Klaus Robert Alexander Herm (* 13. Januar 1925 in Berlin; † 24. Mai 2014 ebenda) war ein deutscher Schauspieler.Normdatensatz bei der Deutschen Nationalbibliothek.
Leben und Wirken Klaus Herm war ein Sohn des Schauspielers Paul Herm (1878–1945).Herm, Paul. In: Theodor Kellenter: Die Gottbegnadeten : Hitlers Liste unersetzbarer Künstler. Arndt, Kiel 2020, ISBN 978-3-88741-290-6, S. 304. Nach dem Besuch des Gymnasiums nahm er Schauspielunterricht an der Schauspielschule des Deutschen Theaters (heute: Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch) und danach bei Agnes Windeck. Zunächst bespielte er die Bühnen Berlins, wirkte 1943–1947 am Deutschen Theater. Hier debütierte er am 11. Februar 1943 als Demetrius in Shakespeares Antonius und Cleopatra. Schon 1947 wirkte er unter Boleslaw Barlog in Der Widerspenstigen Zähmung am Schlossparktheater. 1947–1950 war er am Theater am Schiffbauerdamm beschäftigt, hatte u. a. die Rolle des Buchhalters Adolphe Minard in Der Spekulant von Balzac inne.Heinrich Goertz: Theater am Schiffbauerdamm, 5 Jahre Intendanz Fritz Wisten. Rückblick auf die Spielzeiten 1946/47 bis 1950/51. Broschüre (32 S.). Danach war er 18 Jahre (1952–1970) Mitglied der Staatlichen Schauspielbühnen Berlins, wirkte größtenteils am Schillertheater (u. a. in Der Frieden, Donadieu von Fritz Hochwälder, Die Gefangenen von Stefan Barcava, Herrenhaus/Mannerhouse von Thomas Wolfe, Das Käthchen von Heilbronn, Faust II, Die Räuber, Der Hauptmann von Köpenick, Zicke-Zacke von Peter Terson, Wir bombardieren Regensburg/We Bombed in New Haven von Joseph Heller), aber auch am Schlosspark Theater (u. a. Das Ende vom Lied von Willis Hall, Impromptu / Der Apollo von Bellac von Jean Giraudoux, Zweimal Montag von Arthur Miller, Der Tod von Bessie Smith von Edward Albee). Außerdem gehörte er zu der genialischen Schauspieljugend, die 1951–1956 im British Centre am Kurfürstendamm (im Mendelssohn-Bau am Lehniner Platz) unter ihrem Chef Ottokar Runze im feurigsten Verein auftrat – mit Martin Benrath, Wolfgang Spier und dem blutjungen Horst Buchholz. In der Schillertheater Werkstatt spielte er u. a. 1962 in den zwei Einaktern In den Windeln und Kindheit von Thornton Wilder, 1967 in dem Einakter Süßes Erwachen von Seán O’Casey und unter Runze 1969 eindringlich die Titelfigur in Ionescos Der neue Mieter.Programme 1955–1980 (Schillertheater, Schillertheater Werkstatt und Schlossparktheater) Nebenbei sprach er schon ab 1948 im Radiosender RIAS in Hörspielen und ab 1951 in der täglichen Morgensendung Jugend spricht zur Jugend, die sich an Jugendliche in der DDR wandte. Jahrelang wirkte er in der populären Hörfunk-Komödien-Serie Pension Spreewitz und der literarischen Serie Damals war’s – Geschichten aus dem alten Berlin im RIAS – die Hörspiele wurden damals nachts aufgenommen, um Hintergrundgeräusche zu vermeiden – und vielen anderen Hörfunkproduktionen mit.Rainer Stelle: Interview mit Klaus Herm vom 19. November 2015.
1970–1972 gastierte er als freier Schauspieler am Residenztheater München (u. a. in Der Kirschgarten). 1974–1979 war er nochmals am Berliner Schillertheater tätig. Legendär war hier sein Lucky in Warten auf Godot an der Seite von Stefan Wigger, Horst Bollmann, Carl Raddatz und Torsten Sense. Die 1975 am Berliner Schillertheater unter Regie des Autors Samuel Beckett entstandene Inszenierung wurde ein Welterfolg – mit Gastspielen in London, New York, Tel Aviv, Paris, Dublin und der Schweiz. Und die 1981 bei der Deutschen Grammophon veröffentlichte Schallplatte erhielt den Schallplattenpreis. Weitere Stationen waren 1979–1983 das Düsseldorfer Schauspielhaus (u. a. als eitler Gymnasialprofessor Gollwitz in Raub der Sabinerinnen), 1983–1986 die Bühnen der Stadt Bonn (u. a. als versponnener Elwood D. Dowd in Mein Freund Harvey) und parallel 1986–1990 das Residenztheater München (u. a. Professor Bernhardi von Arthur Schnitzler) sowie 1990 die Hamburger Kammerspiele (Elisabeth II. von Thomas Bernhard). Weitere Auslandsauftritte führten ihn nach Jugoslawien, Großbritannien (Aldwych Theatre in London mit der Schillertheater-Produktion Kabale und Liebe), Israel und in den USA.
mini|Das Grab von Klaus Herm auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend Ab 1961 konnte man ihn auch regelmäßig im Fernsehen sehen. Er drehte u. a. mit Eberhard Fechner (u. a. Geheimagenten), Rainer Erler (u. a. in Der Amateur in einer grandiosen Hauptrolle als Bankkassierer, nach dem Buch Tænk på et tal von Anders Bodelsen), Dieter Wedel (u. a. Alle Jahre wieder, Schwarz Rot Gold), Hartmut Griesmayr, Wolfgang Becker, Claus Peter Witt (Tod eines Schülers), Michael Günther (Streichquartett) und Franz Peter Wirth (Notenwechsel). Daneben konnte man ihn in zahlreichen Folgen der Reihen Tatort, Der Alte und Derrick sowie als Küster in Schwarz greift ein sehen; hier konnte er insbesondere bei 13 Derrick-Folgen in zahlreichen Hauptrollen als Charakterdarsteller brillieren – auch in der vielleicht besten aller Derrick-Folgen Kaffee mit Beate (Regie: Alfred Vohrer) wirkte er mit.
In der Liste der meistbeschäftigten Hörspielsprecher Deutschlands nimmt Klaus Herm mit 840 „Einsätzen“ eine Spitzenposition (Platz 4 hinter Matthias Ponnier, Jens Wawrczeck und Christian Brückner) ein. Die Zahl setzt sich zusammen aus 471 Einzelhörspielen, 150 Folgen Pension Spreewitz, 140 Folgen Damals war’s und 79 Folgen Professor van Dusen. Als Hutchinson Hatch in der oft wiederholten Hörspielserie Professor van Dusen, die RIAS Berlin (später: DeutschlandRadio Berlin bzw. Deutschlandfunk Kultur) in den Jahren 1978 bis 1999 produzierte, war er besonders erfolgreich und wurde einem breiten Publikum bekannt; viele dieser Fälle wurden damals als Tonkassetten produziert und die ersten 50 Fälle wurden bereits auf CD veröffentlicht.
Privates Klaus Herm war mit der Grafikerin Astrid Herm verheiratet. Sie hatten sich in den 1950er-Jahren kennengelernt, als Astrid als Graferikin in Bremen arbeitete. Astrid hatte sich sofort in seine Stimme verliebt, als sie ihn in der RIAS-Jugendsendung Jugend spricht zur Jugend hörte. Sie wohnten bis 1958 in der Ravensberger Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf und danach in Berlin-Westend, zuerst in der Reichssportfeldstraße 16 (ab 1997: Flatowallee), ab 1983 in der Olympischen Straße 10A und dann in der Olympischen Straße 12.Berliner Telefonbücher von 1980-2014
Klaus Herm starb im Mai 2014 im Alter von 89 Jahren in seiner Heimatstadt Berlin. Er fand seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Abt. II M-27).knerger.de: Das Grab von Klaus Herm
Filmografie (Auswahl) 1954: Der Froschkönig – als Page Peter 1955: Heldentum nach Ladenschluß – als Paul Bauer 1958: Scala – total verrückt – als Elektriker 1958: Impromptu (L'Impromptu de Paris, Theaterstück von Jean Giraudoux) – Aufzeichnung aus dem Schlossparktheater Berlin – als Schauspieler 1961: Die Pariser Komödie (Paris Comedy, Theaterstück von William Saroyan) (Fernsehfilm) – Aufzeichnung aus dem Schlossparktheater Berlin – als Warren Harding Hannaberry 1962: Nur Fleisch (Fernsehfilm nach Just Meat, Kurzgeschichte von Jack London) – als Jim 1963: Es war mir ein Vergnügen – als Kostümbildner 1963: Meine Frau Susanne (Fernsehserie) – Das Fotomodell (Folge 7) – als Fotograf Peter Wisch 1965: Heldentum nach Ladenschluss (Episode: Captain Fox) 1966: He Joe (von Samuel Beckett) – Hauptrolle als Joe 1967: Die Mission (Fernsehfilm nach dem Roman von Hans Habe) 1969: Der Versager (Fernsehfilm) – als Kreimeier 1970: Eli (Fernsehfilm) 1971: Augenzeugen müssen blind sein (Fernsehfilm) – als Charly Schaber 1972: Geheimagenten (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Gastwirt Erwin Kienruss 1972: Der Ritter von der traurigen Gestalt (Fernsehfilm) 1972: Der Amateur (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Bankkassierer Joachim Bork 1973: Nerze nachts am Straßenrand (Fernsehfilm) – als Ortspolizist Erich Regler 1973: Hamburg Transit (Fernsehserie, Episode 39) – Das Abenteuer – Hauptrolle als Kassierer Fritz Schäfer 1974: Der Kommissar (Fernsehserie, Episode 75) – Im Jagdhaus – als Buchhalter Barek 1974: Tatort: Eine totsichere Sache – als Herr Kunach 1974: Der kleine Doktor (Fernsehserie) – drei Folgen (Nr. 5, 9, 10) – als Kommissar Lucas 1975: Heiratskandidaten (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Lambert 1975: See-Leben (Fernsehfilm nach Werner Koch) – Hauptrolle als „Gast“ 1976: Alle Jahre wieder – Die Familie Semmeling – als Herr Kagel, Vertreter der Reisegesellschaft 1976: Warten auf Godot (Fernsehfilm) – Aufzeichnung aus dem Berliner Schillertheater – als Lucky 1976: Von Emma, Türkenpaul und Edwin mit der Geige (Fernsehfilm) 1976: Block 7 (Fernsehserie, 7 Folgen) – als Rodekurt 1976: Aus nichtigem Anlaß (Fernsehfilm) – als Herr Hoppe 1977: Tatort: Himmelblau mit Silberstreifen – als Erwin Seifert, Bruder des Ermordeten 1977: Geistertrio (Ghost Trio, von Samuel Beckett) 1978: Tatort: Trimmel hält ein Plädoyer – als zu Unrecht Verurteilter Johannes Hees 1978: Derrick – Kaffee mit Beate (Episode 46) – als Herr Pacha 1978: Der Führerschein (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Heinz Riehl 1979: Union der festen Hand 1. Teil (Fernsehfilm) – als Bilgenstock 1979: Tatort: Gefährliche Träume – als Kommissar Hinze vom Rauschgiftdezernat 1980: Ein Kapitel für sich (Fernseh-Miniserie, Folge 3) – als Pastor 1980: Das Traumhaus – als Bestattungsunternehmer 1980: Der Urlaub (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Heinz Riehl 1981: Tod eines Schülers (Fernseh-Miniserie) – 4 von 6 Folgen als Schulleiter Bernitz 1981: Derrick – Tod eines Italieners (Episode 84) – als Gustav Grabbe / Josef Grabbe 1981: Das Haus im Park (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Kommissar 1981: Streichquartett (Fernsehfilm) – Hauptrolle als Professor Dorn 1982: Derrick – Die Fahrt nach Lindau (Episode 93) – Hauptrolle als Mitarbeiter Wörner an der Seite von Klausjürgen Wussow 1982: Die Gartenlaube (Fernsehfilm) – als Alfred John 1982: Wenn wir verheiratet sind (When We Are Married, Theaterstück von John Boynton Priestley) (Fernsehfilm) 1982: Schwarz Rot Gold (Fernsehserie, Episode 2) – Alles in Butter – als Hinzmann 1983: Der Kunstfehler (Fernsehfilm) – als Bestattungsvertreter 1983: Wer raucht die Letzte? (Fernsehfilm) – Hauptrolle 1983: Das Traumschiff: Karibik – Hauptrolle als Dr. Masek (Episode: Kolumbus und Kabeljau) 1983: So oder so ist das Leben (Fernseh-Miniserie, Episode Kastagnetten) – als Baumann 1983: Polizeiinspektion 1 (Fernsehserie) – Hauptrolle als Peter Schmidt (Episode 63: Grenzfälle) 1984: Die Frau des Kommissars (Fernsehfilm) 1984: Der Lehrer und andere Schulgeschichten (Fernsehfilm, Episode „Die Sache mit Melanie“) 1984: Derrick – Stellen Sie sich vor, man hat Dr. Prestel erschossen (Episode 122) – als Herr Soskind 1985: Schöne Ferien – Urlaubsgeschichten aus Portugal (Fernsehreihe, Folge 4, Episode „Der Meckerer“) – als Friedrich Sperber 1985: Paulchen (Fernsehfilm) – als Bernhard Wollmann 1985: Geschichten aus der Heimat (Fernsehserie, Folge 7, Episode: „Die Kastanie“) – als Herr Rudolf 1985: Die Krimistunde (Fernsehserie, Folge 15, Episode: „Hüte und Schachteln“) – als Kommissar 1985: Die Schwarzwaldklinik (Fernsehserie) – Hilfe für einen Mörder (Episode 2) – als Reporter Ivo Schulze 1986: Polizeiinspektion 1 (Fernsehserie) – Dem Ende zu (Episode 98) – Hauptrolle als Korbinian Thomas 1986: Bankgeheimnisse (Fernsehfilm) – als Herr Gutbrodt 1986: Professor Bernhardi (Arthur Schnitzler) – Aufzeichnung aus dem Residenztheater München – als Prof. Cyprian 1986: Die Krimistunde (Fernsehserie, Folge 20, Episode: „Herrenabend“) 1986: Derrick – Der Augenzeuge (Episode 139) – Hauptrolle als Erich Schuster 1987: Derrick – Koldaus letzte Reise (Episode 156) – als Emil Miele 1988: Der Alte – (Folge 128: Um jeden Preis) – als Knut Plonzeff 1988: Das Traumauto (Fernsehfilm) – als Schorsch 1989: Derrick – Schrei in der Nacht (Episode 177) – als Herr Wossnitz 1989: Aufs Ganze (Fernsehfilm) – als Schorsch