mini|Rathaus mini|Luftbild von Unterhaching, von Süden aus mini|See im Ortspark mini|hochkant|Wasserturm Unterhaching ist eine Gemeinde im Landkreis München, direkt südlich anschließend an die Landeshauptstadt München. Mit mehr als 26.000 Einwohnern ist sie nach der Stadt Unterschleißheim die zweitgrößte Kommune im oberbayerischen Landkreis München. Seit 2011 ist Unterhaching zudem die bevölkerungsreichste Gemeinde in Bayern, die nicht die Bezeichnung Stadt oder Markt führt.

Geographie Unterhaching liegt südlich der bayerischen Landeshauptstadt München und östlich des Perlacher Forsts. Im Süden grenzt die Gemeinde Taufkirchen (bei München) an, im Osten die Gemeinde Ottobrunn.

Außer dem Hauptort gibt es keine weiteren Gemeindeteile.

Geschichte

Frühgeschichte Die Besiedlung des Hachinger Tals kann anhand von Gräberfunden zurück bis mindestens 1100 v. Chr. nachgewiesen werden. Zwischen dem fünften und achten Jahrhundert bildete sich der bayerische Stamm aus. Er ist hier belegt durch ein altbajuwarisches Reihengräberfeld. In einem Grabfeld aus der Zeit um 500 mit Skeletten von vier Männern, fünf Frauen und einem Mädchen, das 2004 entdeckt wurde, fanden sich seltene Schmuckstücke, die auf eine reiche Familie hindeuten.

Der Name Haching ist auf den Personennamen Hacho und das Adelsgeschlecht der Hahilinga zurückzuführen, wie auch Oberhaching, das Hachinger Tal und der Hachinger Bach. Erstmals erwähnt wird der Name Haching im Jahre 806 in einer Urkunde, mit der der Abt Petto seinen Besitz ebendort dem Kloster Schäftlarn vermachte. Haching ist damit einige hundert Jahre älter als München.

Der Name Unterhaching (lat. inferiori hachingin) tauchte erstmals im Jahre 1180 in einem Besitzverzeichnis des Bischofs von Freising auf.

Um 1310 wurde die bis heute unter dem Namen St. Korbinian existierende Dorfkirche erbaut. Sie ist damit das älteste Gebäude Unterhachings und steht im Ortsteil Alter Ort.

Bis zur Säkularisation 1803 waren die umliegenden Klöster die Grundherren. Daraus erklärt sich auch das Gemeindewappen, das bis heute den Abtsstab des Klosters Schäftlarn und das Seerosenblatt aus dem Wappen des Klosters Tegernsee zeigt. Bis dato war Unterhaching auch dem Bezirk Wolfratshausens zugeordnet, nicht, wie heute, München.

Ab der Gemeindegründung Mit dem Gemeindeedikt von 1818 entstand die Gemeinde Unterhaching, zu der auch das damals weitgehend unbewohnte Gebiet des heutigen Ottobrunn gehörte.

Unterhaching war bis Anfang des 20. Jahrhunderts ein reines Bauerndorf. So sagt eine Quelle aus der Mitte des 19. Jahrhunderts: „Unterhaching […], das früher einen vorzüglichen Belustigungsort der Münchner bildete, welche bei jeder Festlichkeit dahin reisten, vorzüglich zur Zeit der Krippe, die aus beweglichen Figuren bestand und deren Mechanik vom Bach getrieben wurde.“August Schilling: Brunnthal, seine Lage, Quellen und Geschichte. München 1864, S. 49. Erst mit der Anbindung an das Bahn- (1898) und Postnetz begann die Wandlung zur Wohngemeinde.

Das Dorf wurde auch von der Revolution der Jahre 1918/19 erfasst.Rudolf Felzmann, Unterhaching - Ein Heimatbuch, 2. Auflage, Selbstverlag Gemeinde Unterhaching, Unterhaching 1988, S. 87 Am 23. Februar 1919 – 2 Tage nach der Ermordung des Ministerpräsidenten Eisner – stürzte ein neuer sozialistischer Arbeiter- und Bauernrat (ABR) den vom Gemeinderat gebildeten ABR und bestimmte in Unterhaching.Gemeindearchiv Unterhaching, A 326, Revolution, Räte-Zeit 1919 Der Rat kümmerte sich um Fragen der Sicherheit, der Ernährung und versuchte, den Schwarzhandel einzudämmen.

Am 13. April 1919 schloss der ABR mit Bürgern und Bauern einen einzigartigen „historischen Kompromiss“: Man bildete gemeinsam einen provisorischen Gemeinderat. Das Gremium fasste Beschlüsse zur Armenhilfe, zur Arbeitsbeschaffung und zur Straßenbeleuchtung.

Am Vormittag des 1. Mai rückten die ersten Truppen an, die im Auftrag der gewählten bayerischen Landesregierung die kommunistische Rätediktatur in München beenden sollten. Zuerst erschien das 8 Mann starke „Freikorps“ des Majors a. D. Franz Freiherr von Gagern (geb. 1892) im Dorf und setzte den alten Gemeinderat und den zurückgetretenen Bürgermeister wieder ein. Drei Stunden später marschierte das Freikorps Liftl in Unterhaching ein. Mitglieder desselben drangsalierten Teile der Bevölkerung und misshandelten zwei entlassene Matrosen, von denen einer aufgrund der Verletzungen zwei Jahre später starb.http://www.dietrich-grund.de/, Revolution in Unterhaching 1918/19, Der weiße Terror, S. 40

Das Freikorps Liftl übernachtete im Dorf und zog am 2. Mai weiter gegen München, wobei sechs gefangengenommene Unterhachinger Bürger mitgeführt wurden. Von Gagern begab sich zum Gefängnis Stadelheim, wo gerade der Schriftsteller Gustav Landauer eingeliefert wurde. Der Freiherr schlug den Denker mit der Reitpeitsche, bevor ihn Freikorpsmänner brutal ermordeten.

Die „Befreier Münchens“ erschossen vier der nach Stadelheim gebrachten UnterhachingerEmil Julius Gumbel, Vier Jahre politischer Mord, Das Wunderhorn, Reprint Heidelberg 1980, Denkschrift S. 94 in den nächsten Tagen im Gefängnishof: Drei Revolutionäre und den unbeteiligten Schriftsteller Hans Schlagenhaufer.Günter Baumgartner, Dietrich Grund, Die bayerische Revolution 1918/19 in Stadt und Land, Edition AV, Bodenburg 2019, S. 395 Das Freikorps Liftl beteiligte sich an der Niederschlagung der Räterepublik in München-Giesing, bei der zahlreiche Übergriffe und Gewalttaten zu verzeichnen waren. Die Verbrechen wurden von der rechtsfreundlichen Justiz nicht verfolgt. Von Gagern musste allerdings für die Misshandlung Landauers 500 Mark bezahlen.

1924 eröffnete das Freibad am Hachinger Bach in der Grünau.

„Mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann das ‚1000-jährige Reich‘“. So startet Rudolf Felzmann, der Verfasser des Unterhachinger Heimatbuches seinen vierseitigen Bericht über die NS-Zeit.Rudolf Felzmann: Unterhaching - Ein Heimatbuch, 2. Auflage, Selbstverlag Gemeinde Unterhaching, Unterhaching 1988, S. 93/96 Er wird hier auszugsweise wiedergegeben (mit Ergänzungen in Klammern). „Am 5.3.1933 fanden Reichstagswahlen statt; die letzten demokratischen Wahlen. Die Wahlergebnisse: Stimmbezirk I Unterhaching: NSDAP 48,1 %, Stimmkreis II Ottobrunn: NSDAP 49,6 %. Der >Kampfbund gegen die faschistische Gefahr< meldete zum 27.2.1933 noch eine Versammlung an mit dem Thema: >Mit dem Faschismus in die Barbarei<. Am 11. März veranstaltete die NSDAP-Ortsgruppe Unterhaching einen großen Fackelzug als Siegesfeier. Im März/April 1933 wurden 11 Bürger in >Schutzhaft genommen< und in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Im Juni sah sich die SPD auf der Verbotsliste und die Gemeinderäte der Bayerischen Volkspartei wurden ausgebootet. Die NSDAP ernannte Ersatzleute, sodass der Gemeinderat im Juli nur noch aus Parteimitgliedern bestand. Bürgermeister Prenn (Landwirt und Mitglied des Bayerischen Bauernbundes) blieb kooperativ, aber er wurde durch den Ortsgruppenleiter der NSDAP, den Zahnarzt Wilhelm Leonhardt, genannt Fladt, abgelöst. Fladt wurden bald Unregelmäßigkeiten bei der Krankenkassenabrechnung und grobschlächtigen Verhalten angelastet. Durch eine Wohnsitzverlagerung sind seine Ämter erloschen. Josef Prenn wurde am 30. Oktober 1934 wieder 1. Bürgermeister. (Er trat der NSDAP bei und gelobte zum Amtsantritt feierlich: ‚Ich schwöre bei Gott, dem Allmächtigen und Allwissenden, dass ich das mir anvertraute Amt im Sinne des Führers Adolf Hitler gewissenhaft leiten werde‘).Gemeindearchiv Unterhaching, Beschlussbücher des Gemeinderates, Sitzung am 15.11.1934 Am 21. März 1934 hatte Unterhaching die Ehre, dass Adolf Hitler mit großem Gefolge die Baustelle der Autobahn München-Salzburg eröffnete“.

Die Familie W. (so schrieb im Januar 1936 der Bürgermeister u. a. unter dem Betreff „Unfruchtbarmachung“ an das Gesundheitsamt) hat in der Familie schwere Krankheiten aufzuweisen, die den Verdacht rechtfertigen, dass es sich um erbliche Krankheiten handelt. Eine 26-jährige Tochter ist vollkommen geistesgestört […] Ich halte dafür, dass Sie in dieser Angelegenheit einmal diesbezügliche Untersuchungen einleiten. (Ein Münchner Arzt, Unterschrift unleserlich, bestätigte am 5. August 1936, dass er die Frau W. unfruchtbar gemacht hatte).Staatsarchiv München, Gesundheitsämter 5077 Im Februar berichtete die Gendarmeriestation Unterhaching unter „Politische Gewaltakte“, dass der Maurer K. vom Ortsgruppenleiter Horn und dem NS-Geschäftsführer E. in den Höhenkirchner Forst verschleppt und misshandelt wurde.Staatsarchiv München, LRA 48164, Bericht der Gendarmeriestation Unterhaching vom 24.2.1936

Wie sehr die nationalsozialistische Bewegung die Wählermassen fasziniert hatte, zeigt auch die letzte Reichstagswahl am 10. April 1938: Inklusive Ottobrunn stimmten 3050 für und 4 gegen die Wahlvorschlagsliste. Felzmann erwähnt noch, dass 1939 der gemeindliche Kindergarten in das von der Gemeinde erworbene Anwesen des Juden Schnurmann verlegt wurde.Rudolf Felzmann, Unterhaching - Ein Heimatbuch, 2. Auflage, Eigenverlag Gemeinde Unterhaching, Unterhaching 1988, S. 182

Was Rudolf Felzmann nicht beschreibt, sei noch nachgetragen. Am 11. November 1938 wurde der Kunsthistoriker Emil Schnurmann (1889–1941) zusammen mit seiner Mutter Fanny Schnurmann ins Gefängnis der Politischen Polizei in München und anschließend für 6 Wochen in das KZ Dachau verbracht.Staatsarchiv München, LRA 58100, Brieftagebuch über Eingänge bei der politischen Polizei, Juden, 11.11.1938

Fanny Schnurmann verstarb am 2. Februar 1939. Emil Schnurmann sah sich gezwungen, sein Haus Münchner Straße 8 zur Bezahlung der Judenvermögensabgabe unter Wert an die Gemeinde zu verkaufen. Unter Mithilfe von Polizei, Finanzamt und Gerichtsvollzieher beraubte der NS-Staat ihn seines gesamten Besitzes. Am 20. November 1941 wurde er mit fast 1000 Münchner Juden nach Kaunas transportiert und erschossen.Institut für Zeitgeschichte München, Deportationsliste Riga, vom 15.11.1941, Fa 208

Am 17. Februar 1939 schrieb Bürgermeister Josef Prenn wegen eines Inhaftierten nach Dachau: „S. befindet sich seit 10.12. 1938 im K-Lager Dachau als Arbeitszwangsgefangener und wurde ursprünglich auf 3 Monate eingewiesen. Nachdem seine Führung schlecht ist, wird dem Antrage des Lagerkommandanten des KLD stattgegeben und einer Verlängerung von neun Monaten zugestimmt. Die festgesetzten Kosten werden von der Gemeindekasse Unterhaching übernommen“.Gemeindearchiv Unterhaching, Beschlussbücher des Gemeinderates, Sitzung vom 17.2.1939

Die „Partei“ war mit der Tätigkeit des Bürgermeisters außerordentlich zufrieden.Gemeindearchiv Unterhaching, Beschlussbücher des Gemeinderates, Sitzung am 25.7.1939 Daher wurde er anlässlich seines 60. Geburtstages am 1. August 1939 durch die Umbenennung der Kirchenstraße in Bürgermeister-Prenn-Straße geehrt. Ferner wurde ihm im Einvernehmen mit dem Kreisleiter Ziehnert das Ehrenbürgerrecht verliehen. Beide Ehrungen bestehen bis heute fort.

Seit 1943 wurde Unterhaching mehrfach zum Ziel von Luftangriffen. Die kampflose Besetzung durch US-Truppen erfolgte am 1. Mai 1945. 1950 waren 1.826 von 9.268 Einwohnern Heimatvertriebene. Die Kommune legte Wohnungsbauprogramme auf und neue Siedlungen wie der „Fasanenpark“ wurden errichtet.

Am 22. März 1947 fasste der Gemeinderat Unterhaching einstimmig den Beschluss, Ottobrunn auszugemeinden. Nach Einrichtung einer provisorischen Ottobrunner GemeindeverwaltungDie Gemeindeverwaltung wurde in der ehemaligen Villa Ermanno Wolf-Ferraris (Mozartstraße 68) untergebracht, die die Gemeinde Unterhaching 1951 erwarb. – Quelle: Felzmann: Unterhaching. Heimatbuch. 1983, S. 114. stellte der Unterhachinger Gemeinderat am 12. März 1953 einstimmig den Antrag auf Einleitung des Ausgemeindungsverfahrens.Interessengemeinschaft: Ottobrunn. Siedlungsraum und Gemeinde. 1977, S. 35. Am 1. April 1955 spaltete sich der Gemeindeteil Ottobrunn ab und wurde zu einer selbstständigen Gemeinde.