miniatur|Einband der Erstausgabe Der Kopf ist ein Roman von Heinrich Mann, der am 21. Februar 1925 beendet wurde und im selben Jahr bei Paul Zsolnay erschien.
Zwei Freunde, die deutschen Intellektuellen Terra und Mangolf, vom „Glauben an Geist“ durchdrungen, steigen in der Wilhelminischen Epoche vor dem Ersten Weltkrieg bis in Schlüsselpositionen des Deutschen Reiches auf und töten sich gegen Kriegsende selbst. __TOC__
Figuren
Handlungsträger Klaus (auch: Claudius) Terra, Patriziersohn, Rechtsanwalt Lea (auch: Leonore) Terra, Schauspielerin, seine Schwester Fürstin Lili (auch: Madelon), die Mutter von Terras unehelichem Sohn Klaus (auch: Claudius) Dr. Wolf Mangolf, Sohn eines Agenten Bellona Mangolf, geborene Knack, seine Ehefrau Graf Leopold Lannas Komtesse Alice Lannas, seine Tochter Gräfin Altgott, ehemalige Opernsängerin, seine Freundin Baron von Tolleben
Nebenfiguren Der Kaiser Geheimrat von Knack aus Knackstadt, Schwerindustrieller im Rüstungsgeschäft Graf Erwin Lannas, Sohn des Leopold Lannas Kurschmied, Schauspieler Admiral von Fischer Gubitz Professor Tasse
Handlungsort Der Roman handelt zumeist im Wilhelminischen Berlin, in Liebwalde bei Berlin, aber auch in einer norddeutschen Hafenstadt, in München, im Rheinland, in der Mitte zwischen Berlin und dem Rheinland, in Paris und in Südtirol.
Handlungszeitraum Die Handlung läuft von 1891 bis 1917. Die Jahreszahl 1891 wird am Romananfang direkt genannt. Den Endzeitpunkt haben Heinrich-Mann-Interpreten herausbekommen. In der „Nachbemerkung“Textausgabe Berlin und Weimar, S. 688 wird aus einem Brief des Autors zitiert, in dem er auf ein kleines Erlebnis vom Frühling 1917 verweist. Diese Begebenheit wiederum ist ziemlich direkt in das Romanende eingeflochten.Textausgabe Berlin und Weimar, S. 643
Handlung
Die Fürstin Lili Anno 1891 ist der zwanzigjährige Klaus Terra in „die Frau von drüben“ verliebt. Terra, Patriziersohn in einer norddeutschen Hafenstadt, wohnt der Fürstin Madelon gegenüber. Sie lässt sich von ihm Lili nennen und findet, ein Kollier müsse nicht sein als Geschenk. Terra will mit Lili durchbrennen. Die Fürstin, viel älter und vernünftiger als Terra, flieht nicht mit. Terra aber sagt sich von seinem Vater los und geht nach München. Auf dem Rummelplatz erwirbt er ein Karussell. Nach dem Bankrott des Vaters verkommt Terra gesellschaftlich bis zum Zuhälter.
Später, in Berlin, wird er „Reklamechef“ einer Firma, die betrügerische Börsengeschäfte macht. Dort begegnet er wieder Fürstin Lili, die ihr Geld in die „Schwindelagentur“ gesteckt hat. Es sieht so aus, als ob es Terra ist, der die dubiose Firma auffliegen lässt. Daraufhin gibt sich der Firmendirektor die Kugel. Als Terra die Fürstin in deren Wohnung aufsucht, stellt sich heraus, beide haben einen zweijährigen Sohn. Lili hat ihn Klaus genannt. Sie ermuntert Terra, das unterbrochene Studium der Jurisprudenz abzuschließen und unterstützt ihn. Das bisschen Geld reicht nicht. Im Hause Lannas gibt Terra der Komtesse Alice Italienisch-Unterricht. Dort begegnet er Mangolf. Der Jugendfreund, inzwischen auf steilem Karriereweg in Regierungskreisen, will nichts von dem „Reklamechef“ der „Berliner Schwindelagentur“ wissen.
Terra verliebt sich in Alice. Es kommt zu Begegnungen Terras mit dem Hausherrn. Terra spielt dem Grafen „einen Menschlichkeitsapostel“ vor. Graf Lannas lernt Terra schätzen. Terra tritt als Pazifist auf und bittet Lannas um Abschaffung der Todesstrafe. Lannas lauscht aufmerksam, diskutiert angeregt und hört sich sogar an, wie Terra Mangolf einschätzt.
Das herrlichste Erlebnis Als Terra Anwalt ist, pumpt er seinen Freund Mangolf an. Mit dem Geld richtet er sich als Armenadvokat ein und gibt der Fürstin Alimente. Terra hat Gewissensbisse. Er muss die Fürstin heiraten. Schließlich vergisst er die Idee der Vernunftehe, gewinnt als Anwalt „läppische Privatsachen“ und rettet Arbeiter vorm Zuchthaus, „die andere Arbeiter zum Streik aufgereizt haben“. Graf Lannas, Reichskanzler geworden, ist nicht einverstanden mit Terras abseitigem Tun und macht den Armenadvokaten zum Reichstagsabgeordneten der Reichspartei. Zum Redner bestimmt, bezeichnet Terra in einer flammenden Rede vor dem Hohen Hause dem kommenden Krieg als „das herrlichste Erlebnis unseres Volkes“. Daraufhin wird der Abgeordnete Knack auf den Redner aufmerksam. Reichskanzler Lannas spricht über deutsche Friedensliebe, weil zuvor kein Abgeordneter den Terminus in seiner Ansprache in den Mund genommen hat.
Der Abgeordnete Terra sucht zwischen zwei Reichstagssitzungen seine Schwester, die Schauspielerin Lea, auf. Es sieht so aus, als bestehe eine inzestuöse Beziehung zwischen den Geschwistern.
Fürstin Lili ist klug genug, um nicht auf der Verbindung mit Terra, die sie für Selbstmord hält, zu bestehen. Inzwischen, der Sohn ist sechs Jahre alt, hat sie noch eine neugeborene Tochter. Der Kindesvater ist Terras Freund Mangolf. Die Fürstin spiegelt aber dem „groben Junker“ Baron von Tolleben vor, er sei der Vater des Kindes.
Da lacht der Kaiser Auf einer Abendgesellschaft bringt Terra den Kaiser ungewollt zum Lachen, indem er seine Forderung nach Abschaffung der Todesstrafe vor den allerhöchsten Ohren erneuert. „Wat denn?“ berlinert der Kaiser, verwundert über die „abgrundtiefe ideologische Tölpelei“. Terra ist über seinen unverzeihlichen Fauxpas betrübt. Doch Knack stellt den humanistischen Terra „als Syndikus und Direktionsmitglied“ in seiner Firma ein. So werden Pazifisten kaltgestellt. Außerdem weiß Knack von der Männerfreundschaft des Reichskanzlers Lannas mit Terra und nutzt diese für seine Zwecke. Zum Beispiel nach der Niederlage der Russen gegen die Japaner im Herbst 1905 unterhalten sich Lannas und Terra über aktuelle Weltpolitik. Alice mischt sich in die Machtspiele der beiden ein, bestürmt den Vater, er solle seinen Untergebenen, den „neuen Staatssekretär“, beim Kaiser die Dinge regeln lassen. Alice meint ihre gerade „noch jugendliche Bulldogge“ Tolleben, die sie geehelicht hat. Die junge Frau, „die lieber herrschen als lieben will“, mischt kräftig mit im Poker um die Macht. Lannas ist gegen den Krieg, den die kriegslüsterne deutsche Industrie herbeisehnt. Der Dialog zwischen Lannas und Terra ist sehr offenherzig. Terra gesteht dem Reichskanzler, er stehe Knacks „Spionage- und Bestechungsbüro“ vor. Knack verdiene nicht nur an der deutschen Rüstung, sondern auch an der des Feindes. Lannas, dem die Augen geöffnet wurden, erweist sich gegen die Rüstungsindustrie als ebenso machtlos wie sein Kaiser. Lannas will „das Gleichgewicht erhalten“ und schickt Terra nach Paris. Als sein „geheimer Agent“ soll er bei den Franzosen ausspionieren, inwieweit Knack wirklich international verstrickt ist. Terra, der ja schon die dumme Idee mit der Abschaffung der Todesstrafe hatte, hat wieder eine gute Idee: Lannas solle die Kontrolle über die Industrie erlangen, indem er das Kohle- und Erzmonopol des Staates errichtete. Lannas, gramvoll, will die neue Idee, die den Krieg verhindern soll, aufgreifen. Aber der Reichskanzler erweist sich als zu schwach.
Mangolf Wolf Mangolf, Sohn eines Agenten, hatte 1894 in München promoviert und war in Berlin im Auswärtigen Amt zum Privatsekretär des Staatssekretärs Graf Lannas aufgestiegen. Lannas macht Mangolf zum Geheimrat. Die „Mitinhaber der Macht“ dulden zwar Mangolf, sehen in ihm aber einen Eindringling. Mangolfs Kapital ist lediglich sein Genie. 1894 hält der „Gehirnfatzke“ Mangolf in der Hasenheide bei den Alldeutschen eine üble chauvinistische Rede. Der Kaiser findet solchen Gefallen an dem „alldeutschen Bockmist“, dass Lannas den Untergebenen zum Geheimen Legationsrat befördern muss. Mangolf, in seiner Euphorie, will hoch hinaus bis zum Reichskanzler. Zunächst macht er eine gute Partie. Mangolf heiratet Frau Bellona von Tolleben-Knack, „die reichste bürgerliche Erbin“ Deutschlands, Tochter des Rüstungsindustriellen Knack. Als wohlgestaltetes junges Fräulein war sie vom Herrn Papa dem Baron von Tolleben geopfert worden. Die Ehe ging entzwei und Tolleben machte fortan Alice Lannas den Hof (siehe oben). Der alte Knack erhofft sich von der Verbindung seiner Tochter mit Mangolf Einfluss auf Lannas. Bellona liebt Mangolf, er seine „Kanonenprinzessin“ aber nicht, denn er ist der Geliebte Leas von Jugend an. Am Tage der Vermählung kommt es zu einem Eklat. Der Schauspieler Kurschmied, ein Verehrer Leas, will den Bräutigam erdolchen. Terra entwaffnet den Attentäter. Kurschmied wollte Lea rächen. Denn Mangolf verschmähte um der Karriere willen Lea. Terra lässt es vor der sensationshungrigen Presse so aussehen, als ob keine Verbindung zwischen dem Attentäter und Lea bestehe. Mangolf will seine junge Frau verlassen und zu Lea zurück. Lea macht nicht mit.
Mangolf wird Unterstaatssekretär. Als Mangolf von seinem Erzrivalen, dem Alldeutschen Baron von Tolleben, zum Duell gefordert wird, erweist sich der Bürgerliche nicht gerade als Mann von Ehre. Tolleben will der Vater von Fürstin Lilis neuestem Kind sein. Mangolf soll es nicht sein. Die Rivalität ruht auf „tiefgehenden Gegensätzen“. Sind doch erstens beide Herren Konkurrenten im Bett der Fürstin Lili und ist doch zweitens Mangolf für Tolleben der gehasste Nachfolger bei Tollebens erster Ehefrau Bellona Knack. Tolleben hatte inzwischen Alice Lannas geehelicht (siehe oben). Mangolf setzt alle Hebel in Bewegung, um aus der Schusslinie des sehr sicheren adeligen Schützen zu geraten. Dabei hofft er auf die Hilfe des Freundes. Terra aber, inzwischen bei Knack angestellt, hält sich im Rheinland auf. So trifft sich der Jammerlappen Mangolf mit Terra auf halbem Wege zwischen Rheinland und der Reichshauptstadt. Terra verhindert das Duell, regelt die Dinge, indem er zu den Alldeutschen geht und einfach politische Interessen vorschiebt. Tolleben, der Schwiegersohn des Reichskanzlers Lannas, darf sich keinesfalls mit Mangolf, dem Schwiegersohn des Geheimrates von Knack, einem Exponenten des „Rüstungskapitals“, schlagen. Als dann Terra noch droht, Knacks Zahlung an die Alldeutschen könnten ausbleiben, kommt der wackere Kämpe Tolleben nicht mehr zu seinem Schuss.
Der Kuss auf den Mund Terra bedauert, dass nun auch Alice, „die Liebe seines ganzen Lebens“, in dem Machtgerangel seine Feindin wird. Er küsst die Frau in ihrem Garten auf den Mund – „das erstemal im Leben“, und der Gatte Tolleben „am Fenster droben“ schaut zu. Terra will Alice nicht heiraten, sondern lieben. Er verrät Alice, dass Tolleben von der Fürstin Lili ein Kind haben soll. Der wirkliche Vater des kleinen Mädchens aber sei Mangolf. Terra ist hin- und hergerissen zwischen Alice und der Fürstin Lili (der gemeinsame Sohn ist inzwischen fünfzehn Jahre alt). Alice hasst ihren Ehemann von Tolleben wegen seines unehelichen Kindes mit der Fürstin. Alice und Terra beschließen, Tolleben zu töten.
Terra fährt auf Lannas’ Geheiß nach Paris. Die Gespräche dort über Pazifismus und „Glaube an Geist“ sind erfolglos. Als er heimkehrt, wird er schon von Alice erwartet. Alice will ihren Vater, den Reichskanzler Lannas, stürzen und möchte Terras „Falschspielertalent“ nutzen. Alice favorisiert ihren Gatten Tolleben, den sie doch töten wollte, als neuen Reichskanzler. Mangolf sei ihr schlimmster Feind. Terra solle sich vor dem falschen Freunde hüten.
Die allerhöchste Plaudertasche