mini|Am 6. August 1959 sendete „Radio Wales“ erstmals illegal in Nordwales. Die Beteiligten verdecken ihre Gesichter. mini|REM-eiland vor der niederländischen Küste war ein Piratensender (1964) Ein Piratensender (auch SeesenderDie Seesender in WesteuropaSeesender werden sesshaft deutschlandfunk.de) ist ein Rundfunksender (in der Regel Hörfunk), der als Schwarzsender innerhalb eines Staatsgebietes sein Programm ohne Lizenz ausstrahlt. Auch werden Radiosender aus dem benachbarten Ausland, die sich jedoch an die Hörer des Nachbarlands richten, als „Piratensender“ angesehen.
Begrifflichkeit Der Begriff „Piratensender“, mittlerweile gängiger Begriff im deutschen Sprachgebrauch, ist im Allgemeinen weitaus häufiger anzutreffen als das Wort „Schwarzsender“ und ist in Fachkreisen (Funkamateure, Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer) sowohl unstrittig als auch in deren Veröffentlichungen eine eigenständige Rubrik. In der Schweiz verwendet man den Begriff „Radiopiraten“ für das Piratensender-Phänomen.
Der Begriff „Piratensender“ wurde im allgemeinen Sprachgebrauch europaweit ursprünglich und vorwiegend nur für die sogenannten „Offshore“-Stationen auf Hoher See (außerhalb der Drei-Meilen-Zone) verwendet, wie Radio Nordsee International und Radio Caroline, die damals auf Schiffen beheimatet waren.
Die ersten Offshore-Piratensender nutzten beim Start eine legale Sendemöglichkeit in den internationalen Gewässern und wurden erst durch einseitige Gesetzesänderungen zum Nachteil der Seesender untersagt, die nachträglich erfolgten. In einem berühmt gewordenen Kommentar zur Einstellung von Radio Caroline sprach ein Schiffs-DJ sogar von einem „kriminellen Akt der englischen Regierung“.
Erst im Laufe der Jahre wurde im deutschen Sprachraum das Wort „Piratensender“ auch für landgestützte illegale Schwarzsender benutzt, oft im Grenzgebiet. Heute verwendet man im Ostfriesischen auch den Begriff „piróótje“Ostfriesisches Wörterbuch – Piratensender, der ein Diminutiv von „piróót“ (Pirat) ist.
Im englischen und niederländischen Sprachbereich werden seegestützte Schwarzsender weiterhin „Pirate Radio“, „Offshore-Radio“ oder „Teerjacken-Sender“ genannt. In Deutschland fehlt das Andenken an diese Radiomacher, die mit ihrer Arbeit von Hoher See aus als Begründer des heutigen europäischen Dualen Rundfunksystems (und der Nichtkommerziellen bzw. Freien Radios als „Dritte Säule“) gelten können.
Definition Man kann drei Typen von Radiopiraten unterscheiden: die politischen, denen es um die Verbreitung ihrer politischen Botschaft geht, aber manchmal ein breiteres Programm anbieten die kommerziellen, die Werbung verkaufen und die Bastler, die fasziniert von der Sendetechnik sind.
Umstritten ist die Bezeichnung „Piratensender“ bei solchen Sendern, die in dem Land, in dem sie ausstrahlen, legal sind, sich jedoch an die Zuhörer im Nachbarland bzw. Nachbarländer wendet, wo sie ebenfalls empfangen werden können und von den Behörden missbilligt werden. Unterliegen Nachrichten und Informationen im Empfangsgebiet einer politischen oder religiös motivierten Zensur, kommt solchen – meist als „Untergrundsender“ oder Clandestine-Radiostation bezeichneten – Rundfunksendern eine besondere Bedeutung zu.
Oft werden Piratensender auch als „Freie Sender“ bezeichnet – jedoch nicht zu verwechseln mit Freien Radios oder dem Bürgerrundfunk. Piratensender sind nach landläufigem deutschen Verständnis auch Schwarzsender; der Begriff Schwarzsender ist aber weitaus umfassender und umfasst weitere Gruppen unlizenzierter Ausstrahlungen. Scharf zu unterscheiden sind hiervon Clandestine-Radiostationen. Diese sind nicht immer einwandfrei einzuordnen, gehören aber nicht zum Bereich Piratensender. Zum Teil wurden diese sogar (insgeheim) von Staatsregierungen betrieben. Dieser kleine Bereich zählt nicht zur Gruppe der Schwarzsender. Alles in allem spiegelten sich in den nicht immer auf Anhieb zu kategorisierenden Sendestationen die besondere Vielfalt des Mediums Rundfunk wider – vor allem auf Mittelwelle und Kurzwelle. Insbesondere die Mittelwelle hatte zu Beginn der Piratensender-Ära in den frühen 1960er-Jahren eine starke Bedeutung. Die Beliebtheit von Piratensendern hat zur Öffnung des Rundfunks in Europa beigetragen.
Geschichte mini|Bereits 1926 inszenierten sich in den USA Radiomacher, die in Konflikt mit den Behörden waren, als „Wellen-Piraten“ Die Bezeichnung „Piratensender“ ist dem Umstand geschuldet, dass zur Ausstrahlung freie Sendefrequenzen ungefragt genutzt werden oder auch von anderen, legalen Sendern benutzte Frequenzen „gekapert“ und mit dem eigenen Programm überlagert werden (Störsender). Piratensender waren in der Geschichte häufig „Seesender“, da sie sich früher in internationalen Gewässern („Offshore“) den Zugriffen der Behörden entziehen konnten. Daher stammt auch der Begriff „Offshoreradio“. Des Weiteren bietet das Meerwasser eine exzellente Erdung, was insbesondere für den Sendebetrieb auf Kurz- und Mittelwellenfrequenzen vorteilhaft ist.
Erste „Piratensender“ in den USA
Die ersten „Piratensender“, die jedoch nicht als solche bezeichnet wurden, entstanden in Mexiko an der Grenze zu den Vereinigten Staaten. In den Vereinigten Staaten hatte sich bereits in den 1920er Jahren eine kommerzielle, auf den Verkauf von Werbung ausgerichtete Radiokultur entwickelt. Sie bediente einen Massengeschmack. Da sie jedoch häufig zum Verkauf fragwürdiger Produkte, politischer Propaganda und anderer Verstöße gegen das US-Recht dienten, wurden die Sendelizenzen einiger Anbieter nicht verlängert. Außerdem wurde bereits 1933 durch die FCC ein Leistungslimit von 50 kW auf Mittelwelle festgelegt, das bis heute Gültigkeit besitzt. Diese wichen auf extrem leistungsstarke Sender an der mexikanischen Grenze aus, die in englischer Sprache senden und große Teile der USA erreichen.
Als Auslandssender waren sie für die Hörer daran erkennbar, dass die Rufzeichen wie bei allen mexikanischen Sendern stets mit einem X begannen, während US-amerikanische Sender je nach Standort mit einem W für Sender im Osten der USA oder einem K im Westen der USA begannen (und nach wie vor beginnen).International Call Sign Prefixes bei Your Remote SMeter (Link gelegentlich kurzzeitig nicht erreichbar), Abruf 16. Juni 2017 In den USA ist es üblich, dass sich Rundfunksender on air mit ihrem Rufzeichen und nicht mit einem selbstgewählten Sendernamen identifizieren. Gesendet wurde mit bis zu 500 kW, weshalb sie als border blasters bezeichnet werden, während in den USA nur Sender mit maximal 50 kW lizenziert sind.
Dusty Hill von ZZ Top sprach in einer Dokumentation über die Band und dass sie in jungen Jahren XERF-Radio aus Ciudad Acuña, Mexiko oft gehört hatten., Abruf 30. Januar 2022 Außerdem handelt das Stück „Heard it on the X“ von mexikanischen Radiosendern nahe der Grenze und erwähnt Acuña in dem Song namens „Mexican Blackbird“ auf dem ZZ-Top-Album Fandango!.
In den 1980er Jahren entwickelte sich eine rege Community Radio-Szene, kleine lokale „Piratensender“, die sich unter dem Motto „get your Radio free – throw out the FCC“https://freeradio.org/index.php?pagename=frb/about.html gegen das Lizenz-Monopol der FCC wendeten.siehe auch englische Wikipedia Im Streit mit der FCC waren Free Radio Berkley und San Francisco Liberation Radio zwei Stationen, die im Gegensatz zur FCC die Auffassung vertraten, dass der HF-Bereich eine Allmende ist und jedem Bürger ohne FCC-Lizenz zur Verfügung stehen sollte, um dort seine Meinung äußern zu können. Free Radio Berkley gewann gegen die FCC einen langjährigen Rechtsstreit um das Recht zu senden. Fox-Bericht
Die klassischen Piratensender in Europa
Die klassischen Piratensender entwickelten sich in Europa in den 1960er-Jahren, vor allem in Großbritannien, wo sich zuvor, vorbildhaft für Europa, eine völlig andere Radiokultur als in den USA entwickelt hatte. Hier hatte die British Broadcasting Corporation (BBC), die bis heute das Idealmodell des öffentlich-rechtlichen Rundfunks darstellt, das Monopol. Es orientierte sich an den von Lord Reith entwickelten Prinzipien eines Bildungsauftrags der Sender, dem unabhängigen „Public Service Broadcasting“. Bei der BBC war damals „Massenkultur“ – im Gegensatz zur Hochkultur – ein negativ besetzter Begriff. So fand z. B. der seit den 1950er-Jahren aufkommende Rock ’n’ Roll in Großbritannien fast nur auf dem in Luxemburg lizenzierten Privatsender Radio Luxembourg, dies nicht nur in englisch, sondern auch in deutsch, französisch sowie niederländisch und dem US-amerikanischen Soldatensender AFN (in diesem Sinne auch Piratensender, da von der britischen Regierung nicht gebilligt) statt, die über Mittelwelle (oft nicht besonders gut) empfangen werden konnten.
Als erster europäischer Piratensender in internationalen Gewässer nahm im Jahr 1958 Radio Mercur den Sendebetrieb vor Dänemark auf, und zwar von einem ehemaligen deutschen Fischereischiff, umbenannt in „Cheeta“. Anschließend ging vor der niederländischen Küste Radio Noordzee und TV Noordzee vom REM-eiland sowie Radio Veronica vom Feuerschiff Borkumriff III auf Sendung, gefolgt von Radio Nord vor Stockholm.
Die bekanntesten britischen Piratensender, die ab 1964 sendeten, waren Radio Caroline und Wonderful Radio London, genannt Big L. Beide sendeten ihre Programme ebenfalls von Schiffen außerhalb der Hoheitsgewässer vor der britischen Küste. Andere Seesender hatten ihre Sendeanlagen auf verlassenen Forts aus dem Zweiten Weltkrieg in der Themsemündung errichtet (z. B. Shivering Sands, Red Sands).
Die meisten Programme wurden in erster Linie vom Abspielen populärer Musik für jugendliche Hörer bestimmt, unterbrochen von Werbeeinblendungen und Nachrichten. Eingestreute Jingles, schnellsprechende Moderatoren und das Anmoderieren eines Musiktitels in die bereits gestartete Musik verliehen den Sendungen ein gewisses Tempo. Beliebt war es seinerzeit, die Sender mit den aufkommenden Transistorradios ortsungebunden zu empfangen.
Die Diskjockeys erlangten den Status von Popstars. Bekannte DJs waren z. B. Kenny Everett, Tony Blackburn, John Peel, Tommy Vance, Johnnie Walker und Dave Lee Travis. Letztgenannter moderierte zeitweise zusammen mit Uschi Nerke auch die deutsche Fernsehsendung Beat-Club bei Radio Bremen. Auch waren die Diskjockeys für BFBS Germany tätig, der besonders in Nord- und Westdeutschland beliebte britische Soldatensender, der neben seiner eigentlichen Zielgruppe auch viele deutsche Zuhörer hatte.
Nach Inkrafttreten des Marine Broadcasting Offences Act stellten fast alle britischen Seesender bis zum 14. August 1967 ihren Sendebetrieb ein, nur Radio Caroline blieb unter dem Namen Radio Caroline International bis zum 3. März 1968 weiterhin auf Sendung. An diesem Tag wurden dann beide Schiffe wegen finanzieller Forderungen durch die Wijsmuller Company in die Niederlande verbracht. Damit endete die klassische Ära der populären britischen Piratensender. Von 1983 bis 1990 ging Radio Caroline erneut auf Sendung, und zwar von der Ross Revenge.
In den 1960er- und 1970er-Jahren waren die Niederlande Ausgangspunkt verschiedener Piratensender wie Radio Veronica und Radio Nordsee International (RNI), die von Schiffen außerhalb der Hoheitsgewässer sendeten. Auch sie mussten am 31. August 1974 (Final-Closedown-Day) den Betrieb einstellen, nachdem auch die erste und zweite Kammer des niederländischen Parlaments dem sogenannten „Anti-Veronica-Gesetz“ zugestimmt hatte.
Geschichte der Piratensender im deutschsprachigen Raum Deutschland 1949 gründeten die vier Altenburger Schüler Joachim Näther, Ulf Uhlig, Gerhard Schmale und Jörn-Ulrich Brödel eine Widerstandsgruppe an ihrer Schule, der Karl-Marx-Oberschule. Im Sommer entstand daraus ein Piratensender.