mini|300px|Malzwerke in der Alexander-Puschkin-Straße im Westen der Stadt
Gößnitz [Aussprache: ] ist die bevölkerungsmäßig kleinste und flächenmäßig zweitkleinste Stadt im Landkreis Altenburger Land in Thüringen. Bekannt ist die Landstadt vor allem durch den Eisenbahnknotenpunkt der Bahnverbindung Leipzig–Hof und der Mitte-Deutschland-Verbindung (Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz und Gößnitz–Gera) sowie das seit 1993 jährlich stattfindende Gößnitz Open-Air. Die größte Blüte erlebte die Stadt zur Zeit der Industrialisierung, so prägt die repräsentative Malzfabrik Viktor Grimms Nachfolger von 1889 noch heute das Stadtbild.
Geografie Geografische Lage Gößnitz ist die östlichste Stadt Thüringens und die südlichste des Altenburger Landes. Durch die Stadt fließt das Meerchen, welches im Süden in die Pleiße mündet, der Ort liegt im Übergangsgebiet vom Erzgebirgsvorland zur Leipziger Tieflandsbucht.
Nachbargemeinden Angrenzende Gemeinden sind im Norden Nobitz mit den Ortsteilen Taupadel und Bornshain im Westen, Löhmigen im Norden, Goldschau im Nordosten sowie Podelwitz, Runsdorf und Zumroda im Osten, im Südosten Schönberg und Meerane im sächsischen Landkreis Zwickau, im Süden Ponitz mit den Ortsteilen Merlach und Zschöpel sowie Schmölln mit den Ortsteilen Nitzschka und Kummer im Westen.
Stadtgliederung und Eingemeindungen Hainichen seit 1923 im Südwesten Kauritz teilweise seit 1. August 1924 bzw. 1928 im Süden Nörditz seit 1. Juli 1950 im Westen Pfarrsdorf im Osten seit 1. November 1973 mit Naundorf seit 1. Juli 1950 und Koblenz seit 1. August 1924
Untergötzenthal gehörte zwischen 1922 und der Umgliederung ins sächsische Meerane im Jahr 1928 zu Gößnitz.
Geschichte 13. bis 19. Jahrhundert mini|hochkant|Die Stadtkirche „Sankt Annen“ von Südwesten gesehen Gößnitz wurde erstmals 1253 als reichsministerialer Rittersitz urkundlich erwähnt. Es wird eine sorbische Dorfgründung vermutet, da der Ortsname Gößnitz sorbischen Ursprungs ist. Ab 1328 befand sich Gößnitz unter markmeißnischer Herrschaft und 1554 fiel es im Verband des Amtes Altenburg den ernestinischen Wettinern zu. Die Grundherrschaft kam 1413 teilweise, 1519 vollständig an das Georgenstift in Altenburg und nach der Reformation und der damit einhergehenden Auflösung des Georgenstifts an das landesherrliche Amt. Im Jahre 1494 wurde die heutige auf einer früheren Holzkirche erbauten Kirche eingeweiht. Der erste evangelische Pfarrer in Gößnitz war Simson Cellarius, der von 1525 bis 1544 wirkte. Als Ort eines 1488 nachgewiesenen Gerichtsstuhls über 16 Dörfer entwickelte sich Gößnitz über den dörflichen Status hinaus und erhielt 1488 Schank-, Brau- und Handwerksrechte. 1672 wurde der Ort zum Marktfleckchen erhoben, 1718 konnte Gößnitz gegen den Widerstand von Altenburg und Schmölln die Erhebung zur Stadt und daraufhin die Genehmigung von Innungen durchsetzen, doch wurde die Stadt weiter wie ein Dorf von Richter und Schöppen verwaltet; erst 1874 erhielt sie eine volle städtische Verfassung.
Gößnitz gehörte zum wettinischen Amt Altenburg,Das Amt Altenburg im Buch „Geographie für alle Stände“, ab S. 201Die Orte des Amts Altenburg ab S. 83 welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam Gößnitz wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg.
Der frühe Bahnanschluss, 1844, nach Leipzig und Plauen (Bahnstrecke Leipzig–Hof), dem die Linien nach Chemnitz 1858 (über die Bahnstrecke Glauchau-Schönbörnchen–Gößnitz) und nach Gera 1865 folgten, machte Gößnitz zu einem Bahnknotenpunkt. Die nun einsetzende Industrialisierung brachte eine Pumpenfabrik, Webereien, Maschinen-, Spielwaren- und Knopffabriken hervor. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum Sachsen-Altenburg gehörte die Stadt Gößnitz bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900) bzw. zum Landratsamt Ronneburg (ab 1900).
20. Jahrhundert Die Stadt Gößnitz kam im Jahr 1918 zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 kam sie zum Landkreis Altenburg. Im Zuge des thüringisch-sächsischen Staatsvertrags vom 7. Dezember 1927 wurden die Gebiete festgesetzt, die infolge der Grenzänderung und des Gebietsaustauschs die Länder wechseln sollten. Der Gesetzesentwurf stammt vom 15. März 1928. Dadurch kam der 1922 eingemeindete Ortsteil Untergötzenthal zu Sachsen, während die bisherige Exklave Kauritz (sächsischer Anteil) zu Thüringen kam und mit dem bereits 1924 eingemeindeten thüringischen Anteil von Kauritz vereinigt wurde. mini|hochkant|Das Gebäude der Arbeiterwohlfahrt in Gößnitz, gegenüber dem Rathaus
In den 1920er-Jahren herrschte in Gößnitz eine große Wohnungsnot, sodass sich die Stadt nach Norden ausdehnte. Die Genossenschaftshäuser wurden von der Baugenossenschaft Gößnitz S. A. errichtet. Das 1929–1932 errichtete SA-Heim wurde bei einem Hochwasser 1941 unterspült. In den Jahren 1926, 1928 und 1929 fand in Gößnitz das Dreiecksrennen statt, welches von Gößnitz nach Ponitz und über Guteborn zurück nach Gößnitz führte. Der Name leitet sich von der Streckenform ab. Im Jahre 2009 fand zum 80-jährigen Gedenken ein Nostalgierennen mit über 100 Teilnehmern aus dem Altenburger Land, dem Landkreis Greiz sowie Gera und umliegenden Gebieten statt, wobei das Baujahr der Maschinen bis einschließlich 1970 beschränkt war. So gab es neben der AWO 425 von Simson noch DKW-, MZ-, Wanderer- und viele andere Markenmotorräder.
In der Zeit des Zweiten Weltkrieges wurden auf dem Bahnhof Gößnitz Flugzeug- und Panzerteile verladen. Der Fabrikant Max Jehn wurde denunziert und im April 1945 als „Wehrkraftzersetzer“ im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. An ihn erinnert die Max-Jehn-Straße. Insgesamt gab es in Gößnitz 29 anerkannte Opfer des Faschismus. Ein Gedenkstein auf dem Friedhof erinnert an einen unbekannten KZ-Häftling, der im Frühjahr 1945 auf dem Bahnhof erschossen wurde.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945 (= Heimatgeschichtliche Wegweiser. Band 8: Thüringen). VAS, Frankfurt/Main 2003, ISBN 3-88864-343-0. Am 14. April 1945 marschierten Truppen der US Army ein; sowjetische Truppen übernahmen die Stadt am 1. Juli 1945.
Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Die Stadt Gößnitz kam mit dem Kreis Schmölln an den Bezirk Leipzig, der seit 1990 als Landkreis Schmölln zu Thüringen gehörte und bei der thüringischen Kreisreform 1994 im Landkreis Altenburger Land aufging.
Bevölkerungsentwicklung
Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960: Stand jeweils 31. Dezember): 1831: 1.304 1933: 6.636 1939: 6.483 1960: 7.042 1994: 4.679 1995: 4.740 1996: 4.663 1997: 4.609 1998: 4.534 1999: 4.476 2000: 4.423 2001: 4.355 2002: 4.285 2003: 4.194 2004: 4.094 2005: 4.039 2006: 3.964 2007: 3.924 2008: 3.881 2009: 3.823 2010: 3.752 2011: 3.724 2012: 3.652 2013: 3.581 2014: 3.530 2015: 3.511 2016: 3.444 2017: 3.403 2018: 3.398 2019: 3.386 2020: 3.389 2021: 3.427 2022: 3.380 2023: 3.407 2024: 3.413 Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik
Stadtrat Die Kommunalwahl vom 26. Mai 2024 mit einer Wahlbeteiligung von 60,7 % (2019: 56,1 %) ergab folgende Sitzverteilung im Stadtrat: Partei / Liste Sitze Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) 1 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) 2 Initiative Gößnitz e. V. 6 Bürgerinitiative ’89 7
Bürgermeister Bürgermeister ist Patrick Albrecht (parteilos). Er konnte sich bei der Stichwahl am 9. Juni 2024 mit 60,4 % der abgegebenen gültigen Stimmen gegen André Becker (Bürgerinitiative ´89) durchsetzen. Damit war Albrecht bei Amtsantritt mit 23 Jahren der jüngste hauptamtliche Bürgermeister in Deutschland. Vorherige Bürgermeister waren seit 1994 Rolf Porzig, seit 1998 Peter Dietrich (SPD) und seit 2001 Wolfgang Scholz (Initiative Städtebund e. V.).
Verwaltungsaufgaben Gößnitz ist seit 1995 erfüllende Gemeinde für Heyersdorf und Ponitz, nachdem die Verwaltungsgemeinschaft Oberes Pleißental aufgelöst wurde. Seit 2005 nimmt die Stadt Schmölln für die drei Kommunen die Aufgaben der unteren Gewerbebehörde wahr.
Öffentliche Finanzen Gößnitz hatte 2011 eine Pro-Kopf-Verschuldung von 807 Euro, 2010 lag sie bei 860 Euro und im Jahr 2003 bei 939 Euro je Einwohner.
Wappen und Flagge links|85px Wappenbeschreibung: „In Rot auf grünem Boden ein Reiter in stählerner Rüstung, es handelt sich dabei um den heiligen Georg, auf weissem Ross, einem grünen Drachen die Lanze in den Rachen stoßend.“ Auf dem Wappen wird der heilige Georg als Drachentöter dargestellt, dessen Wahl als Wappenzeichen sich daraus ableitet, dass das Georgenstift Altenburg im 15./16. Jahrhundert die Grundherrschaft über Gößnitz ausübte.
Die Flagge der Stadt zeigt die Farben blau und rot.
Städtepartnerschaften Es besteht eine Städtepartnerschaft mit Neuenbürg in Baden-Württemberg.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Theater und Museen mini|Die Heimatstube, Museum für Regionalgeschichte im Stadtteil Kauritz Das Kabarett Nörgelsäcke mit seinen regelmäßigen Gastauftritten namhafter Künstler und die Heimatstube als Museum für Regionalgeschichte bereichern das kulturelle Angebot. Die Heimatstube bezog 1999 ein etwa 180 Jahre altes saniertes Fachwerkhaus. Das Erdgeschoss beherbergt unter anderen einen Veranstaltungs- und Leseraum, während die erste Etage der Dokumentation der Stadtgeschichte und das Dachgeschoss als Schaudepot dient. Im Rathaus sind wechselnde Ausstellungen zu besichtigen.
Musik In Gößnitz findet seit 1993 das von der Initiative für Musik und Kultur Gößnitz e. V. (IMUKG) um das erste Augustwochenende veranstaltete Open Air Gößnitz statt. Zu diesem Konzert werden jährlich Hunderte Besucher aus ganz Mitteldeutschland erwartet. Auch Rammstein spielten vor einigen Jahren bei diesem Open Air, als sie noch weniger bekannt waren. Die IMUKG veranstaltet seit 2009 das Indoor Festival, ab 2012 in der Music Hall in Altenburg und nicht mehr in der Stadthalle Friedrich Ludwig Jahn. In der Stadt befinden sich eine Außenstelle der kreiseigenen Johann-Friedrich-Agricola-Musikschule im CulturCentrum und eine private Tanzschule.
Denkmäler und Bauwerke mini|hochkant|Goethe-Denkmal In Gößnitz existieren vier Denkmäler, drei davon stehen auf dem Friedhof. Das ist zum einen das Grab des Gründers des Deutschen Philatelistenverbandes und Chronisten der Stadt Gößnitz, Artur Ernst Glasewald (1861–1926), in unmittelbarer Nähe liegt das Grab eines unbekannten KZ-Häftlings, der 1945 auf dem Gößnitzer Bahnhof erschossen wurde, sowie ein Denkmal für die verstorbenen Kämpfer der Militärvereine gegenüber der 1907 errichteten Kapelle. Das vierte Denkmal ist Goethe gewidmet und befindet sich in der Innenstadt. Darüber hinaus existiert an der Mündung des Meerchens in die Pleiße ein aufgestellter Rest des Wehres, das an dieser Stelle bis 2004 stand. Etwas Ähnliches befindet sich am Bahnhof, dort wurde ein Teil der Stahl-Fachwerkbrücke aus dem Jahr 1904 aufgestellt, da zwischen 2008 und 2010 ein Ersatzneubau der Bahnbrücke errichtet wurde. Architektonisch besonders sehenswert ist das Ensemble um die 1494 errichtete spätgotische Stadtkirche Sankt Annen. Dazu zählt der dreiseitige Pfarrhof mit dem 1653 errichteten Umgebindehaus, das 1725 erbaute Diakonat, welches heute als evangelischer Kindergarten genutzt wird, und das zwischen 1700 und 1750 gebaute sogenannte Glockenklöppelhaus, das diesen Namen durch eine Sage erhielt. Zwischen den Gebäuden steht die 1884 gepflanzte Lutherlinde.