II 17. 27:74 19:49 1968/69 Verbandsliga Westfalen, Gr. 2 III 6. 39:43 28:32 1969/70 Verbandsliga Westfalen, Gr. 2 III 1. 63:23 49:11 1970/71 Regionalliga West II 12. 45:72 29:39 1971/72 Regionalliga West II 14. 39:52 28:40 1972/73 Regionalliga West II 15. 34:52 24:44 1973/74 Regionalliga West II 17. 44:78 19:49 Nach einem sechsten Platz in der ersten Regionalligasaison 1963/64 rutschten die Herner in der Zweitklassigkeit schnell ins Mittelmaß ab. Jahr für Jahr musste der Verein seine Leistungsträger abgeben, um finanziell über die Runden zu kommen. Schon in der Saison 1965/66 musste die Westfalia ernsthaft um den Klassenerhalt zittern. Zwei Jahre später stieg die Westfalia dann als Vorletzter ab. Neun Jahre nach der Meisterschaft in der Oberliga West waren die Herner in der Drittklassigkeit angekommen.
Der direkte Wiederaufstieg wurde um Längen verpasst. Erst in der Saison 1969/70 sicherte sich die Westfalia mit einem Punkt Vorsprung auf den Hombrucher FV 09 die Staffelmeisterschaft. Das Endspiel um die Westfalenmeisterschaft gegen Eintracht Gelsenkirchen ging jedoch mit 1:2 verloren. Dennoch zogen die Herner in die Aufstiegsrunde zur Regionalliga West ein, in der die Mannschaft durch einen 3:0-Sieg über Sterkrade 06/07 den Wiederaufstieg schaffte.