Die Geschichte des Crickets umfasst die Entwicklung der Sportart Cricket vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart sowie die Geschichte der Vorläufer der Sportart. Die bekannte Cricketgeschichte geht bis auf das 16. Jahrhundert zurück. Der erste Ländervergleich fand 1844 statt, obwohl die offizielle Länderspielgeschichte (Test Cricket) erst 1877 begann. Seit seiner Entstehung in England hat sich Cricket bis heute als eine Profisportart in vielen Ländern des Commonwealth verbreitet.

Die Anfänge Entstehung Die genauen Anfänge sind unbekannt, doch besteht Konsens, dass Cricket sehr wahrscheinlich in sächsischer oder normannischer Zeit als Kinderspiel in Südostengland, in der als Weald bekannten Waldlandschaft in den Grafschaften Kent und Sussex, entstanden ist. Man nimmt an, dass dieses viele Jahrhunderte überlebte, bis es zu Anfang des 17. Jahrhunderts immer mehr auch von Erwachsenen übernommen wurde. Jedoch ist dabei anzumerken, dass Spiele mit Schläger und Ball auch Abseits der Region üblich waren. So gibt es darüber hinaus Spekulationen über mögliche Erwähnungen von Cricket am Hofe von Eduard II. im frühen 14. Jahrhundert oder in Nordfrankreich im späten 15. Jahrhundert. Auch wird Cricket in der frühen Zeit häufiger mit Flandern in Verbindung gebracht, dass mit Südostengland Handelsbeziehungen pflegte.

Ursprung des Namens „Cricket“ Eine Reihe von Wörtern, die Schläger (bat) oder Wicket bedeuten, kommen als Ursprungswort in Frage. In Altfranzösisch stand das Wort criquet für eine Art Schläger, woraus sich möglicherweise Krocket (franz. und engl. croquet) entwickelt hat. Manche gehen von gemeinsamen Wurzeln für Cricket und Krocket aus. In Flämisch bedeutet krick(e) Stock, und in Altenglisch steht cricc oder cryce für Krücke (der harte K-Laut deutet allerdings nicht auf Südostengland hin, eher auf den Norden).

Eine andere Möglichkeit ist das französische criquet bzw. flämische krickstoel, der in der Kirche verwendete niedrige Kniestuhl, der der niedrigen und aus zwei Stumps bestehenden frühen Form des Wickets ähnlich sieht.

Erste nachweisliche Erwähnung Abgesehen von früheren Hinweisen auf Cricket findet sich die erste nachweisliche Erwähnung in einem Gerichtsurteil aus dem Jahre 1597, in dem es über den Landbesitz einer Schule ging. Der 59-jährige John Derrick gab dabei zu Protokoll, dass er und seine Schulfreunde schon fünfzig Jahre zuvor kreckett auf dem besagten Stück Land gespielt hätten. Bei der Schule handelte es sich um die Royal Grammar School in Guildford. Es wird daher angenommen werden, dass schon spätestens um 1550 in Surrey Cricket gespielt wurde.

Die erste Erwähnung als ein von Erwachsenen ausgeübter Sport stammt aus dem Jahr 1611, als zwei Männer dafür verurteilt wurden, an einem Sonntag Cricket gespielt zu haben, anstatt in die Kirche gegangen zu sein. Ein Wörterbuch aus demselben Jahr bezeichnet Cricket als ein Jungenspiel, was darauf hindeutet, dass es zu dieser Zeit noch nicht so lange auch von Erwachsenen ausgeübt wurde. Im Jahr 1624 wird über den ersten bekannten Todesfall beim Cricket berichtet, als Jasper Vinall bei einem Spiel mit dem Bat am Kopf getroffen wurde und 13 Tage später an den Folgen der Verletzungen verstarb.

Frühes 17. Jahrhundert Eine Reihe von Erwähnungen aus der Zeit vor dem Englischen Bürgerkrieg erlauben den Schluss, dass Cricket schon als Erwachsenensport zwischen Dorfmannschaften gespielt wurde. Es fehlen jedoch Hinweise darüber, dass es schon Grafschaftsteams gab. Dasselbe gilt auch für die später im 18. Jahrhundert ausufernde Wettleidenschaft im Cricket. Man nimmt daher an, dass sich das Village Cricket zwar schon bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelt hatte, dass vom späteren County Cricket, ebenso wie von der finanziellen Bedeutung des Sports, noch keine Rede sein konnte.

Cricket hatte zu dieser Zeit eine deutlich andere Gestalt als die heutige Austragung des Sports. So wurde ausschließlich Unterarm-Bowling von den Bowlern betrieben, wobei diese den Ball über den Boden rollten. Vor allem durch unebene Pitches konnten sie so die Batter vor schwierige Aufgaben stellen. Auch die Schläger ähnelten eher einem Hockey-Schläger, wie der heute älteste bekannte Bat aus dem Jahr 1927 zeigt. Auch wurde nur auf zwei Stumps gespielt.

Die Zeit der Republik Nach dem Ende des Englischen Bürgerkriegs (1648) schritt die neue puritanische Regierung gegen illegale Zusammenkünfte ein, vor allem gegen so raue Sportarten wie Fußball. Die neue Gesetze verlangten unter anderem eine striktere Einhaltung des Feiertags. Da dies für die unteren Schichten die einzige mögliche Zeit zur Freizeitgestaltung war, wird die Popularität von Cricket in dieser Zeit wohl darunter gelitten haben. Allerdings galt dies nicht für Privatschulen wie Winchester oder St Paul’s. Für ein Verbot von Cricket unter der Regierung Oliver Cromwells gibt es jedoch keine Beweise.

Wettleidenschaft und die Presse Nach der Restauration der Monarchie 1660 erlebte Cricket einen großen Aufschwung und zog wohl das erste Mal auch Glücksspieler an, die große Summen wetteten. Im Jahr 1664 wurde ein Gesetz erlassen, das den Wetteinsatz auf die damals allerdings sehr hohe Summe von £100 beschränkte. Bis zum Ende des Jahrhunderts war Cricket ein wichtiger Sport für das Wettgeschäft. Aus dem Jahr 1697 wird zum ersten Mal in der jetzt freieren Presse von einem Spiel in Sussex berichtet, bei dem um 50 Guineas pro Team gespielt wurde. Diese Berichterstattung wird jedoch als Einzelfall gewertet.

Cricket im 18. Jahrhundert Mäzenentum und Spieler Durch das Wettgeschäft wurden erstmals Mäzene (engl. patrons) auf den Sport aufmerksam, da durch die Aufstellung eigener Mannschaften die Wettchancen erhöht werden konnten, was wohl auch die ersten „County Teams“ entstehen ließ. Das erste bekannte Spiel, bei dem Mannschaften unter dem Namen ihres Countys antraten, fand im Jahr 1709 statt.

Die wichtigsten dieser frühen Mäzene gehörten zu einer Gruppe Adliger und Geschäftsleute, die ab ca. 1725 aktiv wurden. Zu ihnen gehörten Charles Lennox, 2. Duke of Richmond, Sir William Gage, Alan Brodrick und Edward Stead. Seit dieser Zeit wird, wohl nicht zuletzt aufgrund der Teilnahme bekannter Persönlichkeiten, regelmäßig in der Presse über Cricket berichtet. Zum ersten Mal hört man auch von einzelnen Spielerpersönlichkeiten wie beispielsweise Thomas Waymark.

mini|Der älteste noch existierende Cricketschläger aus dem Jahr 1729. Seine Form erinnert eher an einen modernen Hockeyschläger als an heutige Cricketschläger.

Cricket wird exportiert In Nordamerika wurde Cricket durch die englischen Kolonien im 17. Jahrhundert eingeführt. Wahrscheinlich sogar bevor es Nordengland erreicht hatte. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde Cricket in den West Indies (Karibik) durch Kolonisten und in Indien durch Seefahrer der East India Company eingeführt.Ramachandra Guha: Politik im Spiel. Cricket und Kolonialismus in Indien, in: Historische Anthropologie 4 (1996) S. 157–172 Australien erreichte es praktisch mit den ersten Kolonisten um 1788, Neuseeland und Südafrika folgten Anfang des 19. Jahrhunderts.

Entwicklung der Regeln Die Grundlagen des Cricket, wie der Schläger, der Ball, das Wicket, die Maße des Pitches, Overs usw. existierten schon lange vor den ersten Regeln. Aus dem Jahr 1727 wurden von Charles Lennox und Alan Brodrick die sogenannten „Articles of Agreement“ erstellt. Diese legten die Regeln für ein bestimmtes Spiel fest, wohl auch weil um hohe Summen gewettet wurden. Dieses vorgehen wurde in der Folgezeit üblich.

Die ersten allgemeingültigen Regeln, Laws of Cricket, wurden 1744 niedergeschrieben. Diese wurden 1774 erstmals abgeändert, als Neuerungen wie die LBW-Regel, der dritte Stump und die Maximalbreite des Schlägers hinzugefügt wurden. Die Regeln legten unter anderem fest, dass aus den anwesenden Gentlemen zwei Personen auszuwählen sind, die als Schiedsrichter (umpires) über alle Streitigkeiten entscheiden sollten. Diese Regeln wurden vom sogenannten „Star and Garter Club“ aufgestellt, dessen Mitglieder 1787 den Marylebone Cricket Club gründeten, der bis heute für die Cricketregeln zuständig ist.

Die weitere Entwicklung in England mini|200px|rechts|Hambledons Cricketplatz Broadhalfpenny Down Cricket verbreitete sich allmählich in ganz England, im Jahr 1751 wird das erste Mal von einem Spiel in Yorkshire berichtet. Die ursprüngliche Bowlingtechnik, bei der der Ball am Boden entlang rollte, änderte sich nach 1760, als Bowler damit begannen, den Ball zu lupfen und mit Richtung, Länge und Geschwindigkeit zu experimentieren. Scorecards wurden seit 1772 regelmäßig geführt, so dass seitdem die Entwicklung des Sport besser zu verfolgen ist.

Die ersten berühmten Clubs waren der London Cricket Club und der Dartford Cricket Club in Kent zu Beginn des 18. Jahrhunderts. London trug seine Spiele auf dem heute noch existierenden Artillery Ground aus. Bald folgten andere Clubs, wie die Mannschaften aus Slindon in Sussex, hinter der der Duke of Richmond stand und zu dem der berühmte Spieler Richard Newland gehörte. Andere bekannte Clubs kamen aus Maidenhead, Hornchurch, Maidstone, Sevenoaks, Bromley, Addington, Harlow und Chertsey.

Doch der bei weitem berühmteste der frühen Cricketclubs war Hambledon. Der Club begann als reine Dorfmannschaft und erlangte eine gewisse Berühmtheit ab 1756. Der eigentliche Club wurde in den 1760er Jahren gegründet und blieb durch die starke Unterstützung von Mäzenen bis zur Gründung des MCC 1787 dreißig Jahre ein zentraler Akteur im Cricket. Viele ausgezeichnete Cricketer spielten für Hambledon, wie der Batter (Schlagmann) John Small und der Fast-Bowler Thomas Brett. Ihr wichtigster Gegenspieler war der für Chertsey und Surrey spielende Bowler Edward „Lumpy“ Stevens, von dem angenommen wird, dass er der Protagonist bei der Einführung des flighted delivery gewesen ist. Dabei rollte er nicht den Ball den Pitch entlang, sondern warf ihn durch die Luft. da dies zu neuen Herausforderungen für die Batter führte, entwickelten sich die Hockey-Schläger-Ähnlichen Bats hin zu graden Schlägern.

Cricket im 19. Jahrhundert Die erste Krise Zur ersten Krise im Cricketsport kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als während der Napoleonischen Kriege überregionales Cricket mangels guter Spieler und aufgrund des versiegenden Geldflusses praktisch zum Erliegen kam. Die erste hausgemachte Krise jedoch entwickelte sich aus dem Streit um die Legalisierung der sogenannten Roundarm-Würfe. John Willes, der dies angeblich übernommen hat von vorhergehenden Entwicklungen durch Tom Walker in Hambledon, begann damit den Ball mit einem horizontal abstehden Arm zu bowlen. Zunächst umstritten wurden 1816 die Regeln angepasst um diese Bowling-Technik zu unterbinden. In den 1820er Jahren brachen jedoch immer mehr Bowler die Regeln, so dass diese durch den MCC im Jahr 1828 und 1835 abermals angepasst wurden und das Round-Arm-Bowling zum Standard wurde.

Auch auf organisatorischer Ebene erfuhr der Sport große Veränderungen, als die ersten County Clubs gegründet wurden. Alle heutigen County Clubs, beginnend mit dem Sussex CCC im Jahr 1839, wurden während des 19. Jahrhunderts gegründet.

Kaum hatten sich die Countys etabliert, da wurden als eine Art Gegenbewegung Tour-Mannschaften gegründet, allen voran 1846 die All-England Eleven von William Clarke. Davon spaltete sich 1852 die United All-England Eleven ab. Die beiden Teams und andere tourten mit Hilfe der Eisenbahnen die Counties. Die Bewegung hielt etwa dreißig Jahre, doch setzten sich letztlich die Countys und der MCC durch.

Internationales Cricket mini|Das englische Team 1859 auf dem Weg in die USA