Die Raduga Ch-15 (, NATO-Codename AS-16 Kickback) ist eine überschallschnelle Luft-Boden-Rakete aus der Sowjetunion.
Entwicklung Die Ch-15 wurde als Gegenstück zur US-amerikanischen AGM-69 SRAM entwickelt. Die Entwicklung begann 1978 im Konstruktionsbüro Raduga in Moskau. Das System wurde im Jahre 1988 bei den sowjetischen Luftstreitkräften eingeführt. Erstmals wurde die Ch-15 im Jahr 1992 der Öffentlichkeit präsentiert. Insgesamt wurden rund 700 Ch-15 produziert.Christopher F. Foss: Jane’s Strategic Weapon Systems – 38th Edition. Jane’s Information Group, 2003, S. 195. Im Westen erhielt die Ch-15 den Spitznamen „SRAMski“, da sie dem US-Gegenstück ähnelt.
Varianten Ch-15 (RKW-15) Standardversion, gesteuert durch ein Trägheitsnavigationssystem, mit einem 350-kT-Nuklearsprengkopf. Reichweite 200–280 km.www.airwar.ru, Zugriff: 23. Januar 2014 (russisch) Ch-15P Version mit verbesserter Präzision und einer Reichweite von 300–350 km. Entwicklung 1991 eingestellt. Ch-15E Version zur Radarbekämpfung mit einem passiven Radarsuchkopf und einem 150-kg-Splittergefechtskopf. Reichweite 120–150 km. Entwicklung eingestellt.Thomas Newdick: Postwar Air Weapons 1945 – Present . 2011. S. 74. Ch-15S/A Version zur Schiffsbekämpfung, vorgestellt 1993. Mit einem 150-kg-Penetrationsgefechtskopf und aktivem Radarsuchkopf im Ku-Band. Reichweite 120–150 km.Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, 2003, S. 426–427, S. 202. Entwicklung eingestellt. Ch-15SE Exportversion der Ch-15A.
Technik Die Ch-15 wurde als Unterstützungswaffe für Bomber konzipiert. Zu den Zielen der Ch-15 gehören Jagdfliegerhorste, Radarstationen und Flugabwehrstellungen.
Die Oberfläche des stromlinienförmigen Rumpfes der Ch-15 besteht aus einer hitzebeständigen Wolfram-Molybdän-Legierung. An der Lenkwaffenspitze ist eine zusätzliche Wärmedämmschicht aufgebracht. Am Flugkörperheck befinden sich drei aerodynamische Steuerflächen aus einer Titanlegierung. militaryrussia.ru, Zugriff: 23. Januar 2014 (russisch) Die Ch-15 wird von einem hochenergetischen 9A2001-Dualpuls-Feststoffraketentriebwerk der Firma OKB Sojus angetrieben. Dieses arbeitet mit zwei unterschiedlichen Schubstufen für den Start und den Marschflug. Der Raketenantrieb kann zwischen der Zündung des Start- und Marschantriebes pausieren.Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004. S. 134–135 & 137.
Vor dem Start müssen die Zielkoordinaten ins Navigationssystem der Lenkwaffe eingegeben werden. Dies kann am Boden oder an Bord des Trägerflugzeuges geschehen. Die Ch-15 kann in einem Höhenbereich von 300–22.000 m gestartet werden. Nach dem Abwurf vom Flugzeug folgt eine kurze antriebslose Phase. Erst in sicherem Abstand zum Flugzeug zündet das Raketentriebwerk im Lenkwaffenheck. Danach steigt die Lenkwaffe in einer aeroballistischen Flugbahn auf eine Höhe von 40.000 m. Der Zielanflug erfolgt in einem steilen Sturzflug mit einer Geschwindigkeit von Mach 5. Um eine Flugstrecke von 200 km zurückzulegen, benötigt die Ch-15 zwischen 180 und 200 Sekunden. Die minimale Einsatzdistanz beträgt 40 km.rbase.new-factoria.ru, Zugriff: 23. Januar 2014 (russisch) Der thermonukleare Sprengkopf kann mittels Näherungszünder in der Luft zünden oder mit dem Aufschlagzünder bei Bodenkontakt ausgelöst werden.Nikolay Spassky: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 - Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, 2001, S. 74–75.
Trägerflugzeuge Tupolew Tu-95 mit maximal 12 Lenkwaffen im Waffenschacht Tupolew Tu-22M mit maximal 6 Lenkwaffen im Waffenschacht und 4 an zwei Außenlaststationen Tupolew Tu-160 mit maximal 24 Lenkwaffen im Waffenschacht Quelle:
Status Ob sich die Ch-15 noch im Bestand der Russischen Luftstreitkräfte befindet ist unklar. Westliche Analysten gehen davon aus, dass die Ch-15 ab 2019 ausgesondert und eingelagert wurden.Tandfonline.com: Russian nuclear forces, 2019Nagasaki-u.ac.jp: Russian nuclear weapons capability list 2021 (PDF; 1,1 MB)
Nutzerstaaten
Literatur Christopher F. Foss: Jane’s Strategic Weapon Systems – 38th Edition. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 978-0-7106-2960-9. Jefim Gordon: Soviet/Russian Aircraft Weapons since World War Two. Midland Publishing, 2004, ISBN 978-1-8578-0188-0. Nikolay Spassky: Russia’s Arms and Technologies. The XXI Century Encyclopedia. Vol. 10 - Aircraft armament and avionics. A & T Publishing House / Oruzhie i tekhnologii, Russland, 2004, ISBN 978-5-93799-016-7. Robert Hewson: Jane’s Air launched Weapon 2003. Jane’s Information Group, Vereinigtes Königreich, 2003, ISBN 0-7106-0866-7. Thomas Newdick: Postwar Air Weapons 1945 – Present. Amber, London 2011. ISBN 978-1-907446-59-7.
Weblinks Raduga Kh-15 bei weaponsystems.net (englisch) Kh-15 bei deagel.com (englisch) Missile Kh-15 (AS-16 Kickback) bei globalmilitary.net (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Luft-Boden-Rakete Kategorie:Militärische Ausrüstung (Sowjetunion) Kategorie:Atomrakete