mini|Wappen der Grafschaft Roussillon mini|Lage Roussillons innerhalb Kataloniens
Die Grafschaft Roussillon (, , , ) war im frühen Mittelalter eine der Grafschaften der Spanischen Mark. Ab 1172 stand sie mit Unterbrechungen unter der Herrschaft der Krone von Aragón und wurde 1659 eine Provinz des Königreiches Frankreich.
Als Teil der Spanischen Mark Im Jahr 778 forderten gegen den Emir von Córdoba, Abd ar-Rahman I., rebellierende Adelige den fränkischen König Karl den Großen auf, in Nordspanien militärisch einzugreifen. Sie boten ihm die Oberherrschaft in dem Gebiet nördlich des Flusses Ebro an. Karl sammelte Truppen, der sich Hilfstruppen aus der Gascogne und Aquitanien anschlossen, und überquerte die Pyrenäen. Der Feldzug war jedoch ein Fehlschlag, und Karl musste sich in Gebiete nördlich des Gebirges zurückziehen. Ermutigt durch das Scheitern Karls, erhoben sich die Basken und vernichteten in der Schlacht von Roncesvalles die Nachhut der fränkischen Truppen.
Weder die geografischen Gegebenheiten noch die Angriffe der Muslime erwiesen sich als das hauptsächliche Hindernis bei der Einbeziehung Südfrankreichs in das Fränkische Reich. Kritisch war vielmehr die Haltung der örtlichen Bevölkerung. Beim Herannahen fränkischer Truppen unterwarfen sich die Einwohner fast immer sofort, doch war diese Unterwerfung jeweils nur von kurzer Dauer. Daher sorgte Karl dafür, dass alle Grafschaften der Region, die er besetzen konnte, von fränkischen Adligen regiert wurden und alle Äbte Franken waren. Die karolingische Eroberung Südfrankreichs war mehr als die einfache Übernahme bestimmter Gegenden durch einen fernen Monarchen; es war ein absichtlicher, anhaltender und grundlegender Angriff auf die vorher bestehenden Strukturen.
Karls missglückte Eroberung Saragossas scheint eine Anzahl spanischer Christen, die Karl unterstützt hatten, dazu veranlasst zu haben, sich nördlich der Pyrenäen in Sicherheit zu bringen. Er gab ihnen dort Ländereien, aprisiones genannt, auf denen sie siedeln konnten, besonders im Roussillon und der Umgebung von Narbonne. So entstand in diesen Gegenden eine frankenfreundliche, kaisertreue Bevölkerungsgruppe. mini|Grafschaften der Spanischen Mark im 9. Jahrhundert
Im Jahr 796 eröffneten die Franken erneut eine Offensive gegen die Muslime. 801 gelang ihnen ein großer Vorstoß. Eine Armee unter dem Befehl Ludwigs dem Frommen und Wilhelms von Aquitanien überquerte die Pyrenäen und eroberte Barcelona. Wenige Jahre später herrschten die Karolinger über einen Gebietsstreifen, der von Pamplona nahe dem Atlantik bis zum Mittelmeer reichte und als Spanische Mark bezeichnet wird. Doch bildete diese keine politische Einheit, sondern war in Grafschaften unterteilt. Zur Zeit Karls des Großen scheint es eine Regel gewesen zu sein, dass ein Graf nur eine Grafschaft regierte. Dieser vertrat vor Ort das karolingische Regierungssystem und verfügte über erwiesene Führungsqualitäten in Verwaltung oder Militär, war sogar oft mit dem Königshaus verwandt. Er führte die Truppen seines Herrschaftsgebietes in die Schlacht, war verantwortlich für die Verteidigung des Landes und die Schaffung und den Unterhalt der örtlichen Verteidigungsanlagen. Er kümmerte sich um die Einnahmen aus den Krongütern und anderen dem König zustehende Zahlungen, sorgte für Recht und Ordnung und saß dem königlichen Gericht vor. Die Grafen leiteten auch die Münzprägeanstalten, die im Namen des Königs betrieben wurden. Unter der Regierung Ludwigs des Frommen gab es eine zunehmende Zahl von Fällen, in denen mehrere Grafschaften einem einzigen Grafen anvertraut wurden. Die Herrschaft war abgesehen von wenigen Ausnahmen nicht vererbbar. Bei Erbstreitigkeiten im karolingischen Königshaus unterstützten die Grafen von Roussillon öfters die unterlegene Partei. Das führte zur Absetzung der bisherigen und der Einsetzung neuer, meist fränkischstämmiger Grafen. Zwischen 812 und 878 wurde die Grafschaft Roussillon von zehn verschiedenen Grafen regiert.
Miró der Ältere, der Bruder von Wilfred dem Haarigen von Barcelona, wurde 878 von König Ludwig II. in seinem Amt als Graf von Roussillon bestätigt. Die Grafen verhielten sich loyal gegenüber den Königen Karlmann und Karl III. und nahmen 881 am Hoftag teil. Jedoch führte der Verfall der königlichen Macht in der Spanischen Mark allmählich dazu, dass sich die Grafen als unabhängige Herrscher betrachteten. Die Nachfolge Mirós (896) in der Grafschaft Roussillon und Wilfreds (897) in Barcelona wurde bereits ohne Einflussnahme des fränkischen Lehnsherrn geregelt. Fortan wurden die Grafschaften in direkter Linie in der Grafenfamilie vererbt.
Unter der Krone Aragóns Als Girard II., der einzige legitime Sohn von Graf Gausfred III., 1172 kinderlos starb, setzte er Alfons II. von Aragón als seinen Erben ein. Kurz nach dem Tod Girards nahm Alfons II. Perpignan und die ganze Grafschaft Roussillon in Besitz. Fortan war das Roussillon eine Grafschaft unter der Oberherrschaft der Krone Aragóns. 1209 belehnt Alfons II. seinen Bruder Sancho mit der Grafschaft Roussillon. Als Sanchos Sohn Nuño Sánchez ohne legitime Nachkommen starb, fiel das Lehen an die Krone Aragóns zurück.
Nach der Teilung des aragonesischen Erbes durch Jakob I. Nach dem Tod des Infanten Alfonso im Jahr 1258 teilte Jakob I. von Aragón am 21. August 1262 sein Reich unter seinen verbliebenen Söhnen auf: Peter erhielt die Herrschaft über die Königreiche Aragón und Valencia sowie über die Grafschaft Barcelona. Jakob bekam das Königreich Mallorca, die Herrschaft Montpellier und die nordkatalanischen Grafschaften Roussillon, Collioure, Conflent, Vallespir und Cerdanya. Das Testament wurde am 26. August 1272 bestätigt und nach dem Tod Jakobs am 27. Juli 1276 so ausgeführt. mini|Die Krone von Aragón, bestehend aus dem Königreich Aragón und den von diesem in Personalunion regierten Staaten im 13. Jahrhundert: a) das Königreich Aragón (dunkelblau) und hiervon abhängige Grafschaften und die Herrschaft Val d'Aran (in hellen Blautönen); b) katalanische Grafschaften (grün): die Grafschaft Barcelona (dunkelgrün) mit den von dieser abhängigen Grafschaften (in hellen Grüntönen); c) Königreich Valencia (ockerfarben); d) Königreich Mallorca, bestehend aus den Balearen im Süden (rot) und den Grafschaften Roussillon (orange) und Cerdanya (hellbraun) im Norden; e) weitere Gebiete (pink und rosa). Die italienischen und griechischen Besitzungen siehe auf der folgenden Karte.
Kurz nach seiner Regierungsübernahme zweifelte Peter III. von Aragón die Rechtmäßigkeit der Erbteilung an, da seinem Bruder, Jakob II. von Mallorca, ein großer Teil des Stammerbes des Hauses Aragón zugefallen sei, das nach aragonesischem Recht nicht hätte geteilt werden dürfen. Peter erwirkte eine Übereinkunft mit Jakob. In einem Vertrag, der am 20. Januar 1279 unterschrieben wurde, blieb Jakob König von Mallorca und Graf von Roussillon und Cerdanya, jedoch unter der Oberhoheit des Königs von Aragón. Die Grafen von Roussillon hatten die Pflicht, an den Cortes von Katalonien teilzunehmen und sich an deren Beschlüsse zu halten. Der König von Mallorca hatte das Recht, auf der Insel eigenes Geld zu prägen. Dieses Recht bezog sich nicht auf die Grafschaft Roussillon und seine weiteren Besitzungen auf dem Festland. Dort sollten barcelonesische Münzen gelten. Der Vertrag wurde von den Räten der Balearen, des Roussillon und der Cerdanya gebilligt. Sie gelobten, im Fall einer Vertragsverletzung den Anordnungen des Königs von Aragón zu folgen.
Der aragonesische Kreuzzug Nach der sogenannten Sizilianischen Vesper, einem Aufstand gegen Karl von Anjou in Sizilien, besetzte Peter III. von Aragón die Insel und krönte sich als Peter I. zum König von Sizilien. Daraufhin wurde er von Papst Martin IV. exkommuniziert, weil er widerrechtlich ein Lehen des Heiligen Stuhls besetzt hatte. Im Jahr 1283 enthob der Papst Peter III. all seiner Ämter und übertrug die Herrschaft über die Länder der Krone von Aragón auf den 13-jährigen Karl von Valois. Zudem rief er zu einem heiligen Krieg gegen die Krone von Aragón auf, der heute als Aragonesischer Kreuzzug bekannt ist.
Dieser wurde in erster Linie von Truppen König Philipps III. von Frankreich geführt. Jakob II., König von Mallorca und Graf von Roussillon und Cerdanya, gestattete den Kreuzzugstruppen den Durchmarsch durch seine Territorien und nahm mit eigenen Truppen am Kampf gegen seinen Bruder, den König von Aragón, teil. Dies wurde von Peter III. als Hochverrat angesehen. Peters Kampf gegen Philipp von Frankreich und Jakob von Mallorca fand an zwei Fronten, auf dem Festland und den Balearischen Inseln, statt: mini|350px|Die Krone von Aragón mit ihren Königreichen, Herzogtümern, Grafschaften, Fürstentümern und Herrschaften. Die Jahreszahlen beziehen sich auf den Erwerb der betreffenden Gebiete oder deren Besitzdauer: Die französischen und griechischen Besitzungen waren von kurzer Dauer (Beginn und Ende angegeben); in den anderen Fällen ist die Phase der Eroberung umrissen. Ohne Jahreszahl die iberischen Kernlande, die bis zum endgültigen Aufgehen Aragoniens im spanischen Gesamtstaat im 18. Jahrhundert dazugehörten. Am nördlichen Rand Kataloniens sind die Grenzen der Grafschaft Roussillon eingezeichnet (Name auf der Karte nicht genannt). Das Roussillon wurde 1659 an Frankreich abgetreten.
Am 5. September 1285 marschierten die französisch-mallorquinischen Truppen in der katalanischen Stadt Girona ein. Während der Belagerung Gironas traten im französischen Lager erste Fälle einer sich schnell ausbreitenden Seuche auf, vermutlich der Ruhr, an der auch Philipp III. erkrankte. Als sich die Kunde verbreitete, die französische Flotte habe im Kampf gegen die von Admiral Ruggiero di Lauria befehligte Flotte der Aragonesen eine Niederlage erlitten, zogen sich die Kreuzfahrer aus Katalonien zurück. Der französische König, Philipp III., starb am 5. Oktober 1285 in Perpignan. Sein Tod bedeutete das Scheitern des Kreuzzugs.
Während Peter selbst auf dem Festland kämpfte, versuchte sein Sohn, Alfons, die Insel Mallorca in seine Hand zu bringen. Am 19. Oktober 1285 eroberte er Palma de Mallorca. Der Tod seines Vaters, Peter III., am 10. November 1285 zwang ihn, auf das Festland zurückzukehren, um sich als Peter IV. in Saragossa zum König von Aragón krönen zu lassen.
Im Juli 1286 wurde zwischen Frankreich und Aragón ein Friedensvertrag geschlossen, der den Kreuzzug offiziell beendete.
Rückkehr unter die Regierung Aragóns Ende 1341 beschloss Peter IV., die Herrschaft über das Königreich Mallorca und die Grafschaften Roussillon und Cerdanya wieder unmittelbar auszuüben. Am 4. Februar 1342 beschuldigte er Jakob III. von Mallorca, in beiden Grafschaften widerrechtlich Münzen prägen zu lassen und in Umlauf zu bringen. Außerdem habe Jakob es versäumt, an den katalanischen Cortes in Barcelona teilzunehmen. Am 29. Mai 1342 begann Peter IV. die Belagerung Mallorcas, und am 1. Juni nahm er in der Kathedrale von Palma feierlich den Titel des Königs von Mallorca an. Am 29. Juni 1343 marschierte er in der Grafschaft Roussillon ein und eroberte am 16. Juli Perpignan.
Innerer Zwist und Kämpfe mit Frankreich Widerstand gegen König Johann II. und katalanischer Bürgerkrieg (1462–1472)