Das Schneefernerhaus ist ein ehemaliges Hotel in den Alpen, das seit 1999 als Umweltforschungsstation genutzt wird. Es liegt direkt unterhalb des Gipfels der Zugspitze in einer Höhe von .
Es wurde am 20. Januar 1931 eröffnet und beherbergte den Bergbahnhof der Bayerischen Zugspitzbahn sowie ein Touristenhotel, das damit warb, das höchstgelegene Hotel Deutschlands zu sein.
Schon im Jahr 1930 errichtete die Firma Christoph & Unmack AG aus Niesky in der Lausitz am Schneeferner ein 5-stöckiges „Touristenheim“ in Holzbauweise. In nur 39 Tagen wurde auf 2 650 m Seehöhe in einem 45 Grad steilen Hang ein fünfstöckiges Holzgebäude für 100 Betten und einer modernen Küche errichtet. Die Bauteile wurden im Werk vorgefertigt und mit Hilfsseilbahnen angeliefert. Am 8. Juli 1930 wurde das Touristenheim gemeinsam mit der Zugspitzbahn eingeweiht.Lange, H. E., „Nieskyer ganz oben“ in: Berg 2023, Innsbruck 2023, ISBN 978-3-7022-4057-8, S. 238–243
Der Zugspitzgipfel wurde mit einer Seilbahn vom Schneefernerhaus aus erreicht. 1938 wurde ein Fußgängerstollen zwischen der Kammstation der Tiroler Zugspitzbahn und dem Schneefernerhaus eröffnet. Von 1945 bis 1952 war das Hotel als Recreation Facility von der US-Armee beschlagnahmt.
Am 15. Mai 1965 forderte eine Lawine, die über die Sonnenterrassen des Hotels und die Liftanlagen am Zugspitzplatt hinwegging, 10 Tote und 21 Verletzte. Dieses Ereignis gab den Anstoß zur Einführung eines staatlichen Lawinenwarndienstes und lokaler Lawinenkommissionen.
Nachdem 1988 der neue Bahnhof der Zugspitzbahn auf dem Platt eröffnet und 1989 dort das Restaurant SonnAlpin ausgebaut worden war, wurde schließlich am 14. Januar 1992 der Hotel- und Restaurantbetrieb im Schneefernerhaus beendet. Die noch vorhandenen Gleisanlagen der Zugspitzbahn dienen noch den betrieblichen Zwecken der Forschungsstation für Materialtransporte und Personensonderzüge.
Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus ist seit 1999 die höchstgelegene Forschungsstation Deutschlands. Derzeit betreiben dort elf deutsche Forschungseinrichtungen permanente Studien und bilden mit dem Freistaat Bayern die Konsortialpartner der Station. Seit 2007 ist die Betriebsgesellschaft UFS GmbH für die Station verantwortlich. Die Geschäftsstelle der BG UFS GmbH ist beim Geschäftsbesorger bifa Umweltinstitut, Augsburg, eingerichtet, in der seit 1. Januar 2007 alle zentralen Organisations- und Verwaltungsaufgaben der Betriebsgesellschaft gebündelt werden.
Allgemeines Die Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS) ist seit 1999 auf (unterhalb des Zugspitzgipfels) die höchstgelegene Umweltforschungsstation Deutschlands. Wissenschaftler vieler verschiedener Einrichtungen führen hier kontinuierliche Messungen durch oder arbeiten an Forschungsprojekten. Das Schneefernerhaus ist aber nicht nur ein Zentrum für Höhen- und Klimaforschung sowie ein Observatorium, sondern auch ein Kommunikations- und Tagungszentrum für Lehre, Bildung und Nachhaltigkeitsstrategien.
Auf Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit haben am 16. Juli 2007 der Freistaat Bayern und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Helmholtz Zentrum München (HMGU) sowie die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Bundesbehörden Deutscher Wetterdienst (DWD) und Umweltbundesamt (UBA), einen Konsortialvertrag unterzeichnet. Diesem Konsortialvertrag sind am 12. Oktober 2007 die Universitäten TU München (TUM) und Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München, am 10. September 2008 die Universität Augsburg (UAU) sowie am 23. September 2009 die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) beigetreten. mini|135x135px|Logo Umweltforschungsstation Schneefernerhaus (UFS)
Der Konsortialvertrag hat das wissenschaftliche Ziel, in der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus ein Virtuelles Institut zu etablieren und dieses zu einem international vernetzten Kompetenzzentrum für Höhen- und Klimaforschung insbesondere zur Entwicklung, Demonstration und zum Betrieb innovativer Technologien für Klima- und Atmosphärenbeobachtung, Satellitendatenvalidierung, Höhenmedizin und Früherkennung von Naturgefahren fortzuentwickeln. Als Gremien wurde ein Konsortialrat sowie ein Science Team eingerichtet und mit international renommierten Wissenschaftlern besetzt. Während das Science Team die Gewährleistung der wissenschaftlichen Qualität des Virtuellen Instituts sicherstellt, befasst sich der Konsortialrat mit Grundsatzangelegenheiten des Konsortiums. Im Konsortialrat sind alle Konsortialpartner durch ihre jeweiligen Präsidenten vertreten.
Gebäude und Logistik mini|Schneefernerhaus (2012) Die Umweltforschungsstation ist ein zwölfstöckiges Gebäude mit einer großen Dachterrasse und mehreren kleinen Terrassen.
Auf den Terrassen befinden sich in erster Linie die Messgeräte und Forschungsinstrumente der Wissenschaftler. In dem Gebäude, mit insgesamt über 5000 m², sind neben den Büros der BG UFS GmbH und der dauerhaft vertretenen Forscher, Laborräume, Schulungs- und Konferenzräume sowie Lagerräume und Werkstätten zu finden. Außerdem stehen Zimmer für bis zu 51 Übernachtungsgäste zur Verfügung. Davon fünf Doppelzimmer und zehn Zimmer für drei bis sechs Personen. Vier Konferenzräume für 16 bis maximal 80 Personen machen die Umweltforschungsstation zu einem Veranstaltungsort für Tagungen und Kongresse.
Die Station ist auf vier verschiedenen Wegen zu erreichen: Der übliche Weg ist die Forschungsseilbahn vom Zugspitzplatt aus. Die Seilbahn wird von der BG UFS GmbH selbst betrieben und kann je nach Bedarf bis zu acht Personen transportieren. Die Fahrzeit vom Zugspitzplatt aus beträgt circa drei Minuten.
Für schwere Lasten und größere Besuchergruppen kann die Zahnradbahn der Bayerischen Zugspitzbahn angefragt werden, die direkt von Garmisch-Partenkirchen aus in ca. 90 min zur Station fährt.
Es gibt außerdem die Möglichkeit, ab dem Zugspitzplatt zu Fuß zum Schneefernerhaus zu kommen. Hierbei müssen nur knapp 100 Höhenmeter überwunden werden. Zu beachten ist jedoch, dass es sich um ein anspruchsvolles alpines Gelände ohne befestigte Wege handelt.mini|Tagungsraum 'Gletscherstube' der Umweltforschungsstation SchneefernerhausGeübte Bergsteiger können die Umweltstation auch über mehrere Touren vom Tal aus erreichen. Für den Aufstieg müssen je nach Route und eigener Fitness bis zu zehn Stunden einkalkuliert werden.
Forschung Derzeit betreiben im Schneefernerhaus neun renommierte Forschungseinrichtungen permanente Studien und bilden mit dem Freistaat Bayern die Konsortialpartner der Station. Sie nutzen das zwölfstöckige Gebäude und die Terrassenflächen zur Messung verschiedener Parameter die zur Beantwortung hochakuter und innovativer Forschungsfragen dienen. Interdisziplinär forschen sie schwerpunktmäßig an Themen zum System Atmosphäre, Biosphäre, Hydro- und Kryosphäre und Gesundheit.
Virtuelles Institut Schneefernerhaus mini|hochkant|Terrasse mit Messinstrumenten mini|hochkant|LIDAR auf einer Messterasse der UFS Auf der Umweltforschungsstation wird unter der Federführung des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz das Virtuelle Institut UFS geführt, dem weitere neun Organisationen angehören:
Der Freistaat Bayern sowie weitere neun Einrichtungen bilden gemeinsam die Konsortialpartner der BG UFS GmbH. Die Forschungseinrichtungen haben bei der BG UFS GmbH Räumlichkeiten für Labore und Terrassenflächen für ihre Instrumente gemietet. Sie können dauerhaft ihre Forschung mit der Hilfe der BG UFS GmbH auf der Station betreiben.
Vertreter dieser zehn Organisationen bilden das genannte Science Team (s. o.), das für die Koordination der acht Forschungsschwerpunkte Satellitenbeobachtung und Früherkennung Regionales Klima und Atmosphäre Kosmische Strahlung und Radioaktivität Hydrologie Umwelt- und Höhenmedizin GAW (Global Atmosphere Watch) Biosphäre und Geosphäre Wolkendynamik und der daran beteiligten Institutionen und Wissenschaftler zuständig ist. Das Science Team trifft sich zweimal jährlich, um sich gegenseitig über die laufende und geplante Forschung auszutauschen. Einmal pro Jahr berichtet der wissenschaftliche Koordinator des Science Teams an den Konsortialrat.
Zusätzlich zu den neun dauerhaft vertretenen Forschungseinrichtungen haben weitere Institute die Möglichkeit, sich für unterschiedlich lange Zeiträume bei der BG UFS GmbH einzumieten.
Virtuelles Alpenobservatorium (VAO)
Die Messdaten der Höhenforschungsstationen im Alpenraum zur Atmosphärenforschung oder zum alpinen Wasserhaushalt werden über Rechenzentren wie dem WDC-RSAT in Oberpfaffenhofen und dem Leibniz-Rechenzentrum in Garching vernetzt. Zum Netz gehören Forschungseinrichtungen wie das Meteorologische Observatorium Hohenpeißenberg, Eurac Research (Südtirol), Otlica (Slowenien), das Observatorium Sonnblick (Österreich), die Hochalpinen Forschungsstationen Jungfraujoch und Gornergrat (Schweiz), das Alomar Observatory (Norwegen) und das Observatoire des Sciences de l’Univers de Grenoble (OSUG) in Frankreich sowie das Vallot Observatory auf dem Mont Blanc. Assoziiert ist das Astrophysical Observatory in Abastumani in Georgien.Virtual Alpine Observatory (deutsch und englisch)
Geschichte mini|Bahnhof Schneefernerhaus Nach dem Durchschlag des Tunnels der Zahnradbahn und dessen Fertigstellung (Vorstreckung der Gleise und Fahrleitungen) am 20. Juni 1930 war es möglich, fortan größere Mengen von Baustoffen und schweren Stücken hinauf zu befördern. Nach Aufstellung von Baracken für die Bauarbeiter begannen die Sprengarbeiten auf dem Platt. Nach Beendigung dieser und weiterer Vorarbeiten sollte möglichst bald der Personenverkehr aufgenommen werden. Vom Tag der ersten Baustoffbeförderung bis zur Eröffnung der Bahn blieb nur eine kurze Zeitspanne. Als erste Ausbaustufe wurde ein Holzbau einschließlich Beleuchtung, Heizung, Wasserversorgung und Abwasserklärung errichtet. So konnte bereits den ersten Gästen Unterkunft und Verpflegung (zuerst noch ohne Übernachtung) geboten werden. Dieser Holzbau, der in allen Plänen als „Provisorisches Touristenheim“ benannt wird, wurde vom 26. Mai bis 8. Juli 1930 von der Firma Christoph & Unmack AG aus Niesky / Oberlausitz gebaut. Das Unternehmen war damals eine der größten und führenden Spezialfabriken für Holzbauten aller Art. Mit der Eröffnung der Zahnradbahn am 8. Juli 1930 ist der in 39 Tagen errichtete Bau in Betrieb gegangen.
Erst nach der Betriebseröffnung wurde mit dem Bau des eigentlichen Schneefernerhauses begonnen. Ein Teil des aus dem Fels herausgesprengten Bauplatzes musste noch für Baustofflagerung und Arbeitsmaschinen freigehalten werden. An dem Berghang, der etwa 45° und teilweise noch steiler ist, konnte kein weiterer Arbeitsraum als der durch die Sprengung entstandene Bauplatz gefunden werden. Zu Weihnachten 1930 wurde das jetzige Schneefernerhaus als zweite Ausbaustufe fertiggestellt.
Bei Bedarf sollte der Rest des Hotelbaus als dritter Bauteil ausgeführt werden. Geplant war, den darüber befindlichen Holzbau für einfache Touristenzimmer zu nutzen. An seine Stelle hätte in der vierten Ausbaustufe der letzte Teil des geplanten Hotels treten können. Der Holzbau wurde jedoch nach dem verheerenden Lawinenunglück von 1965 abgerissen, sodass es damals zu keiner Erweiterung kam.
Seilbahnen rund ums Schneefernerhaus Die Gipfelbahn mini|Gipfelbahn (1982) mini|Schneefernerhaus mit der Seilbahn zum Zugspitzgipfel vor 1964 mini|Fußgänger-Stollen zum Schneefernerhaus 1956