Die Nachtviolen (Hesperis) oder Kilten bilden eine Pflanzengattung in der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).
Beschreibung mini|Illustration von Hesperis bicuspidata mini|Offene Schoten mit Samen der Wilden Nachtviole (Hesperis sylvestris)
Vegetative Merkmale Nachtviolen-Arten sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Trichome sind sehr unterschiedlich geformt. Die meist aufrechten Stängel sind oft einfach oder manchmal verzweigt.
Die grundständig und/oder wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt oder sitzend. Die Blattspreiten sind einfach, eiförmig, leierförmig oder oval und gezähnt oder fiederteilig und manchmal geöhrt oder stängelumfassend.
Generative Merkmale Meist viele Blüten befinden sich in anfangs schirmtraubigen Blütenstände, deren Blütenstandsachsen sich bis zur Fruchtreife verlängern und später traubig sind; es können mehrere solcher Blütenstände zu Gesamtblütenständen zusammengesetzt sein. Es können Tragblätter vorhanden sein.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier freien, aufrechten Kelchblätter sind länglich oder linealisch; das seitliche Paar ist deutlich sackförmig. Die Kronblätter sind viel länger als die Kelchblätter. Die vier freien Kronblätter sind grün, weiß, gelb, orangefarben bis bräunlich, lavendel- bis purpurfarben. Die Kronblätter sind deutlich in Platte und Nagel (Botanik)|Nagel gegliedert. Die Platte ist verkehrt-eiförmig oder länglich mit gerundetem oder stumpfem oberen Ende. Es sind die zwei Kreise mit insgesamt sechs tetradynamischen Staubblättern vorhanden; der äußere Kreis besteht aus nur zwei kurzen, der innere Kreis aus vier langen Staubblättern. Die Staubbeutel sind länglich oder linealisch mit stumpfem oberen Ende. Zwischen den zwei kurzen Staubfäden befinden sich zwei Nektardrüsen, es sind die zwei seitlichen, sie sind ringähnlich bis mondförmig angeordnet; die mittleren Nektardrüsen fehlen. Der oberständige Fruchtknoten enthält 4 bis 40 Samenanlagen. Ein Griffel ist kaum erkennbar oder nur kurz. Die Narbe ist kegelförmig, deutlich zweilappig, wobei die Narbenlappen vollständig freibleiben oder sich berühren.
Die Fruchtstiele sind je nach Art schlank oder verdickt, abspreizend oder zurückgebogen. Die linealischen, stielrunden, vierkantigen oder mit breiten häutigen, vollständigen Septen versehenen Schoten sind zweifächerig und öffnen sich erst spät mit zwei Fruchtklappen. Die Fruchtklappen besitzen einen deutlichen Mittelnerv. Der Rahmen (Replum) ist gerundet. In der Schote sind die Samen in einer Reihe angeordnet. Die Samen sind länglich oder rundlich und ungeflügelt. Die Samenschale ist netzartig.
Systematik und Verbreitung mini|Habitus und Blütenstände der Schlitzblättrigen Nachtviole (Hesperis laciniata) mini|Habitus und Blütenstände von Hesperis matronalis subsp. adzharica mini|Habitus und Blütenstände von Hesperis pycnotricha mini|Blütenstand und Blüten im Detail der Sibirischen Nachtviole (Hesperis sibirica) mini|Wild-Nachtviole (Hesperis sylvestris) mini|Habitus und Blütenstände von Hesperis theophrasti mini|Trauer-Nachtviole (Hesperis tristis)
Die Gattung Hesperis 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 663 aufgestellt. Typusart ist Hesperis matronalis Der Gattungsname Hesperis stammt von dem altgriechischen hespera für „Abend“ und bezieht sich auf die abends und nachts stark duftenden Blüten von insbesondere Hesperis matronalis. Synonyme für Hesperis sind: Antoniana non Antoniana , Deilosma nom. illeg., Deilosma , Diplopilosa , Kladnia , Micrantha , Neotchihatchewia , Plagioloba , Tchihatchewia
Carl von Linné stellte 1753 sechs Arten in die Gattung Hesperis. Einige Zeit wurden nur etwa 25 Arten zur Gattung Hesperis gerechnet, die je nach Autor zum Teil zu Unterarten herabgestuft wurden oder in Sammelarten zusammengefasst wurden.
Die Gattung Hesperis ist über weite Teile Eurasien verbreitet. Einige Arten finden sich auch in Nordamerika. Das Zentrum der Artenvielfalt liegt mit über 30 Arten (Stand 2022) im asiatischen Teil der Türkei.
Es gibt 2022 53 bis 56 Arten:
Hesperis anatolica : Sie wurde 2008 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Hesperis armena (Syn.: Hesperis pisidica , Hesperis pseudoarmena ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis aspera : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis balansae : Es gibt zwei Unterarten: Hesperis balansae subsp. balansae: Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei und auf einigen vorgelagerten Inseln vor. Hesperis balansae subsp. scabrida : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis bicuspidata : Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei und in Armenien vor. Hesperis blakelockii Hesperis boissieriana (Syn.: Hesperis glabra nom. illeg. non Hesperis glabra ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis borbasii Hesperis bottae : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis breviscapa : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis buschiana : Sie kommt in Rumänien, im asiatischen Teil der Türkei und in Armenien vor. Hesperis cilicica (Syn.: Hesperis sylvestris subsp. cilicica , Hesperis matronalis subsp. cilicica ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis ciscaucasica : Sie wurde 2012 aus dem nördlichen Kaukasus erstbeschrieben. Hesperis dinarica : Sie kommt in Kroatien, Serbien, Kosovo, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Albanien, Bulgarien, Rumänien und Griechenland vor. Hesperis dvorakii : Sie wurde 2012 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Hesperis hamzaoglui : Sie wurde 2008 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Hesperis hedgei Hesperis hirsutissima Hesperis hyrcana Geruchlose Nachtviole (Hesperis inodora , Syn.: Hesperis subsinuata , Hesperis matronalis subsp. inodora ): Dieser Endemit kommt nur in den französischen Seealpen vor. Hesperis isatidea (Syn.: Tchihatchewia isatidea ): Diese Neukombination erfolgte 2018. Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis kitiana Hesperis kotschyana (Syn.: Hesperis humilis ): Sie kommt in der Türkei, in Syrien und im Libanon vor. Hesperis kuerschneri Schlitzblättrige Nachtviole (Hesperis laciniata ): Es gibt etwa drei Unterarten: Hesperis laciniata subsp. cupaniana Hesperis laciniata subsp. laciniata (Syn.: Hesperis spectabilis , Hesperis laciniata subsp. spectabilis ): Sie kommt in Marokko, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien, Sardinien, Sizilien und auf der Balkanhalbinsel vor. Hesperis laciniata subsp. secundiflora (Syn.: Hesperis secundiflora , Hesperis glutinosa subsp. secundiflora , Hesperis glutinosa subsp. scabricarpa ): Sie kommt in Albanien, Bulgarien und Griechenland vor. Hesperis luristanica Gewöhnliche Nachtviole auch Rote Nachtviole, Matronenblume genannt (Hesperis matronalis ): Je nach Autor gibt es einige Unterarten: Hesperis matronalis subsp. adzharica (Syn.: Hesperis adzharica ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis matronalis subsp. candida (Syn.: Hesperis candida , Hesperis nivea , Hesperis matronalis subsp. nivea , Hesperis vrabelyiana , Hesperis matronalis subsp. vrableyiana , Hesperis moniliformis , Hesperis matronalis subsp. moniliformis ): Sie kommt in Spanien, Frankreich, Italien, Österreich, Polen, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien und in der Ukraine vor. Hesperis matronalis subsp. cladotricha (Syn.: Hesperis cladotricha , Hesperis obtusa , Hesperis matronalis subsp. obtusa , Hesperis lapsanifolia ): Sie kommt in Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kroatien, Serbien, Kosovo, Griechenland, Montenegro, Rumänien, im europäischen Teil der Türkei und in Armenien vor. Hesperis matronalis subsp. matronalis (Syn.: Hesperis oblongipetala , Hesperis matronalis subsp. spontanea nom. inval.): Sie kommt in Spanien, Frankreich, Österreich, Italien, auf der Balkanhalbinsel, im Kaukasusraum, in der Ukraine und in der Türkei vor. Sie ist in vielen Ländern weltweit ein Neophyt. Hesperis matronalis subsp. schurii (Syn.: Hesperis oblongifolia , Hesperis matronalis subsp. oblongifolia ): Sie kommt nur in Rumänien vor. Hesperis matronalis subsp. sintenisii (Syn.: Hesperis theophrasti subsp. sintenisii ): Diese Neukombination erfolgte 2012. Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis matronalis subsp. voronovii (Syn.: Hesperis voronovii ): Sie kommt in der Türkei, auf der Krim und vielleicht in Georgien vor. Hesperis microcalyx (Syn.: Hesperis schischkinii ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis muglensis : Sie wurde 2022 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Hesperis nivalis Hesperis novakii : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis novakii subsp. mirabilis Hesperis novakii subsp. novakii Hesperis odorata Hesperis ozcelikii : Sie wurde 2009 aus dem asiatischen Teil der Türkei erstbeschrieben. Hesperis pendula : Es gibt etwa fünf Unterarten: Hesperis pendula subsp. aucheri (Syn.: Hesperis aucheri ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis pendula subsp. brachytricha : Sie soll angeblich im asiatischen Teil der Türkei vorkommen. Hesperis pendula subsp. campicarpa (Syn.: Hesperis campicarpa , Hesperis ovata , Hesperis rupestris ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis pendula subsp. goerzii Hesperis pendula subsp. pendula: Sie kommt in der Türkei, in Syrien, im Libanon, in Jordanien und in Israel vor. Hesperis persica : Es gibt etwa zwei Unterarten: Hesperis persica subsp. kurdica (Syn.: Hesperis kurdica ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis persica subsp. persica : Sie kommt im Iran, in der Osttürkei und in Armenien vor. Hesperis pisidica Hesperis podocarpa (Syn.: Hesperis aintabica , Hesperis trullata ): Sie kommt im asiatischen Teil der Türkei vor, andere Vorkommen sind nicht bestätigt. Hesperis pseudocinerea Hesperis pycnotricha : Sie kommt in Bulgarien, Moldau, in der Ukraine, auf der Krim und im europäischen Teil der Türkei vor. Hesperis robusta Hesperis scabrida Hesperis schischkinii Sibirische Nachtviole (Hesperis sibirica ): Sie ist in Mittelasien, in Sibirien, in der Mongolei und in China verbreitet. Hesperis slovaca (Syn.: Hesperis dinarica subsp. slovaca ): Dieser Endemit kommt nur in der Slowakei vor. Hesperis stellata : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis steveniana : Sie kommt vielleicht nur auf der Krim vor. Hesperis straussii Wild-Nachtviole (Hesperis sylvestris , Syn.: Hesperis runcinata ): Es gibt etwa zwei Unterarten: Hesperis sylvestris subsp. sylvestris (Syn.: Hesperis sylvestris var. siliquo-glandulosa , Hesperis siliquo-glandulosa , Hesperis siliqua-glandulosa ): Sie kommt in Liechtenstein, Österreich, Polen, Tschechien, in der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Rumänien, Albanien, Bulgarien und Griechenland vor. Hesperis sylvestris subsp. velenovskyi (Syn.: Hesperis sylvestris var. velenovskyi , Hesperis velenovskyi , Hesperis suaveolens ): Sie kommt in Italien, Albanien, Bulgarien, Moldau, Rumänien, Griechenland und auf der Krim vor. Hesperis syriaca (Syn.: Hesperis pulmonarioides ): Sie kommt in der Türkei, in Syrien und im Libanon vor. Hesperis theophrasti (Syn.: Hesperis theophrasti subsp. graeca , Hesperis matronalis , Hesperis theophrasti subsp. theophrasti): Sie kommt in Albanien, Bulgarien, Griechenland, Nordmazedonien, Serbien, im Kosovo und in weiten Teilen der Türkei vor. Hesperis thyrsoidea (Syn.: Hesperis cappadocica ): Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor. Hesperis tosyaensis : Sie kommt nur im asiatischen Teil der Türkei vor.