Swains Island (samoanisch OlosegaDer Name Olosega in Sāmoan, kann zu Irritationen führen, denn es gibt noch eine andere Insel gleichen Namens, die Teil der Doppelinsel Ofu-Olosega der Manuainseln in Amerikanisch-Samoa ist., tokelauisch Olohega, früher auch: Quiros oder Quiros Island) ist eine unbewohnte Insel im Südpazifik, die geographisch zu den Union-Inseln und kulturell zu Tokelau gehört, politisch jedoch Teil Amerikanisch-Samoas ist.
Geografie Swains Island ist ein Gehobenes Atoll mit einer Küstenlinie von 13 km und einer Gesamtfläche von 3,5 km². Die flache Insel erhebt sich nur 5 bis 8 m über den Meeresspiegel.Encyclopædia Britannica
Das Atoll verdankt seine Entstehung dem Vulkanismus und ist geologisch gesehen Teil der Tokelau-Vulkankette. Das geschlossene Saumriff liegt dicht an, nur 100 bis 250 m von der Küste entfernt. Flachwasserbereiche außerhalb des Riffs sind nicht vorhanden. Fächerecholot-Untersuchungen im Jahr 2006 haben gezeigt, dass steile Hänge bereits weniger als einen Kilometer vor der Küste in ozeanische Tiefen abfallen.
Eine flache, an der tiefsten Stelle nur 12 m tiefe Lagune bedeckt 1,6 km², fast die Hälfte der Inselfläche. Sie hat keine Verbindung zum Ozean. Im Süden ragt eine Halbinsel in die Lagune hinein. Das Wasser ist leicht alkalisch und hat einen schwachen Salzgehalt von 4–5 ‰. Dicke Algenmatten bedecken den Boden der Lagune, das Wasser ist trüb und von Algen durchsetzt.
Die Insel gehört nach der Klassifikation des Klimas von Köppen und Geiger zur tropischen Klimazone Af. Die jährliche Durchschnittstemperatur liegt bei 28 °C mit nur geringen monatlichen Schwankungen.
Am 26. Februar 2005 passierte der Zyklon „Percy“ Swains Island und richtete erhebliche Schäden an der Vegetation an. Die Insel wurde von einer Flutwelle getroffen, die große Landflächen überschwemmte. Der Sturm zerstörte neun Hauser des Dorfes und beschädigte die „Residenz“ der Familie Jennings im Süden. Zu diesem Zeitpunkt hielten sich acht Personen auf Swains Island auf, sie kamen jedoch nicht zu Schaden.
Flora und Fauna Flora Die natürliche Vegetation von Swains Island ist erheblich gestört, sie wird mittlerweile von angepflanzten Kokospalmen dominiert. Die Palmenhaine sind jedoch – wegen des Verfalls der Kopra-Preise – größtenteils aufgegeben und inzwischen von Sekundärvegetation durchsetzt. Reste der ursprünglichen Flora, die weitgehend den Pflanzengemeinschaften der übrigen Tokelau-Inseln ähnelt, sind spärlich.Dieter Mueller-Dombois, Raymond Fosberg: Vegetation of the Tropical Pacific Islands. Springer, New York 1998, ISBN 0-387-98285-X, S. 330 Auffallend ist das Fehlen der sonst üblichen „Pes-Caprae-Formation“ (siehe → Ziegenfuß-Prunkwinde) in den Strandbereichen. Stattdessen kommen am exponierten Sandstrand oberhalb der Flutmarke häufig die Gräser Lepturus repens und Fimbristylis cymosa in verstreuten Ansammlungen vor. Das küstennahe Buschland wird dominiert von Scaevola taccada (im Englischen bekannt als „Beach cabbage“). Weiterhin kommen vor: Pemphis acidula, das Samtblatt (Heliotropium foertherianum) und Cassytha filiformis. Der sich anschließende offene Küstenwald mit Hernandia sonora als dominierender Pflanze, Pandanus tectorius, Pisonia grandis und Guettarda speciosa ist weitgehend verdrängt von Kokosplantagen. Die autochthonen Arten behaupten sich nur noch als Sekundärbewuchs zwischen den Palmen.W. Arthur Whistler: The flora and vegetation of Swains Island. Atoll Research Bulletin Nr. 262, Smithsonian Institution Scholarly Press, 1983 Da die Plantagen jedoch nicht mehr bewirtschaftet werden, können sie sich wieder mehr und mehr ausbreiten.
Fauna Der Naturforscher Titian Ramsay Peale (1799–1885) der United States Exploring Expedition beobachtete die Insel von Bord der U.S.S. Peacock im Februar 1841, ohne sie zu betreten. Er bemerkte eine auffallend geringe Anzahl von Vögeln.Jessie Poesch: Titian Ramsay Peale, 1799–1885, and his journals of the Wilkes Expedition. American Philosophical Society, Philadelphia 1961 Im Rahmen der biologischen Bestandsaufnahme und Überwachung entsandte das Ministerium für Meeres- und Wildtierressourcen von Amerikanisch-Samoa (American Samoa Department of Marine and Wildlife Resources) im September 2012 Biologen nach Swains Island, um die Fauna zu kartierenNicola Arcilla, Christopher A. Lepczyk: Assessment of the Birds of Swains Island, American Samoa. The Wilson Journal of Ornithology, 128 (1) vom März 2016, S. 163–168:
Die Kolonie der Seevögel wird dominiert von Noddis (Anous stolidus und Anous minutus) und Feenseeschwalben (Gygis alba). Außerdem gibt es Arielfregattvögel (Fregata ariel), Bindenfregattvögel (Fregata minor) und Rotfußtölpel (Sula sula) in weniger großen Populationen. Vom Menschen eingeführte Tiere stellen eine Bedrohung insbesondere der bodenbrütenden Arten dar. Wildschweine (Sus scrofa) wurden kürzlich entnommen, aber es existieren noch mehrere Kolonien von verwilderten Hauskatzen (Felis catus), wie aus Sichtungen und Spuren in drei verschiedenen Gebieten der Insel hervorging. Pazifische Ratten (Rattus exulans) sind auf der gesamten Insel heimisch. Nur zwei Spezies von Landvögeln wurden gesichtet: die Tongafruchttaube (Ducula pacifica) und der Langschwanz-Kuckuck (auch Langschwanzkoel, Eudynamys taitensis).
In den Kokoshainen hat sich eine große Population des Palmendiebs (Birgus latro) entwickelt. Die Brackwasserlagune beherbergt keine Invertebraten, aber zwei nicht näher bestimmte Arten von Fischen der Gattungen Poecila und Gobiidae.
Geschichte Frühgeschichte Über die Frühgeschichte von Swains Island – vor der europäischen Entdeckung – ist wenig bekannt. Mündliche Überlieferungen von Tokelau belegen frühe Verbindungen zwischen Tokelau und Swains Island. Einen wahren Kern der Legenden vorausgesetzt, lässt sich daraus schließen, dass Swains Island einst dauerhaft bewohnt war.Antony Hooper: A Tokelau Account of Olosega. The Journal of Pacific History, Volume 10 (4), 1975, S. 89–93
Etwa in der Mitte der Halbinsel, die in die Lagune hineinragt, befindet sich eine etwa 2 × 2 Meter große Zeremonialplattform unbekannten Alters, die den Ureinwohnern zugeschrieben wird. Sie hat die Form eines unregelmäßigen Sechsecks aus aufrecht stehenden, im Boden verankerten Korallen-Platten und ist aufgefüllt mit Korallenschutt. An der Nord- und der Südseite reichen zwei 2 m lange, gekrümmte „Arme“, Ausläufer aus Kalksteinplatten, heraus. Zwischen diesen Ausläufern steht ein 1,5 m hoher Orthostat. Vergleichbare aufrecht stehende Steine (Tupua) wurden auf den Tokelau-Inseln verehrt. Die Bauweise der kleinen Anlage ähnelt dem Erscheinungsbild der größeren Zeremonialanlagen Polynesiens (Marae), insbesondere des Tuamotu-Archipels. Die Zeremonialplattform ist bereits auf einer Karte von Swains Island aus dem Jahr 1941 mit der Benennung „Ruins“ eingezeichnetR. W. Robson: The Pacific Islands Handbook 1944. The Macmillan Company, New York 1946, S. 61, wurde jedoch erst 2013 wissenschaftlich dokumentiert.
Nach einer mündlich überlieferten Legende aus Tokelau eroberten einst Krieger von dem 185 km nördlich gelegenen Fakaofo Swains Island. Sie ermordeten die meisten Männer und entführten den „König“. Der jedoch verhängte einen Fluch über die Insel und als Siedler aus Fakaofo auf Swains Island eintrafen, herrschte dort eine katastrophale Dürre und alle Fische verschwanden, sodass die Eroberer verhungerten.John Alexander Clinton Gray: Amerika Samoa: A History of American Samoa and Its United States Naval Administration. United States Naval Institute, Annapolis 1960, Kapitel 29, S. 211 f. Entdeckungsgeschichte Am 2. März 1606 entdeckte der portugiesische Seefahrer in spanischen Diensten Pedro Fernández de Quirós eine bewohnte Insel, die er als flach beschrieb, ungefähr 6 Leagues (33 km) lang und mit Palmenhainen dicht bewachsen. Die Insel, die er „Peregrina“ taufte, hatte eine Lagune und lag auf der Position 10° 20´ Süd, wie er angab 1600 Leagues (rund 9000 km) von Lima entfernt.The Voyages of Pedro Fernandez de Quiros 1595 to 1606 (Volume 1), Translated and Edited by Sir Clements Markham. London 1904, S. 216–217 Luiz Váez de Torres, Kapitän der San Pedrico, des zweiten Schiffes der Quiros-Expedition, nannte diese Insel „Matanza“.Letter of Luis Vaez de Torres to King of Spain. In: The Voyages of Pedro Fernandez de Quiros 1595 to 1606 (Vol. 2), Translated and Edited by Sir Clements Markham. London 1904, S. 459 Quiros hielt sich zwei Tage auf der Insel auf und kam auch in Kontakt mit den freundlichen Bewohnern. Der spanische Mönch und Historiker Juan de Torquemada, war von Quiros Beschreibung der physischen Attribute der Eingeborenen so beeindruckt, dass er die Insel „Gente Hermosa“, Insel der Schönen Menschen, genannt hat.Torquemada’s Voyage of Torres. Translation with Notes from the “Monarquia Indiana” por Fray Juan de Toquemada. In: The Voyages of Pedro Fernandez de Quiros 1595 to 1606 (Vol. 2), Translated and Edited by Sir Clements Markham. London 1904, S. 431
Die einzige Insel, die der von Quiros ermittelten Breite nahe kommt, ist Swains Island. Das hat einige Autoren zu der Annahme veranlasst, Quiros sei der erste Europäer gewesen, der Swains Island gesehen hat. Im 17. Jahrhundert war die Positionsbestimmung auf See noch sehr ungenau, da Sextanten und zuverlässige Uhren nicht zur Verfügung standen. Tatsächlich dürfte Quiros Entdeckung eher ein Atoll der Cookinseln gewesen sein, etwa Manihiki oder Rakahanga.Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Greenwood Press, Westport (CT) 1960, S. 56 f.Henry Evans Maude: Of Islands and Men. Oxford University Press 1968, ISBN 982-02-0209-4
Kapitän Jonathan Swain segelte mit der Bark Independence am 20. Juli 1820 von Nantucket zu einer Walfangexpedition in den Pazifik. Auf dieser Reise entdeckte er Swains Island, der genaue Zeitpunkt ist nicht bekannt. Swain landete nicht, schilderte die Insel aber als mit Kokospalmen und Pandanus dicht bewaldet.Edouard A. Stackpole: The Sea-Hunters – The Great Age of Whaling. Lippincott Co., Philadelphia 1953, S. 281Andrew Sharp: The Discovery of the Pacific Islands. Greenwood Press, Westport (CT), 1985, S. 222N.N.: Catalogue of Nantucket Whalers and Their Voyages from 1815 to 1870. Hussey Robinson, Nantucket 1876, S. 13
Die United States Exploring Expedition unter Charles Wilkes erreichte im Januar 1841 die Tokelau-Inseln. Nach der Erkundung von Nukunonu entschloss sich Captain William Levereth Hudson (1794–1862), Kommandant der Sloop U.S.S. Peacock, die Insel „Gente Hermosa von Quiros“ zu suchen. Am 31. Januar 1841 sichtete Hudson auf der Position 170° 55´ 15´´ West und 11° 5´ Süd ein flaches, dicht bewachsenes Eiland.
Zwar ließ Hudson Boote ausbringen, aber wegen schlechten Wetters und eines hohen Wellenganges gelang die Landung nicht. Eines der Boote kippte in der Brandung um und wurde beschädigt, die Besatzung blieb jedoch unversehrt.Charles Wilkes: Narrative of the United States Exploring Expedition During the Years 1838, 1839,1840,1841,1842. Lea & Blanchard, Philadelphia 1845, Volume 5, S. 18
Nach dem Guano Islands Act vom 18. August 1856 gehören unbewohnte Inseln, auf denen es Guano-Vorkommen gibt, zum Staatsgebiet der Vereinigten Staaten, wenn ein US-Staatsbürger sie entdeckt und in Besitz genommen hat. Nach diesem, nach wie vor gültigen Bundesgesetz erhob im Jahr 1859 Captain William W. Taylor, ein Walfänger aus South Dartmouth, Massachusetts, den Besitzanspruch auf 43 Inseln, darunter auch Swains Island. Taylor hatte sich alte Karten besorgt, darauf scheinbar unbewohnte Inseln identifiziert und sich als Erstentdecker bezeichnet. In Wirklichkeit hat er keine dieser Inseln je betreten. Taylor trat seinen Anspruch an die American Guano Company von Alfred E. Benson ab. Da aber auf Swains Island kein Guano zu finden war, waren die Ansprüche obsolet.Laray Polk: The Question of Olohega. The Asia-Pacific Journal, Volume 19 (20) vom 15. Oktober 2021, S. 1–28