Lindau (Bodensee) (, alemannisch Lindau/Lindou oder Linda/Linde; früher Lindau im Bodensee) ist eine deutsche Mittelstadt im Südwesten von Bayern. Der historische Stadtkern der ehemaligen Reichsstadt mit der Maximilianstraße im Zentrum liegt auf einer Insel im östlichen Teil des Bodensees. Die Insel ist durch eine Straßenbrücke und den Lindauer Eisenbahndamm mit den Stadtteilen auf dem Festland verbunden. Lindau ist eine Große Kreisstadt und der Verwaltungssitz des gleichnamigen Landkreises im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Wahrzeichen sind ein Leuchtturm und eine Löwenfigur am Bodensee-Hafen. Die Stadt ist, auch wegen ihrer Lage in der Nähe zu Österreich und der Schweiz, Ziel vieler Touristen. Seit den 1950er Jahren finden dort regelmäßige Treffen von Nobelpreisträgern mit Nachwuchswissenschaftlern statt. mini|Die Altstadt von Lindau auf ihrer Insel im Bodensee, dahinter am Ufer der Stadtteil Reutin mini|Hafen und Stadt Lindau mini|hochkant=1.2|Hafeneinfahrt, Aufzeichnung der Webcam von Lindau Tourismus mini|hochkant=1.2|Lindau (Bodensee) von Nordwesten

Geographie Überblick Lindau ist die größte Stadt im Argengau. Die historische Altstadt liegt auf der Insel Lindau, dem zentralen Stadtteil mit einer Fläche von 0,69 km². Sie hat ungefähr 2800 Einwohner. Die Einwohnerzahl der Insel war schon wesentlich höher; bei der Volkszählung von 1900 beispielsweise wurden 5853 Personen ermittelt. Die Insel bestand ehemals aus drei Teilinseln (Hintere Insel, Hauptinsel und Burg/Römerschanze); im Jahr 1968 wurde der Parkplatz P5 auf der Hinteren Insel aufgeschüttet. Die Insel ist durch den Eisenbahndamm und die Straßenbrücke mit dem Festland verbunden. Zu Lindau gehört auch die kleine Insel Hoy, die in den 1920er Jahren als künstliche Badeinsel angelegt wurde. Des Weiteren gibt es einen Gneisblock im flachen Wasser, etwa 40 Meter vor der sogenannten Hinteren Insel (Teil westlich des Bahndamms; auch „Westliche Insel“ genannt), der Hexenstein genannt wird. Dieser gehört offiziell nicht zum Stadtgebiet.

Der südliche Teil des übrigen Stadtgebietes ist entlang der Uferlinie relativ dicht bebaut. Außerhalb dieser Siedlungsfläche liegen im nördlichen Teil eingemeindete Dörfer, von denen Ober- und Unterreitnau die größten sind. Das Gebiet wird vorwiegend landwirtschaftlich genutzt, wobei der Obstbau weite Teile dominiert; die Wiesen und Anbauflächen werden von Waldflächen durchbrochen.

Mit den festländischen Gemeindeteilen Schachen, Aeschach, Reutin und Zech (von West nach Ost) verfügt die Stadt Lindau über mehr als 12 km Bodenseeufer. Die natürliche Uferform des Bodensees im Lindauer Bereich ist ein Schilfgürtel, gefolgt von Feuchtwiesen und ansteigendem festem Gelände gefolgt von Drumlins.

Geologie Das Stadtgebiet ist geprägt durch glaziale Umformungen der Würmeiszeit. Naturräumlich gehört der südliche, ufernahe Teil des Stadtgebietes zum Bodenseebecken, das nordwestliche Gebiet um Ober- und Unterreitnau dagegen zum Westallgäuer Hügelland. Im südöstlichen Teil des Lindauer Stadtgebiets können nacheiszeitliche Seeablagerungen ausgemacht werden.Landschaftsplan Stadt Lindau (B): (PDF), abgerufen am 2. April 2015.

Im Norden der Stadt finden sich vielfach Jungmoränen mit Drumlins, im Norden wurde ein Drumlinfeld vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop ausgewiesen, ebenso ein Findling in Hochbuch. Den Übergang vom Bodenseebecken im Süden zum Drumlin-Hügelland im Norden bilden Schotterterrassen und Moränenwälle.Landschaftsplan Stadt Lindau (B): (PDF), abgerufen am 2. April 2015.

Hydrologie Im Stadtgebiet münden fünf Bäche in den Bodensee (Nennung von West nach Ost): Giebelbach, Oberreitnauer Ach, Rickenbach/Oberreutiner Tobelbach, der sich in seinem Unterlauf teilt, sowie die Leiblach, welche die Staatsgrenze zu Österreich bildet. Die Oberreitnauer Ach speist sich unter anderem aus den orographisch linken Zuflüssen Motzacher Tobelbach und Wolfsbach; im äußersten Nordwesten durchfließt der Nonnenbach das Stadtgebiet. Ebenfalls auf dem Stadtgebiet liegen die folgenden größeren Weiher: Köchlinweiher (Reutin), Sägtobelweiher und Oberer/Mittlerer Klosterweiher (bei Heimesreutin) und der Aspachweiher bei Oberreitnau. Lindau verfügt außerdem über einen kleinen Anteil am Degersee.Landschaftsplan Stadt Lindau (B): (PDF), abgerufen am 2. April 2015.

Klima mini|hochkant|Niederschlagsdiagramm

Der Jahresniederschlag beträgt 1420 mm und liegt damit im oberen Zehntel der von den Messstellen des Deutschen Wetterdienstes erfassten Werte. Über 96 % der statistisch erfassten Orte zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat in Lindau ist der Februar. Am meisten regnet es im Juni, der im Durchschnitt 2,2-mal mehr Niederschlag aufweist als der Monat Februar. Die jahreszeitlichen Niederschlagsschwankungen liegen im oberen Drittel aller statistisch erfassten Orte. In über 98 % dieser Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger als in Lindau.

Nachbargemeinden mini|hochkant=1.5|Gemeindeteile und Nachbargemeinden der Stadt Lindau Im Süden grenzt das Stadtgebiet an den Bodensee. Die Nachbargemeinden im Uhrzeigersinn von West nach Ost: Wasserburg (Landkreis Lindau) Bodolz (Landkreis Lindau) Kressbronn (Bodenseekreis, Baden-Württemberg) Tettnang (Bodenseekreis, Baden-Württemberg) Achberg (Landkreis Ravensburg, Baden-Württemberg) Weißensberg (Landkreis Lindau) Sigmarszell (Landkreis Lindau) Hörbranz (Bezirk Bregenz, Vorarlberg, Österreich)

Unter den Nachbargemeinden liegen Wasserburg und Kressbronn im Westen und Hörbranz im äußersten Osten ebenfalls am Bodensee.

Die Grenze zur österreichischen Gemeinde Hörbranz ist die Flussmitte der Leiblach.

Die im Westen liegende Gemeinde Wasserburg grenzt in zwei Abschnitten an Lindau, unterbrochen durch die Gemeinde Bodolz. Im südlichen Abschnitt, am Bodensee, grenzt Lindau mit seinem Gemeindeteil Schachen an den Wasserburger Gemeindeteil Reutenen; im nördlichen Abschnitt grenzt Lindau mit seinem Gemeindeteil Unterreitnau an den Wasserburger Gemeindeteil Hengnau.

Gemeindegliederung

Das Stadtgebiet umfasst die eigentliche Kernstadt Lindau, die teilweise wiederum aus ehemaligen Gemeinden besteht, und eingemeindeten Dörfern außerhalb des städtischen Siedlungsgefüges. Größere Gemeindeteile, die infrastrukturelle Funktionen übernehmen und etwa eine Grundschule beherbergen, sind fett gekennzeichnet. Insgesamt gehören 48 Gemeindeteile zur Stadt Lindau.

Stadtteile Nr. Stadtteile BevölkerungVolkszählung25. Mai 1987 1 Aeschach (mit Giebelbach) 4.379 2 Bad Schachen 1.261 3 Degelstein 274 4 Hochbuch 1.074 5 Hoyren 1.456 6 Oberreutin 1.660 7 Reutin 4.185 8 Rickenbach 226 9 Schönau 316 10 Inselim Gemeindeverzeichnis als Lindau (Bodensee)/Hauptort geführt 2.755 11 Wannent(h)al 1.323 12 Zech 1.798   Lindau 23.619

Weitere Gemeindeteile Die wichtigsten Gemeindeteile außerhalb der Kernstadt sind die Pfarrdörfer Oberreitnau (1255 Einwohner per 1987) und Unterreitnau (120 Einwohner). Kleinere Dörfer im Gemeindegebiet sind Bechtersweiler, Eggatsweiler, Heimesreutin, Höhenreute, Hörbolz, Motzach, Niederhaus, Oberhochsteg, Oberrengersweiler, Rengersweiler, Rickatshofen und Streitelsfingen. Des Weiteren liegen die Weiler Dachsberg (früher Daxberg), Dürren, Giebelbach, Goldschmidsmühle, Greit, Hangnach, Hörbolzmühle, Humbertsweiler, Lattenweiler, Paradies, Sauters, Sulzenberg, Waltersberg. Auch die folgenden Einöden liegen auf dem Gemeindegebiet: Bahnholz, Gitzenweiler, Grünlach, Hugelitz, Schönbühl, Sulzenmoos, Unterwaltersberg, Wiesfleck.

Das Dorf Unterhochsteg und die Einöden Achrain, Ebnit und Soyers sind keine amtlich benannten Gemeindeteile.

Gemarkungen Auf dem Gebiet der Stadt Lindau gibt es sechs Gemarkungen, die ehemaligen Gemeinden entsprechen: Gemarkungs-nummerGemarkung Fläche 1904ha Eingemeindung Fläche 2015ha Heutige Gemeindeteile 7940 Lindau (Bodensee) (Insel) 59,43 ursprüngliches Stadtzentrum seit 1079,als der Markt auf die Insel verlegt wurde 70,8 Insel,mit dem Südteil des Kleinen Sees 7937 Hoyren 384,42 1. Feb. 1922 (nach Ausgliederung 1818) 387,7 Hoyren, Schachen, Schönau, Degelstein 7938 Aeschach 442,39 1. Feb. 1922 (nach Ausgliederung 1818) 443,4 Aeschach, Hochbuch,mit dem Nordteil des Kleinen Sees 7939 Reutin 899,96 1. Feb. 1922 (nach Ausgliederung 1818) 833,4 Reutin, Zech, Oberreutin, Rickenbach 7936 Oberreitnau 954,02 1. Jan. 1976 947,5 Oberreitnau und umliegende Dörfer 7935 Unterreitnau 620,17 1. Jan. 1976 621,2 Unterreitnau und umliegende Dörfer   Lindau 3360,69 3304,0  

mini|links|hochkant=1.7|Gemarkungen auf dem Gemeindegebiet von Lindau und umliegenden bayerischen Gemeinden

Die Flächenänderungen zwischen 1904 und heute erklären sich durch verschiedene kleine Änderungen im Verlauf der jeweiligen Gemarkungsgrenze. Durch Vergrößerung der Landfläche auf der Insel hat sich auch die Fläche der Gemarkung Lindau erhöht. Die Gemarkung Reutin hingegen hat sich 1952 durch Abtretung einer Fläche um den Weiler Oberhof herum an die Gemeinde Weißensberg verkleinert.

Demographie In Lindau liegt der Ausländeranteil bei 14,2 % (3.470 Personen), der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund bei 24,8 % (6.050 Personen). Beide Werte sind sowohl landes- als auch bundesweit betrachtet überdurchschnittlich hoch.

Einwohnerentwicklung Die Stadt wuchs von 1988 bis 2008 um 974 Einwohner bzw. um ca. 4 %. Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Stadt von 23.699 auf 25.490 um 1.791 Einwohner bzw. um 7,6 %.

Die Einwohnerzahlen ab 1840 beziehen sich auf die heutige Gemeindefläche (Stand: 1978). Bevölkerungsentwicklung Jahr 1840 1900 1939 1950 1961 1970 1987 1991 1995 2000 2005 2010 2015 2017 Einwohner 6.902 11.266 17.044 21.884 25.684 26.773 23.619 24.623 24.163 23.874 24.425 24.772 25.132 25.253

Etymologie und Heraldik mini|96px|Stadtlogo:Lindenblatt

882 verfasste ein St. Galler Mönch die Urkunde, die den ältesten sicheren schriftlichen Beleg des Namens Lindau enthält: Der Name bedeutet „Insel, auf der Lindenbäume wachsen“. Daran erinnern bis heute die seit dem 13. Jahrhundert nachweisbaren Stadtwappen und -siegel, die entweder einen vollständigen Lindenbaum zeigen oder ein Lindenblatt symbolisieren. Der Baum wächst auch heute vielfach im Stadtbild.

Zur Herkunft des Ortsnamens existieren verschiedene Theorien: Primär wird die Herkunft des Wortteils -au auf althochdeutsch ouwa „Insel“ zurückgeführt, wobei Lind- für linta / linda „Linde“ steht.

Eine andere Theorie zur Herkunft des Ortsnamens ist, dass sich der Namensteil Lind- vom keltischen lindon, was „Flüssigkeit, Getränk“ und auch „Teich, kleiner See“ bedeutet, ableitet. Was wahrscheinlicher für Ortsnamen oder Gewässernamen wie z. B. Lintgen (Luxemburg, Lindissa, Lindiacum), Limmat (Schweiz, Fluss, *Lindo-magos > ad fluvium Lindimacum 771, de ripa Lindimagi fluminis 820?) und dergleichen ist, gilt hier als nicht gesichert, weil es an einer Erklärung des zweiten Bestandteils -au fehlt.

Zur Unterscheidung von anderen Orten mit dem gleichen Namen wurde lange der Zusatz „i B“ oder „i. B.“ (für „im Bodensee“) angefügt.

Geschichte Frühgeschichte