mini|alt=Foto mit verschwommenem Hintergrund; im Vordergrund wird Zahnpasta aus einer Zahnpastatube auf die Borsten einer Zahnbürste aufgetragen|Zahnpasta aus einer Tube wird auf eine Zahnbürste aufgetragen Zahnpasta (auch Zahnpaste, Zahncreme oder Zahncrème) ist ein pastöses oder gelartiges Pflegemittel zum Auftragen auf eine Zahnbürste, mit dem die Wirkung der Zahnreinigung erhöht wird. Zahnpasta enthält Wirkstoffe zur zahnmedizinischen Prophylaxe von vor allem Karies (Fluoride) und Parodontitis. (Klein)Kinder benötigen eine eigene Kinder-Zahnpasta (siehe spezielle Zahncremes).
Weitere Bestandteile sind Putzkörper, Schaumbildner, Netz- und Feuchthaltemittel, Geschmacks- und Aromastoffe, Konservierungsmittel sowie Farb- und Zusatzstoffe.
Wortherkunft Die Bezeichnung Pasta stammt aus der lateinischen Bezeichnung für eine halbfeste Arzneizubereitung zur äußeren Anwendung.
Geschichte mini|hochkant|Werbeplakat für die Kolynos Zahnpasta aus den 1940er Jahren Vorläufer der Zahnpasta waren Zahnpulver zum Abreiben des Zahnbelages mit feinen Putzkörpern. Durch archäologische Zahnbefunde und schriftliche Quellen sind sie für viele Kulturen nachweisbar. Die Römer benutzten den Begriff Dentifricium („Mittel zum Abreiben der Zähne“), Plinius d. Ä. gibt auch Inhaltsstoffe an: pulverisierte und zu Asche verbrannte Knochen, Horn oder Muschelschalen, Bimsmehl, Natron, mit Myrrhe versetzt.Plinius, Naturalis historia, 28.49, 31.46, 31.21+26, 36.42. Celsus empfiehlt zerriebenes Salz.Aulus Cornelius Celsus, De medicina VI.13. Sogenanntes Zahnsalz wird auch heute noch als Zahnreinigungsmittel verwendet. Um 1490 verwendete man in Deutschland ein Pulver, das auf einen feuchten Leinenstreifen gestreut wurde,Harry Kühnel: Die Sachkultur bürgerlicher und patrizischer Nürnberger Haushalte des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 15–31, hier: S. 26–27. um gegen gelbe Zähne vorzugehen.
Zahnpulver des 19. Jahrhunderts enthielten als Putzkörper zum Beispiel Marmorpulver, Bims- oder Ziegelmehl, Magnesiumcarbonat, pulverisierte Eier-, Sepia- oder Austernschalen, Holzkohlenpulver und Ähnliches. Diese Pulver wurden schon in Fabriken oder vom Apotheker gemischt und in Papiertüten oder Dosen verkauft. Zum Gebrauch steckte man einen nassen Finger, ein Holzstäbchen oder ein Schwämmchen in das Pulver und beförderte so die benötigte Menge in den Mund. Mit dem Finger oder einer geeigneten Bürste wurden dann die Zähne befreit.
Ab 1824 wurde auch Seifenpulver zugesetzt, welches aber durch Luftfeuchtigkeit leicht verklumpte. Deshalb war das Putzkörper-Seifegemisch als „Zahnseife“ meistens ein Klotz, auf dem die nasse Zahnbürste so lange hin- und hergeschrubbt wurde, bis sich Schaum bildete. Alternativ gab es dünnflüssige Zahnseife in Flaschen, in denen sich aber die Putzkörper unten absetzten.
Die Zahnputzmixturen enthielten notwendigerweise Geschmacksverbesserer, zum Beispiel Pfefferminzöl oder Menthol, Honig, Zucker, Veilchenöl. Schmerzstillende, antimikrobielle und entzündungshemmende Zusätze wurden ebenfalls zugesetzt, wie etwa Salbei, Kalmusöl, Nelkenöl, Kokain, Salicylsäure. Die meisten Zahnputzmittel des 19. Jahrhunderts waren zudem mit Karmin rosa bis dunkelrot eingefärbt, um dem Schönheitsideal folgend eine kräftige Farbe von Zahnfleisch und Lippen zu erzeugen.Dentifricium. In: Johann Nepomuk Rust: Theoretisch-praktisches Handbuch der Chirurgie. Band 5, Berlin / Wien 1831, S. 734.
Im Jahr 1850 erfand Washington W. Sheffield im Alter von 23 die weltweit erste Zahnpasta durch die Zugabe von Glycerin, die in einem kleinen Labor in New London (USA) 170 Broad Street hergestellt wurde. Zahnpasta wurde überwiegend in Blech- oder Keramikdosen angeboten, trocknete darin aber leicht aus. Auch der Vertrieb in Stannioltüten war unbefriedigend, da die zur Entnahme abzuschneidende Ecke schnell durch Eintrocknen unbenutzbar wurde. Sein Sohn, Lucius Tracy Sheffield, beobachtete während seines Studiums in Paris die Verwendung von zusammendrückbaren Metalltuben für Farben und Lacke. Daraus entwickelte er 1876 die Idee, die Zahnpasta seines Vaters in solche Tuben einzufüllen..
Ab 1887 verkaufte Carl Sarg in Wien mit großem Werbeaufwand seine Kalodont-Zahncreme in verschließbaren Tuben, wie sie aus dem Künstlerbedarf bekannt waren und konnte so seine Marke innerhalb weniger Jahre als internationales Massenprodukt etablieren.Alois Brusatti: Geschichte der Unilever Österreich. Himberg bei Wien 1985, S. 20 ff. Ab 1892, demnach fünf Jahre später, wurde erst Dr. Sheffield’s Creme Dentifrice produziert und vertrieben. 1896 stieg die Firma Colgate ins Zahnpastatuben-Geschäft ein und baute auf dem Produkt ein Imperium auf. Um 1890 hatte Willoughby D. Miller die damals noch umstrittene Theorie aufgestellt, wonach Bakterien der Mundflora Kohlenhydrate zu Säuren abbauen und Karies verursachen. Zusammen mit ihm entwickelte Newell Sill Jenkins deshalb eine Zahnpasta namens Kolynos, die erstmals Desinfizienzien enthielt. Der Name stammt aus dem Griechischen Kolyo Nosos (κωλύω νόσος, „Krankheitsprävention“). Jenkins übertrug nach 17-jähriger Entwicklungsarbeit und klinischen Studien die Herstellung und den Vertrieb an seinen Sohn Leonard A. Jenkins, der am 13. April 1908 die ersten Zahnpastatuben auf den Markt brachte. 1937 wurde Kolynos bereits in 22 Ländern produziert und in 88 Ländern verkauft. Heutzutage ist Kolynos noch vor allem im südamerikanischen Raum und in Ungarn verbreitet. Colgate-Palmolive übernahm das Produkt von American Home Products im Jahr 1995 zum Preis von einer Milliarde US-Dollar.Kolynos Toothpaste and Nalgiri Cosmetics – A curious blend of Greek and Hindu. Abgerufen am 2. April 2016. Für den deutschen Markt entwickelte der Dresdner Apotheker Ottomar von Mayenburg 1907 die Marke Chlorodont in wiederverschließbaren Metalltuben. Er wurde damit zum führenden Anbieter in Europa.Rolf Mahlke: Die Zahnpasta des Herrn von Mayenburg. In: Die ZahnarztWoche (DZW), 51–52, 2007, S. 18 f.
Zahnpulver verlor seit den 1920er Jahren zunehmend seine Bedeutung. Es ist zwar nach wie vor erhältlich, aber hat nur noch in Asien nennenswerte Marktanteile.
Schon im 19. Jahrhundert wurde in Europa die Schutzwirkung von fluoridierten Produkten postuliert und so gab es schon um 1900 Versuche, Zahncreme durch Fluoridzusatz mit einer Kariesprophylaxe auszustatten. Eines der ersten Präparate in Deutschland war „Tanagra“, hergestellt von der Fa. Fr. Töllner in Bremen.Alfred Rohrer: Zahnpulver und Mundwässer. Berlin 1910, S. 104. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanischen Fluoridforschungen in Europa bekannt wurden, eroberten fluoridierte Zahnpasten allmählich den Markt, darunter „Biox Fluor“ der Firma Knoll, die erste Zahncreme mit Aminfluorid. Procter & Gamble brachte mit „Crest“ Mitte der 1950er Jahre die erste Zahncreme mit Zinnfluorid („Fluoristan“) in den Handel.
In Trockenform werden Zahnputztabletten als Hygieneprodukt für Mund und Zähne entwickelt, deren Inhaltsstoffe große Ähnlichkeit zur Zahnpasta aufweisen.
Inhaltsstoffe mini|INCI-konforme Deklaration der Inhaltsstoffe einer Zahnpasta Putzkörper (zum Beispiel Silikatverbindungen, Schlämmkreide oder auch Marmorpulver) entfernen zusammen mit der Zahnbürste Plaque und schädliche Bakterien von der Zahnoberfläche. Sie sind vorrangig für die positive Wirkung der Zahnpasta verantwortlich. Alle anderen Zusätze sind Hilfsmittel oder unterstützen verschiedene Funktionen wie beispielsweise Kariesprophylaxe, Parodontoseverhinderung, erfrischende Wirkung oder Aufhellung der Zähne.
Schaumbildner (beispielsweise Natriumlaurylsulfat) unterstützen die gleichmäßige Verteilung der Zahncreme während des Putzvorgangs. Zudem lockern sie Essensreste und Zahnbeläge auf, wodurch die Reinigungswirkung besonders an solchen Stellen verbessert wird, die mit der Zahnbürste schwer zu erreichen sind. Die abgelöste Plaque wird durch Netzmittel gebunden und kann so am Ende des Putzvorgangs leichter ausgespült werden. Sorbitol ist ein Feuchthaltemittel und wird in vielen Zahnpasten verwendet, um diese vor dem Austrocknen zu bewahren. Zudem sorgt Sorbitol – in Kombination mit einer Vielzahl möglicher Geschmacks- und Aromastoffe – für den frischen Geschmack.
In vielen Zahncremes findet das weiße Pigment Titandioxid (INCI-Code: CI 77891) Verwendung.
Zu den Inhaltsstoffen zählen auch geringe Anteile von Fluoriden. Fluorid wird als wichtigster Inhaltsstoff bezeichnet.Gefährdet Fluorid die Gesundheit?, test.de vom 15. September 2014, abgerufen am 5. Februar 2015. Der regelmäßige Gebrauch fluoridhaltiger Zahncremes härtet den Zahnschmelz und gilt als einer der wichtigsten Gründe für den Rückgang der Karies bei Kindern und Jugendlichen (siehe auch Fluoridierung). Bei der Verwendung fluoridierter Zahnpasta werden am Tag von Erwachsenen etwa 0,1 mg Fluorid, von Kindern 0,2 mg verschluckt. Es wurde berechnet, dass Erwachsene 2–3 Zahnpastatuben (mit je etwa 38 mg Fluoriden) gänzlich verzehren müssten, damit es zu Vergiftungserscheinungen kommt, und ab 30 verzehrten Zahnpastatuben an einem Tag kann es zum Tod kommen. Da Fluoride aber innerhalb von etwa 10 Stunden wieder ausgeschieden werden, sind akute Vergiftungen bei normalem Gebrauch ausgeschlossen. Bei einer dauerhaft zu hohen Zufuhr von Fluoriden kann es zu einer Zahn- oder Skelettfluorose kommen, aber auch dafür müssen langfristig täglich 6–8 mg Fluoride aufgenommen werden. Hingegen gilt eine tägliche Aufnahme von 0,05 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht als optimaler Kompromiss für die Kariesprophylaxe. Kathrin Gießelmann: Sind fluoridhaltige Zahnpastas toxisch? Deutsches Ärzteblatt 2024, Jahrgang 121, Heft 17, Seite A1120 vom 23. August 2024, Link
Triclosan ist ein antibakterieller Wirkstoff, der Zahnfleischentzündungen reduziert und deren Neuentstehung verhindern hilft. Bei der Verwendung in Mundpflegemitteln gilt Triclosan aus toxikologischer Sicht als sicher. Wegen der breiten Verwendung als Desinfektionsmittel und der damit verbundenen Gesamtexposition besteht allerdings die Befürchtung einer Resistenzausbreitung. Daher empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), den Einsatz von Triclosan auf das notwendige Maß einzuschränken.BfR unterstützt Verwendungsverbot von Triclosan in Lebensmittelbedarfsgegenständen (PDF; 49 kB) Bundesinstitut für Risikobewertung.
Pyrophosphat ist eine energiereiche Phosphorverbindung, die der Mineralisation der Plaque nachhaltig entgegenwirkt und damit die Bildung von Zahnstein verhindern oder zumindest verlangsamen (Parodontalprophylaxe) hilft. Zinksalze wirken wie das Triclosan bakterizid und dadurch der Bildung von Zahnstein entgegen.
Freiliegende Zahnhälse mit winzigen Dentinkanälen sind häufig die Ursache für erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Wärme, Kälte, Süßem oder Saurem. Kaliumverbindungen, Aminfluorid und Arginin sollen diese feinen Kanäle verschließen und einen Schutzfilm ausbilden können.
Stark abrasive Pasten werden zur Entfernung von Farbablagerungen eingesetzt, können aber freiliegenden Wurzelzement und den Zahnschmelz abreiben. Die Abrasionsfähigkeit wird als RDA/REA-Wert (Radioactive Dentin/Enamel Abrasion) angegeben. Je höher dieser Wert ist, desto stärker ist die Abrasionsfähigkeit.
Vor der Anwendung von Zahnpasten mit besonderer Indikation (zum Beispiel bei empfindlichen Zahnhälsen, Farbablagerungen) sollte zahnärztlicher Rat eingeholt werden.