mini|hochkant|Hildegard Maria Rauchfuß, 1953 mini|Hildegard Maria Rauchfuß, 1964 Hildegard Maria Rauchfuß (* 22. Februar 1918 in Breslau; † 28. Mai 2000 in Leipzig) war eine deutsche Schriftstellerin.

Leben miniatur|Grabstätte von Hildegard Maria Rauchfuß-Zoppeck auf dem Südfriedhof in Leipzig Hildegard Maria Rauchfuß war die Tochter einer französischstämmigen Mutter und eines preußischen Offiziers. Sie besuchte ein Lyzeum, wurde jedoch kurz vor dem Abitur wegen der Parteinahme für jüdische Freunde von der Schule verwiesen. Ihren Abschluss machte sie dann auf der Handelsschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung als Sängerin. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete sie als Bankangestellte. Im Frühjahr 1945 floh sie aus Breslau, zuerst nach Bad Warmbrunn und 1947 nach Leipzig. Dort war sie anfangs als Buchhalterin tätig. Seit Beginn der 1950er-Jahre lebte sie als freie Schriftstellerin in Leipzig.

Hildegard Maria Rauchfuß’ Werk umfasst Romane, Erzählungen, Kinderbücher, Gedichte und Liedtexte, Fernsehdrehbücher sowie Texte für das Kabarett Leipziger Pfeffermühle. Ihr Roman einer Künstlerehe Wem die Steine Antwort geben hat den Wiederaufbau des Dresdner Zwingers zum Hintergrund, die stark autobiografisch gefärbten Bücher Schlesisches Himmelreich und Fische auf den Zweigen schildern die Entwicklung einer jungen Frau aus konservativem schlesischem Milieu von den 1920er-Jahren bis zur Übersiedlung in die DDR Ende der 1940er-Jahre. In ihrem letzten, seinerzeit vieldiskutierten Roman Schlußstrich behandelt die Autorin das Thema Alkoholismus. Rauchfuß’ Liedtexte wurden unter anderem von Gisela May und der DDR-Band City interpretiert, der Text zu deren berühmtestem Song Am Fenster stammte von ihr.Der Fenster-Ausblick zum Weltruhm und Sankt-Pauli-Legenden-Legenden zur Entstehung und Wirkung des Lieds. In: * Toni Krahls Rocklegenden. S. 55–74, Neues Leben, Berlin 2016, ISBN 978-3-355-01840-1.

Hildegard Maria Rauchfuß gehörte seit 1950 dem Schriftstellerverband der DDR und seit 1975 dem Verband der Journalisten der DDR an. Von 1967 bis 1976 war sie unter dem Decknamen „Bettina“ oder auch „Bettina Schreiber“ Inoffizielle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.Friederike Frach: Schloss Wiepersdorf – Das „Künstlerheim“ unter dem Einfluss der Kulturpolitik der DDR, Ch. Links Verlag, Berlin 2012, S. 126Verpflichtung, 3. Mai 1967, BStu, Lpz AIM 2011/76 I, Bl. 23

Rauchfuß war verheiratet mit dem Literatur- und Kulturwissenschaftler Robert Zoppeck (1919–1998), es war dessen dritte Ehe.https://www.insuedthueringen.de/inhalt.meininger-puppentheater-die-obergretel-ist-fleissig-wie-eh-und-je.bc7b9d66-3890-4e9d-aff0-c63142904758.html

Nach ihrem Tod kaufte die Gruppe City den dichterischen Nachlass und übergab ihn zur Nutzung der Stadt Leipzig.Toni Krahls Rocklegenden. S. 60; Neues Leben, Berlin 2016, ISBN 978-3-355-01840-1

Aufgrund einer Fiskalerbschaft wurde zunächst der Freistaat Sachsen als Erbe von Hildegard Maria Rauchfuß festgestellt. Dieser erhielt an Tantiemen und Lizenzgebühren jährlich rund 10.000 Euro, hatte aber über 20 Jahre später den Nachlass an die dann bekannt gewordenen gesetzlichen Erben herauszugeben.https://rsw.beck.de/aktuell/daily/meldung/detail/ddr-kultsong-am-fenster-sachsen-erbe-liedtexterin-auszahlung

Werke Jahrmarkt und andere Erzählungen, Leipzig 1949 Das schilfgrüne Kleid und andere Erzählungen, Leipzig 1949 Gewitter überm großen Fluß, Leipzig 1952 Wem die Steine Antwort geben, Halle (Saale) 1953 Besiegte Schatten, Halle (Saale) 1954 Fräulein Rosenzeh und andere Märchen, Berlin 1959 So anders fällt das Licht, Halle (Saale) 1959 Die weißen und die schwarzen Lämmer, Halle (Saale) 1959 Die grünen Straßen, Halle/Saale 1963 Schlesisches Himmelreich, Leipzig 1968 Versuch es mit der kleinen Liebe. Gedichte ,Lieder und Chansons, Henschelverlag, Berlin 1970 Kopfbälle, Leipzig 1974 War ich zu taktlos, Felix?, Leipzig 1976 Fische auf den Zweigen, Halle u. a. 1980 Mit dem linken Fuß zuerst, Halle u. a. 1984 Schlußstrich, Halle u. a. 1986 Zwei Gedichte, Leipzig 1998 (zusammen mit Volker Pfüller)

Auszeichnungen 1963: Kunstpreis der Stadt Leipzig 1973: Johannes-R.-Becher-Medaille 1979: Vaterländischer Verdienstorden 1986: Nationalpreis der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur

Weblinks

Biographie Hildegard Maria Rauchfuß auf der Webseite der Stadt Leipzig Porträt-Hörbild 30min. bei MDR KULTUR

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:DDR-Literatur Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Erzählung Kategorie:Lyrik Kategorie:Liedtexter Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Nationalpreises der DDR III. Klasse für Kunst und Literatur Kategorie:Träger der Johannes-R.-Becher-Medaille Kategorie:Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit Kategorie:Schriftsteller (Leipzig) Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1918 Kategorie:Gestorben 2000 Kategorie:Frau