mini|Konstanze Lauterbach (2015)
Konstanze Lauterbach (* 30. April 1954 in Ronneburg; † 24. Mai 2025 in Berlin) war eine deutsche Schauspiel- und Opernregisseurin.
Leben Nachdem sie 1972 das Abitur in Gera abgelegt hatte, absolvierte Konstanze Lauterbach eine Berufsausbildung als Textilfacharbeiterin. Von 1974 bis 1976 arbeitete sie als Requisiteurin am Theater Gera. Es folgte ein Studium der Germanistik und Literaturwissenschaft an der damaligen Karl-Marx-Universität in Leipzig. In diese Zeit fallen ihre ersten Regiearbeiten am Poetischen Theater der Karl-Marx-Universität (u. a. Athol Fugards Aussagen nach einer Verhaftung auf Grund des Gesetzes gegen Unsittlichkeit).
Von 1982 bis 1984 war Konstanze Lauterbach als Regieassistentin am Schauspielhaus in Karl-Marx-Stadt tätig und leitete das Theater im Foyer. Es folgten erste Engagements als Regisseurin am Theater Altenburg und am Theater Nordhausen. Von 1987 bis 1990 war sie feste Regisseurin am Theater Rudolstadt und fiel dort mit starken, eigenwilligen Arbeiten (darunter Carmen Kittel von Georg Seidel und Santerre von Peter Brasch) der überregionalen Fachpresse auf.Die Zeit der Grabenkämpfe ist vorbei. Rundtischgespräch mit jungen Schauspielern und Regisseuren am Thüringer Landestheater Rudolstadt. In: Theater der Zeit Heft 9/1990
Im Jahre 1991 wurde sie als Hausregisseurin an das Schauspiel Leipzig berufen und legte während ihrer Tätigkeit bis zum Jahr 2000 Inszenierungen vor, die den künstlerischen Erneuerungsprozess des Hauses nach dem Zusammenbruch der DDR maßgeblich prägten.Dagmar Borrmann: Innocent when you dream. In: Theater in der Übergangsgesellschaft. Schauspiel Leipzig 1957–2007. Hrsg. von Wolfgang Engel und Erika Stephan. Verlag Theater der Zeit, Berlin 2007. ISBN 978-3-934344-84-6 Ihre Inszenierung von Federico García Lorcas Stück Bernarda Albas Haus wurde 1993 vom ZDF aufgezeichnet. Die Besessene von Mark Galesnik wurde im selben Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen.
Seit Mitte der 1990er Jahre wandte sich Konstanze Lauterbach auch der Gattung Oper zu. Sie arbeitete u. a. am Theater Bremen, für die Wiener Festwochen, am Theater Bonn, am Residenztheater (München), dem Burgtheater Wien, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz und an der Dresdner Semperoper.
Von 2001 bis 2003 war sie in der Intendanz von Bernd Wilms Hausregisseurin am Deutschen Theater Berlin. Danach arbeitete sie als freie Regisseurin für Schauspiel und Oper, u. a. am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, am Staatstheater Braunschweig, am Deutschen Nationaltheater Weimar, am Landestheater Coburg, am Schauspiel Essen, am Hans Otto Theater Potsdam und am Volkstheater Rostock.
Konstanze Lauterbachs Regiearbeiten zeichneten sich durch starke Bildhaftigkeit und die Verschmelzung von Schauspiel mit Elementen des Tanztheaters, wie es etwa Pina Bausch entwickelt hat, aus. Sie hat sich insbesondere um die Rezeption der Stücke von Federico García Lorca in Deutschland verdient gemacht, von dem sie auch seltener gespielte Texte (wie Yerma, Mariana Pineda und Doña Rosita bleibt ledig) inszenierte.
Auf dem Gebiet der Oper engagierte sie sich ebenfalls für bislang selten aufgeführte Werke: so zum Beispiel für Siegfried Wagners Schwarzschwanenreich (Thüringer Landestheater Rudolstadt, 1994), für Pietro Mascagnis Isabeau (Staatstheater Braunschweig, 2011), Zdeněk Fibichs Šárka (Staatstheater Braunschweig, 2012) oder Rodion Konstantinowitsch Schtschedrins Oper Lolita (Hessisches Staatstheater Wiesbaden, Deutsche und Deutschsprachige Erstaufführung, 2011).https://www.sadk.de/mitglieder/klasse-darstellende-kunst-und-film/lauterbach-konstanze, abgerufen am 18. August 2025
Konstanze Lauterbach war Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste.https://www.sadk.de/mitglieder/klasse-darstellende-kunst-und-film/lauterbach-konstanze, abgerufen am 18. August 2025
Auszeichnungen 1993 Nachwuchsregisseurin des Jahres (gewählt durch die Kritiker der Fachzeitschrift Theater heute) 1996 Deutscher Kritikerpreis 2002 Caroline-Neuber-Preis der Stadt Leipzig
Inszenierungen (Auswahl) 1990: Rozznjogd von Peter Turrini, Schauspiel Leipzig 1991: Krankheit der Jugend von Ferdinand Bruckner, Schauspiel Leipzig 1992: Der Mann von La Mancha, Schauspiel Leipzig 1993: Bernarda Albas Haus von Federico García Lorca (aufgezeichnet vom ZDF), Schauspiel Leipzig 1993 Die Besessene von Mark Galesnik, Schauspiel Leipzig, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 1993https://archive.berlinerfestspiele.de/theatertreffen/search?titleText=Die+Besessene, abgerufen am 18. Februar 2026 1994: Baal (Brecht) von Bertolt Brecht, Schauspiel Leipzig 1994: Die Leiden des jungen Werthers, eigene Fassung mit Cornelia Oehme, Schauspiel Leipzig 1995: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (Co-Produktion des Stadttheaters Klagenfurt mit den Wiener Festwochen) 1995: Sterne am Morgenhimmel von Alexander Galin, Theater Bremen 1996: Tango von Sławomir Mrożek, Burgtheater Wien 1995: Lieblieb von Ludwig Fels, Schauspiel Leipzig 1995 Der fliegende Holländer von Richard Wagner, Badisches Staatstheater Karlsruhe 1996: Doña Rosita bleibt ledig von Federico García Lorca, Theater Bremen 1997: Kabale und Liebe, Schauspiel Leipzig 1998: Mutter Courage und ihre Kinder von Bertolt Brecht, Burgtheater Wien 1999: Pelléas und Mélisande von Maurice Maeterlinck, Schauspiel Leipzig 2000: Giselle von Adolphe Adam, Tanztheater Volksbühne Berlin 2001: Mariana Pineda von Federico García Lorca am Schauspiel Bonn, Fernsehaufzeichnung durch den WDR 2001: Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, Theater Bremen 2001: Bluthochzeit von Federico García Lorca, Deutsches Theater Berlin 2001: Armut, Reichtum, Mensch und Tier von Hans Henny Jahnn, Theater Bremen 2002: Trauer muss Elektra tragen von Eugene O’Neill, Deutsches Theater Berlin 2002: Casting von Alexander Galin, Deutsches Theater Berlin 2003: Mädchen in Uniform von Christa Winsloe, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2004: Die Zofen von Jean Genet, Deutsches Theater Berlin 2004: Medea von Hans Henny Jahnn, Theater Bremen 2004: Carmen (Oper), Semperoper Dresden 2005: Der Hofmeister von Jakob Michael Reinhold Lenz, Theater Bremen 2005: Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas, Theater Bremen 2006: Zement von Heiner Müller, Schauspiel Leipzig 2006: Die Amazonen von Stefan Schütz, Theater Bremen 2006: Die tätowierte Rose von Tennessee Williams, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2007: Pelléas et Mélisande von Claude Debussy, Theater Bremen 2007: Die Jüdin von Toledo von Franz Grillparzer, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2008: Libussa von Franz Grillparzer, Düsseldorfer Schauspielhaus 2008: Die Tochter der Luft von Hans Magnus Enzensberger nach Pedro Calderón de la Barca, Schauspiel Leipzig 2009: Lulu von Alban Berg, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2010: Michael Kohlhaas (Theaterfassung von Konstanze Lauterbach und Dagmar Borrmann), Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2010: Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch, Staatstheater Braunschweig 2011: Isabeau von Pietro Mascagni, Staatstheater Braunschweig 2011: Lolita von Rodion Schtschedrin nach Vladimir Nabokov, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2011: Die Kinder Agamemnons (Iphigenie/Elektra/Orest) am Hessischen Staatstheater Wiesbaden (Fassung von Konstanze Lauterbach und Dagmar Borrmann), 2012 eingeladen zum „16th International Festival of Ancient Greek Drama“ in Zypern 2012: Šárka von Zdenek Fibich, Staatstheater Braunschweig 2012: Die Troerinnen von Euripides, Deutsches Nationaltheater Weimar 2012: Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2012: Graf Öderland von Max Frisch, Schauspiel Essen 2013: Schiwagos Odyssee nach Motiven von Boris Pasternak, Deutsches Nationaltheater Weimar 2013: Aida von Giuseppe Verdi, Staatstheater Braunschweig 2013: Hexenjagd von Arthur Miller, Hessisches Staatstheater Wiesbaden 2013: Eugen Onegin von Peter Tschaikowsky, Landestheater Coburg 2014: Medea von Euripides, Schauspiel Essen 2014: Zur schönen Aussicht von Ödön von Horváth, Landestheater Coburg 2015: Norma von Vincenzo Bellini, Landestheater Coburg 2017: Antigone von Sophokles, Landestheater Coburg 2017 Schiff der Träume nach dem gleichnamigen Film von Federico Fellini, Volkstheater Rostock 2017: Das Leben des Galilei von Bertolt Brecht, Schauspiel Essen 2018: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny von Bertolt Brecht (Libretto) und Kurt Weill (Musik), Landestheater Coburg 2019 Peer Gynt von Henrik Ibsen, Volkstheater Rostock 2019: Das achte Leben (für Brilka) von Nino Haratischwili, Hans Otto Theater Potsdam 2020: Othello von William Shakespeare, Landestheater Coburg 2021: Das Wunder von Mailand von Cesare Zavattini, Bearbeitung für die Bühne von Peter Zadek, Volkstheater Rostock
Literatur über Konstanze Lauterbach Dagmar Borrmann: “Die machte Sachen, die hat man noch nie gesehen”. Pina Bauschs Einfluss auf die Schauspielarbeit der Regisseurin Konstanze Lauterbach. In: Theater der Zeit Heft 6/2026, S. 38–40 Christina Haberlik: Regie-Frauen. Ein Männerberuf in Frauenhand. Hrsg. vom Deutschen Theatermuseum München. München 2020 ISBN 978-3-89487-663-0, S. 99–102 Dagmar Borrmann: Innocent when you dream. Konstanze Lauterbach am Leipziger Theater. In: Wolfgang Engel, Erika Stephan (Hrsg.): Theater in der Übergangsgesellschaft. Theater der Zeit, Berlin 2007, ISBN 978-3-934344-84-6. Hans-Dieter Schütt: Hinterm Vorhang das Meer. Landkarte der neuen Theaterwelt. Das Neue Berlin, Berlin 2001, ISBN 3-360-00934-7. C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 424 Dieter Ingenschay: Frauenpower unspanisch-postmodern. Zu Konstanze Lauterbachs Inszenierung von Federico García Lorcas La casa de Bernarda Alba am Schauspiel Leipzig. In: Gewalt im Drama und auf der Bühne. Hrsg. von Günter Ahrends, Hans-Jürgen Diller, Uwe-Karsten Ketelsen, Hans Ulrich Seeber. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1998. ISBN 3-8233-5186-9, S. 60–72 Michael Hametner: Theater gegen die Deckgebirge der Formen. Über Konstanze Lauterbach. In: Theater der Zeit, Heft 5/1994
Weblinks Biografie und Regieverzeichnis von Konstanze Lauterbach
– Operninszenierungen von Konstanze Lauterbach auf operabase
Einzelnachweise
Kategorie:Theaterregisseur Kategorie:Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1954 Kategorie:Gestorben 2025 Kategorie:Frau