mini|hochkant=1.3|Civaux, Pfarrkirche St.-Gervais und St.-Protais, mit merowingischem Chor

Civaux ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Südosten des Départements Vienne in der Region Nouvelle-Aquitaine, etwa 30 Kilometer südöstlich von Poitiers und 15 Kilometer südlich von Chauvigny, unmittelbar am Ufer der Vienne. Bekannt ist Civaux besonders für seine ehemals ausgedehnte merowingische Nekropole, seine frühromanische Pfarrkirche mit ihrem Vorgänger, einem gallo-römischen Sanktuarium und das in den 1990er Jahren errichtete Kernkraftwerk Civaux.

Civaux war langfristig ein kulturelles und religiöses gallo-römisches Zentrum und bestand aus der Villa de la Croche, einer landwirtschaftlichen Domäne, einer großen aristokratischen Residenz, einem antiken Theater für etwa 3000 Zuschauer, einem gallo-römischen vermutlich doppelten Sanktuarium (fanum), einem weiteren kleineren fanum und zwei Grabfeldern, ergänzt durch Einrichtungen des Handwerks und der Landwirtschaft.

Geschichte Die historische Landschaft, genannt Val de Civaux, erstreckt sich zu beiden Seiten der Vienne auf einem Streifen Land von etwa einem Dutzend Kilometern zwischen den Orten Salles-en-Toulon im Norden und Lussac-les-Châteaux im Süden. Civaux ist das Zentrum, dessen Geschichte aber auch die angrenzenden Gemeinden von Lussac und Mazerolles im Süden und Valdivienne im Norden tangiert.Le val de Civaux, des origines à la fin du Moyen Âge. Vienne, S. 1–64.

Prähistorie Frühe Ursprünge Reichliche Funde bearbeiteter Steine und Knochen datierend aus dem Acheuléen (zwischen 500.000 und 300.000 Jahre v. Chr.), dem Moustérien (zwischen 300.000 und 30.000 Jahre v. Chr.) und dem Magdalénien (20.000 bis 10.000 Jahre v. Chr.) in den Sandgruben von Civaux und den umliegenden Gemeinden, aber auch in Höhlen und unter Abris (Felsüberhängen) deuten auf eine sehr frühe menschliche Besiedelung der Gegend. mini|Steppenwisent aus Rentiergeweih, zehn Zentimeter, Fundort La Madeleine mini|Pfeilspitzen und Messer Um 15.000 v. Chr., im Magdalénien, wohnten beidseitig der Vienne Menschen mit einer künstlerisch außergewöhnlichen Produktion von Artefakten. In der Höhle von La Marche bei Lussac wurden mehr als 500 Gravuren auf beweglichen Medien gefunden. Es handelt sich um große Scheiben, Plaketten oder einfache Rollen, auf denen sich realistische Darstellungen von Bären, Steppenbisons (Bison priscus), Hirschen, Katzen Mammuts, Pferden, Rentieren und Steinböcken finden.

In der Höhle von Fadets, 800 m von der vorherigen, wurden etwa 170 gebrannte Platten gefunden, darunter eine mit der Darstellung eines Menschen von großer Präzision. Weitere Fundstätten aus dieser Zeit waren die Grotte von Marche (Darstellungen eines Mammut, eines Pferdes und sexuelle Motive), die Höhle von Loubressac (stilisierter Bison), die Höhle von Bois-Ragot bei Gouex (reichliche Funde, wie eine Harpune aus Rentiergeweih, Gravuren auf einem Rippenfragment, zwei Köpfe von Rindern und eine kleine Katze).

Neolithikum und Kupferzeit In Westeuropa begann das Neolithikum (Jungsteinzeit) gegen 6000 v. Chr. und ab 5000 v. Chr. hatte sich die Landwirtschaft im Tal der Vienne weit entwickelt. Dafür könnte ein hohes Bevölkerungswachstum verantwortlich gewesen sein. Die Menschen lebten in Dörfern mit Häusern aus Holz und Lehm, deren archäologische Spuren allerdings sehr gering sind. Neben der Viehhaltung, von Schafen und Rindern, war der Anbau von Weizen und Gerste erfolgreich. Tonwaren dienten zur Vorratshaltung und zum Garen von Lebensmitteln. Durch die Bearbeitung von Stein, insbesondere das Schleifen der Oberflächen, konnte die Qualität von Werkzeugen verbessert werden. mini|Dolmen von Loubressac In den Gräbern von Goumoisière, in Saint-Martin-la-Rivière, sind kürzlich die ersten Spuren der lokalen Jungsteinzeit aufgetaucht. Von circa 4500 v. Chr. stammten rätselhafte Öfen aus beheizten Steinen, die in Claireaux nördlich von Civaux entdeckt worden sind. Sechs große längliche Eintiefungen, 8 m lang und 1 m breit und etwa drei weitere, mehr oder weniger ovale, enthielten ein Sediment von Kohle und große Mengen von Kieselsteinen, die im Feuer explodiert waren. Ihre Bedeutung ist ungeklärt. mini|Trepanierter Schädel aus der Jungsteinzeit

Zwischen 4500 und 2500 v. Chr. wurden überwiegend an oder in Nähe der Atlantikküsten Europas monumentale Bauwerke der Megalithkultur errichtet. Davon zeugen vor allem die Dolmen, steinerne Kammern die unter sogenannten Tumuli (Grabhügel), die über Korridore von außen erreichbar waren. Der Dolmen von Loubressac, südlich von Civaux, präsentiert heute sieben Säulen aus Kalkstein und Granit und eine Kammer von 4,0 mal 2,5 m Größe. In ihm wurden Erwachsene und Kinder begraben, denen Keramik-Vasen und Werkzeuge aus Feuerstein beigegeben waren. Er wurde bei der Sanierung des Straßenrandes ein wenig beschädigt.Le val de Civaux, des origines à la fin du Moyen Âge, Vienne, S. 9–10.

Arthenacien Zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. nahm eine neue Kulturgruppe, das Artenacien (Artenac = Name einer Fundstätte in der Charente) – spätes Chalkolithikum, um 2400 v. Chr. – ein weites Gebiet im mittleren Westen und Südwesten von Frankreich ein. In dieser Zeit verwendete man noch Dolmen, um Tote zu bestatten, aber man errichtete auch Denkmäler aus Trockenmauerwerk. Mehrere Nekropolen aus dieser Zeit sind im Departement Vienne bekannt, darunter auch die von Maupas bei Valdivienne. 31 Gräber wurden im Jahr 1883 ausgegraben, ein Grabhügel maß 30 mal 10 m und 2 m in der Höhe. Es wurden Skelette von mehreren Dutzend Menschen gefunden. Bei fünf der Toten konnte eine Trepanation (Schädelöffnung) nachgewiesen werden. In diesen Gräbern wurden den Toten Gegenstände des Alltags und Opfergaben mitgegeben, um im Jenseits zurechtzukommen. Es gibt Vasen aus Keramik, die vermutlich Lebensmittel, Tierknochen, Geräte aus Silex (Waffen, Pfeile, Messer) und Schmuck aus Stein und Knochen enthielten.Le val de Civaux, des origines à la fin du Moyen Âge, Vienne, S. 11.

Parallel zur Jungsteinzeit verlief die westeuropäische Kupferzeit, auch Kupfersteinzeit genannt, beginnend mit etwa 3000 und endend um 2200 v. Chr. mini|hochkant=0.4|links|Goldblechkegel von Avanton

Bronzezeit Gegen Ende des 3. Jahrtausends begann in Europa die Bronzezeit mit der Entdeckung der Legierung Bronze aus Kupfer und Zinn, in Vorstufen auch Arsen-, Antimon- und Blei-Bronzen. Die Wirtschaft beruhte nach wie vor auf den Aktivitäten einer Agrar- und Weidewirtschaft. Die Keramik-Produktion war im Aufschwung begriffen. Die Verwendung des neuen und wesentlich härteren Metalls, der Bronze, wuchs erheblich an und dauerte etwa bis Anfang des 1. Jahrtausends v. Chr.

Die Suche nach Rohstoffen für die Herstellung von Bronze führte zu einem Handel im großen Maßstab, teilweise über große Strecken. Kupfer kam aus den Alpen, von der Iberischen Halbinsel oder aus dem Südwesten Deutschlands, Zinn, von den Britischen Inseln, wie auch aus der Bretagne. Bronze wurde zur Herstellung von Waffen und Werkzeuge (Messer, Schwert und Axt, Speerspitzen) sowie Schmuck und anderen Gegenständen verwendet. Die Lagerstätten an der Oberfläche oder in Flüssen, wie im Limousin, wurden abgebaut zur Herstellung von Schmuck und Objekten für Kultzwecke wie auch zu außergewöhnlichen Kegeln, wie der von Avanton (Vienne).

Aus der Bronzezeit wurden im „Val de Civaux“ zahlreiche Zeugnisse von Begräbnissen und anderen Kulthandlungen entdeckt, vor allem mit Hilfe des zunehmenden Einsatzes der Luftbildarchäologie. Die Luftaufnahmen zeigen eine sehr hohe Dichte von solchen Kultstätten auf der mittleren Terrasse der Vienne, nördlich von Civaux bei Cubord. Sie bestanden meist aus mit Wehrmauern, Holzzäunen oder Wällen eingefassten Einfriedungen, die häufig von Gräben umgeben und für Bestattungsriten oder kulturelle Veranstaltungen vorgesehen waren. Sie waren zunächst kreisrund und später quadratisch, in unterschiedlichen Abmessungen zwischen 6,50 und 15,00 m Durchmesser oder Seitenlänge. mini|Stein- u.Eisengeräte Eine Bergungsgrabung wurde über ein Grundstücksband mit 2500 m Länge und in einer Breite von 20 bis 100 m durchgeführt. Unter den dreißig kreisrunden Einfriedungen waren acht durch die Arbeiten des Kernkraftwerks bedroht und wurden deshalb zuerst durchsucht. Mit einem Durchmesser von 12 bis 15 m, waren die meisten mit einem Zaun aus Holz umgeben. In einigen Fällen traf man auf Scheiterhaufen mit den Überresten der Verstorbenen in Gruben, in anderen enthielten die Gräber Einfriedungen mit 15 m Durchmesser eine Füllung mit kleinen Kalksteinplatten, und neben der Grube war eine umgedrehte Stele vergraben. Innerhalb der Einfassungsmauer stieß man auf elf Pfostenlöcher. Einige der Einfriedungen schienen im Zusammenhang mit der Bestattung Verstorbener, andere mit deren Einäscherung zu stehen. Das Dekor einer Platte erlaubte die Datierung in die Bronzezeit. Gegen Ende der Periode wiesen einige Einfriedungen offenbar nicht mehr eine kulturelle Funktion auf. Dies galt zum Beispiel für eine kreisförmige Struktur von 6,50 m Durchmesser, die von einem Graben umgeben war, auf dessen Grund Feuerstein-Splitter und Fragmente von zwei absichtlich zerbrochenen Behältern gefunden wurden.Le val de Civaux, des origines à la fin du Moyen Âge, Vienne, S. 12–14.

mini|Eisengeräte

Eisenzeit Die Eisenzeit begann etwa um 800 v. Chr. und endete im 6. Jahrhundert n. Chr., ein Zeitraum der etwa mit der Antike übereinstimmt. Sie schließt die Hallstattzeit, die Latènezeit und die Zeit der Völkerwanderung ein. Die Demokratisierung der Eisenindustrie und Metallurgie revolutionierte den Handel. Eisenerz und Holz für die Verarbeitung waren in den Regionen der Vienne reichlich vorhanden. mini|Eisenwaffen Das neue Metall diente wegen seiner besonderen Härte zunehmend zur Herstellung der meisten Werkzeuge und Waffen, wie etwa die Entdeckung eines Schwerts im Tumulus de Bataillerie, ein Messer in der Einfriedung des Tombe-au-Cornemuseux. Dazu gehörten insbesondere auch Wagenräder, etwa wie das im Grab von Séneret, in der Gemeinde Quinçay. Die Arbeit der Bronzeschmiede wird weitergeführt, aber diese spezialisieren sich mit Schmuck (Armbänder, Halsketten, Ringe, Haken, …), kleines Werkzeuge oder Gefäße (Kessel).

Die Siedlungsstätten blieben in dieser Epoche häufig auf den bekannten Höhenlagen. Neben ihrer Funktion als Wohnsiedlung, bewahrten sie die Spuren des Wirtschaftslebens, Handwerks und Handels, sowie der Religionsgemeinschaften. mini|Gallo-römische Keramikgefäße, metallische Glasur Die Töpferei entwickelte sich im Haut-Poitou, bis ins 5. Jahrhundert n. Chr. Eine schöne Keramik mit metallischer Glasur, entstand meist auf der Grundlage von Graphit, und wurde in der Nähe von Civaux gefunden, im Lager Cornoin oder im Tumulus de-la-Bataillerie (Valdivienne). Im Tal der Vienne, mit dem großen kulturellen Ensemble von Grabbeigaben aus der Bronzezeit, wurden sie immer verwendet. Nördlich von Civaux wurde mit Hilfe der Luftbildarchäologie eine Reihe von Gruben und neun runden und quadratischen Einfriedungen entdeckt, die als der südlichste Teil aller Grabkammern von Cubord im Tombe-au-Cornemuseux gelten. Bei diesen Ausgrabungen, konnten Funde von Keramik und eines Messers aus Eisen auf das Ende der ersten jüngeren Eisenzeit (um 450 v. Chr.) datiert werden.

Der zweite Abschnitt der Eisenzeit (450 bis 50 v. Chr.) war geprägt von wichtigen Veränderungen, ohne Zweifel entstanden aus der Zunahme der Kontakte und des kulturellen Austauschs mit anderen Völkern. Man bezeichnet sie als Zivilisation von La Tène (nach dem Namen der Fundstelle in der Schweiz). Die historischen und archäologischen Kenntnisse über diese Epoche sind sehr lückenhaft. Zum Zeitpunkt der Eroberung ganz Galliens (58–50 v. Chr.) gehörte es fast zu einem einheitlichen kulturellen und wirtschaftlichen System. Erst Julius Cäsar hielt danach die Organisation Galliens in seinem Artikel: “De bello Gallico” schriftlich fest.Le val de Civaux, des origines à la fin du Moyen Âge, Vienne, S. 14–19.