Gutenswegen ist ein Ortsteil der Einheitsgemeinde Niedere Börde im Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt.

Geographie Gutenswegen liegt etwa 15 Kilometer westlich von der Landeshauptstadt Magdeburg, in der Nähe des Mittellandkanals und etwa 70 Meter über Normalnull. Der Ortsteil hat rund 750 Einwohner. Gutenswegen liegt im Südwesten der Einheitsgemeinde Niedere Börde. Die Landschaft um Gutenswegen ist wenig bewaldet und besteht überwiegend aus hügligen Feldern. Dennoch gibt es im Süden der Ortschaft ein geschütztes „Laubmischwald-Quellgebiet“.

Der Ort wird durch den Übergang von der Hohen Börde zum Urstromtal der Elbe geprägt. Um Gutenswegen sind Höhenunterschiede von bis zu 70 Metern zu erkennen, innerhalb des Ortes sind auch große Höhenunterschiede zu sehen. Der Boden in dieser Region ist mit Bodenwertzahlen von bis zu 100 und einem pH-Wert bei etwa 7 sehr fruchtbar.

Im Uhrzeigersinn liegen um Gutenswegen die Orte: Norden: Vahldorf Osten: Groß Ammensleben, Klein Ammensleben Süden: Gersdorf, Hermsdorf, Groß Santersleben Westen: Ackendorf, Glüsig

Geschichte mini|Dorfkirche St. Katharina mini|Ehemalige Gaststätte aus dem 19. Jahrhundert Gutenswegen wurde urkundlich erstmals im Jahre 937 unter dem Namen Uuuatanesuueg erwähnt.Friedrich Israël und Walter Möllenberg: Urkundenbuch des Erzstifts Magdeburg Teil 1 (937–1192). Magdeburg 1937, S. 2 f. 1937 fand eine Feier zum 1000-jähriges Bestehen statt. Der Ort ist die älteste Ansiedlung in der Umgebung. Das Dorf wurde von Kaiser Otto I. dem Moritzkloster zu Magdeburg geschenkt. König Heinrich II. setzte 1012 Gero aus dem Geschlecht der Grafen von Gutenswegen gegen den Willen des Domkapitels als Erzbischof ein. Später fiel die Herrschaft an die Grafen von Walbeck.

Die ältesten Höfe im Ort liegen nahe dem Kirchenberg. Erkenntnisse über die Besiedlungsgeschichte der Ortschaft gibt es nicht. Der obere Teil des Kirchenberges bildete zunächst eine Baubegrenzung, woraus sich der Name „Vor dem Tore“ bildete. Im östlichen Teil von Gutenswegen siedelten sich die ärmeren Bauern an, dem heutigen Hosenbein. Den Dreißigjährigen Krieg überstand der Ort relativ gut im Gegensatz zu anderen Orten. Doch 1689 und 1781 wurde Gutenswegen von zwei großen Bränden schwer zerstört. 1855 suchte die Cholera die Ortschaft heim.

1820 und 1836 wurden die Felder durch die Separation neu aufgeteilt. Es entstanden große Hofwirtschaften. Im 19. Jahrhundert setzte in Gutenswegen die Industrialisierung ein. Der Ort begann dadurch zu wachsen. Vom Kirchenberg aus gesehen wurde Gutenswegen nach Nordosten hin weiter bebaut. Nach 1855 wurden die ersten Häuser am Groß Ammensleber- und Vahldorfer Weg erbaut. Nach 1900 entstanden die ersten Häuser „Vor dem Tore“ und nach dem Ersten Weltkrieg begann die Bebauung am Ackendorfer Weg.

1936 trainierte die italienische Nationalmannschaft in Gutenswegen, vorwiegend in der Badeanstalt, für die Olympischen Spiele in Berlin.

Seit 1955 ist Gutenswegen Karnevalshochburg mit eigenem Rosenmontagsumzug im Raum des ehemaligen Ohrekreises und mit mehreren Hundert Besuchern jährlich weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt.

1985–1988 konnte Gutenswegen an das zentrale Wasserversorgungsnetz angeschlossen werden. Nach der Wende musste die Landwirtschaft umstrukturiert werden. Die LPG Tierproduktion als größter Arbeitgeber im Ort wurde aufgelöst.

Gutenswegen wurde am 1. Januar 2004 durch den freiwilligen Zusammenschluss mit sieben weiteren Gemeinden in die neugebildete Einheitsgemeinde Niedere Börde eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Davor gehörte sie der Verwaltungsgemeinschaft Niedere Börde an, die am 1. Januar 1994 gegründet und am 1. Januar 2004 aufgelöst wurde.

Ortsname Erwähnt wurde (nach landläufiger Meinung) 937 Gutenswegen erstmals unter dem Namen Wuatanesweg, doch er änderte oft seine Schreibweise. Nach allgemeiner Auffassung wissenschaftlicher Kreise ist Gutenswegen mit dem Ort (evtl. aus Urkunden "W, w" als "Uu bzw. uu" oder später "V" interpretiert) Uuuatanesuueg identisch, der in der am 21. September 937 in Magdeburg auf König Otto I. ausgestellten Urkunde erstmals genannt wird. Ab 941 hieß der Ort [W?]Vodeneswege, ab 973 [W?]Vodensweg, ab 1231 Wodensweg, ab 1300 Wodenswegen, ab 1382 hieß er Gudenswegen, im 15. Jahrhundert wird von einem Schreiber "ein collegium in Gudonswege" vermerkt und seit 1785 heißt er Gutenswegen. Der Name wird von Historikern und Namenforschern auf den höchsten germanischen Gott Wotan zurückgeführt. Sein Heiligtum soll bis zur Christianisierung in der Umgebung gelegen haben.

Politik Ortsbürgermeister mini|hochkant|Gemeindehaus Gutenswegen mit Kita-Eingang (Villa Riecke) Ortsbürgermeister des Ortes ist Andreas Leonhardt.

Ortschaftsrat Der Rat besteht aus 5 Ratsmitgliedern. CDU 3 Sitze Freie Wählergemeinschaft 2 Sitze (Stand: Kommunalwahl vom 7. Juni 2009)

Wappen Das Wappen wurde am 19. Februar 1937 durch den Oberpräsidenten der Provinz Sachsen verliehen und am 25. März 1996 vom Regierungspräsidium Magdeburg bestätigt.

Das Wappen wurde von dem Magdeburger Staatsarchivrat Otto Korn gestaltet.Aus den Wappengenehmigungsunterlagen im Landeshauptarchiv Magdeburg

Kultur und Sehenswürdigkeiten Freizeit und Sport Vereine In Gutenswegen haben einige Vereine ihren Sitz. Unter anderem der Gauseberger Karnevalverein „Rot/Weiß“ Gutenswegen e. V., der Gesangsverein „Deutscher Sinn von 1862“, der Kultur- und Heimatverein, der Kleingartenverein, der Förderverein für die Kirche, der Ortschronist, der Sportverein, die Volkssolidarität und die Freiwillige Feuerwehr, welche in Gutenswegen schon 1892 gegründet wurde. mini|Feuerwehrhaus Gutenswegen

Freizeit Bolzplatz Spielplatz

Sport SV Gutenswegen/Klein Ammensleben (Fußball, Tischtennis, Volleyball) SV Kali Wolmirstedt (Leichtathletik)

Regelmäßige Veranstaltungen Seit 1955 ist Gutenswegen die Karnevalshochburg im Raum des ehemaligen Ohrekreises. Am 11.11. um 11:11 Uhr beginnt die Karnevalssaison und geht mit einer Pause bis Ende Januar oder Anfang Februar weiter. Dort folgt der traditionelle Fackelumzug vom Gauseberg bis zum Dorfplatz und zurück. Am Dorfplatz werden vor dem Feuerwehrhaus die Fahnen des Karnevalvereins gehisst. Die feierliche Prinzenkrönung mit einem Prinzenpaar, das jedes Jahr neu gewählt wird, findet im Karnevalshaus statt. Für Rentner gibt es die Rentnerkarnevalsfeier. In der darauffolgenden Woche findet der Kostümball ebenfalls im Karnevalshaus statt, genauso wie der Kinderkarneval und der am Abend stattfindende Rot-Weiß-Ball. Am Rosenmontag wird der Rosenmontagsumzug von Groß Ammensleben nach Gutenswegen veranstaltet. Mit mehreren Hundert Besuchern und über 30 Umzugswagen ist der Umzug der Höhepunkt der Saison und die größte Veranstaltung im Ort. Nach dem Umzug ist die Festmeile in der Teerstraße geöffnet. Der Aschermittwoch ist der Abschluss der Karnevalssaison. Am 30. April wird am Sportplatz ein Maifeuer von der Freiwilligen Feuerwehr Gutenswegen veranstaltet, welches aus Holz besteht, das von den Anwohnern angehäuft wird. Es wird dort in den Mai hinein gefeiert. Das Fest der Kita Villa Kunterbunt, ehemalig Gänseblümchenfest, wird jährlich Mitte Juni in der Kindertagesstätte „Villa Kunterbunt“, vorher Kindertagesstätte „Gänseblümchen“, gefeiert. Anfang September findet das Radwegfest auf dem Radweg Gutenswegen–Groß Ammensleben statt. Eine feste Tradition wurde das Oktoberfest der Vereine welches Ende September/Anfang Oktober gefeiert wird. Mit dem Faßbieranstich beginnt somit ein feierliches Wochenende, welches in kleiner Anlehnung an das Münchner Oktoberfest zelebriert wird. Das Winzerfest wird im Oktober gefeiert und ist vom Gesangsverein „Deutscher Sinn von 1862“ veranstaltet. Vereinsübergreifend ist der traditionelle Weihnachtsmarkt auf dem Dorfplatz, welcher im Dezember stattfindet.

Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Kirchturm der Dorfkirche mini|links|Teil der Dorfmauer Im Süden des Dorfes befindet sich die auf einem Hügel die Dorfkirche „St. Katharina“ (Patronat beim Stift St. Sebastian in Magdeburg), welche eine flachgedeckte Saalkirche mit Apsis ist. Die ältesten Teile der Kirche stammen aus dem Ende des 12. Jahrhunderts, erstmals erwähnt wurde sie erst 1322 durch den Pfarrer Gebhard. Andere Teile, wie der romanische Westquerturm, kamen später im 13. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert dazu. Das Kirchenschiff wurde 1771 umfassend umgebaut, 1888 wurde die Halbrundapsis angebaut und die Kirche von innen künstlerisch angemalt. Aus dieser Zeit stammen auch der Altar, das Kruzifix, der Taufständer, die Kanzel, das Lesepult und Nummerntafeln, seinerzeit angefertigt in der Werkstatt des Holzbildhauers Gustav Kuntzsch, Wernigerode.Soproni Múzeum, Sopron (Ungarn), Invent.-Nr, S. 2425 E 251 (Storno könyvtár): Gustav Kuntzsch Mappe, nicht paginiert. In einem halleschen Museum befinden sich fünf wertvolle Holzfiguren aus der Gutensweger Kirche.

In der Nachkriegszeit und in der Zeit der DDR verfiel der Kirchenbau beständig. Die Kirchengemeinde hatte sinkende Mitgliederzahlen. Der Orkan Quimburga Mitte November 1972 brachte das Dach der Kirche zum Einsturz. Aus Mitteln des Pfarrhausverkaufs wurden 1992 das Dach des Schiffes und des Turmes erneuert. Der Turm der Kirche erhielt die nach Vorlage des Originals (von 1888) von Ulrich Behns aus Klein Ammensleben neu gefertigte Wetterfahne wieder. Sie stellt „Georg der Drachentöter“ zu Pferde mit Lanze bei seinem namensgebenden Tun dar. Entworfen wurde die Wetterfahne vom als Brockenmaler bekannt gewordenen Adolf Rettelbusch.

Bis 2003 wurde die Kirche beständig saniert. Dabei wurden ein auf den Wänden des Kirchenschiffes aufgelegter Ringanker gesetzt, der Außenputz des Kirchenschiffes erneuert, der Dachstuhl des Schiffes incl. der Apsis als Nagelplattenbinderkonstruktion neu erstellt und mit Biberschwanzziegeln gedeckt sowie neue bleiverglaste Fenster eingesetzt.

Der Boden sowie die Gewölbe im Turm wurden in Eigeninitiative erneuert. Daher können wieder Gottesdienste und Konzerte stattfinden. Trotzdem ist die Kirche vom Verfall bedroht. Die Westseite des Turmes, insbesondere die Verfugung, war lange noch lädiert, bis sie 2010 dann teilweise durch Neuverfugung im Bereich der oberen zwei Drittel gesichert wurde. Hierbei wurden auch zwei Nisthöhlen in die Turmfassade eingefügt. Zudem gab es neue Schallluken und ein neues Zifferblatt für die Uhr.

mini|Fachwerkhaus am Kirchenberg, Inschrift: „WER GOTT VERTRAUT HAT WOLGEBAUT – BIS HIER HAT MICH DER HERRE GEHOLFEN“ Die etwa 2 Meter hohe Dorfmauer von Gutenswegen, die den Ort früher schützte, ist heute noch an vielen Stellen auf erheblicher Länge sichtbar, unter anderem am Gänseberg. Einige Abschnitte wurden durch die Eigentümer der hinterliegenden Grundstücke liebevoll restauriert.

Südlich der Ortschaft gibt es ein Flächenhaftes Naturdenkmal, das „Laubmischwald-Quellgebiet“. Hauptsächlich gibt es dort Rotbuchen und Eschen. Im Süden und Westen des Gebietes befinden sich zwei Quellen. Die Krautschicht beinhaltet seltene Pflanzenarten, z. B. das Große Zweiblatt oder die Breitblättrige Stendelwurz. Entlang des Bachtälchens haben sich ein Röhricht und eine Ruderalvegetation gebildet. Da solche Feuchtgebiete und natürliche Quellbereiche nur noch selten in Deutschland, vor allem in der Magdeburger Börde, anzutreffen sind, wurde dieses Gebiet geschützt.