Möhlin (schweizerdeutsch: jünger , älter ) ist eine Einwohnergemeinde im Schweizer Kanton Aargau. Sie gehört zum Bezirk Rheinfelden, liegt im Westen der Region Fricktal am Hochrhein und grenzt an Deutschland sowie an den Kanton Basel-Landschaft. Die mit fast 19 km² flächenmässig fünftgrösste Gemeinde des Kantons gehört zur Agglomeration der Stadt Basel.

Geographie

Lage mini|links|Möhliner Feld mini|links|Gut ausgebildete Endmoräne im Nordosten von Möhlin Die Gemeinde liegt 19 km östlich von Basel in einer fruchtbaren Lössebene am Ausgang des Möhlintals. Sie besteht aus den Ortsteilen Obermöhlin, Untermöhlin und Riburg. Diese Ortsteile sind vollständig zusammengewachsen und erstrecken sich auf einer Länge von dreieinhalb Kilometern dem Möhlinbach entlang. Dem Ufer des Rheins entlang erstrecken sich ausgedehnte Wälder. Dort befand sich einst eine Siedlung mit dem Namen Rappertshäusern, die im 17. Jahrhundert aufgegeben wurde und heute überwachsen ist.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1048, Swisstopo.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1880 Hektaren, davon sind 688 Hektaren bewaldet und 362 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf auf dem Gipfel des Sonnenbergs, der tiefste auf am Rhein. Nachbargemeinden sind Wallbach im Nordosten, Zeiningen im Osten, Maisprach im Süden, Magden im Südwesten und Rheinfelden im Westen. Im Norden grenzt Möhlin an die deutschen Gemeinden Schwörstadt und Wehr auf der gegenüberliegenden Seite des Rheins.

Natur und Landschaft Der grösste Teil des Gemeindegebiets besteht aus dem Möhliner Feld. Dabei handelt es sich um eine mächtige Endmoräne, die während der Riss-Eiszeit vor rund 140'000 Jahren entstand und den nordwestlichsten Punkt der alpinen Vergletscherung bildete. Bedingt durch die Erosion entstand eine erhöht liegende ausgedehnte Ebene, die bei Obermöhlin vom Möhlintal durchschnitten wird und an den Rändern bis zu 50 Meter abfällt. Das Möhliner Feld gilt als «Kornkammer» des Fricktals. Ganz im Süden geht es in den Sonnenberg () über, einen Ausläufer des Tafeljuras. Über seinen Gipfel und direkt am Aussichtsturm vorbei verläuft der Fricktaler Höhenweg, eine rund 60 km lange Wanderroute.

In Möhlin gibt es mehrere Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung. Im Nordosten des Gemeindegebietes inmitten des grossen Möhliner Forstes liegt der Breitsee, ein Torfmoor. Während der letzten Eiszeit entstand an diesem Ort eine Mulde, in der sich während Jahrtausenden Verwitterungsstaub ablagerte. Dadurch bildete sich eine meterdicke wasserundurchlässige Schicht. In der Zeit von 3000 bis 1000 v. Chr. begann die Torfbildung. Wegen der Torfschicht erscheint das Wasser des Breitsees ungewohnt dunkel. Der Breitsee ist von einem Bruchwald mit Birken und Schwarzerlen umgeben. Im Gebiet Breitsee wachsen über 140 Pflanzenarten. Häufig zu beobachtende Tierarten sind u. a. Zwergtaucher, Teichhuhn, Reiherente, Baumfalke oder Schwarzspecht. Im Frühjahr und Herbst wird der Breitsee gerne von Zugvögeln als Rastplatz genutzt.

mini|Naturschutzgebiet Breitsee Im Norden von Möhlin befindet sich unmittelbar am Rhein das Naturschutzgebiet Haumättli. Dieses Auengebiet von nationaler Bedeutung liegt im Staubereich des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt. Im unteren Uferbereich wachsen vor allem Schilf und Röhricht, etwas höher gelegen Erlen und Weiden. Die alten Eschen, die sich oberhalb des Ufers befinden, dienen verschiedenen Vogelarten als Nist- und Brutraum. Zu den Bewohnern des Haumättlis zählen u. a. Rohrammer, Eisvogel, Fledermaus und Biber.

Auf den letzten 500 Metern vor seiner Mündung in den Rhein durchfliesst der Möhlinbach die Bachtele. Das unter Naturschutz stehende Auengebiet bietet zahlreichen Vögeln, Amphibien, Reptilien und Insekten Lebensraum. Im Tal der Bachtele herrschen zudem besondere klimatische Verhältnisse. Es ist weitgehend windgeschützt, feucht und wirkt wie ein Wärmespeicher. Im Sommer herrscht hier oft ein annähernd tropisches Klima. So erstaunt es nicht, dass sich auch die Vegetation diesen klimatischen Verhältnissen angepasst hat.

In den ausgedehnten Waldgebieten Unter- und Oberforst sowie im Waldreservat Sunneberg häufig anzutreffende Säugetiere sind u. a. Reh, Wildschwein, Rotfuchs, Stein- und Baummarder, Eichhörnchen, Igel, Feldhase; seltener Dachs, Iltis, Maulwurf und Siebenschläfer. Vereinzelt wurden auch schon Luchs, Waschbär und Gämse gesichtet. Seit 1970 ist auch der Weissstorch wieder heimisch. Er ist heute kaum mehr aus dem Ortsbild von Möhlin wegzudenken. In der Storchenstation im Ortsteil Riburg gibt es rund ein Dutzend Horste, auf welche die Storchenpaare alljährlich zurückkehren und dort ihre Brut aufziehen.

Klima In der Rheinebene zwischen Basel und Möhlin herrscht dank günstiger Einflüsse ein mildes Klima. Dieses wird massgeblich durch den Durchfluss mediterraner Luft aus dem Rhonetal durch die Burgundische Pforte bestimmt. Insbesondere im Winter bildet sich in Möhlin zudem eine Wetterscheide. Hier sorgt der Möhlin-Jet dafür, dass sich selbst bei geringer Windstärke der Nebel mit Hilfe von Südwestwinden aus dem Burgund auflöst. Aufgrund dieser Faktoren und aufgrund der tieferen Lage in der Ebene zwischen Jura und Schwarzwald verzeichnet Möhlin höhere Temperaturen und bis zu 40 Sonnentage mehr als das Mittelland. So mass der private Wetterdienst Meteomedia in Möhlin am 5. August 2003 mit 40,3 °C einen Hitzerekord für diese Gegend.

Geschichte 1983 kamen bei Ausgrabungen bei Riburg die Fundamente eines römischen Gutshofes zum Vorschein. Er war in der Mitte des 1. Jahrhunderts errichtet worden, war 70 × 30 m gross und verfügte über eine Hypokaustenheizung. Allerdings wurden keine Einrichtungsgegenstände gefunden. Entlang des Rheins – genauer auf dem Sporn des Bürkli, im Fahrgraben und in den Unteren Wehren – standen drei römische Wachttürme, die ab 370 die nördliche Grenze des Imperiums bewachten. Insbesondere das Kastell Bürkli an der Mündung des Möhlinbachs ist noch gut zu erkennen.

Im Jahr 794 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung von Melina. Der Ortsname stammt von der alteuropäischen Flussbezeichnung Malina, die «anschwellendes Wasser» bedeutet. Zu dieser Zeit befanden sich mehrere Weiler auf dem heutigen Gemeindegebiet, die später zusammengewachsen sind und das heutige Möhlin bilden (Ober- und Unterhof Meli, Ober- und Untermöhlin, Stadelbach, Riburg und Niederriburg). Möhlin ist damit rund zwei Jahrhunderte älter als das benachbarte Städtchen Rheinfelden. Die Möhliner Kirche St. Leodegar unterstand der Deutschordenskommende Beuggen, und so mussten die Zehnten an den dort domizilierten Deutschen Orden abgeliefert werden.

Landesherren waren zunächst die Grafen von Homberg-Tierstein, ab 1232 die Habsburger. Diese verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Möhlin 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Nach der Reichsreform des österreichischen Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Möhlin zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Möhlinbach, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden (ab 1752 im Oberamt Breisgau).

mini|Historisches Luftbild von Werner Friedli von 1965 Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Bei der Belagerung Rheinfeldens plünderten schwedische Truppen das am Rheinufer gelegene Dorf Rappertshäusern und zerstörten es. Um diese Zeit wurde das Dorf endgültig verlassen. Es existieren zwei ähnliche Sagen, die das Aussterben auf die Pest zurückführen. Der gesamte Gemeindebann von Rappertshäusern fiel zunächst an Rheinfelden und wurde gegen einen Teil von Riburg getauscht. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region. 1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskriegs verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Möhlin eine Gemeinde im Distrikt Rheinfelden des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. Februar 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau.

Im Jahr 1840 versuchten die Bewohner von Riburg, ihren Ortsteil von Möhlin wieder abzutrennen. Sie argumentierten, schon seit jeher eine eigenständige Gemeinde zu sein, obwohl sich dies nicht urkundlich belegen liess. Der Kanton lehnte dies ab, auch weil Riburg als eigenständige Gemeinde angeblich finanziell nicht hätte überleben können. Mit der Gründung der Saline Riburg setzte 1848 die Industrialisierung ein, die sich mit der Eröffnung der Bözbergbahn am 2. August 1875 noch verstärkte. 1932 wurde die Bata-Schuhfabrik eröffnet. Die von Alusuisse verursachten Schäden durch Fluor führten im Juni 1958 zum Demonstrationszug von über 5000 Teilnehmern und vielen direkt betroffenen Bauern. Eine Petition an den Bundesrat verlangte im auch in Saxon und Rheinfelden (D) geführten «Fluorkrieg» die sofortige Stilllegung der offenen Aluminiumöfen. Mit der Suburbanisierung wurde Möhlin in die Agglomeration Basel einbezogen. Seit Beginn der 1980er Jahre ist ein starkes Wachstum der Einwohnerzahl zu verzeichnen.

Folgen des Kulturkampfes Das Erste Vatikanische Konzil unter Papst Pius IX. verkündete im Sommer 1870 ein Lehrdokument über den katholischen Glauben, den päpstlichen Jurisdiktionsprimat und erhob die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes definitiv zum Dogma. Dies führte vielerorts zu ablehnenden Reaktionen – so geschehen auch in Möhlin. Im Zuge des Kulturkampfes in der Schweiz beschloss die Möhliner Kirchgemeindeversammlung im Dezember 1872 in einer historischen Abstimmung, die neuen Dogmen nicht anzunehmen, worauf es zur Kirchenspaltung und zur Gründung der Christkatholischen Kirche kam. In der Folge ging auch die Kirche St. Leodegar – damals das einzige Kirchengebäude in Möhlin – in den Besitz der neu gegründeten Gemeinde über. In den 1940er Jahren wurden schliesslich eine römisch-katholische und eine evangelisch-reformierte Kirche gebaut.

Heute ist die Christkatholische Kirche im Ort zwar die kleinste der drei Landeskirchen; mit rund 1'000 Mitgliedern leben in Möhlin aber mehr Christkatholiken als in jedem anderen Ort der Schweiz. Auch der sechste Bischof der Christkatholischen Kirche der Schweiz, Fritz-René Müller, stammt aus Möhlin. In Möhlin wird seit jeher grosser Wert auf die Ökumene gelegt. Der Poststempel trägt Möhlins Titel «Dorf der drei Kirchen» denn auch in alle Welt. Die drei Landeskirchen, die in Möhlin je ein eigenes Gotteshaus haben, arbeiten in einem ökumenischen Arbeitskreis zusammen und bieten immer wieder gemeinsame Veranstaltungen und Gottesdienste an. Nebst den drei Kirchengebäuden stehen in Möhlin auch zwei Kapellen: Die Fridolinskapelle im Ortsteil Riburg und die Wendolinskapelle im Ortsteil Obermöhlin.

Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot gelbe Korngarbe, belegt mit blauer Sichel mit schwarzem Griff.» Auf dem Gemeindesiegel von 1811 ist eine Garbe abgebildet, allerdings noch ohne Sichel. Diese erschien erstmals 1926, war aber weiss mit rotem Griff. Die kantonale Wappenkommission empfahl eine blaue Sichel, die dann 1958 aufgenommen wurde. Der Ortsteil Riburg besitzt darüber hinaus ein eigenes Wappen. Dieses zeigt in Rot auf gelbem Grund einen gelben Heuhaufen, aus dem Sense, Heugabel und Rechen ragen.

Bevölkerung Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010 2020 Einwohner 1102 1940 2209 2858 3830 4681 6003 6360 7125 8297 10'025 11'088