Die Österreichische Fußballmeisterschaft 1968/69 wurde vom Österreichischen Fußball-Bund ausgerichtet. Als Unterbau zur Nationalliga dienten die Regionalligen Ost (Wien, Niederösterreich, Burgenland), Mitte (Oberösterreich, Steiermark, Kärnten) und West (Salzburg, Tirol, Vorarlberg). Als dritte Leistungsstufe fungierten die jeweiligen Landesligen der Bundesland-Verbände.
Erste Leistungsstufe – Nationalliga Allgemein In der Saison 1968/69 war die Wiener Austria im vierten Jahr unter Trainer Ernst Ocwirk eine Nummer für sich und konnte mit klarem Vorsprung österreichischer Meister werden. In 30 Runde gab es überhaupt nur eine einzige Niederlage, eine knappe 2:3-Heimniederlage in der 17. Runde am 7. März gegen den Linzer ASK (im so genannten „TV-Spiel“ am Freitag-Abend allerdings auf der Hohen Warte ausgetragen – und wegen des Fernsehens nur mit 700 Personen besucht). Der Titel wurde vorzeitig mit einem 4:1 über den FC Wacker Innsbruck (28. Runde am 8. Juni) fixiert. Ein Schlüsselspieler der Veilchen war Neuzugang Helmut Köglberger vom LASK, der mit 31 Toren Schützenkönig wurde. Als Österreichischer Meister konnte sich Austria für den Europacup der Landesmeister 1970 qualifizieren, Cupsieger Rapid durfte am Europacup der Cupsieger 1970 teilnehmen, Sport-Club und LASK vertraten Österreichs Fußball im Messestädte-Cup 1970. Rapid musste sogar in eine Vorrunde, in der nach einem Heim-0:0 gegen Torpedo Moskau (27. August) im Rückspiel (3. September) beim 1:1 im Lenin-Stadion ein Treffer von Helmut Redl in der 54. Spielminute zur Führung der Wiener die Auswärtstorregel griff. Doch am 1. Oktober schieden alle vier Klubs schon in der ersten Runde aus. Rapid verlor gegen PSV Eindhoven beide Matches (daheim 1:2, im Philips-Stadion 2:4), auch Meister Austria bezog gegen Dynamo Kiew zwei Niederlagen (Heim 1:2, im Kiewer Zentralstadion 1:3). Laut Zeitungsberichten waren der Austria die Grenzen aufgezeigt worden, zu Rapid wurde eine Aussage des Sportlichen Direktors Karl Rappan genannt, wonach sich die Mannschaft im Umbau befinde ("Arbeiterzeitung" vom 3. Oktober 1969, S. 16). Im Messestädtecup hatte der Wiener Sport-Club zwar das Heimspiel gegen Ruch Chorzów 4:2 gewonnen, musste dann aber im Ruchu-Stadion eine 1:4-Niederlage einstecken. Der LASK hatte gegen Sporting Lissabon nach dem Hinspiel-0:4 im Estádio José Alvalade bereits keine Chance mehr, verabschiedete sich mit einem Heim-2:2. Auf Grund der Klage der Nationalligavereine wegen ausbleibender Zuseher (Grund: die Fernseh-Übertragungen) wurden Zahlen veröffentlicht: Demnach erhält jeder Nationalligaverein vom ORF durchschnittlich 160.000 Schilling (wobei die tatsächlichen Anteile der einzelnen Klubs je nach Übertragung sehr unterschiedlich sind). In der Deutschen Bundesliga werden von den Radio- und Fernsehanstalten jedem Klub 90.000 Deutsche Mark (ca. 600.000 Schilling) honoriert. Eine am 13. Dezember in Kapfenberg abgehaltene Bundesvorstandssitzung des ÖFB brachte nicht die erwartete Erhöhung der zugelassenen Ausländerzahl von zwei auf drei, wobei als Grund genannt wurde, dass kein konkreter Antrag vorgelegen sei; eine Neuerung gab es dahingehend, dass der Teamchef nun bereits 14 Tage vor einem Ländermatch den Nationalkader in einem Trainingslager zusammenfassen durfte.
Nur zwei Absteiger Auf Grund eines Beschlusses des ÖFB-Bundesvorstandes vom 14. Juli 1967, brauchten im Hinblick auf eine Aufstockung der Nationalliga ab 1969/70 auf 16 Vereine nur zwei Klubs abzusteigen, aber alle drei Meister der Regionalligen durften aufsteigen.«Ab Fußballsaison 1969/70 Nationalliga mit 16 Klubs!»; «Kärntner Tageszeitung» Nr. 158 vom 15. Juli 1967, S. 15, rechts oben
Neueinführung der Tordifferenz und Vornominierung von 14 Spielern auf dem Spielbericht Wie in vielen anderen Ländern, führte auch der Österreichische Fußballbund für alle seine Ligen die Tordifferenz anstelle der bisherigen Methode des Torverhältnisses für die Reihung in den Tabellen für den Fall ein, wenn zwei oder mehrere Teams dieselbe Punktezahl erreicht hatten; bei gleicher Tordifferenz galt die höhere Anzahl der erzielten Tore. Da seit 1967/68 die Einwechslung von zwei Ersatzspielern erlaubt war, wurde außerdem beschlossen, dass ab 15. Oktober in den Spielberichten 14 Spieler vornominiert werden durften.
Rapid Wien mit interimistischen Trainer Da Rudolf Vytlačil sich einer schon länger geplanten Venenoperation unterziehen musste, zu der er sich am 13. November ins Allgemeine Krankenhaus in Wien begab, übernahm Karl Decker für die Zeit seiner Abwesenheit das Traineramt bei Rapid Wien und konnte in dieser Zeit im Achtelfinale des Europacups der Meister Real Madrid dank der Auswärtstorregel (am 20. November in Wien 1:0, am 4. Dezember in Madrid 1:2) ausschalten.
Schiedsrichterteam tödlich verunglückt Das als so genanntes »TV-Match« am Freitagabend, 27. September 1968, benannte Spiel der 6. Runde zwischen dem Linzer ASK und dem FC Wacker Innsbruck hätte von Schiedsrichter Eduard Babauczek aus Wien geleitet werden sollen. Da der Referee mit seinem Team aber nicht eintraf, wurde der als Zuseher anwesende Linzer Spitzenreferee Erich Linemayr (mit Einverständnis beider Klubs) gebeten, die Spielleitung zu übernehmen, das Spiel begann mit 25-minütiger Verspätung und brachte einen 4:2-Sieg des LASK. Erst Stunden später (und damit für die große Sportöffentlichkeit erst am Samstagmorgen) wurde bekannt, dass Babauczek auf der Anreise mit dem eigenen PKW in einen Unfall verwickelt war, als er in Krahof (offensichtlich von der tiefstehenden Sonne geblendet) auf einen LKW-Zug auffuhr. Die mitgefahrene Ehegattin von Babauczek, Elfriede, kam sofort ums Leben, Schiedsrichter Babauczek und Linienrichter Emmerich Rau verstarben in der Nacht im Krankenhaus Amstetten, der zweite Linienrichter Wilhelm Koldert (selbst ein ehemaliger Nationalliga-Referee) erlag am 30. September seinen Verletzungen. – Babauszek (Jahrgang 1925) war seit 1949 Referee, davon seit 1954 in der höchsten österreichischen Spielklasse (damals als "Staatsliga A" bzw. – nach Wegfall der zusätzlich geführten "Staatsliga B" – als "Staatsliga", ab 1965/66 als "Nationalliga" bezeichnet) eingesetzt gewesen und stand seit 1964 auf der FIFA-Liste; er war Spielleiter von 50 internationale Begegnungen, davon 3 Länderspielen, gewesen. Am 1. Oktober hätte er das Messestädtecup-Match Argesul Pitesti (ROM) gegen Leixoes Porto leiten sollen. Die entstandene Lücke wurde mit der Nachberufung der Herren Artner, Adolf Mathias und Werner Spiegl geschlossen.
Causa Johann Eigenstiller Der Spieler von Wacker Innsbruck wollte in der Sommertransferzeit 1968 zu Rapid Wien wechseln: Es schien auch vorerst alles klar zu gehen und der Spieler übersiedelte nach Wien. Doch am 5. bzw. 6. August kam die Meldung, dass der Übertritt nicht zustande kommt. Eigenstiller, der sich bei Innsbruck abgemeldet hatte, nahm eine "Stehzeit" (Karenzzeit) in Kauf. Problematisch und etwas kurios war die Tatsache, dass er ein Spieler des österreichischen Nationalteams war – und Trainer Leopold Šťastný (er kannte Eigenstiller auch schon aus seiner Zeit, als er selbst Innsbruck trainiert hatte) wollte auf Eigenstiller nicht verzichten und setzte ihn unbeschadet dieses Umstandes ein. Eigenstiller hatte zwar durch den ÖFB die Sondergenehmigung erhalten, hinsichtlich dieser Konstellation trotzdem bei Rapid Wien mittrainieren zu dürfen. Offiziell wurde er in den Matchberichten des Nationalteams aber als Innsbruck-Spieler ausgewiesen. Am 9. Oktober einigten sich Innsbruck und Rapid darauf, dass Eigenstiller ab Jänner 1969 für Rapid spielen durfte, worauf Eigenstiller die restlichen Herbstspiele (erstmals am 20. Oktober beim 2:0-Auswärtssieg der Innsbrucker bei Donawitz) für die Tiroler absolvierte.
Weitere Saisongeschehnisse Beim Spiel von Austria Klagenfurt gegen Admira-Energie am 20. Oktober (3:1) setzten die Gäste unerlaubterweise drei Ersatzspieler ein: Vorerst war Tormann Johann Draxelmayer verletzt ausgefallen, so dass für ihn Zweitkeeper Dragomir Vukicevic ins Tor ging – danach wurden noch zwei Feldspieler gewechselt. Dies war nicht einmal dem Spielleiter Paul Schiller, eigentlich ein Spitzenreferee, aufgefallen. Logische Folge war eine 3:0-Verifizierung für die Kärntner, jedoch hatte es sonst keine Konsequenzen für Admira, denn die Meisterschaftsbestimmungen lauteten derart, dass nur bei Nichtantreten oder verschuldetem Spielabbruch zusätzlich noch eine Schlechterreihung in der Tabelle erfolgt. Die Wieder-Einführung einer «Staatsliga B» (eine immer wieder gestellte Forderung, die sogar von Teamchef Leopold Šťastný angeregt worden war) hatte nach einer Vorstandssitzung des ÖFB vom 28. Februar keine Chance auf Verwirklichung. Demgegenüber wurden zwei andere Anliegen von Šťastný aufgegriffen: Eine Enquete zur Verbesserung des Trainerwesens noch im Frühjahr und eine bindende jährliche sportärztliche Untersuchung auch im Profibereich. Ende Mai war in Oberösterreich eine Paratyphus-Epidemie ausgebrochen, was zu Absagen und Spielverschiebungen führte. Der LASK wollte vorerst sein für 31. Mai anberaumtes Match gegen Kapfenberg in Salzburg spielen,»Der LASK will in Salzburg spielen«; «Volkszeitung Kärnten» vom 5. Juni 1969, S. 7, Spalte 3, Mitte doch wurde dieses auf den 18. Juni verschoben. In der Regionalliga Mitte waren es das Steyrer Stadt-Derby Vorwärts gegen Amateure am 31. Mai und SVS Linz gegen Bruck/Mur am 1. Juni, während Meister VÖEST Linz seine Begegnung gegen Kapfenberg am 1. Juni in Liezen austrug.
Statistisches Die Auslosung erfolgte am 24. Juni. Der Meisterschaftsstart war am Wochenende 17./18. August (tatsächlich spielte Austria Wien gegen den Wiener Sport-Club schon am 16. August/Ergebnis 2:1) und der Herbstabschluss zum 14./15. Dezember terminisiert, wobei das "große Wiener Derby" erst in der letzten Runde aufschien. Da es mit 15 Teams eine ungerade Teilnehmerzahl gab, waren 15 Runden erforderlich, in denen jeweils eine Mannschaft spielfrei war. Nach der am 12./13. April gespielten 22. Runde gab es eine mehr als zweiwöchige Meisterschaftspause, da sich die Nationalmannschaft auf eine "Mittelmeer-Tournee" begab: Vorerst wurde am 19. April das bedeutungslos gewordene Weltmeisterschafts-Qualifikationsspiel in Nikosia gegen Zypern 2:1 gewonnen, danach gab es zwei Freundschaftsspiele: Am 23. April im Municipalstadion Ramat Gan ein 1:1-Unentschieden gegen die israelische und am 27. April im Gzira-Stadion von La Valletta einen 3:1-Sieg gegen die maltesische Nationalmannschaft. Am 30. April/1. Mai (also während der Woche) wurde mit der 23. Runde fortgesetzt.