Kreiensen [] ist nach der Kernstadt Einbeck die größte Ortschaft der Stadt Einbeck im südniedersächsischen Landkreis Northeim.

Geographie Lage Kreiensen liegt im Süden Niedersachsens im Leinebergland und gehört zum Harz- und Sollingvorland. Es befindet sich zwischen den Höhenzügen Helleberg im Norden, Hube im Westsüdwesten und Selter im Nordwesten. Durch den Ortskern von Kreiensen fließt die Gande, ein nordöstlicher Zufluss der Leine mit den Leineauen bei Kreiensen.

Ehemalige Gemeindegliederung Die ehemalige Gemeinde Kreiensen gliederte sich von 1974 bis 2012 in 15 Ortschaften: Ahlshausen-Sievershausen Bentierode (einschl. Rimmerode) Beulshausen Billerbeck Bruchhof Erzhausen (einschl. Siedlung Leinetal) Garlebsen Flecken Greene Haieshausen Ippensen Kreiensen (Kernort) Olxheim Opperhausen (einschl. Osterbruch) Orxhausen Rittierode

Geschichte Alte Bezeichnungen des Ortes sind um 1342 Creyenhusen, 1344 Cregenhusen, vor 1362 Kreyensen, 1394 Bertolt von Kregensen, 1408 Kregensen, um 1440 Kregenszen und in 1441 Kreyensen.

Die Ersterwähnung war 1318, als Otto der Milde die Herren von Oldershausen belehnte. Eine mittelalterliche Kapelle gehörte zum Archidiakonat Nörten. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich der Ort wesentlich weiter. Zu westphälischer Zeit lag Kreiensen im Kanton Gandersheim.

Am 1. Januar 1826 wurde die in Kreiensen bestehende Postanstalt geschlossen. Wann sie eingerichtet wurde, ist nicht bekannt. Zu weiteren Details bezüglich der Entwicklung des Postwesens in Kreiensen siehe: Postroute Braunschweig-Göttingen.

mini|Bahnhof Besondere Bedeutung erlangte der Ort als Eisenbahn-Knoten. In Kreiensen kreuzen sich die in den 1860er Jahren erbauten Ost-West-Verbindungen Braunschweigische Südbahn und die Bahnstrecke Langeland–Kreiensen mit der Nord-Süd-Linie Hannöversche Südbahn. Kreiensen lag auf Braunschweiger Territorium – direkt nördlich und südlich befand sich das Land Hannover. Hier wurde auch die Bahnstrecke Osterode–Kreiensen angeschlossen.Der Bahnhof wird im Dokumentarfilm von Dieter Ertel und Georg Friedel aus dem Jahr 1961 Schützenfest in Bahnhofsnähe – Beobachtungen auf dem Dorfe quasi in einer Nebenrolle gezeigt. Durch den Neubau der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg verlor der Bahnknotenpunkt Kreiensen und sein beachtliches Bahnhofsgebäude in den 1990er Jahren jedoch an Bedeutung.

Am 31. Juli 1923 kommt es in den frühen Morgenstunden im Bahnhof zu einer furchtbaren Eisenbahnkatastrophe mit 48 Toten und vielen Verletzten.Das Heimatblatt Kreiensen 2023 zur Eisenbahnkatastrophe vom 31. Juli 1923

mini|Gebäude der Gewehrfabrik Burgsmüller & Söhne; später eine Führerschule für SA- und SS-Angehörige.Die Burgsmüller in Kreiensen/Harz, gegründet 1876 als Waffenfabrik, existiert bis heute; vgl. Werbeprospekt In Kreiensen gab es seit 1931Rainer Schomann, Michael Heinrich Schormann, Stefan Winghart, Joachim Wolschke-Bulmahn (Hrsg.), „Unter der GrasNarbe. Freiraumgestaltungen in Niedersachsen während der NS-Diktatur als denkmalpflegerisches Thema“, Tagung in Hannover, 26.–29. März 2014, darin: Reinhard Bein, „Rahmenbedingungen der Umgestaltung Braunschweigs zu einem nationalsozialistischen Musterland“, S. 14 (= Seite 15 der PDF-Datei), https://www.cgl.uni-hannover.de/fileadmin/cgl/Forschung/Publikationen/Broschueren/Broschu__re__Unter_der_GrasNarbe_.pdf : „In einer insolventen Gewehrfabrik in Kreiensen (Landkreis Gandersheim) entstanden 1931 eine SA-Vorschule und eine SS-Führerschule, in der NS-Verbände des ganzen Reiches für den Bürgerkrieg geschult wurden.“ oder 1932Bastian Hein, „Elite für Volk und Führer? Die Allgemeine SS und ihre Mitglieder 1925–1945“, Walter de Gruyter, 18. September 2012, Kap. II „Im braunen Hemd mit schwarzen Knöpfen“, S. 50, https://books.google.de/books?id=fuDoBQAAQBAJ&pg=PA50&lpg=PA50#v=onepage&q&f=false: „1932 wurde in Kreiensen die erste SS-eigene »Lehrschule« [...] eröffnet, [...]“, also schon vor der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ von 1933, eine nationalsozialistische Ausbildungsstätte für SA- und SS-Angehörige.Rainer Schomann, Michael Heinrich Schormann, Stefan Winghart, Joachim Wolschke-Bulmahn (Hrsg.), „Unter der GrasNarbe. Freiraumgestaltungen in Niedersachsen während der NS-Diktatur als denkmalpflegerisches Thema“, Tagung in Hannover, 26.–29. März 2014, darin: Reinhard Bein, „Rahmenbedingungen der Umgestaltung Braunschweigs zu einem nationalsozialistischen Musterland“, S. 14 (= Seite 15 der PDF-Datei), https://www.cgl.uni-hannover.de/fileadmin/cgl/Forschung/Publikationen/Broschueren/Broschu__re__Unter_der_GrasNarbe_.pdf Diese Ausbildungsstätte war in der ehemaligen Gewehrfabrik H. Burgsmüller & Söhne untergebracht. Die SA-Leute rückten gelegentlich aus, um politische Gegner und Unbeteiligte zu drangsalieren.„Der Kampf der Bilder, Braunschweig im Spiegel der Fotografie, 1930–1933“, Arbeitskreis Andere Geschichte e. V., Die Braunschweiger Geschichtswerkstatt http://www.kampf-der-bilder.de/index.php?id=26. Siehe auch: Friedrich Wilhelm Rogge, „Die Quellenlage zur Geschichte der Weimarer Republik in Niedersachsen, Anmerkungen und Hinweise zum augenblicklichen Forschungsstand“, in: „Niedersachsen in der Weimarer Republik“, Vorträge auf der Tagung der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen in Lüneburg am 28. / 29. Mai 1981, von S. 15, Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Neue Folge der »Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen«, Herausgegeben von der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 54, 1982, https://www.historische-kommission.niedersachsen.de/download/77538/JB_54_1982.pdf : „Die [...] Akten der Kreisdirektion Gandersheim (129 Neu) geben ein authentisches Bild über die seit 1930/31 verstärkt zu beobachtenden terroristischen Übergriffe auf die Bevölkerung in der Umgebung der berüchtigten SA- und SS-Führerschule in Kreiensen.“ Von dem Verbot von SA und SS am 13. April 1932Amtliche Dokumente zum SA-Verbot, in: Der Funke, 15. April 1932, Nr. 88 / 1. Jg., S. 3, https://library.fes.de/inhalt/digital/funke/pdf/1932/19320414.pdf war auch die Schule in Kreiensen betroffen; die Schulungsteilnehmer zogen vorübergehend aus Kreiensen ab.M.H., „»Gut, daß wir sie los sind!« SA-Rekruten verlassen Kreiensen.“, in: Der Funke (Reichsausgabe), Nummer 90 A, Berlin, Sonntag, den 17. April 1932, 21. Jahrgang, Seite 5 der PDF-Datei, https://library.fes.de/inhalt/digital/funke/pdf/1932/19320417.pdf : „Hier [in Kreiensen] herrschte heute besonderes Leben. Von morgens an marschierten Trupps von SA und SS durch die Straßen unter Absingen ihrer faschistischen Marschlieder: es sind die SA-Rekruten, die zum Drill für den vierwöchentlichen Kurs in der SA-Schule hier zusammengezogen waren. Das Verbot der SA betrifft auch diese Schule: sie muß heute die Pforten schließen und die Kursteilnehmer wieder nach Hause schicken. Ich sehe einen Trupp in Richtung Braunschweig abfahren.“ Am 14. Juni 1932 wurde die SA jedoch wieder zugelassen.Paul Hoser, „Sturmabteilung (SA), 1921–1923/1925-1945“, in: Historisches Lexikon Bayerns, https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Sturmabteilung_(SA),_1921-1923/1925-1945#Das_SA-Verbot_vom_April.2FJuni_1932 Zu Ostern 1934 wurde im Ort die Motorsportschule Kreiensen des Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK)Bundesarchiv, NS 24/730 und NS 24/723, Motorsportschule Kreiensen 1935–1938, https://www.bundesarchiv.de/findbuecher/rlg_findm/findb/NS24-26427.xml bzw. der Motor-SAMarianne Helms / Hans Langenfeld, „Hülsen, Bad Gandersheim, Adolf-Hitler-Bad Kreiensen“, S. 323–342 (ab S. 330 der PDF-Datei), Kap.: „Die Motorsportschule in Kreiensen“, S. 331–334, S. 331, in: Niedersächsisches Institut für Sportgeschichte (NISH), NISH-Jahrbuch 2009/10, Redaktion: Marianne Helms / Hans Langenfeld, Hoya 2010, ISBN 978-3-932423-36-9, https://nish.de/wp-content/uploads/2022/02/NISH-Jahrbuch-2009-10.pdf eröffnet. Sie bestand mindestens bis 1940.Organisationsbuch der NSDAP (1940), Zentralverlag der NSDAP, Franz Eher Nachf., München 1940, S. 396, https://archive.org/details/organisationsbuch-der-nsdap-1940/page/n579/mode/2up?q=Kreiensen

Das Freibad in Kreiensen, das am 5. August 1933 an der B 64 zwischen Kreiensen und Orxhausen eröffnet wurde, erhielt den Namen „Adolf-Hitler-Bad Kreiensen“.Rolf Bruns, „Es war einmal ... eine Badeanstalt“, in: Kreiensener Heimatblatt, Frühjahr 2018, Nr. 31, S. 7 bis 11, https://heimatverein-kreiensen.de/Heimatblaetter/heft-31-2018.pdf Dieser Name prangte in großen Lettern auf einem markanten Hang („Der Sandkorn“) direkt neben dem Freibad, weithin sichtbar von der vorbeiführenden Fernstraße Richtung Bad Gandersheim sowie von der nahen Bahnstrecke Kreiensen-Braunschweig aus, wie Ansichtspostkarten der 1930er Jahre belegen.Siehe: https://www.akpool.de/ansichtskarten/26674158-ansichtskarte-postkarte-kreiensen-einbeck-adolf-hitler-bad-freibad; https://www.akpool.de/ansichtskarten/29906934-ansichtskarte-postkarte-kreiensen-einbeck-adolf-hitler-bad; https://www.akpool.de/ansichtskarten/29886284-ansichtskarte-postkarte-kreiensen-einbeck-in-niedersachsen-adolf-hitler-bad-panorama; https://www.akpool.de/ansichtskarten/29067387-ansichtskarte-postkarte-kreiensen-einbeck-adolf-hitler-bad Das Freibad wurde 1988 geschlossen.Rolf Bruns, „Es war einmal ... eine Badeanstalt“, in: Kreiensener Heimatblatt, Frühjahr 2018, Nr. 31, S. 7 bis 11, https://heimatverein-kreiensen.de/Heimatblaetter/heft-31-2018.pdf

Ortsheimatpfleger ist Jochen Prochnow. (Stand: Mai 2026)Ortsheimatpflege in der Stadt Einbeck bei einbeck.de

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 in Kraft trat, entstand die bis 2012 bestehende Großgemeinde Kreiensen. Dabei löste der Ort Kreiensen den historischen Zentralort Greene als Verwaltungssitz ab. Die neue Gemeinde gehörte bis 1977 zum Landkreis Gandersheim und anschließend zum Landkreis Northeim. Diese Gemeinde Kreiensen hatte eine Fläche von 65,32 km².

Am 17. Oktober 2011 beschloss der Gemeinderat die Vereinigung der Gemeinde Kreiensen mit der Nachbarstadt Einbeck, die zum 1. Januar 2013 in Kraft trat.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1910 1732 1925 2044 1933 2097 1939 1999 1950 3409 1956 3058 1961 2948 1970 2944 1973 2901 1975 8909 ¹ Jahr Einwohner Quelle 1980 8374 ¹ 1985 8088 ¹ 1990 8281 ¹ 1995 8394 ¹ 2000 7735 ¹ 2005 7388 ¹ 2010 6940 ¹ 2012 6671 ¹ 2020 2455 ¹ jeweils zum 31. Dezember

Politik mini|Ehem. Rathaus

Ortsrat Der Ortsrat Kreiensen setzt sich aus sechs Ratsmitgliedern zusammen: Bürgerliste – unabh. Wgem. Kreiensen: 6 Sitze FDP: 1 Sitz (Stand: Kommunalwahl 2021)

Ortsbürgermeister Der Ortsbürgermeister ist Oliver Rieger.

Ehemaliger Rat Der ehemalige Rat der Gemeinde Kreiensen bestand aus 18 Mitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 6001 und 7000 Einwohnern. Die Ratsmitglieder wurden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt.

Stimm- und sitzberechtigt im Rat war außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 ergab die folgende Sitzverteilung: SPD: 7 Sitze CDU: 6 Sitze BL-UWG: 4 Sitze Grüne: 1 Sitz

Ehemaliger Bürgermeister Der hauptamtliche Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Kreiensen war Ronny Rode (SPD). Er trat sein Amt im Jahre 2004 an.

Wappen Der Entwurf des Kommunalwappens von Kreiensen stammt von Helmut Millies aus der Kleinstadt Gronau (Leine). Das Wappen wurde am 11. September 1975 vom Gemeinderat beschlossen und am 1. Oktober desselben Jahres vom Landkreis Gandersheim genehmigt.

Städtepartnerschaften , Niederösterreich – Österreich , Sachsen-Anhalt – Deutschland

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke (Auswahl)